Große Chile & Patagonien Reise Teil 8 – El Calafate / Perito Moreno (Argentinien)

Nach El Calafate zur Eisrevue am Perito Moreno Gletscher

Ein atemberaubendes und berührendes Schauspiel ganz unten im argentinischen Patagonien.

Man kann hören, wie er wächst. Eisabbrüche kalben immer wieder in den See
Man kann hören, wie er wächst. Eisabbrüche kalben immer wieder in den See

Sein Donnern ist schon von fern zu hören. Unfassbar, wie einfach man vorm wohl schönsten Gletscher der Welt steht, der demütig und zugleich glückselig macht. Man schaut und schaut und kann nicht genug bekommen. Perito Moreno heißt der weiße Star, der alle Blicke auf sich zieht. Er ist der einzige Gletscher außerhalb der Eispole, dem man beim Wachsen zusehen kann. 

 

Zwei Begegnungen mit dem Perito Moreno Gletscher schafft man an einem Tag, noch besser sind zwei Tage bei diesem Wunder aus ewigem Eis.

  1. Die Beobachtung von den Glacier Walkways mit Zeit zum Verweilen und den Gletscher kalben zu sehen.  
  2. Bei der einstündigen Bootsfahrt nähert man sich dem Gletscher mit einer ganz neuen Perspektive vom Wasser aus und gleitet langsam an seiner Eiswand entlang.
  • Ein Extra-Tag kostet das Eistrekking Erlebnis auf dem Gletscher oder die große Bootstour durch den Nationalpark Los Glaciares.
  • Tipp. Der 2. Tag im Nationalpark ist 50% günstiger, wenn man gleich das Zwei-Tage-Ticket kauft.

Der Perito Moreno inszeniert sich immer wieder neu. Mal ist er ein frostiger Gigant, mystisch in Wolken verhüllt, dann glänzt und strahlt er mit Eistürmen, die vom Sonnenlicht Blau durchflutet sind.

Weg durch den Lenga-Wald Perito Moreno Aussichtsstege Nationalpark Los Glaciares
Der Weg durch den Lenga Wald. Ein Bild voller Melancholie, wie ein Caspar David Friedrich Gemälde.
Rot blühender Feuerbusch vor dem Gletscher Perito Moreno
Der rot blühende Feuerbusch

'Das Donnern von Patagonien'

Besuch beim berühmtesten aller Gletscher im Nationalpark Los Glaciares

Außerhalb der Polkappen und Grönlands ist das patagonische Inlandeis die drittgrößte zusammenhängende Eisfläche der Welt. Der Nationalpark Los Glaciares liegt im südlichen patagonischen Eisfeld 'Campo de Hielo Sur', das alleine 47 Gletscher speist. Man nennt sie auch 'Wasserschlösser', denn sie sind die großen gefrorenen Süßwasserressourcen der Welt. Unter ihnen befinden sich die riesigen Auslassgletscher Perito Moreno, Viedma, Spegazzini und Upsala, der größte der Eisströme.

 

Der Perito Moreno ist einer der dynamischsten und am leichtesten zugänglichen Gletscher der Welt. Er ist nicht der größte, aber sicher der schönste und der einzige im Inlandeis, der wächst. Er alleine ist ein gigantisches, 700 m dickes und 254 km² großes Eisfeld, das sich über 30 Kilometer aus den Anden zum Lago Argentino ergießt, und damit größer ist als Buenos Aires (203 km²). Seine Kalbungsfront ragt bis 77 m über den Wasserspiegel und noch ganze Zweidrittel befinden sich darunter. Ungewöhnlich groß ist seine Kalbungsgeschwindigkeit mit 66 Meter im Monat. Begleitet von Donnern und Knallen bewegt er sich im Schnitt zwei Meter am Tag und kalbt dabei haushohe Eistürme. Warum er weiter wächst, während die anderen schrumpfen, gibt selbst den Glaziologen Rätsel auf. 

Ein Eisvorrat, der wächst
Ein Eisvorrat, der wächst

Coole Aussicht – über vier Kilometer Glacier Walkways

Als wir gegen 9 Uhr morgens direkt vom Parkplatz auf den Walkway steigen, ist alles still und leer. Ein dunkles Grollen ist zu vernehmen, gefolgt von einem mächtigen Donnerschlag, der uns antreibt. Auch wenn all das vorher Gelesene über den Perito Moreno schon beeindruckend genug war, wird man auf seine Wirkung nicht vorbereitet sein.

Ein kilometerlanges Netz von Aussichtsstegen zeigt den Perito Moreno von allen Seiten
Ein kilometerlanges Netz von Aussichtsstegen zeigt den Perito Moreno von allen Seiten
Ein Gletscher mit der Dimension von Buenos Aires
Ein Gletscher mit der Dimension von Buenos Aires

 

Perito Moreno Glacier Walkways

 

Über die kilometerlangen Aussichtsstege ist der monumentale Gletscher von allen Blickwinkeln zu bestaunen, von der Südflanke bis zur Nordflanke mit einer Kalbungsfront von 5 Kilometern. Vor uns türmt sich eine 70 Meter hohe Abbruchkante. Eine eisige Ewigkeit schon fließt ein mächtiger Strom aus Eis herab und schiebt seine Zunge in den Lago Argentino bis auf die gegenüberliegende Halbinsel. Ein besonderes Naturschauspiel, das sich alle paar Jahre ereignet und tagelang von Fernsehsendern verfolgt wird, ist die 'ruptura' – die periodische Aufstauung des südlichen Seearms Brazo Rico und sein Durchbruch. Bisweilen staut er sich 20 m über dem Seespiegel auf, bis der Wasserdruck den Eisdamm durchbricht, immer weiter aushöhlt und nur noch die große Gletscherbrücke steht. Spektakulär und ohrenbetäubend bricht sie auf ganzer Front zusammen und produziert meterhohe Flutwellen.

 

Der Perito Moreno ist seit über 90 Jahren stabil. 30 Meter Schneefall bekommt er oben in den Anden jährlich ab, die für ausreichend Nachschub sorgen. In diesem Jahr können wir einen kleineren Durchbruch beobachten, wie Eisabgänge ihn langsam attackieren. Wir lauschen dem Gletscher, wie er flüstert, grummelt oder sich knacksend dehnt. An seiner zerklüfteten Stirn kündigt er uns regelmäßig mit einem Knall ein Ereignis an. Die Zuschauer sind still und die Urkräfte spürbar. Es folgt ein Schlag wie eine Explosion, dann knallende Gewehrschüsse. Ein haushoher Eisblock sackt donnernd in sich zusammen, versinkt zischend in den schlagenden Wellen im milchigen 'Kanal der Eisschollen'. Ein Ranger sperrt den unteren Steg ab, denn am Durchbruch spitzt sich die Lage zu. Ein größerer Abgang kann Eissplitter wie Pfeile auf uns abschießen. Die Eisabbrüche sind weit größer als sie uns erscheinen. Für die Höhe der Eiswand muss man sich ein 15-stöckiges Hochhaus daneben vorstellen. Unter Wasser reicht das Eis noch ganze 165 m in die Tiefe.

 

Stundenlang, schon fast meditativ schauen wir zu, wechseln mal die Position, laufen über die Stege durch den antarktischen Buchenwald, später in die andere Richtung, wo sich der Lago Argentino vor uns ausbreitet. Dabei sehen wir nur einen seiner Seitenarme, dahinter verbirgt er sich mit der dreifachen Größe des Bodensees. Auf einer der Bänke packen wir unser Picknick aus mit leckeren Empanadas, die wir heute morgen in El Calafate gekauft haben. Während die Sonne im Gesicht brennt, strahlen die Eismassen eine enorme Kälte ab. Wir haben vier, ich sogar fünf Lagen angezogen. Meine lange Unterhose, die ich bis hierher mitgeschleppt habe, ist jetzt wie ein Geschenk. Trotzdem spürt man nach einigen Stunden ohne viel Bewegung den Körper langsam auskühlen und wir reißen uns vom weißen Riesen los für eine Kaffeepause im Restaurant. Meine Freundin Barbara würde am liebsten noch die Nacht hier bleiben. Sie ist von ihm wie hypnotisch angezogen. Auf der Rückfahrt drehen wir uns noch einmal um und sind uns einig, gleich morgen früh fahren wir noch mal hin. 

Der Eisgeborene Lago Argentino ist der größte See in Argentinien. Ihn speisen gleich mehrere große Gletscher, der Perito Moreno, Spegazzini und Upsala, einer der größten Gletscher der Erde. Die Wassertemperaturen liegen in diesem Teil des Sees bei eisigen 3-4°C Grad.

Gut zu wissen!

  • Öffnungszeiten Nationalpark Los Glaciares (Haupttor Río Miter-Glaciar Moreno corridor). Sommer: September bis April von 8:00 – 18:00 Uhr. Winter: Mai bis August von 9:00 – 16:00 Uhr. Vom Parktor (Ticketverkauf) sind es noch 29km, knapp 40min bis zum Gletscher-Besucherparkplatz (s. Google Map). 
  • Entfernung. Der Perito Moreno Gletscher ist 1:30h und 78 km von El Calafate entfernt. 
  • Eintritt. Tickets werden am Parktor gekauft (oder online)Barzahlung geht am schnellsten, aber auch Kreditkartenzahlung ist möglich (ebenfalls am Hafen von Punta Bandera). Der Argentinische Peso kann starken Schwankungen unterliegen, Preise können sich schnell ändern.
  • Besucherinformationen, Eintrittspreis und Online-Reservierung auf El Calafate Webseite.
  • Tipp. Das Zwei-Tage-Ticket kostet am zweiten Tag nur die Hälfte und wird am Eingang nur noch abgestempelt.

  • Früh starten und man hat Gletscher fast für sich alleine. Die ersten Autos stehen schon vor der Parköffnung am Eingangstor und warten auf den vorgesehenen Parkplätzen.
  • Richtige Kleidung. Warm anziehen mit mehreren Lagen! Eine Daunenjacke, ein Windbreaker oder eine Regenjacke (Frauen-Tipp: lange Unterhose hält warm). Unverzichtbar sind Mütze, Handschuhe und eine Sonnenbrille, ein Schal oder Schlauchtuch gegen die kalte Luft. Der Gletscher reflektiert stark das Sonnenlicht mit einer hohen UV-Strahlung. Die Tagestemperaturen bewegen sich im Frühjahr & Herbst zwischen 4°C-10°C Grad, im Sommer Dezember-Januar geht es bis 13°C Grad.

  • Mit einem Fernglas sieht man die Eisabbrüche ganz nah! (sehr gutes Preis-Leistung Fernglas Nikon 645g unter den leichten kompakten).
  • Den oberen Parkplatz nehmen, um direkt zum Gletscher zu kommen (links halten). Hier gibt es eine große Cafeteria, die auch heißes Wasser für Thermosflaschen verkauft (geöffnet erst ab 10 Uhr). Am unteren großen Parkplatz (lower parking) parken auch die Busse. Dort gibt es ein großes Restaurant und einen kleinen Bootsanleger. Ein direkter Wandersteg führt am See entlang zum Gletscher (Shoreline Trail, s. Karte Glacier Walkways).
  • Aussichtsstege und Plattformen. Die Glacier Walkways sind ein 4 km langes Wegenetz aus Holzstegen und Treppen. Es lohnt sich, sie in alle Richtungen und auf allen Etagen zu gehen! Die Angaben auf der Wandertafel (Foto unten) sind irritierend. Es sind empfohlene Besichtigungszeiten und nicht die Gehzeiten! Bei normalen Schritttempo ginge man die 4 km in einer Stunde.

 

Anfahrt zum Nationalpark | Perito Moreno Gletscher

 

Nach El Calafate geht es durch die Pampa stets am blauen Lago Argentino entlang, dahinter wird die Andenkette langsam weiß bedeckt. Am Tage lässt der von den Gletschern abgemahlene Felsstaub den See geradezu neonfarben leuchten. Seine vielen Seitenarme reichen bis in die Anden hinein. Einer von ihnen ist der Brazo Rico an dessen Ufer die Fahrt weitergeht. Dann, hinter einer Biegung, erscheint der Gletscher unverhofft – ein tiefer Eisstrom blendend weiß über dem Wasser. Glücklicherweise kommt gleich der erster Aussichtspunkt. 

Der erste Aussichtspunkt bei der Anfahrt. Über dem Brazo Rico breitet sich der weiße Eisteppich aus
Der erste Aussichtspunkt bei der Anfahrt. Über dem Brazo Rico breitet sich der weiße Eisteppich aus
  • Mit dem eigenen Auto ist der Besuch ohne Zweifel die bequemste Möglichkeit. Man kann jederzeit ankommen und abreisen. Selbstfahrer haben den Vorteil früher am Gletscher zu sein, bevor die ersten Busse ab 10 Uhr eintreffen. Wer gleich um 8 Uhr oder etwas früher am Parktor ist, wird vor 9 Uhr am Gletscher sein. Autovermietung Preisvergleich ab El Calafate.
  • Mit dem Bus zum Gletscher. Bisher ist der Gletscher nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Mehrere Busunternehmen fahren täglich morgens und mittags zum Perito Moreno. Wer kann, reserviert sich schon am Vortag einen Platz am Busbahnhof oder in einem der Stadtbüros. Preise und Zeitplan sind ähnlich (Beispiel Hin-/Rückfahrt 9:00/14:30 und 13:00/17:30 Uhr). Bus-Finder. Auf der Hinfahrt links sitzen für den ersten Gletscherblick. Die Hinfahrt kann inklusive der Wartezeit am Checkpoint 2 Stunden dauern, wo jeder im Bus noch das Parkeintritt kaufen muss.
  • Auch Hotels bieten den Gästen Touren zum Gletscher an.
  • Bootstouren starten von zwei unterschiedlichen Häfen. Vom Puerto Bajo de las Sombras (7km von Perito Moreno Walkways) gehen die einstündigen Fahrten zum Perito Moreno Gletscher. Vom Puerto Punta Bandera (45km von Perito Moreno Walkways) starten die längeren Tagestouren zu den Gletschern im Nationalpark Los Glaciares. 

Einstündige Bootstour zur Perito Moreno Gletscherwand

 

Die Safari Nautico Ausflugsboote fahren über den Rico-Seearm zur Südfront des Perito Moreno Gletschers bis vor die fesselnde Eiswand mit Eisspitzen und leuchtend blauen Rissen. Als die Motoren vor dem Gletscher ausgeschaltet werden, gewinnt die Stille Oberhand und das anfängliche Gedränge der Passagiere löst sich auf. In sicheren Abstand, aber nah genug, bleibt das Boot eine ganze Weile stehen und jeder kommt zu seinen Fotos. Danach gleiten wir langsam die Gletscherfront entlang. Sich dem Eis vom Wasser aus zu nähern, ist nochmal ein ganz anderer Anblick und die günstigste und einfachste Möglichkeit, per Boot an einen der großen Gletscher heranzukommen, bis 400 Meter vor die Abbruchkante, näher geht es nirgendwo. Am Rand des Gletschers sehen wir eine Gruppe zur Ice-Trekking-Tour aufbrechen. Um die direkte Berührung mit dem Gletscher beneiden wir sie jetzt.

  • Die Nachmittagsfahrten sind die beliebtesten. Es macht Sinn, sich die Tickets vorher zu kaufen, z. B. auf dem Weg zum Gletscher oder online zu reservieren.
  • Die Safari Nautico Bootstouren von Hielo y Aventura starten am Pier von Puerto Bajo las Sombras. Auf der Webseite werden vielleicht nicht alle Uhrzeiten zur Reservierung angeboten. Während der Hauptreisezeit Oktober bis Mai fahren die Boote nahezu durchgehend im Stundentakt von 10 bis ca. 15 Uhr. Der kleine Hafen mit Ticketverkauf (je nach Saison ab 8h30 oder 9h30 geöffnet) liegt auf dem Weg zum Gletscher, 7 km vor den Glacier Walkways (s. Google Map). Hielo y Aventura hat auch ein Stadtbüro in El Calafate. 
  • Bei Getyourguide ab El Calafate: Perito Moreno Tagestour mit Guide (Option mit Bootstour wählen!). Der Guide bringt einen großen Vorteil. Er weiß vieles über das patagonische Eisfeld und die Gletscher zu erzählen (komfortabler, als es im Gletschermuseum zu lesen). Beim Perito Moreno Gletscher selbst gibt es wenig Informationen. 

Ice Trekking – Mit Steigeisen auf dem Buckel des Riesen

Eis-Trekking auf dem Perito Moreno. Um das blaue Wunder zu erleben, sollte die Tour auf dem Buckel des eisigen Riesen frühzeitig gebucht werden. Bei unserer Ankunft in El Calafate war die Tour bereits seit einigen Tagen ausgebucht. Es gibt das Mini-Trekking und das Big Ice-Trekking. Mit Steigeisen an den Schuhen geht es in Begleitung von Guides aufs Eis über eine zerklüftete, glitzernde Landschaft mit magisch blauen Höhlen und Tunneln. Tiefer ins Eis vordringen wird man bei der Big Ice Tour, allerdings gilt für sie eine Altersbegrenzung von 50 Jahren, egal wie fit man ist. Die 'Huberbuam' dürften auch nicht mitgehen. Fürs Minitrekking sollte man die 65 Jahre nicht überschritten haben. Die Pässe werden kontrolliert! Am Ende wird das Gletscher-Abenteuer mit einem 'Whisky on the Glacier Rocks' besiegelt.

  • Minitrekking Tagestour ab El Calafate (7:30-18 Uhr). Inklusive ist eine Bootsfahrt zum Ausgangspunkt und retour (je 20 min), 30 min wandert man zum Gletscher, wo die Steigeisen angelegt werden. Rund 90 Minuten ist man auf dem Eis, bis es auf gleichem Weg wieder zurückgeht. Anschließend hat man noch 1 Stunde auf den Glacier Walkways bei den Aussichtsstegen. Teilnahme von 10 bis 65 Jahre.
  • Beim Big Ice Trekking ist man 3,5 Stunden im Gletscher unterwegs (7-19 Uhr ab El Calafate, ohne Glacier Walkways). Teilnahme von 18 bis 50 Jahre. 
  • Nicht im Preis enthalten ist der Parkeintritt. Mitgebracht werden müssen Verpflegung, Wasser und entsprechend warme Kleidung sowie robuste Schuhe.
  • Durchgeführt wird das Ice-Trekking von Hielo y Aventura. Onlinebuchung mit 48 Stunden-Stornierung. Auch auf GetYourGuide ist die kleine und große Eistrekking-Tour buchbar und 24h vorher stornierbar.

Ganztägige Kreuzfahrt im Nationalpark Los Glaciares

Damit keine Enttäuschung aufkommt, sollte man vorab wissen, dass alle Boote sich dem größten Gletscher Upsala nur noch auf 10 km nähern dürfen. Sein Seearm ist seit langem durch Eisschwemme verstopft. Anders als beim Perito Moreno schwimmt die Upsala Gletscherzunge auf dem See und die gesamte Eisfront bricht auf einmal ab. 2014 hatte ein beträchtlicher Eisabbruch einen Tsunami ausgelöst. Der Upsala ist 54 km lang und über 10 km breit, seiner 40 m hohe Abbruchkante wird von den zwei anderen Gletschern noch übertroffen. 70 Meter steigt die Eiswand am Perito Moreno und über 100 Meter beim Spegazzini empor. Während der etwa 5-stündigen Schifffahrt auf dem größten See Argentiniens wird man neben den drei Großen noch einige kleinere Gletscher beobachten können.

  • Die Beschreibungen reichen von Begeisterung bis Enttäuschung, jeder muss für sich selbst entscheiden. Auf neueste Bewertungen und Fotos achten! Tripadvisor Reviews und Angebote.
  • In El Calafate findet man mehrere Tourenveranstalter. Es gibt verschiedene Preiskategorien (z.B. Lunchbox oder Menü). Ein Programm-Beispiel Full-Day Glaciers Cruise mit Lunch. Ab Hotel in Calafate, Dauer 8-10 Stunden, bis 24 Stunden vorher stornierbar.
  • Diese Bootstouren starten am Hafen von Punta Bandera, ca. 50km von El Calafate entfernt und 45km von den Perito Moreno Aussichtsstegen.
Foto Getyourguide Glaciares Bootsfahrt
Foto Getyourguide Glaciares Bootsfahrt

Die faszinierende Gestalt des 'Perito' Francisco Moreno

Francisco Moreno (1852 - 1919) ist einer der großen Helden Argentiniens, den sie mit dem Ehrentitel 'Perito' (Experte) ansprachen. Als der kleine Francisco im neuen Familienhaus in Buenos Aires auf seltsame schneckenförmige Gebilde im roten Marmorboden aufmerksam wurde, war er fortan von Fossilien gefesselt. Als Vierzehnjähriger hatte Francisco Moreno im Elternhaus bereits ein ganzes Fossilien-Museum zusammengesammelt. Mit 20 publizierte er seine erste naturwissenschaftliche Arbeit und entdeckte mit 25 den größten See des Landes, den er Lago Argentino taufte. Wissensdurst und die pure Leidenschaft für Patagonien trieben ihn an, dem damaligen Glauben entgegenzuwirken, dass die Region eine 'nutzlose Wüste' sei. Auf abenteuerlichen Expeditionen erforschte er jeden Winkel und trotzte allen Widerständen der Wildnis, selbst aus der Gefangenschaft der Tehuelche-Indianer konnte er fliehen, einen Tag vor der geplanten Hinrichtung. Er sammelte unzählige archäologische Artefakte, Tierarten und Fossilien und verfasste ethnografische Berichte über die indigenen Völker. Mit seiner Sammelleidenschaft hatte er den Grundstein für das Naturkundemuseum La Plata in Buenos Aires gelegt, das seinerzeit wichtigste anthropologische Museum der Welt.

 

Sein Auftrag war, für die argentinische Regierung die namenlosen Gebiete jenseits der eroberten Gebiete zu vermessen und abzugrenzen. Er entdeckte das Fitz Roy Massiv, das die Ureinwohner Chalten nannten und taufte es nach dem Kapitän des Forschungsschiffs von Charles Darwin. Von 1874 bis 1896 hatte Moreno alle Seen, Flüsse und Berge, die ganze Region kartografiert, und war damit eine Schlüsselfigur bei der Grenzziehung von 1881 zwischen Chile und Argentinien, die der Argentinischen Republik große Teile Patagoniens einbrachte. Zum Dank wurde Moreno Land geschenkt, dass er 1903 zur Gründung des ersten Nationalparks des Landes 'Nahuel Huapi' stiftete. 1912 begleitete er den früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt auf einer Reise durch Patagonien. Nach dem Ersten Weltkrieg taufte man den berühmten Perito Moreno Gletscher nach ihm um. Bismarck-Gletscher hieß er, seit der deutsche Geologe Rudolph Hauthal ihn 1899 entdeckt hatte und ihm den Namen des kurz zuvor verstorbenen Reichskanzler Otto von Bismarck gab.

Aus einer Sammelleidenschaft entstand das LA PLATA Museum in Buenos Aires
Aus einer Sammelleidenschaft entstand das LA PLATA Museum in Buenos Aires

Willkommen in El Calafate – Vorort ins blaue Wunder

Im argentinischen Patagonien, das doppelt so groß ist wie Deutschland, haben manche Schaffarmen die Fläche einer Großstadt und El Calafate war einmal ein Versorgungspunkt für Wolltransporte. Durch die Erschließung der nahen Naturwunder verwandelte sich die kleine Stadt am Lago Argentino zum touristischen Hotspot für Touren in die Gletscherwelt.

 

El Calafate ist der 'Vorort' zum berühmten Perito Moreno und für Reisende ein unterhaltsamer Ort. Die strategische Lage zwischen El Chaltén und dem Torres del Paine macht die Stadt zu einem beliebten Zwischenstopp. Die quirlige Hauptstraße mit Reihen an Holzhäuschen ist mit Restaurants, Kneipen, Souvenirs, Produkten aus Calafate-Beeren und Tourenanbietern gespickt, und im Januar und Februar von Autos verstopft. Vor den Toren der Stadt hört alles es ad hoc auf und geht in offene Pampa über.

 

  • Die Tourismus-Information an der Hauptstraße gibt Broschüren und eine Karte des Nationalparks aus.
  • Bargeld. Vorausschauende Besucher decken sich vor dem Wochenende an den Geldautomaten mit Bargeld ein bevor es zu Engpässen kommt. Wer noch weiter nach El Chalten reist, sollte von hier genügend Bargeld mitnehmen.
  • Autovermietungen gibt es am El Calafte Flughafen (Aeropuerto Internacional Comandante Armando Tola, 23 km östlich der Stadt) und im Stadtzentrum, große Verleiher wie Hertz oder Alamo haben an beiden Standorten ein Büro. Unseren Mietwagen haben wir 4 Monate vorher reserviert mit All-in-Service über das deutsche Vergleichsportal Billigermietwagen – Preisvergleich ab El Calafate.
  • Wer zwischen dem Gletscher noch Zeit findet; vor El Calafate liegt in einer schönen Laguna das Vogelschutzgebiet Reserva Natural Laguna Nimez (Map) Ferngläser werden verliehen. Von dem Lehrpfad können allerlei Vögel und Flamingos beobachtet werden. Das kann man ohne Eintritt aber auch schon vom Seeufer in El Calafate tun.
  • Wer ein Auto zur Verfügung hat, sollte einmal die Lagunenstraße fahren. Neben Vögel kann man auch Kitesurfer im seichten Wasser abheben sehen.
  • Die Anreise von Chile Torres del Paine/Puerto Natales nach El Calafate ist am einfachsten mit dem Bus, der am Tag 3-mal fuhr. Unser Bus nach El Calafate war voll besetzt. Es empfiehlt sich, das Busticket vorher zu kaufen, etwa bei der Ankunft in Puerto Natales. Zweimal wird gehalten. An der chilenischen und argentinischen Grenze müssen alle zur Passkontrolle aussteigen. (Grenzübertritt problemlos ohne Visum). Reisedauer inklusive Wartezeiten zwischen 5-6 Stunden. Alle Busverbindungen findet man auf dem Busportal Recorrido.cl.

 

Glaciarium – Patagonian Ice Museum. 

Das Glaciarium liegt 7 km außerhalb vom El Calafate an der Straße zum Perito Moreno Gletscher. Stündlich verkehrt vom Ort ein kostenloser Shuttlebus nahe der Tourismusinformation. Einem Eisberg gleicht die moderne Architektur des Gletschermuseums, die Ausstellung selbst ist weniger innovativ. Man kann aber viel über die Gletscher lernen, wenn man bereit ist zu lesen. Die vielen Displays (Englisch & Spanisch) mit Bildern und langen Texten sind irgendwann mühsam. Sie erklären, wie Eis entsteht, wie Gletscher sich bewegen und ihre Umgebung formen, und was der Klimawandel anstellt.

 

Man geht zurück zum Ursprung der Erde und ihren verschiedenen Vergletscherungen, berichtet über die frühen Forscher und Entdecker. Einen Audio-Guide hätte ich mir bei dem Eintrittspreis gewünscht (vielleicht kommt es eines Tages noch). Es gibt kaum interaktive Stationen, aber ein großes 3D-Modell des südpatagonischen Eisfeldes. Die zwei Filmvorführungen sind wenig lehrreich. Eine Art Werbefilm für die Gletscher-Bootstouren. Der Zeitraffer-Film über die Entstehung der Gletscherbrücke bis zu ihrem spektakulären Zusammenbruch ist interessant und schön dramatisch, aber ohne Informationen. Interessant ist das Video mit dem Patagonien-Forscher Francisco Perito Moreno (1852-1919), der zu uns spricht über seine Expeditionen, die Geschichte der Gletscher und Bergsteiger.

Das Museum besitzt eine Cafeteria mit schönem Ausblick und eine kostenpflichtige Gletschereisbar. Mein Fazit: nicht ausgezeichnet, aber einen Besuch wert. Tripadvisor Bewertungen. Glaciarium Lage Google Map.

El Calafate Hotels & Unterkünfte mit einigen Tipps

Obwohl es sehr viele Unterkünfte in El Calafate gibt, ist es ratsam, die guten und besonders beliebten frühzeitig zu reservieren. Von Mitte Oktober bis April ist es betriebsam, absolute Hochsaison sind Januar und Februar.

  • Unterkünfte El Calafate. Empfehlungen mit den besten Bewertungen auf Booking.com.

Dazu ein paar Tipps:

  • America del Sur ist ein schickes Hostel mit herrlichem Blick auf den See mit einer geselligen sowie entspannten Atmosphäre. Die Zimmer haben sogar Fußbodenheizung und sind unterschiedlich groß, darunter sind auch Mehrbettzimmer mit geteilten Bädern. Die Barbecues an den Sommerabenden machen es zu einem Favoriten bei jüngeren Reisenden.
  • Das Haus La Soberana ist modern mit schönen Zimmern und Seeblick! Es liegt 150 m von der Lagune und 4,5 km außerhalb der Stadt. Mit dem Mietwagen oder günstigen Taxi ist man schnell im Ort.
  • Estancia Nibepo Aike. Entspannt auf dem Land können Gäste eine authentische patagonische Estancia erleben, die seit über 100 Jahre Rinder- und Schafzucht betreibt, 70 km bis zum Gletscher (auf Booking).
  • Mit der Estancia Cristina Lodge beherbergt der Nationalpark Los Glaciares eine Luxuslodge, bei der allen Aktivitäten inklusive sind.
  • Hotel Bewertungen & Angebote, Überblick auf Tripadvisor.
Estancia Nibepo Aike bei El Calafate
Estancia Nibepo Aike (nibepoaike.com.ar)
America del Sur (Foto Booking.com)
Hostal America del Sur (Foto Booking.com)

El Calafate Tipps – wo geht man am besten essen?

Die Gastro-Szene in El Calafate ist vielfältig, aber nicht alle Restaurants sind gut. Die wirklich guten waren ausgebucht, als wir es abends direkt versuchten. Um sicherzugehen, besser ein bis mehrere Tage vorher reservieren, z.B. über das Hotel. 

  • Die aktuell besten Restaurants in El Calafate auf Tripadvisor anschauen.

  

Steak & Grill Restaurants gibt es einige in El Calafate, wobei sie nicht alle überzeugen, wenn man die Gästebewertungen liest. Aktueller Überblick auf Tripadvisor. Unsere Restaurant-Tipps unten haben z. B. auch Steaks auf ihrer Speisekarte. 

 

Panadería Don Luis. Die riesige Bäckerei mit Café öffnet morgens bereits um 7:00 Uhr, dort haben wir uns auf dem Weg zum Perito Moreno mit leckeren Salaten und Empanadas für ein Picknick am Gletscher eingedeckt. Als Füllung gab es Pollo, Tuna oder Verdura mit Spinat. (große Don Luis Filiale auf Google Map). 

 

Restaurante Buenos Cruces. Das Familienrestaurant ist bekannt für seine sehr gute argentinische Küche in einem einladenden Ambiente. Auf dem Menü: Warmer Rote Beete Salat, Fischfilets mit Kräuterkruste, kreative Ravioli-Gerichte und das beliebte dicke Filetsteak mit Rotweinreduktion. Reservieren!

 

La Zaina Restaurant. Easy dining. Das gemütliche, kleine Restaurant ist zwanglos und hat wirklich gutes Essen und gute Weine. Für El Calafate bietet das Menü eine Abwechslung. In dem warmen Ambiente mit viel Vintage-Dekor wird eine hervorragende Qualität serviert vom Ceviche übers Pilzrisotto bis zum perfekt gebratenen Thunfisch. Die Preise sind gehoben, aber für Reisende moderat. Eine Reservierung ist ratsam, oder früh kommen und versuchen, einen Tisch zu ergattern.

 

La Parri Grill Bar. Die kleine Grillbar ist beliebt und das Zwei-Mann-Team verbreitet immer gute Stimmung. Die Steaks sind gut, wenn auch nicht die Prime-Qualität, dafür sind die Preise auch niedriger. Es gibt auch Pizza, Pasta und Burger. Für einen Platz früh kommen, oder wie die anderen – mit einem Bier anstellen und warten. (auch einige Tische draußen).

 

Pura Vida. In dem bunten und beliebten Lokal wird argentinische Hausmannskost gekocht und einiges an Vegetarischem. Lamm-Eintöpfe, gefüllter Kürbis, grüne Lasagne und Naturreis-Salate stehen u. a. auf der Karte und die Portionen sind riesig. Auch hier gilt, vorher reservieren.

 

La Cantina ist ein lokaler Treff mit Kneipencharakter. Die Spezialität des Restaurants sind 'Piadinas', ein italienisches Fladenbrot mit verschiedenen Füllungen. Außerdem werden Burger und gute Biere im lässigen Ambiente serviert, das alte Fotos und Schallplatten schmückt. An manchen Tagen gibt es Livemusik. Hier findet man noch Platz, wenn die Top-Restaurants 'fully booked' sind. 

 

Elba'r. Es gibt wenige Lokale zum draußen sitzen. Für die Kaffeepause finden wir in einer Nebenstraße die nette, kleine ELBA'R mit einigen Tischen draußen. Überraschend gut war nicht nur der Kaffee, sondern auch die Baiser Zitronen Tartelette. Es werden auch herzhafte Snacks angeboten.

 

Im Nordteil des Los Glaciares Nationalparks wartet mit den Granitberge Fitz Roy und Cerro Torre ein anderes Wanderparadies auf uns im 215 km entfernten argentinischen Trekker-Treff El Chalten. Unseren Mietwagen behalten wir bis zur Rückgabe in 4 Tagen am Flughafen von El Calafate.

 

von Edel Seebauer / Fotos Jürgen Mahler

Wenn der Bericht gefallen hat, freue ich mich über einen Eintrag in mein Gästebuch.

 

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