Kyushu Selbstfahrer-Reise Teil 2: Beppu
Beppu ist höllisch gut – Onsen & Izakaya Hopping
Beppu ist skurril, altmodisch – einfach wunderbar. Trotz der zwölf Millionen Besucher pro Jahr wirkt Beppu wie eine von der modernen Entwicklung vergessene Stadt. Größtenteils während des Tourismusbooms der 1970er-Jahre erbaut, scheint der Ort seither einfach stehen geblieben zu sein. Beppu ist schlicht eine der geothermisch aktivsten Regionen der Welt und ein Mekka für wahre Onsen-Experten. Aber nicht nur: Die Küstenstadt ist auch für ihren erstklassigen Fischfang und ihre lebhaften Izakayas bekannt. Daher nichts wie hin!

Beppu ist der Onsen-Ort schlechthin. Hier wurde das Onsen-Symbol ♨️ erfunden. Mit über 3.700 heißen Quellen besitzt Beppu mehr Thermalquellen als jeder andere Ort in Japan. Sie liefern täglich über 130.000 Tonnen heißes Wasser, versorgen 168 öffentliche Bäder und alle Privathaushalte – weltweit übertroffen nur noch vom Yellowstone-Nationalpark.


Beppu hat eine lebendige Restaurantszene – gutes Essen findet man hier an jeder Ecke. Fisch und Fleisch sind in Japan von beeindruckender Qualität; alles andere würde ein Japaner gar nicht erst anrühren.
Izakayas sind die gemütlichen Allrounder zum Essen, Trinken und Verweilen. Ein Besuch im Izakaya ist immer ein kulinarisch-kulturelles Erlebnis, das wir jeden Abend wiederholen könnten. Sie sind eine japanische Institution: Wörtlich übersetzt bedeutet Izakaya „Sake-Laden zum Verweilen“ – und das tun wir dort nur allzu gern.


Eine schöne Stadt ist Beppu nicht, aber dafür absolut einzigartig
Für die 'Kannawa Onsen' Gegend und 'Downtown Beppu' sollte man sich zwei Tage Zeit nehmen. Wir packen noch einen Ausflugstag drauf. Wir genießen es, in Kyushu mit dem eigenen Auto herumzufahren – es ist unkompliziert! (Thema Mietwagen > Kyushu Teil 1).

Alle Kyushu Berichte
Die „Höllen von Beppu“ brodeln in Kannawa
Oben in Kannawa, dem alten Stadtviertel der heißen Quellen, liegt Beppus meistgepriesene Attraktion, der „Höllenrundgang“ (Jigoku Meguri) durch kochend heiße Quellen, aus denen Wasser mit ungewöhnlichen Eigenschaften sprudelt – beeindruckend anzusehen, aber mit Temperaturen von bis zu 150 °C zu heiß zum Baden. Typisch japanisch sind sie zu kleinen Vergnügungsparks mit jeweils eigenem Thema geworden – nicht ohne Touristenkitsch, also seid gewarnt!
Direkt von der Halbinsel Kunisaki auf Kyushu kommen wir in die Hölle von Beppu. Gleich davor kann geparkt werden. Sieben Höllen gibt es hier. Alle hätten uns vermutlich überfordert: "Thermalwunder mit Unterhaltungsfaktor", genau so japanisch, wie man es sich vorstellt. Am meisten Spaß macht die Anlage Kamado Jigoku: kochend heiße Teiche, brodelnde Erde und kleine Kuriositäten zum Staunen oder Schmunzeln. Wir entspannen uns in den heißen Fußbädern, verspeisen Onsen-Eier und Onsen-Pudding, und spüren den heißen Atem des Teufels. Das Onsen-Tuch, ein nettes Souvenir, habe ich am Eingang gekauft. Es gibt die komplette Jigoku-Meguri-Tour als Sammelticket, aber auch Einzeltickets.
Im Dampfkessel "Kannawa Onsen"
Aus dem nostalgischen Kannawa steigen aus allen Löchern weiße Dampfsäulen auf. Der Ort ist ein wahrer Dampfkessel mit vielfältigen Onsen-Einrichtungen: öffentliche Bäder (Sento), Dampfbäder (Mushi-yu), kostenlose Fußbäder (Ashimushi-yu), Sandbäder (Sunayu) und Kochstellen (Jigoku Mushi).
- Den besten Blick auf die dampfende Stadt hat man vom Yukemuri Observation Deck, vorausgesetzt, es sind kühle Temperaturen.
- Von Beppu Station verkehren Busse nach Kannawa /Helles of Beppu. Die Fahrt dauert ca. 30 min.

Die "Jigokumushi Küche" (Lage Google Map) ist eine traditionelle Kochmethode mit 98 °C heißem Quelldampf, die schon seit der Edo-Zeit in Kannawa angewendet wird. Auf gedämpftes Essen verspüre ich gerade wenig Lust, weil ich schon die Jigoku Hell Soba vor Augen habe, die uns im Izakaya 'Kuroki' erwarten.

"Onsen für die Füße". In Kannawa Onsen entdecken wir mehrere Fußbäder, alle sind kostenlos. Das Ashimushi Foot Steam Bath ist das größte (auf Google Maps). Mit einem traditionellen Yumetake aus Zweigen wird das kochend heiße Thermalwasser abgekühlt, ohne es zu verdünnen.

Das Kannawa Steam Bath (2 Fotos unten) ist bekannt für seine Mushi-yu-Dampfbäder – ein ganz anderes Erlebnis. In einen Yukata gehüllt wird man in einen kleinen Raum geführt, auf ein aromatisch duftendes Bett aus Heilkräutern (Sekisho) gebettet und etwa 10 Minuten darauf sanft gedämpft.
Luxus wird man hier kaum finden – stattdessen erlebt man den authentischen Badealltag der Bewohner. Alte Wohnhäuser verfügen über kein eigenes Bad, man besucht traditionell ein Sento. Vor einem der öffentlichen Badehäusern mit freiem Eintritt treffen wir einen Hundertjährigen, der uns einlädt, einen Blick hineinzuwerfen. Für Ausländer wirken die betagten Bäder manchmal etwas zu rustikal, um selbst einzutreten.
TIPP: ONSEN BESUCH
Traditionell und für Touristen geeignet ist in Kannawa das Hyotan Onsen. Dort kann man ein Sandbad, Dampfbad, Freiluftbad und Mahlzeiten, u. a. die Jigokumushi-Küche, genießen. Onsen-Bäder sind in der Regel nach Geschlechtern getrennt, hier können auch Privatbäder gebucht werden.
Aber auch so gut wie jedes Hotel in Beppu ist an eine Thermalquelle angeschlossen und bietet nach einem Sightseeing-Tag Entspannung im Onsenbad.
Für ein stimmungsvolles Onsen-Erlebnis empfehle ich den schönsten alten Onsen-Ort Kurokawa Onsen. Er liegt ca. 70 km von Beppu entfernt. Viele Ryokans bieten ihr Onsen für Tagesbesucher an, einige auch gemischtes Baden für Paare.

DAS ONSEN 1x1 FÜR ANFÄNGER

Vor dem Baden
Komplett ausziehen (Badebekleidung ist verboten, nur das Onsentuch zur Hand). Gründlich abduschen & waschen, bevor man ins Becken geht. Lange Haare hochbinden (nicht ins Wasser hängen lassen). Keine Tattoos zeigen – vorher prüfen, ob erlaubt; ggf. abkleben.
Im Onsen
Handtuch darf nicht ins Wasser – am Beckenrand oder auf dem Kopf ablegen. Ruhig verhalten, leise sprechen. Nicht auf den Beckenrand setzen – ist eine schlechte Manier. Nicht schwimmen und kein Kopf unter Wasser. Kein Wasser selbst abkühlen.
Nach dem Baden
Abtrocknen, bevor man den Umkleidebereich betritt. Kein Duschgel/Shampoo mehr nach dem Bad – Mineralien sollen auf der Haut bleiben. Nach dem Bad viel trinken.
Als Top-Mietwagenvermittler ausgezeichnet – im Service die Nr. 1. Gut versichert & günstig hier mieten. WERBUNG
Die historischen Stadt-Onsen
Onsen-"otaku" sind echte Onsen-Experten mit nerdigem Fachwissen. Sie tingeln von Quelle zu Quelle, kennen jede Temperatur, jedes Mineral und jede heilende Wirkung und haben eine besondere Schwäche für historische Bäder.
In die beiden berühmtesten und ältesten Onsen der Stadt, dem Takegawara Onsen und dem Ekimae Koutou Onsen, sollte man zumindest hineinschauen. An der Rezeption wird man freundlich begrüßt und wählt am Ticketautomaten für 300 Yen zwischen zwei Bademöglichkeiten: Atsuyu (sehr heißes Bad) oder Nuruyu (normal heißes Bad). Ich empfehle Nuruyu! Seife, Shampoo, Handtücher und weiteres Zubehör kann man dazu kaufen. Und damit ausländische Touristen bloß nichts falsch machen, gibt es ein amüsantes Video zu sehen.

Das Takegawara Onsen aus der Meiji-Zeit ist ein echtes Stück Geschichte: Es wurde 1879 gegründet und zeigt sich in klassischer Holzbauweise mit einem typisch japanischen, geschwungenen Satteldach. Innen herrscht eine wunderbare Atmosphäre, die an vergangene Zeiten erinnert. Besonders bekannt sind seine vulkanischen Sandbäder: Man legt sich in einen Yukata gehüllt hin und wird von freundlichem Personal mit warmem, mineralreichem Sand bedeckt – eine natürliche Sauna sozusagen. Onsen-Sandbäder bieten ein einzigartiges Wellness-Erlebnis, das es nur in Kyushu gibt.



Die Bäder wirken vielleicht rustikal und unansehnlich, sind aber absolut sauber. Die Verfärbungen stammen von natürlichen Mineralablagerungen wie Eisen oder Schwefel und sind ein Qualitätsmerkmal: Je stärker die Ablagerungen, desto „kräftiger“ ist das Onsen.


Mit der Japan eSIM überall flexibel online sein – zu günstigen Preisen!
Werbung
Das Ekimae Koutou Onsen empfängt seit über 100 Jahren Besucher. Es wurde 1924 im Taisho-Roman-Stil erbaut, eine Mischung aus westlichen und japanischen Elementen, die damals modern waren, wie das grüne Spitzdach und das dekorative Holzfachwerk. Im Inneren tauchen farbige Glasfenster die Badebereiche in ein stimmungsvolles Licht. Das Wasser ist leicht rötlich-braun und mineralreich. Es liegt nur 2 Gehminuten vom Bahnhof Beppu entfernt und ist von 6 Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet.


Ein weiteres Sandbad ist das neugestaltete Beppu Sand SPA (ehemals Kaihin Sunayu) im Shonin Park, wo man direkt am Meer in heißem Sand eingebuddelt liegt (Google Maps). Die moderne Anlage ist bei Touristen beliebt. Das Personal spricht Englisch und macht auf Wunsch auch Fotos. Der Park selbst wurde zur touristischen Attraktion umgestaltet: mit Restaurant, Cottages, Spezialitäten-Geschäft, Picknickbereich und Fußbad.
Bummeln und Schlemmen in Downtown Beppu

Ein Erlebnis ist auch die Gastronomie- und Nachtszene im Zentrum von Beppu! Die Gegend rund um den Bahnhof gleicht einem Labyrinth aus Arkaden und engen Gassen, gespickt mit Izakayas, Sake und Shochu-Bars. Während sie tagsüber noch verschlafen wirkt, entfaltet sie nachts einen leicht zwielichtigen, fast filmreifen Charme.

Der Beppu-Turm aus dem Jahr 1956 ist das Wahrzeichen der Stadt und leuchtet nachts in wechselnden Farben. Rund um Beppu Station sollte man sich einfach treiben lassen – man weiß nie, was einem als Nächstes begegnet. Gleich am Bahnhof trifft man auf die ungewöhnliche Statue von Aburaya Kumahachi, dem „Vater des Onsen-Tourismus“. 1911 hatte die Idee zu den berühmten „Beppu Hells“ – quasi der Superheld der Stadt.
Zwischen den Gassen, den Marktständen unter den Bahngleisen, in den Einkaufspassagen oder im altmodischen Kaufhaus Tokiwa lässt sich allerhand entdecken. Vieles versprüht einen Retro-Charme, der wie ein Markenzeichen an der Stadt haftet. Vor allem beim Spaziergang durch die über 100 Jahre alte Takegawara-Kōji, die älteste überdachte Holz- und Glasarkade Japans, wird man von Nostalgie gepackt.


Wer lieber geführt wird, findet auf Getyourguide* Touren "Beppu & Umgebung" – stornierbar bis 24h vorher.
WERBUNG
In der Yayoi-Einkaufspassage wacht der Schrein des leuchtend roten Dämons Tengu mit seiner markanten langen Nase als alter Schutzgeist über die Stadt. Während des einwöchigen Beppu Onsen Festivals, meist um den 1. April, zieht er mit zahlreichen Schreinen und Paraden durch die Stadt. Dabei werden Unmengen von heißem Quellwasser über die Straßen und Teilnehmer gegossen. Ein Höhepunkt ist das Mt. Ogi Fire, das über den Stadthügel entzündet wird – ein Spektakel für Einheimische und Besucher.
1 Foto oita-tourism.com
Essen gehen! Unsere Beppu-Favoriten
Das Robata Jin ist ein Izakaya und Robatayaki-Grill mit einladender Atmosphäre. Hier genießt man Gegrilltes, japanische Klassiker und vor allem fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte. Wir probieren uns quer durch die Karte. Mit Google Translate klappt das recht gut, auch wenn es manchmal zu seltsamen und amüsanten Übersetzungen kommt. Es gibt viele kleine, tolle Gerichte: Shiitake-Pilze, Auberginen und Jakobsmuscheln vom Grill, Sashimi sowie gegrillten und geschmorten Fisch. Dazu trinken wir extra kaltes Bier (laut Anzeige −2,2 °C) und natürlich Sake.
- Da das Lokal sehr beliebt ist und schnell voll wird, empfiehlt es sich, einen Tisch zu reservieren (nur abends ab 17 Uhr geöffnet). Infos und Lage auf Google Maps.

Das Yakiniku Ichiriki ist nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt. Die roten Laternen des kleinen Grillrestaurants leuchten einladend. Das alteingesessene Restaurant gehört auch zu den Favoriten der Einheimischen. Drinnen ist es eng, gemütlich und lebhaft – und der Grillduft unwiderstehlich. Selbst unter der Woche sind alle Plätze belegt. Das Fleisch ist hochwertig und überraschend fair bepreist. Wir sitzen direkt an der Bar erwartungsvoll vor unserem Grill. Die Premium-Lende ist zart und unglaublich aromatisch. Wer neugierig ist, sollte sich trauen und auch die Spezialitäten abseits der klassischen Cuts probieren, zum Beispiel die zarte Zunge oder die beliebten Kutteln. Das Personal ist herzlich, die Atmosphäre entspannt – ein toller Ort, um in Beppus nächtliche Energie einzutauchen und japanische Esskultur zu erleben.
- Barzahlung und nur abends geöffnet, unbedingt vorher reservieren! z.B. übers Hotel. Info Google Maps.

Das urige Kuriko liegt nahe des Hafens, ein unscheinbarer, familiengeführter Izakaya mit Bar und kleinen Tatami-Ecken. Probieren sollte man die Jigoku Soba („Höllen-Soba“) auf heißem Stein – leicht knusprige Sobanudeln mit Kinshi-Omelett, feiner Dashi-Sauce, gegrillten Garnelen und viel Nori. Auch Fisch, Meeresfrüchte und Sushi sind absolut frisch. Ein echtes Izakaya mit lokalem Flair. Nur Barzahlung. Öffnungszeiten s. Google Maps.

Beppus Nachtrevier
Das Viertel um die Beppu-Station, insbesondere Motomachi, ist das Zentrum des Nachtlebens, in das sich vor allem Geschäftsleute nach dem letzten Sake verirren. Es weht ein Hauch von Zwielicht, aber mit japanischer Höflichkeit. In den schummerigen Hintergassen verschwendet man in Japan keinen ängstlichen Gedanken. Zwischen Izakayas, Sake-Bars und Animier-Clubs flanieren wir neugierig entlang.
Sich durch Beppu „snacken”
Neben Izakayas – den gemütlichen Allroundern zum Essen, Trinken und Verweilen – gibt es unzählige spezialisierte Restaurants und kleine Lokale: von Ramen- und Udon-Läden über japanische Curry-Häuser sowie Yakitori- und Yakiniku-Grills bis hin zu Sushi-, Tempura- und Tonkatsu-Restaurants.
Fotos: Toriten Tempura und kalte Beppu Reimen
- Der Beppu-Station-Market unterhalb der Gleise vereint nostalgisches Flair mit neuen Geschäften und ist bei Einheimischen wie Touristen zum Shoppen und Essen beliebt. Zum Probieren gibt es Japans beste Shiitake-Pilze, lokalen Oita-Sake, weich gedämpfte Teigbrötchen mit Bohnenpaste und Pork Buns, Hühnchen-Tempura, frisch zubereitete Sushi-Rollen, gegrillten Aal Kabayaki und lokale Austern.
- Einmal probieren muss man Toriten, das lokale Hühnchen-Tempura: saftig, fluffig und knusprig – zuvor werden die Hähnchenstücke in Sojasauce, Sake und Mirin mariniert.
- Beppu Reimen ist eine kalte Nudelsuppe mit Rindfleisch, Kimchi und Kohl. Besonders gut ist sie im Ikkyu no Namida (mit Michelin Empfehlung). Bestelle zum Beispiel das Set „Reimen Suppe mit Toriten Chicken”. Kogetsu ist ein anderer Favorit der Locals.
- Dangojiru eine Teigtaschen-Suppe aus Oita.
- Am Ende der historischen Einkaufsarkade Takegawara-Kōji verkauft die seit 1910 bestehende Konditorei Shiotsukidō japanische Yuzu-Süßigkeiten – darunter das 'Yuzuman'-Gebäck, den schon Kaiser Shōwa liebte.
- Die Dampfgargerichte und die Onsen-Eier in Kannawa Onsen.
- Probiert auch die japanische Makrele Seki aji oder Seki saba, wenn sie auf der Karte stehen.
- Die Kabosu-Zitrusfrucht wird in der Präfektur Ōita angebaut. Aus ihr wird die Kabosu-Sauce hergestellt, die ich z.B. bei den Hells of Beppu gekauft habe.
Mein Hotel-Tipp für Beppu
Vom 3*Super Hotel Beppu Ekimae waren wir angenehm überrascht. Top-Preis-Leistung. Die Lage beim Bahnhof ist ideal, die Zimmer sind japanisch kompakt, aber modern und gut durchdacht – von den oberen Etagen hat man einen tollen Stadtblick. Genossen haben wir jeden Abend das Onsen, groß und sehr angenehm. Das Frühstück ist gut, mit großer Auswahl – japanisch wie westlich – in gemütlicher Gemeinschaftslounge.
Ein Vorteil des Businesshotels ist, dass es auf die Anforderungen japanischer Geschäftsleute ausgelegt ist: große Kissenauswahl, Schlafanzüge, Badeutensilien, Waschmaschinen und diverse Vending Automaten, kostenlose Getränke (Kaffee, Tee) und ein großer hauseigener Parkplatz gegen Gebühr. Dazu das hilfreiche Personal. Es liegt perfekt, um abends auszugehen. Gebucht haben wir das Super Hotel Beppu Ekimae über Booking.com*.

Wer in einem Ryokan im japanischen Futon-Zimmer übernachten möchte, aber dennoch zentral: Yamada Bessou* mit einladenden Onsen-Garten, die Zimmer sind ohne Bäder, traditionell werden im Onsen Bad & WC genutzt. 500 Meter von Beppu Station.
2025 neu renoviert, bietet das Beppu Onsen Hotel Sansenkaku* auch größere Zimmer und tolle Onsenbäder, gegenüber von Beppu-Tower.
Neben dem Onsen-Tourismus, dem wichtigsten wirtschaftlichen Treiber in Beppu, gibt es noch das Bambus-Handwerk: Rund 60 Prozent aller in Japan hergestellten Bambuswaren stammen von hier. Die hohe Kunst des takezaiku-Bambuswebens mit meisterhaften Arbeiten kann im Beppu Traditional Bamboo Crafts Center bewundert werden (Google Maps). Außerdem im OPAM Art Museum in Ōita (s. Bericht unten).
Von links: Kibe Shoho, Blumenkorb "Abendstille" 1991 | Honda Seiryu „Aurora“ 2009
Ein Ausflugstag von Beppu: Affenwald, Delfinshow & Modern Art
Bei dem Ausflug mit Affenwald, Aquarium und Modern Art wurde für gute Unterhaltung gesorgt!
Der Takasakiyama Affenwald und das Oita Marine Palace Aquarium liegen sich direkt gegenüber und sind von Beppu-Station aus in ca. 15 Minuten mit dem Oita-Kotsu-Bus (Linien AS60/AS61) zu erreichen. Ein Stück weiter kommt die Küstenstadt Ōita, die insgesamt zehn Kilometer südlich von Beppu liegt.
Im Takasakiyama Affenwald regieren die Japanmakaken – und die Besucher sind nur Statisten. Über 1.200 wilde Affen tummeln sich auf dem Berg, putzen sich gegenseitig, klettern, schaukeln, tollen herum und spielen gelegentlich einen kleinen Streich. Sie zeigen keinerlei Scheu und ignorieren die Besucher souverän. Füttern dürfen nur die Parkwächter, allen voran der Rudelführer, der das Buffet eröffnet. 2021 gab es eine Besonderheit: Eine weibliche Makake („Yakei“) wurde zur Anführerin der Truppe und damit zur eher seltenen Matriarchin. Der Takasakiyama Natural Zoological Garden ist einer der größten natürlichen Lebensräume für Japanmakaken und kann unkompliziert erkundet werden. Info s. Google Maps.
Im Oita Marine Palace Aquarium 'Umitamago' erlebt man Meerestiere hautnah: Ein echtes Highlight sind die unterhaltsamen Tier-Shows (10 Uhr Walross / 11 Uhr Delfine Programm-Check auf Webseite). Drinnen ziehen im Great Migration Tank, Rochen, Haie und Schwärme in gemächlicher Formation an der Glasscheibe vorbei. Interaktive Ecken laden zum Staunen und Ausprobieren ein, doch die eigentlichen Stars warten draußen: Das Walross führt mit stoischer Gelassenheit Kunststücke vor, klatscht in die Flossen, verbeugt sich dankend oder macht sportliche Sit-ups – und wird vom Publikum wie ein Popstar gefeiert. Danach übernehmen die Delfine die Bühne, schießen synchron aus dem Wasser, schlagen Salti und Pirouetten, und die Kinder quietschen vor Freude, wenn die Delfine eine nasse Welle in die Zuschauerreihen schicken. Lohnenswert – mit Spaßgarantie. Oita Aquarium Infos Google Maps.

In der nahen Provinzhauptstadt Ōita lockt das moderne OPAM Art Museum mit seiner von Shigeru Ban entworfenen Architektur. Die Sammlung umfasst moderne Gemälde, Skulpturen und traditionelle Handwerkskunst. Das Museum zeigt regelmäßig bedeutende Bambuskünstler mit teils atemberaubenden Arbeiten. Ein Blick auf die interessanten und hochkarätigen Sonderausstellungen lohnt sich immer. Parkplätze sind vorhanden. Öffnungszeiten s. Google Maps.
Beppu mag vielleicht nicht makellos sein und hat seine rauen Kanten, doch gerade das macht die Stadt so sympathisch. Die „ugly, lovely town“ haben wir ins Herz geschlossen.
Auf dem Weg nach Yufuin in Richtung Aso liegt die Beppu Ropeway: In rund 10 Minuten fährt man etwa 800 Höhenmeter hinauf zum Mt. Tsurumi und genießt bei klarer Sicht beeindruckende Ausblicke auf Beppu, die Bucht und die umliegenden Berge. Die Bahn verkehrt regelmäßig (meist 9–17 Uhr), Tickets gibt es an der Talstation, Parken ist kostenlos. Beppu Ropeway Infos Google Maps.
Tipp: Direkt an der Bepp Ropeway Talstation befindet sich ein großer Shochu Shop Kyushu Shochukan mit über 500 Shochu-Sorten (ca. 25 % Alkohol )von mildem Mugi-Shochu aus Oita bis zu aromatischem Imo-Shochu aus Kagoshima und Fukuoka. Außerdem gibt es dort hervorragenden Sake und Souvenirs aus der Oita-Region.
Shochu aus Kyushu steht für besonders hohe Qualität und wird in vielen traditionellen Brennereien handwerklich hergestellt. Je nach Region und Zutat – Gerste (Mugi), Süßkartoffeln (Imo) oder Reis (Kome) – schmecken sie unterschiedlich: Mugi-Shochu ist meist mild und weich, Imo-Shochu aromatischer und etwas kräftiger, Kome-Shochu klar, rund und ausgewogen – und nicht zu verwechseln mit Kōrui-Shōchū, einem geschmacklosen Industrie-Destillat für Mixgetränke.
Von Edel Seebauer | Fotograf Jürgen Mahler | (3 Fotos depositphotos.com)
Wenn der Bericht gefallen hat, freue ich mich über einen Eintrag im GÄSTEBUCH.
Unsere Kyushu Reiseberichte
ALLE JAPAN REISEBERICHTE













































































































