Andalusien Rundreise Teil 3

Der perfekte Tag in Córdoba

Betrachtet man die Weltkulturstadt heute, dann geht Córdoba einen gemächlichen Gang und pflegt seine blumengeschmückten Patios. An der einst leuchtenden Kalifenhauptstadt kommt man als Andalusien-Reisender aber nicht vorbei. In Córdoba hat die glanzvolle arabische Blütezeit begonnen. Beim Besuch der Mezquita-Catedral bekommt man eine Ahnung von der Größe des maurischen Spanien.

Solch prächtige Geranien haben wir selbst in Bayern nicht
Solch prächtige Geranien haben wir selbst in Bayern nicht
Auf einen Blick: die römische Brücke, die maurische Moschee und obenauf die Kathedrale
Auf einen Blick: die römische Brücke, die maurische Moschee und obenauf die Kathedrale
Die prächtige Westfassade der Moschee von Córdoba
Die prächtige Westfassade der Moschee von Córdoba

 

Unser perfekter Tag in Córdoba. Von Granada kommend, bleiben wir eine Nacht für einen perfekten Tag in Córdoba. Wir besuchen die einzigartige Mezquita-Catedral, stärken uns in einer der urtümlichen Tabernas vor dem Besuch der blumenprächtigen Patios. Über die eindrucksvolle Römerbrücke geht es zum mächtigen Wehrturm, in dem das alte Al-Andalus wiederauflebt. Abends lassen wir uns durch die Altstadt treiben bis zur Bar Santos für die Kult-Tortilla. Hinterher landen wir noch in der unscheinbaren Taberna mit kostenloser Flamenco-Darbietung und sind ganz hingerissen.

Hotel-Tipps und Parken in Córdoba

DAS AUTO PARKEN. Perfekt liegt das Parkhaus am südlichen Rand der Altstadt am Fluss an der Straße Paseo de la Ribera. Mit dem Auto erreicht man es einfach, ohne sich durch die Stadt quälen zu müssen. Man ist schon mitten drin, bis zur Mezquita-Catedral sind es 500m. Parkhaus Lage Google Map. In dieser Ecke östlich der Mezquita herrscht weniger Trubel und es ist eine gute Lage zum Wohnen. Maximal 6min zu Fuß vom Parkplatz liegen die HOTEL EMPFEHLUNGEN:

 

Ein Tipp ist das historische Haus mit traditionellem Innenhof ApartaSuites Alberca Deluxe mit schönen, klimatisierten Apartments. Zwei andere Empfehlungen sind das geschmackvoll restaurierte kleine Boutique Hotel Patio del Posadero mit Dachterrasse und kleinem Pool. Exklusiver ist das Hotel Madinat mit Hamam und zwei Terrassen mit Panoramablick auf die Mezquita. Günstig: Nördlich der Altstadt bietet das Hotel Patios del Orfebre zwar kleine aber hübsche, renovierte Zimmer.

ApartaSuites Alberca Deluxe
ApartaSuites Alberca Deluxe
Hotel Boutique Patio del Posadero
Hotel Boutique Patio del Posadero

Die Mezquita-Catedral – das hat die Welt noch nicht gesehen

1000 Jahre religiöse Baukunst – von der Kirche zur Moschee und wieder zurück zur flächengrößten Kirche der Welt. Alle Wege in Córdoba führen zur Großen Moschee. Umstürze, Zerstörung und wechselnde Herrscher hat sie überstanden und ist umschlossen von hohen Mauern das Herz der Stadt geblieben.

Religionen dreier Imperien unter einem Dach. Römische Säulen, maurische Bögen und die christliche Kathedrale
Religionen dreier Imperien unter einem Dach. Römische Säulen, maurische Bögen und die christliche Kathedrale

 

Der junge Prinz Abd-ar-Rahman zahlte den Christen eine große Geldsumme, um auf dem Boden der Kathedrale eine große Moschee zu errichten, die Mezquita. Im Jahr 784 wird die Kathedrale von den Mauren niedergerissen, 800 Jahre später wird sie wiederaufgebaut und in die Mitte der Moschee gesetzt. Zum Glück blieb der kraftvolle Raumeindruck der ursprünglichen Moschee erhalten. Früher hatte man über den 23.000m² umfassenden Raum einen freien Blick hindurch bis zum Orangenhof. Der Anblick hat noch jeden überwältigt, der sie zum ersten Mal betrat. Nach dem christlichen Prestige-Umbau wird der Rhythmus der rot-weißen Bögen durch das hohe, helle Schiff der Kathedrale hart unterbrochen. Aber auch heute noch wandelt man fasziniert durch den 'Wald der Tausend Säulen', der an einen großen Palmenhain denken lässt. Neben der feinen maurischen Dekorationskunst wirkt der christliche Stilmix aus Gotik und Renaissance geradezu schwer und protzig.

 

Wirklich glücklich war man mit der irreparablen Zerstörung durch die Domherren nicht. Bei seinem Besuch soll Kaiser Karl V. gesagt haben: "Hätte ich gewusst, um was es sich hier handelte, hätte ich nicht gestattet, dass man Hand anlegt. Was ihr erbaut habt, findet man überall, was ihr zerstört habt, war einmalig in der Welt." 

Einzigartig ist sie auf jeden Fall, die Mezquita-Catedral von Córdoba.

 

  • Infos Mezquita-Catedral Webseite (Tickets, Preise, Öffnungszeiten). Tickets können direkt an der Mezquita oder online gekauft werden. Die begehrten Sondertouren auf den Glockenturm und die Nachttour (21 Uhr) sollte man online im Voraus buchen.
Der Glockenturm, das frühere Minarett, leitet Besucher sicher zu den heiligen Mauern der Mezquita
Der Glockenturm, das frühere Minarett, leitet Besucher sicher zu den heiligen Mauern der Mezquita

Stierschwanz oder Flamenquin? Cordobas urtümliche Tabernas

Cordoba besitzt noch einige herrlich altmodische Tabernas, die ihr volkstümliches Flair bewahrt haben.

In historischen Räumen wie aus dem Bilderbuch sitzt man in der Taberna Salinas (auf Map), die seit 1879 Gäste bewirtet. Typisch ist der kachelgeschmückte lichte Raum im glasüberdachten Patio, den man auch in der größten Taberna Sociedad de Plateros San Francisco findet (auf Map).

Die bodenständige Küche ist deftig und der geschmorte Stierschwanz Rabo de Toro ist aus der cordobesischen Küche nicht wegzudenken. Er hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert in der Blütezeit des Stierkampfes, als zuhauf Rabo de Toro auf den Tisch kam. Die unerwünschten Teile des Stiers, einschließlich des Schwanzes, wurden an die Ärmsten der Stadt verteilt, die nach jedem Stierkampf vor der Arena warteten. Heute weiß man, dass langes und langsames Garen daraus ein köstliches Gericht macht. Am besten bestellt man es in einer der traditionellen Tabernas. Berühmt sind die Stierschwanz-Tapas in der Taberna San Miguel Casa El Pisto (auf Map). Ganz Spanien liebt Flamenquín, ein mit Serrano-Schinken und Käse umrolltes und paniertes Schnitzel, das in der Provinz Cordoba erfunden wurde. Und es geht deftig weiter mit einer Morcilla. Die spanische Blutwurst kommt knusprig gebraten mit Pommes und schmeckt leicht nach Zimt. Eine leichtere Küche wird's ja noch Richtung Küste geben. 

'Fiesta de los Patios' – wer hat den Schönsten im ganzen Land?

Auf ihre Blumenpracht sind die Cordobesen mächtig stolz und laden jedes Jahr im Mai Besucher in ihre Innenhöfe zum Wettbewerb der 'Fiesta de los Patios'.  

Ob der elegante Brunnenhof einer Villa oder ein von vielen geteilter Innenhof in einem bescheidenen Haus, dem Patio wird seit jeher viel Aufmerksamkeit geschenkt. In den 1920er Jahren begannen die Bewohner mit dem Wettbewerb um den schönsten Hof. Für manchen Cordobesen wird er zum blühenden Lebensinhalt. Sie sind in ihrem Patio groß und inzwischen alt geworden. Wenn man sich trifft, fragt man zuallererst „Wie geht es dem Patio?“ Um die Pracht am Leben zu halten, wird er gehegt und gepflegt und dann vererbt. In den Gassen der Altstadt finde ich schnell die Hot Spots. Dort, wo die Menschen Schlange stehen, verbirgt sich ein Anwärter auf den schönsten Patio von Córdoba. Eine App informiert sogar über Besucherstaus. Die makellos gestrichenen Wände hängen voller Töpfe mit Geranien, Petunien, Gartennelken oder Rosen. Bunt ist es und bisweilen schön kitschig. Um den Hof mit rund 1300 Töpfchen zu gießen, braucht es drei Stunden oder man bestellt den 'Cuidador', einen Pflanzenpfleger, der sich um die Höfe anderer kümmert und meist selbst keinen hat. 

 

Auch wer das Festival der Patios verpasst, wird dennoch geschmückte Gassen und Höfe in Córdoba entdecken können. Etwa bei einem 2-stündigen Rundgang zu 5 besonders schönen Innenöfen

Fiesta de los Patios de Córdoba 

Das "Festival der Höfe" ist öffentlich und kostenlos zugänglich. Es findet jedes Jahr 12 Tage lang im Mai statt und ist seit 2012 'Immaterielles UNESCO Kulturerbe'.  Prospekte mit dem Lageplan liegen dann überall in der Stadt aus und sogar eine App steht zur Verfügung u.a. mit Infos über Besucherstaus. 


 

Tipp. Palacio de Viana. Ein Highlight sind die 12 zauberhaften Innenhöfe des prunkvollen Herrenhauses Palacio de Viana, die das ganze Jahr über besichtigt werden können. Tickets gibt es auch online. Lage & Öffnungszeiten Google Map

Es gibt die Führung 'Córdoba Patios und Viana Palace Tour' mit einigen schönen Patios der Stadt und dem Besuch des beeindruckenden Palacio de Viana (12 Patios, 2-Stunden-Tour, 24h vorher stornierbar).

 

Sehenswert ist noch der Alcázar de los Reyes Cristianos. Die Palastfestung aus dem 14. Jh. mit Bauteilen aus maurischen Zeit war der königliche Sitz während der katholischen Reconquista und ist umgeben von prachtvollen Gärten mit Teichen und Brunnen, die im Sommer bis spätabends geöffnet sind. Google Map mit Öffnungszeiten. Ticket vor Ort oder online kaufen. Eine Alcázar Führung (70 Minuten) bietet GetYourGuides. 

Der Alcázar de los Reyes Cristianos von außen
Der Alcázar de los Reyes Cristianos von außen
Córdobas Triumphbogen Puerta del Punte liegt zwischen Mezquita und Römerbrücke
Córdobas Triumphbogen Puerta del Punte liegt zwischen Mezquita und Römerbrücke
Cordoba Puente Romano am Fluss Guadalquivir und Museum im Torre de la Calahorra
Die Puente Romano spannt sich in 16 Bögen über den Fluss Guadalquivir und führt zum Museum im Torre de la Calahorra

Stadtmuseum 'Museo Vivo de al-Andalus'

"Córdoba, die leuchtende Zier der Welt." Im 8. Jahrhundert, als das Erbe Roms am Zerfallen war, nahmen die Mauren Córdoba ein. Sie kamen ohne Frauen und heiraten die Töchter der Besiegten, machten sich sesshaft und schufen die kultivierteste Stadt des Abendlandes. Muslime, Christen und Juden lebten im regen Austausch zusammen in einer liberalen Weltstadt mit 800.000 Einwohnern, wie es eine zweite in der Zeit kaum gab. Man zählte 500 Moscheen, 80.000 Läden und Werkstätten, zahlreiche öffentliche Bäder, Krankenhäuser und Bibliotheken, 80 öffentliche Schulen konnten kostenfrei besucht werden.

Das Stadtmuseum im Torre de la Calahorra lässt das maurische Andalusien wieder lebendig werden und die großen Denker jener Epoche – Muslime, Christen und Juden – dabei zu Wort kommen. Die Ausstellung ist eine spannende Zeitreise mit moderner Multimedia-Show (Ticket mit deutschen Audioguide wählen!). Besonders eindrucksvoll sind die raffiniert ausgeleuchteten prachtvollen Holzmodelle der Alhambra und der Moschee von Córdoba in ihrer ursprünglichen Form. Dazu gibt es vom Dach des mächtigen Festungsturms einen schönen Blick auf die Römische Brücke und die Altstadt mit der Mezquita-Catedral. Torre de la Calahorra Museum auf Google Map mit Öffnungszeiten.

Museum Modell Mezquita von Cordoba zeigt die ursprünglichen Moschee
Das Museums-Modell der 'Mezquita von Cordoba' zeigt eindrucksvoll die ursprüngliche Moschee
Gemälde Cordoba Stadtmuseum
Ein ganz anderer Islam. Lebenslust, Musik und Literatur am Hofe von Abd-ar-Rahman
Ausblick vom Dach des Torre de la Calahorra Museums Cordoba
Ausblick vom Dach des Torre de la Calahorra Museums über die Römische Brücke zur Mezquita

In der Bar Santos die Kult Tortilla essen

Aufgrund der Lage direkt an der Moschee könnte man hier eine Touristenbar vermuten. Aber in die Bar Santos kehren mit Vorliebe und zu jeder Tageszeit Einheimische ein, um ein großzügiges Stück von der berühmten cremigen Tortilla zu essen, die, in der Kühlvitrine ausgestellt, an einen Parmesanleib erinnert. Dazu bestellt man ein Schälchen Almorejo (Gazpacho ähnliche kalte Tomatencreme) und eine Caña (kleines Bier) und genießt das Ganze gegenüber an der Mauer der Mezquita-Moschee. 

Rein in eine 'Bar Cantante' mit jungen Flamenco Künstlern

Die Taberna Doble de Cepa ist auch eine 'Bar Cantante' mit Flamenco Vorführungen. Junge Flamenco-Künstler für Gitarre, Gesang und Tanz treten allabendlich kostenlos auf – und sie sind wirklich gut! Man kann sich zum Essen setzen oder auch nur ein Bier an der Bar holen. Hier bekommen wir unsere erste 'Flamenco Dosis', eine fesselnde Kunst, die wir noch an weiteren Orten unserer Reise erleben dürfen. Der unverwechselbare brillante, kraftvolle Klang der Flamenco-Gitarre begleitet den heißeren, durchdringenden Gesang von Liebe und Schmerz, mal rasant, mal melancholisch. Im Mittelpunkt bewegt sich sinnlich und stolz die Tänzerin, mit explosiver Wildheit stampft sie laute 'Taconeos' mit dem Rhythmus ihrer Absätze aus dem Boden. Getanzte Leidenschaft, die mitreißend ist.

 

Etliche Flamenco-Shows für Touristen kosten viel und taugen wenig. Bei freiem Eintritt bekommt man im Doble de Cepa (Google Map) 30 Minuten 'Flamenco en vive' geboten. Beginn 22h00 je nach Jahreszeit checken, am besten vorbeigehen und auf das Plakat schauen, Calle Martínez Rucker 9, oder anrufen +34 957 94 46 73.

 

von Edel Seebauer / Fotos Jürgen Mahler

 

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