Piemont zwischen Welterbe-Weinbergen und altem Italien - Reiseblog

Piemont – Zwischen Welterbe-Weinbergen und altem Italien

Im Piemont führt jeder Weg unweigerlich durch die Küche

Unsere Reise ins Piemont, in dieses noch immer unvertraute Stück Italien, führt uns ins Herz des Weins – und in eine Genussregion, aus der man wohl ein paar Kilo mehr mitbringt. Meine Liste mit Essensempfehlungen habe ich zur Hand. Ich müsste dreimal am Tag essen gehen, um sie annähernd abzuarbeiten. In der Langhe, dem Hügelland um Alba und Asti, ist die regionale Kochtradition die berühmteste. 

Piemont Barolo Weinberge
Vorspeisen-Klassiker vom Fassona-Rind
Vorspeisen-Klassiker vom Fassona-Rind, unten im Restaurant Le Torri

 

Wir kommen gerade aus dem Valle Maira in den Westalpen – was für ein Szenenwechsel! Vor uns endlos ausrollende Hügelketten im typischen Nebeldunst der Langhe, und auf fast jeder Kuppe streckt sich weithin sichtbar ein Torre oder Castello in den Himmel. Weinstöcke ziehen sich in Reihen hinauf, so akkurat wie mit dem Lineal gezogen. Man sieht sich nicht satt.  (Zum Wanderbericht  > Valle Maira und Valle Varaita).

 

Der September ist ein idealer Monat. Die großen Ferien sind vorbei, die Trüffelsaison hat noch nicht begonnen, die Hoteliers sind entspannt, die Restaurants nicht überlaufen, und es kann noch richtig warme Tage geben. Sicher ist: Im Piemont kann man kaum schlecht essen, und dabei wird das Portemonnaie sogar geschont. Die Auswahl ist groß, und das Essen wird überall gefeiert. Es gibt Weinfeste, das Käse- und Salsiccia-Fest, ein Haselnussfest, ein Bollito-Misto-Fest, die Trüffelmesse und Slow-Food-Märkte …

 

Ausblick von Castiglione Falletto
Ausblick von Castiglione Falletto

 

Hier, südöstlich von Turin, zwischen den Hügeln von Monferrato, Roero und Langhe, wirken Mensch und Natur seit Jahrhunderten Hand in Hand. So entstand eine der wohl ausgeprägtesten Kulturlandschaften Italiens: Eine UNESCO-geschützte Weinlandschaft von unvergleichlicher Ästhetik. 

 

Dahinter erstreckt sich die flache Poebene, wo der Carnaroli-Reis, der „König des Risottos“ angebaut wird, in einer Landschaft karierter Reisfelder, die im Frühjahr wie ein spiegelndes Meer erscheinen und im Herbst goldgelb leuchten. Sie bildet das größte Reisanbaugebiet Europas. Hier erleben wir, wie der Carnaroli-Reis zur Kunst veredelt wird.

 

Weindorf Barbaresco
Das Weindorf Barbaresco
Reisfelder in der Poebene
Reisfelder in der Poebene
Fahrt durch die Poebene
Kloster Lucedio in der Poebene bei Vercelli

 

Irgendwie scheint das Piemont den berühmten Italien-Reisenden des 18. und 19. Jahrhunderts entgangen zu sein. Weder Goethe noch Heine, Byron oder Dickens fanden hierher. Selbst Goethe, der große Weinliebhaber und Genussmensch hat das Piemont nie betreten. Abseits der klassischen Bildungsrouten und der großen Touristenströme hat sich das Piemont seinen ursprünglichen Charme bewahrt. Seine „Unbekanntheit“ ist zugleich der Reiz: Wer hierherkommt, spürt noch ein Stück altes Italien – und für Massentourismus fehlen gottlob die Betten.

 

Dörfer Barolo und La Morra
Über Barolo, dem berühmtesten Weindorf, wacht La Morra
Dorf Monforte d'Alba in Piemont
Monforte d'Alba

 

Unser Quartier schlagen wir inmitten der Kulturlandschaft des Barolo auf – ein idealer Ausgangspunkt für Genusstouren durch die Weinberge und für Abstecher nach Alba, Asti und in die Slow-Food-Stadt Bra. Um uns herum nichts als stimmungsvolle, mittelalterliche Dörfer: Barolo, La Morra, Novello, Castiglione Falletto, Monforte d’Alba und Serralunga d’Alba. Von ihren Aussichtsbalkonen zeigt sich bei klarer Sicht ein fast unwirklich wirkendes Bild, ein fantastisches Bergpanorama, allen voran die mächtige Felspyramide des fast 4000 Meter hohen Monviso in den westlichen Cottischen Alpen – eine echte Landmarke des Piemont.

 

Monviso Blick Piemont
Der Monviso zeigt sich über Novello
 

Einmal Piemont zum Probieren, bitte!


Aus jeder Piemont-Reise wird unweigerlich eine kulinarische Reise. In der Küche Piemonts schöpft man aus der regionalen Vielfalt. Hier wird traditionell und gehaltvoll gekocht. Das Einfache hat Gewicht, aber auch Raffinesse – mit oder ohne Trüffel.

 Agnolotti del Plin
Agnolotti del Plin
Vitello Tonato & Insalata Russa
Vitello Tonnato & Insalata Russa

 

Jede Spezialität wird mit größter Sorgfalt serviert. Ein Highlight sind die Tajarin, leuchtend gelb, geschmeidig und bissfest – für die dünnen Nudeln werden bis zu 30 Eigelbe pro Kilo Mehl verwendet. Agnolotti del Plin sind kleine, hauchdünne Teigkissen, die mit Fleisch gefüllt zusammengezwickt (plin) werden, und manchmal werden sie „al tovagliolo“, also in einer Serviette, ohne Soße serviert. Die Gnocchi al Castelmagno werden von einer cremigen Sauce mit dem 'König der piemontesischen Käse' umschmeichelt. Die feine Kalbfleischwurst Salsiccia di Bra schmeckt sogar roh, während die Battuta di Fassona (Carne cruda), das piemontesische Tatar vom Fassona-Rind, butterzart auf der Zunge zergeht. Typisch sind außerdem Vitello Tonnato, rosa gegartes Kalbfleisch in cremiger Thunfischsauce, und Barolo-Braten. Zur Trüffelsaison ist das pochierte Uovo al Tartufo mit Trüffel ein Muss. Carpione, die piemontesische Version des marinierten „Saor“, reicht von Fisch über Fleisch bis hin zu Gemüse. Die Insalata Russa, ein cremiger Kartoffelsalat mit Karotten, Erbsen und Mayonnaise, wird manchmal mit Sardellen, Kapern oder Thunfisch verfeinert. Risotto-Liebhaber können den eleganten Risotto allo Zafferano oder die herzhaften Panissa Vercellese aus der Reishauptstadt Vercelli mit Bohnen, Salami, Speck und Barbera probieren. Der beste Gorgonzola kommt aus Novara aus der Po-Region. Süße Freuden sind der traditionelle Bunet, eine Art Crème Caramel mit Kakao und Amaretti, die samtige Zabaione, die ihre Heimat im Piemont hat, sowie das unwiderstehliche zart schmelzende Nuss-Nougat von Gianduia

Fassona-Rinder: Uralt und unvergleichlich zart

Weiße Rinder 'Fassona Piemontese'
Weiße starke Riesen 'Fassona Piemontese'

In den piemontesischen Westalpen sind uns die weißen, starken Fassona-Rinder überall begegnet, wie sie stoisch grasen. Sie existieren seit Ende der Steinzeit und sind heute wohl die älteste Rinderrasse – eine Kreuzung aus europäischen Auerochsen und asiatischen Zebu-Buckelrindern, die vermutlich aus dem heutigen Pakistan in die Gegend des Piemonts gelangten. Die gezielte Zucht begann jedoch erst vor gut 130 Jahren, als man die außergewöhnlich starke Muskelbildung und das magere Fleisch mit feiner, seidiger Faser entdeckte. Ausgedehnte Weidehaltung sorgt seither für höchste Qualität.

 

Serviert wird das „Fassona Piemontese“ gern als Battuta di Fassona, das unbedingt von Hand gehackt werden muss. Ein Rindertatar, das leicht pfeffrig, mit einem Hauch von Süße dahinschmilzt. Daneben findet man es als Carpaccio, Vitello Tonnato, Tagliata oder langsam im Barolo geschmort auf der Speisekarte. 

Carne Crudo Piemont
Zwiebeln, Senf oder Mayo würden diesem Fleisch nur schaden.

Novello lädt zum Bleiben ein

Ein Lieblingsort ist Novello, ruhig und überschaubar. Über dem Dorf wacht der zentrale Torre und versprüht mittelalterlichen Flair. Steinhäuser, enge Gassen und gepflegte Plätze prägen das Ortsbild. Vom Belvedere aus hat man einen herrlichen Ausblick und kann in der Weinbar oder im Restaurant Platz nehmen. Novello ist zwar nicht so berühmt wie Barolo, La Morra oder Neive, die Ziele vieler Weinreisender, bietet aber ebenso großartige Panoramen und eine entspannte, authentische Atmosphäre.

 

Außerdem hat Novello seine eigenen Schätze: die familiengeführte Osteria Angolo di Rosina und den Nascetta di Novello – eine autochthone Weißweinsorte, die von einigen leidenschaftlichen Winzern wiederbelebt wurde. Die Bewohner leben hier hauptsächlich vom Weinanbau. In der sympathischen Cantina Comunale Novello  können die Weine verkostet und gekauft werden. Dort wird man auch sehr freundlich beraten.  

 

 

Das L'Angolo di Rosina in Novello ist so ein Lieblingsrestaurant, in das man wiederholt einkehrt. Die Atmosphäre ist heiter und familiär, die Terrasse ist ein herrlicher Ort für einen lauen Septemberabend. Aus der Küche kommen fein abgestimmte Klassiker der Langhe, aber auch Fisch und Lamm, ergänzt durch eine täglich wechselnde kleine Karte. Besonders: die Frittura von Steinpilzen in der Papiertüte serviert, oder die kleinen Tintenfische in Sud mit krosser Polenta. Dazu die guten lokalen Weine: Le Strette Pasinot Nebbiolo d’Alba Superiore und den weißen Nascetta von den Cantine San Silvestro. Achtung: Montag & Dienstag Ruhetag. Die Familie vermietet auch Zimmer im Ort (Booking* B&B l'Angolo di Rosina).

(Klick Fotos für Bildtext)

 

Unterkunftstipps in Novello

Meine Schwester war zuvor in Novello. Sie schwärmte vom Ort zum Essen und Übernachten. Gefallen hat ihr das Abbazia delle Sorelle (Booking.com*). Es gibt eine kleine Terrasse mit Pool und einen kostenlosen Parkplatz. Besonders schön ist das Frühstück auf der Terrasse mit Aussicht.

 

Auch die Locanda Rosso di Sera (Booking.com*) ist eine gute Wahl. Das Landhaus liegt in den Weinbergen, 4,5 km von Novello und 5 km von Barolo entfernt. Es bietet Gästezimmer, Garten, Pool und ein Restaurant. Gelobt wird das gute Frühstück.

Hotel Abbazia delle Sorelle in Novello
Abbazia delle Sorelle in Novello
Locanda Rosso di Sera Novello
Locanda Rosso di Sera bei Novello

Wer wie wir mit dem Camper unterwegs ist, wird den wunderschön gelegenen Campingplatz 'Camping Sole Langhe' unweit von Novello und Barolo nur ungern wieder verlassen. Zwischen Haselnusssträuchern auf Terrassen gelegen, schenkt der Van-Bereich Ausblicke auf die Weinberge. Ab September durften Campinggäste den Pool des angeschlossenen Landhotels Ca' San Ponzio (sehr gemütlich) sogar kostenlos nutzen. 

  •  Top: Von hier aus geht es direkt auf die Wanderwege durch die Weinberge: nach Barolo, La Morra oder nach Novello zum Essen auf der Terrasse des L'Angolo di Rosina (heißer Tipp!). Man geht, teils bergan, ca. 50 min bis Novello, zurück geht's schneller (abends Licht mitnehmen).
  • Ein Restaurant-Tipp direkt in Vergne: Das nur fünf Minuten Fußweg entfernte 'Buon Padre' macht hervorragende Tajarin-Pasta. 

Infos Camping Sole Langhe: Naturnaher Platz zwischen Weinbergen mit guten Sanitäranlagen. Lage auf Google Maps, Tel: +390173560510. In der Hochsaison empfiehlt sich eine Vorab-Buchung. In der Nebensaison (September) genügte es, den Anreisetag anzugeben – danach konnten wir bleiben, so lange wir wollten und sogar den Pool des angeschlossenen Landhotels kostenlos nutzen. 

  • Das Landhotel Cà San Ponzio mit Pool wird auf Booking.com* angeboten (Bilder unten).
Landhotel Cà San Ponzio, Barolo
Landhotel Cà San Ponzio
Pool vom Hotel Cà San Ponzio
Pool vom Hotel Cà San Ponzio

 

Nicht weit entfernt begeistert ein weiteres Restaurant: Le Torri in Castiglione FallettoEs ist ein Tick feiner – und das zu einem ausgezeichneten Preis. Die Aussicht von der Terrasse, das tolle Ambiente, das hervorragende Essen, der Wein und das sehr nette Personal – ein Gesamterlebnis, wie man es sich im Piemont vorstellt. Die Speisekarte bietet eine interessante Abwechslung zu den piemontesischen Klassikern: z.B. Kaninchen mit Feigen und Foie Gras-Sauce, Kakao-Ravioli mit Blu di Bufala Käse und Birnen, gegrillte Kalbszunge mit Kartoffelcreme und BBQ-Sauce. La Trippa, die besten Kalbskutteln, die ich bisher gegessen habe, auch toll, die Gnocchi mit Pulpo. Die Karte wechselt regelmäßig und macht jeden Besuch spannend. Unser Wein: Boroli, Langhe 1661 Chardonnay aus Castiglione Falletto.

Restaurant: Le Torri in Castiglione Falletto
Abends auf der Terrasse im Le Torri
 Tartar Restaurant Le Torri in Castiglione Falletto
Butterzart Battuta di Fassona
Restaurant Le Torri in Castiglione Falletto
Gnocchi mit Pulpo

Nehmt euch vorher noch Zeit für einen Spaziergang durch das reizvolle Dorf und genießt die Aussicht von Castiglione Falletto. Lage und Bewertungen auf Google Maps.

Castiglione Falletto Piemont
Castiglione Falletto

Meine Reiseführer Empfehlungen:

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Pasta e basta! Kochbuch Frank Buchholz

Pasta e basta!

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Alba: Märkte, Feste & Highlights

Die "Hunderttürmige" hat nur noch drei Türme, was Albas Stadtbild jedoch nicht beeinträchtigt. Der mittelalterliche Domplatz mit Rathaus, umliegenden Palazzi, Türmen ist außergewöhnlich schön und nicht zu verfehlen. Holt euch einen Stadtplan im Tourismusbüro direkt am Platz.

 Zentrale Piazza Risorgimento in Alba
Zentrale Piazza Risorgimento in Alba

 

Am Samstag, dem großen Markttag (6–13 Uhr) füllt sich Alba mit Leben – zwischen duftendem Käse, Obst und Kleidern drängen sich Einheimische und Touristen durch die Gassen; neben Spezialitäten reihen sich Stände mit Kleidung, Haushaltswaren und Kleinkram – wobei kaum Platz bleibt, die historischen Fassaden zu genießen. Ruhiger geht es beim kleinen Donnerstagmarkt auf der Piazza Cagnasso zu, wo auch das Parken leichter fällt. Gerne würde ich ja mal beim "Esel-Palio" (Palio degli Asini) in Alba dabei sein. Beim humorvollen Gegenstück zum Pferdepalio von Asti treten die neun Stadtbezirke in historischen Kostümen auf störrischen Eseln gegeneinander an – mit großer Mittelalter-Parade, immer am ersten Sonntag im Oktober. 

 

Als Einkehr bieten sich das La Piola an, das einen wunderbaren Abend verspricht: herzlich, gemütlich, mit einer gelungenen Mischung aus Tradition und Moderne – ein Tipp vom FEINSCHMECKER Magazin. Dazu kommen die Osteria dell'Arco, wo man seit 40 Jahren piemontesische Küche nach Slow-Food-Philosophie serviert – und die Osteria dei Sognatori, urig, voll und laut mit ehrlicher piemontesischer Küche als festem Menü.

Das Piazza Duomo im Herzen von Alba ist das kulinarische Flaggschiff des Piemonts. Enrico Crippa, der bereits 2012 seinen dritten Michelin-Stern erhielt, kocht nur mittags!

 

Das Highlight des Jahres in Alba ist die „Fiera Internazionale del Tartufo Bianco d’Alba” (Oktober–November): Sobald die Trüffel erscheinen, wird gehobelt, was das Zeug hält, und Liebhaber aus aller Welt strömen herbei.

 

Wenn ganz Piemont nach Trüffeln duftet

Alba Trüffel
Der Alba Trüffel

Schon Pharao Chufu schätzte die Trüffel bei Festmählern und in der Antike glaubte man, Trüffel entstünden durch Blitzschlag. Im Piemont dreht sich im Herbst alles um die legendären weißen Trüffel aus Alba. In der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober beginnt offiziell die Trüffelsuche, das sogenannte „Trüffel-Neujahr“, mit dem der Start der Saison gefeiert wird. Von Oktober bis Dezember herrscht Hochbetrieb: Die Fiera Internazionale del Tartufo Bianco d’Alba lockt an den Wochenenden Feinschmecker aus aller Welt an. Auf dem Markt geht es lebhaft zu, Trüffel werden gewogen, begutachtet und verkauft – ein 30-Gramm-Albatrüffel kann leicht 300 Euro kosten. Zusätzlich gibt es Kochvorführungen, Verkostungen und Weinproben.

 

Weiße Trüffel verströmen ihr unverwechselbar intensives Aroma, wenn sie hauchdünn über Pasta, Risotto oder die als bestmögliche Art, über ein weich gekochtes Eier gehobelt werden. Der schwarze Sommer-Trüffel schmeckt fader und eignet sich besser zum Kochen. Einige Trüffelsucher sind davon überzeugt, dass ihre Hunde „geheime Lieblingsplätze“ haben, die seit Generationen von Hund zu Hund weitergegeben werden. Findige Trüffelsucher können in der Saison mehrere zehntausend Euro verdienen – steuerfrei!

 

Gut zu wissen: Die weißen Trüffel tauchen ab Anfang Oktober auf den Tellern auf, Hochsaison ist von Ende Oktober bis Anfang Dezember – danach wird frischer Albatrüffel rar. Kauftipp: Nur die Frischen kaufen, sie sind fest und intensiv duftend.

Alba Trüffel
Für den weißen Alba Trüffel zahlt man zwischen 4.000 € - 5.000 €/kg

 

Das Nougat hat seine Wurzeln im Piemont und entstand aus reinem Not

 

Als Napoleon die Seewege in der Karibik blockierte und Kakao knapp wurde, streckte man diesen mit gerösteten, gemahlenen Haselnüssen. So entstand die köstliche Nougatcreme. Viele Familien verkaufen ihre Haselnüsse an Ferrero in Alba, den größten Arbeitgeber der Region. Geerntet wird die aromatische Nocciola Piemonte, die als die beste der Welt gilt, im Juli und August: Man wartet, bis sie zu Boden gefallen ist, und sammelt sie rasch ein, bevor sie feucht werden. Das intensive, süße und niemals bittere Aroma verdankt diese Haselnüsse dem besonderen Terroir. Übrigens hieß Nutella bis 1964 noch Supercrema. Und die „echte Piemont-Kirsche“ von Ferrero war nur eine Marketingidee für 'Mon Chéri' in den 1990er Jahren und kommt hier nicht vor.

 

Einkauf-Tipp: Nuss-Nougat-Cremes (Crema di Nocciole) mit 45% Nussanteil und mehr (Nutella nur 13%) oder reine Haselnuss-Paste gibt es in Agriturismo-Betrieben oder im gut sortierten Supermarkt. 

Mein Tipp: Bra, die charmante Slow-Food-Hauptstadt

Bra Slow-Food-Hauptstadt
Rathaus in Bra Piemont
Rathaus von Bra

Die sympathische Kleinstadt Bra gefällt uns. Abgesehen vom guten Essen gibt es keine großen Highlights. Bra steht noch nicht auf jedem Reiseplan. Gourmets wissen jedoch Bescheid: Wir sind in der Stadt der „Slow-Food“-Bewegung, die hier 1986 ins Leben gerufen wurde. Gerade findet BRA'S Festival della Salsiccia statt, ein lebendiges Volksfest mit Musik, Marktständen und Essen im Freien, das von den Italienern mit der ganzen Familie besucht wird. Auf den Plätzen der Stadt kann man Spezialitäten, Käse, Brot, Wein und Bier und vor allem die Salsiccia di Bra probieren. Aus fein gehacktem, gewürztem Kalbfleisch wird sie täglich frisch zubereitet und meist roh auf Brot gegessen oder kurz angebraten. Viele Macellerie sind seit Generationen auf die Salsiccia di Bra spezialisiert. Sie entstand im 19. Jahrhundert, als Metzger von Bra auf königliche Erlaubnis hin Rindfleisch statt Schwein verwendeten durften – aus Rücksicht auf die jüdische Gemeinde.

 

Zum gleichen Termin im September lockt die bekannte 'Cheese' Käsemesse von Bra. Zum Thema „Essen im Film“ lädt im April das Kurzfilmfestival Corte in Bra ein.

Festival della Salsiccia in Bra
Sympathisches Festival della Salsiccia in Bra

Tipps in der Stadt Bra

  • Lo Sfizio di Panetteria Pasticceria - das beste Brot und gefüllte Foccacia > Google Maps.
  • Giolito Formaggio Bra – der Ort für Käseliebhaber, nicht nur in Bra. Besonders: der „Manicomio“-Käse, eine geheime, süchtig machende Mischung, würzig und süß mit Gorgonzola verfeinert > Google Maps.
  • Die Enoteca Sardo mit prall gefüllten Regalen ist ein guter Ort, um piemontesische Weine zu entdecken. 

 

Mein Restaurant-Tipp: Osteria Murivecchi: Eine Osteria, bei der alles stimmt. Mit kleiner Weinlaub-Pergola und gemütlichem Gastraum, am Rande der Altstadt > Google Maps. Zur Mittagszeit nur Italiener, die Küche ist perfekt, schlicht und gut: Tajarin und ein superleichten Frittura vom Kabeljau (Fotos unten).

 

Die beliebte Osteria del Boccondivino ist das offizielle Slow-Food-Restaurant in Bra und wurde mit dem „Bib Gourmand” von Michelin ausgezeichnet. Besonders köstlich: die Tajarin mit 40 Eigelb, faire Preise, Google Maps.

Slow-Food Osteria del Boccondivino in Bra
Slow-Foods Osteria del Boccondivino in Bra

Hoch oben in La Morra

La Morra liegt auf einem der höchsten Punkte des Barolo-Gebiets und zieht viele Besucher an, die von der großen Terrasse den Blick über die Weinberge der Langhe und über Barolo und sein Castello genießen. Im Ortskern herrscht mehr Betrieb als in anderen Dörfern, doch hat La Morra seinen dörflichen Charakter bewahrt mit Weinbars, kleinen Restaurants und Feinkost-Geschäften. Eine bewährte Adresse ist die Osteria Veglio. Von der Terrasse aus eröffnet sich eine fantastische Aussicht, während die Küche piemontesische Tradition mit elegant-modernem Stil verbindet – hier werden auch Fischgerichte serviert!

La Morra Terrasse
Die Aussicht von La Morra
Die Aussicht von La Morra

"Der Landküche verfallen"

Im Piemont wird traditionell gehaltvoll und geschmackvoll gekocht. In vielen  Agriturismo oder Azienda Agricola wird ein festes Abendmenü serviert, dazu der eigene Wein. Ein üppiges Festmahl, das man einmal erlebt haben muss: wenn die Köchin mit dampfenden Schüsseln erscheint und freundlich zum Nachschlag drängt. Dieser Versuchung erliegt man nur einmal  – nach verschiedenen Antipasti gab's erstmal zwei Primi, Tajarin und Gnocchi, noch vor dem Hauptgang, sodass ich mich am Ende des Abends kaum noch vom Tisch erheben konnte. Bauernhöfe haben oft nur am Wochenende geöffnet – und verlangen eine vorheriger Reservierung.

Typischer Agriturismo "Pianbosco" Piemont
Typischer Agriturismo "Pianbosco"

 

Hier sind drei Empfehlungen für Agriturismo mit Piemont-Landküche (alle mit Stellplätzen für Camper):

  • Agriturismo Pianbosco – Typischer Bauernhof in der Langhe mit eigener Cantina. Die Weine sind ausgezeichnet (Nebbiolo und Chardonnay) – leckere Hausmannskost mit Nachschlag.

  • GranCollina Cantina-Agriturismo – ein professionell geführter Familienbetrieb, der Wein vom eigenen Gut und Fassone-Rindfleisch aus eigener Zucht anbietet. Um 18 Uhr beginnt die Weinprobe, gefolgt von einem ausgezeichneten Abendmenü in der stilvoll umgebauten Scheune oder in der gemütlichen alten Stube. Im Hofladen gibt es Fleisch, Eier, Konfitüren, Haselnusscreme und mehr zu kaufen. Gästezimmer stehen zur Verfügung. Lage: zwischen Alba und Asti. (Fotos: GranCollina, siehe unten)

Das Piemont schenkt großzügig ein!

Im Piemont kann man sich wunderbar in die lokalen Weine „einarbeiten“, ohne ein Vermögen auszugeben. Die relativ günstigen Flaschenpreise in den Restaurants haben uns verblüfft. Zu Hause kaum vorstellbar ist diese geschätzte piemontesische Gepflogenheit: Die Weine wird fast zum Ladenpreis serviert!

 

Die Flaggschiffe der nur hier beheimateten Nebbiolo-Traube sind die kostspieligeren Barolo und Barbaresco. Der Langhe Nebbiolo ist die preiswerte Barolo-Schwester. Barbera d’Asti und Barbera d’Alba bieten eine große Bandbreite: saftige, rotfruchtige Allrounder, die aber auch gern ins Barrique gehen. Dolcetto d’Alba und Dolcetto di Dogliani sind Piemonts fruchtige Alltagsweine mit dunkler Beerenfrucht. Beide, Barbera und Dolcetto, sind ebenfalls autochthone Rebsorten.

Die Nebbiolo-Traube ist nach dem italienischen 'nebbia' (Nebel) benannt und spielt auf den charakteristischen Herbstnebel zur Lesezeit an. In der Bar Enoteca Sardo in Bra erwarten einen gut gefüllte Regale voller Wein-Entdeckungen.

Enoteca Sardo in Bra
Enoteca Sardo in Bra

Eine Entdeckung im Barolo-Land – die Weißweine!

Überrascht haben uns aber die autochthonen Weißweine aus dem Piemont: Arneis aus dem Roero ist frisch, fruchtig und blumig, Timorasso aus der Provinz Alessandria, ein würziger Weißwein mit lebendiger Säure und guter Lagerfähigkeit. Besonders spannend war die Entdeckung des Nascetta, einer fast vergessenen weißen Rebsorte, die praktisch nur noch in Novello von wenigen engagierten Winzern angebaut wird. Der Wein ist strohgelb, verströmt komplexe, delikate Aromen und zeigt eine feine Balance aus Frucht und Frische. Wie der Timorasso erlebt auch er gerade eine kleine Renaissance.

 

Für Prickelndes im Glas sorgt der aromatische, süße, aber frische Moscato d’Asti – nicht zu verwechseln mit dem Asti Spumante, dem klassischen italienischen Festtagssekt. Und schließlich Alta Langa, der piemontesische 'Champagner'. Zum Abschluss gibt es natürlich Grappa aus dem Piemont – etwa von der Distillerie Berta, die international für ihre hochwertigen Brände bekannt ist, oder von Bocchino, einem Pionier der Grappa-Produktion. Bocchino war 1898 die erste Destillerie Italiens, die Grappa aus nur einer Traubensorte, dem Moscato d’Asti, herstellte. 

Weinverkostung in Piemont. Am einfachsten lassen sich die Weine direkt in der Cantina Comunale des jeweiligen Weindorfs probieren, meist mit kleinen Verkostungen .Spitzenweingüter verlangen Voranmeldung und sind oft nur für Kunden zugänglich. In Agriturismo-Betrieben und bei Azienda Agricola werden durchaus hochwertige Weine hergestellt, und Besuche sind meist unkompliziert. Einige moderne oder weintourismus-orientierte Weingüter wie Fontanafredda, G.D. Vajra oder Vietti bieten Online-Buchungssysteme. 

 

Wir besuchen zwei klangvolle Namen der Weinwelt Piemonts: das historische Weingut Fontanafredda in Serralunga d'Alba und den UNESCO-Keller von Gancia in Canelli, den Erfinder des italienischen Schaumweins.

Weingut Fontanafredda

Vorzeige-Weingut Fontanafredda

Ob man wegen der Geschichte, der Architektur oder des Weins kommt – das Weingut Fontanafredda bietet ein piemontesisches Erlebnis, das in Erinnerung bleibt. Besonders eindrucksvoll bei einer Führung!

"Cantine Storiche" Weingut Fontanafredda in Serralunga d'Alba
In der "Cantine Storiche"
Anwesen Fontanafredda in Serralunga d'Alba
Anwesen Fontanafredda

Das Weingut Fontanafredda in Serralunga d'Alba hat Dorfcharakter und ist ein wunderschönes Anwesen. 1858 kaufte Vittorio Emanuele II., der erste König Italiens, das Anwesen Fontanafredda als ein Geschenk für seine Geliebte "La Bela Rosina". Kleine Anekdoten aus dem Leben des Königs werden bei der Führung lebendig: Nach opulenten Festmälern musste sich seine Gäste auf die Waage stellen – ein Wettstreit darum, wer am meisten zugelegt hat. Durch einen Geheimgang schlich sich der König nachts in die Hügel der Langhe zu seinen Kumpels und jungen Mädchen.

Weinkeller Fontanafredda in Serralunga d'Alba
Die Weinkeller und im Hinterhaus wohnen die Angestellten
Sterne-Restaurant Guido Weingut Fontanafredda
Die ehemalige Villa Reale beherbergt heute das Sterne-Restaurant Guido

 

Das Anwesen diente als Jagdschloss, bevor der König hier den Grundstein für die Weinproduktion legte. 1878 füllte Emanuele Alberto, sein ältester Sohn aus dieser Beziehung, die erste Flasche Barolo ab in den historischen Kellern von Fontanafredda, den heutigen „Cantine Storiche“. Schon beim Betreten beeindruckt die Dimension des Gewölbes mit den riesigen alten Eichenfässern. In ihnen reifen die Barolo-Weine nach traditioneller Methode – der Barolo Riserva davon drei im Fass und zwei in der Flasche. Jedes fasst genug Wein für 180.000 Flaschen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass die Vorderseite konkav geformt ist – nötig, um dem Innendruck des Weins standzuhalten. Ein Fass dieser Größe kostet heute rund 40.000 Euro, ist im Schnitt etwa 70 Jahre im Einsatz und wird alle zehn Jahre gereinigt. Ein faszinierendes technisches Relikt und 1887 eine echte Innovation sind die ersten Betonfässer Europas („Botti di Cemento“), mit denen Fontanafredda die Gärtemperatur präzise kontrolliert – und die bis heute funktionieren.

Historischer Weinkeller Fontanafredda

2008 übernahm Eataly-Gründer Oscar Farinetti das Gut und brachte es nach 77 Jahren zurück in piemontesischen Besitz. Mit den historischen Kellern von Fontanafredda und Mirafiore wurde es zu einem der größten Bio-Weingüter der Region. Heute entstehen hier jährlich rund acht Millionen Flaschen – vom Barolo Serralunga d’Alba, dem Flaggschiff, bis zum Derthona Timorasso, unserem Favoriten unter den Weißen.

Bar Fontana im Weingut Fontanafredda
Bar Fontana

Das Fontanafredda Anwesen bezeichnet sich als 'Villaggio Narrante', ein erzählendes Dorf, in dem 250 Menschen leben und arbeiten.

  • Das "Dorf" kann auch ohne Anmeldung besucht werden: Man spaziert hindurch, verweilt bei einem Glas Wein an der Bar Fontana, probiert handgemachte Agnolotti in der Osteria DisGuido oder stöbert im Weinladen. Das Sterne-Restaurant Guido residiert in der ehemaligen Villa Reale.
  • In den einst königlichen Häusern kann man heute übernachten – im Le Case dei Conti Mirafiore* oder im Foresteria delle Vigne* (*mit Bewertungen auf Booking.com).
  • Führungen durch die historischen Keller mit drei Verkostungsoptionen sind über die Webseite villaggionarrante.it buchbar und dauern von 1,5 bis 2 Stunden.

In den Kathedralen des Schaumweins in Canelli

Besuch in den Kellern von Gancia, dem Erfinder des italienischen Schaumweins.

Wir sind in Canelli, der Hauptstadt des italienischen Schaumweins. Hier erfand Carlo Gancia vor rund 160 Jahren den ersten italienischen Schaumwein nach der klassischen Champagnermethode. Gancia reiste nach Reims, um die Geheimnisse der französischen Champagnerherstellung zu lernen, und brachte dieses Wissen ins Piemont zurück. 1865 füllte er aus Moscato-Trauben den ersten „Spumante Italiano“ nach traditioneller Flaschengärung ab – der Vorläufer des späteren Asti Spumante.

Unter der ganzen Stadt zieht sich ein verzweigtes Netz aus Tunneln und Gewölben – tief in den Kalktuff gehauen, über Jahrzehnte von verschiedenen Weinhäusern angelegt. In diesen unterirdischen Kathedralen des Weins, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, ruhen über eine Million Flaschen still und geduldig. Ein Teil dieses dunklen Labyrinths von rund 13 Kilometern führt durch die Casa Gancia. Die Keller, das Hausmuseum, alles scheint seit Generationen unverändert. Ein Stück Designgeschichte und großartig sind die historischen Werbeplakate aus 170 Jahren Gancia. Schade, dass sie nicht als Poster erhältlich sind – sie hätten sicher viele Fans. Auf einem Wimpel aus dem Jahr 1970 haben sich die Spieler von Juventus Turin verewigt. Über dem Raum hängt noch das Schild „Polveriera“ (Pulvermagazin) – eine humorvolle Anspielung aus jener turbulenten Zeit, als die Experimente von Carlo Gancia von so mancher kleiner Explosion begleitet wurden. 

Gancia stellt ein überraschend breites Sortiment an Schaumweinen und Aperitifs für jeden Anlass her: von einfach-fruchtig für den Alltag bis hin zu hochwertig-elegant und lang gereift. Dazu gehören Asti Spumante, Alta Langa Metodo Classico, Moscato d'Asti und Prosecco DOC. Wenig bekannt: Gancia gehörte in den 1850er Jahren zu den Pionieren des Vermouths und erfand den ersten klassischen Vermouth-Bianco-Stil – ein Symbol italienischer Aperitifkultur. Das Familienrezept wird bis heute streng gehütet.

 

Angetan hat mich der Moscato d’Asti – leicht perlend, süß und erstaunlich frisch, mit Aromen von Pfirsich, Aprikose und einem Hauch Zitrus. Ein Aperitif, den die Freundinnen lieben werden. Eine Kiste wandert gleich mit, zusammen mit dem Vermouth im coolen Retro-Design.

  • Kontakte für Führungen durch die „Kathedralen des Weins“ von Canelli: Cantina Bosca, Cantina Contratto, Cantina Coppo und Cantina Gancia.

Durch einsame Reisfelder zum “König des Risotto”

Kloster Lucedio in den Reisfeldern
Kloster Lucedio in den Reisfeldern

Besuch der Tenuta Colombara – Wo Italiens Spitzen-Risotto entsteht

 Tenuta Colombara
Tenuta Colombara während der Flutung

Still und abgeschieden liegt die Tenuta Colombara. Der historische Gutshof aus rotem Backstein wirkt eindrucksvoll inmitten der Reislandschaft. Hier entsteht Italiens bester Risottoreis. Auf mein Interesse hin empfing uns die Familie Rondolino herzlich und gewährte uns Einblicke in ihr Familienunternehmen hinter 'Acquerello'.

Nach mehreren Besitzerwechseln, unter anderem durch die Savoyer, kaufte die Familie Rondolino 1935 das Anwesen und legte damit den Grundstein für ihr Familienunternehmen, das Sohn Piero später entscheidend prägen sollte. Heute ist Piero Rondolino das Familienoberhaupt, ein visionärer Geschäftsmann und Erfindergeist. In den 1970er Jahren setzte er als erster bewusst auf den Carnaroli-Reis, die beste Sorte für Risotto, die andere Bauern wegen geringer Erträge mieden. Durch besondere Verarbeitung und Lagerung optimierte er die Qualität noch weiter. 1991 brachte er das Produkt 'Acquerello' auf den Markt – eine Innovation, die ihn international bekannt machte.

Sein Sohn Umberto, verantwortlich für Forschung & Entwicklung, zeigt, wie traditionelle Verfahren mit moderner Technik verbunden werden – bis hin zur kontrollierten Reifung. Sie besitzen ein besonderes Patent für ihren "Risottoreis mit Vollkornqualität": Üblicherweise wird dem Reis der wertvolle Keim entfernt, Rondolino fügt ihn wieder hinzu. Um sein volles Aroma zu entfalten, reift der Acquerello mindestens ein Jahr, die Riserva-Qualitäten sogar bis zu sieben Jahre. Zum Mittagessen im Kreis der Familie durften wir ein heiß dampfendes Safran-Risotto probieren – frisch aus der Küche und direkt über die Schulter beobachtet.

 

Jährlich werden hier 700 Tonnen biologischer Carnaroli-Reis veredelt – im Vergleich zu den großen Produzenten eine kleine Menge, aber Spitzenköche weltweit schätzen ihn als Maßstab für das perfekte Risotto: fein, leicht nussig, cremig und stets al dente.

  •  Acquerello-Risotto-Reis (1- oder 7-jährig gelagert) lässt sich in Deutschland am einfachsten über Amazon* bestellen.
  • Im Reiskeim steckt das Beste – daraus entstand Black Gemma. Gewonnen aus dem nährstoffreichen schwarzen Reis ist es ein natürliches Superfood und Multivitamin mit leicht süßlich-nussigem Geschmack: Pur, in Joghurt oder zum Verfeinern von Speisen. 
Vater Rondolino prüft die Qualität
Vater Rondolino prüft die Qualität
Die separierten Reiskeime
Die separierten Reiskeime
Typische Acquerello Dose
Typische Acquerello Dose

Ein lebendiges Stück italienischer Reisgeschichte

Die Tenuta Colombara beherbergt ein besonderes Highlight: das Conservatorio della Risicoltura, ein Museum, das der Geschichte des Reisanbaus und dem Leben der "Mondine" gewidmet ist – jener Frauen, die unter härtesten Bedingungen auf den Feldern arbeiteten.

Original Schlafsaal der "Mondine"
Original Schlafsaal der "Mondine"

 

Während die Männer den Boden pflanzten und die Setzlinge ausbrachten, jäten die mondine das Unkraut. Stundenlang standen sie barfuß im Wasser, unter der Sonne, umgeben von Mücken und Malariarisiko. Sprechen war verboten, also sangen sie – zum Ausdruck von Gemeinschaft und Trotz.

Die mondine hatten eine Vorreiterrolle in der italienischen Arbeiterbewegung und erstaunlich viel Einfluss: Sie arbeiteten in der Regel 40 Tage pro Saison und erzielten schon 1912 einen Tageslohn von 1.000 Lire – so viel, wie ein durchschnittlicher Landarbeiter damals im ganzen Jahr verdiente. Rund 200 Frauen lebten gleichzeitig im Dormitorium, dem einzigen noch erhaltenen Schlafsaal seiner Art. Sie waren so bekannt, dass sogar Fußballspieler von Juventus mit ihnen anbandelten, und ihr Leben wurde 1949 im Film „Riso amaro” (deutscher Titel: Bitterer Reis) verewigt.

  • Das Museum erstreckt sich über die alten Räume der Cascina – Schmiede, Tischlerei, Schlafsäle und kleine Dorfschule – weitgehend im Originalzustand. Besonders eindrücklich ist das Dormitorium.
  • Ein Museumsbesuch (20 €) kann auf der Acquerello Homepage online gebucht werden. 
Acquerello Tenuta Colombaro
Acquerello“ bedeutet Wasserfarben – eine Anspielung auf die gefluteten Reisfelder, deren Spiegelungen daran erinnern.

Fünf Tage waren viel zu kurz – wir haben gerade erst angefangen, das Piemont zu entdecken. Und schon steht fest: Wir müssen zurück.

 

Von Edel Seebauer / Fotograf Jürgen Mahler

 

Wenn Euch der Bericht gefallen hat, freue ich mich über einen Eintrag im Gästebuch.

 

(6 Fotos) depositphotos.de

 

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