USA Nordwesten Teil 1 Seattle

Seattle – Die grüne Hightech-Metropole liegt reizvoll am Meer und zu Füßen der Berge

Auch mit 220 bewölkten Tagen im Jahr zählt die Technologie-Metropole zu den beliebtesten Städten der USA. Es wird behauptet, die Seattleaner kauften, aus Idealismus oder zum Trotz, mehr Sonnenbrillen pro Kopf als jeder andere amerikanische Großstädter.

 

Die Heimatstadt von Jimi Hendrix und Nirvana ist stolz auf ihre vielschichtige Musikszene und legendären Grunge-Jahre. Damals war man laut und zornig, heute wird codiert und klingonisch gesprochen. Seattle hat eine hohe kaffeesüchtige Software-Geek-Population und ist begeistert von legalisiertem Marihuana, Craft Bier und akribischer Mülltrennung.

 

Zwei Seattle Besucherattraktionen  Museum of Pop Culture und Space Needle
Zwei Seattle Besucherattraktionen, das Museum of Pop Culture und die Space Needle

 

Im wohlhabenden und liberalen Seattle mischen sich IT-Millionäre mit Hipster, Hippies und Punks. Wären da nicht die Software-Ingenieure von Microsoft, Amazon, T-Mobile und Expedia, die der Stadt ihren heutigen Reichtum gegeben haben, dann würde das Stadtbild noch stärker von einer bunten Alternativszene geprägt sein, in der aktuell türkisblaue Haare und natürlich Tattoos hip sind . 

 

Heute ist es unvorstellbar, aber bis in die 1980er Jahre galt die größte Metropole des amerikanischen Nordwestens als eine unattraktive Stadt. In den 1960er Jahren war Seattles Lake Washington von Abwässern so verdreckt, dass man ihn "Lake Stinko" nannte. Heute muss man zwar die katastrophale Rush Hour ertragen, dafür entschädigt die begehrliche Lebensqualität mit einer dicht umzingelnden Natur und dem majestätischen Mount Rainier, der sich vor der Haustür auf fast 4400m Höhe erhebt.

 

 Das legendäre Crocodile Life Music  in Belltown Seattle
Das legendäre 'Crocodile' in Belltown
Regenbogen Fußgängerweg im Szeneviertel Capital Hill Seattle
Die Regenbogenfarben der Schwulen & Lesben im Szeneviertel Capital Hill
Der Hausberg von Seattle 'Mount Rainer' ist 4.400 Meter hoch
Der Hausberg von Seattle 'Mount Rainer' ist 4.400 Meter hoch

 

In Seattle beginnt unsere USA Reise durch den Nordwesten. Wir haben zwei Nächte und einen Biorythmus, der allem 9 Stunden voraus ist. Aus dem Kurzbesuch wurde eine erlebnisreiche und trotzdem entspannte Seattle City Tour. Durch das Stadtleben fühlen wir uns rasch akklimatisiert, um uns auf unseren USA Road Trip Richtung Denver zu begeben.

Gleich drei Seattle Attraktionen warten im 'Seattle Center'

Das 'Seattle Center' Areal entstand zur Weltausstellung 1962 und ist bis heute ein Besuchererfolg, denn hier steht das Wahrzeichen der Stadt – die Space Needle und in unmittelbarer Nachbarschaft gleich zwei der neueren Highlights von Seattle: Das  Museum of Pop Culture (MoPOP) und die Weltklasse Glasskulpturen von Dale Chihuly.

  • Das Seattle Center mit seinen Sehenswürdigkeiten liegt leicht erreichbar, von Downtown zu Fuß in 15-20 Minuten oder einfach mit der Monorail.
  • Tipp: Eine Fahrt in der historischen Monorail macht Spaß, vor allem wenn man sich bei Nacht der beleuchteten Space Needle nähert. Die Einschienenbahn fährt seit der Weltausstellung 1962 zwischen Downtown und Seattle Center auf und ab (Lage Seattle Center).
Seattles historische Monorail
Seattles historische Monorail – unten die Space Needle in neuem Glanz

Space Needle – Rauf auf das Wahrzeichen der Stadt

New Space Needle Seattle Turm Observation Deck

Der goldene Außenaufzug bringt uns hinauf ins Retro-Raumschiff. Spektakulär wurde der futuristische Turm 1962 zur Weltausstellung eröffnet und 2018 ebenso spektakulär umgebaut mit gigantischen Glaswänden am offenen 360° Panorama-Aussichtsdeck und dem weltweit ersten rotierenden Glasboden. Von der 184 Meter hohen 'Weltraumnadel' überblickt man die verzweigte Meeresbucht des Puget Sound, die Skyline von Downtown und die Olympic Mountains. Bei guter Sicht zeigt sich "der Berg", womit in Seattle stets der eisbedeckte Mount Rainier gemeint ist.

  • Die Space Needle hat zeitgesteuerte Tickets (reservierter Tag und Uhrzeit). Im 30-Minuten-Takt erhält eine bestimmte Besucherzahl Einlass von 10 bis 20 Uhr. Tickets können online, mobil oder vor Ort an den Kassen/Automaten gekauft werden. Space Needle | Besucherinformationen
  • Günstiger im Kombiticket gibt es die Space Needle & Chihuly Garden and Glass'.
Mt. Rainier Blick von der Space Needle in Seattle
Mt. Rainier von der Space Needle in Seattle gesehen. Victor Grigas/Wikimedia Commons
Seattle Space Needle Turm historisch 1962
Die Eröffnung der Space Needle 1962 war eine Sensation

Wundersame Glaswelten – Chihuly Garden and Glass Artspace

Florale beeindruckende Glaskunst Chihuly Garden and Glass Museum Seattle
Medusisch oder floral – Chihulys Glaskunst beeindruckt

 

Unmittelbar unterhalb der Space Needle widmet sich die glanzvolle Ausstellung 'Chihuly Garden and Glass' dem Lebenswerk von Dale Chihuly, einem Glasbildhauer von Weltruhm.

 

Man kommt aus dem Staunen kaum raus. Wir folgen magisch den fantasievollen Skulpturen durch die verschiedenen Glaswelten. Chihulys kristallene Kreationen sind von einer farbigen Leuchtkraft und Leichtigkeit – mal medusisch oder organisch, exotisch und bizzar. Seine Faszination für Botanische Gärten hat er verschwenderisch ausgelebt. Die größte Installation nimmt das ganze 'Glass House' ein, eine 30 Meter lange, schwebende Blumenskulptur aus 1340 Einzelteilen. Es ist die weltweit umfangreichste Sammlung seines Schaffens mit der ihn seine Heimatstadt Seattle ehrt. Mit einem Stipendium in der Tasche macht sich Chihuly 1968 auf nach Venedig, zum Inbegriff der Glasmacherkunst, nach Murano zu Paolo Venini. Seine Arbeiten werden fortan von der venezianischen Glaskunst inspiriert.

 

 

Das Collections Café neben der Ausstellung ist mit originellen von Chihuly gesammelten Objekten dekoriert. Seine lebenslange Sammelleidenschaft begann am Ufer des Puget Sounds, wo er als Junge schon nach Strandglas und Dingen aller Art suchte, die bis heute zu einer riesigen Vintage-Sammlung herangewachsen ist. 

Museum of Pop Culture

Im Museum of Pop Culture (MoPOP) wurden Anbetungsräume für Hendrix, Nirvana oder Pearl Jam in die schillernde Architektur von Frank Gehry gesetzt, dazu unzählige Rock-Memorabilien, wie das Schlagzeug der Drummer-Legende John Bonham (Led Zeppelin), handgeschriebene Nirvana Songtexte oder Hendrix' E-Gitarre. Im 'Sound Lab' mit echten Aufnahmestudios darf ein jeder zu den Instrumenten greifen und jammen. 

Museum of Pop Culture (MoPOP) Architektur von Frank Gehry
Museum of Pop Culture in typischer Frank Gehry Architektur

Beste Chancen für Jam Studios hat man früh oder später am Tag.  Im Sound Lab: 12 schallisolierte Studio-Pods und DJ Turntables. 

Ausstellung Infinite Worlds of Science Fiction Museum of Pop Culture Seattle
Spannende Schätze aus den beliebtesten Sci-Fi-Werken. Foto: Museum of Pop Culture (MoPOP)

 

Ein Erlebnis der anderen Art verbirgt sich im dunklen Kellergeschoss, wo uns als erstes das stählerne Skelett des T-800 Terminators entgegenstarrt. In der 'Science Fiction and Fantasy Hall of Fame' versammeln sich ikonische Artefakte aus Star Trek, Terminator, Alien, Blade Runner, Das Imperium schlägt zurück oder Doctor Who. Das Original Lichtschwert aus Star Wars oder der Star Trek Kommandosessel lassen manch erwachsenen Mann wieder zum Kind werden.

 

Paul G. Allen, der verstorbene Microsoft-Mitbegründer und Stifter dieses Museums, war ein eingefleischter Hendrix Fan. Er erwarb viele Gegenstände aus dem persönlichem Besitz des Rockgitarristen, wie die berühmte E-Gitarre vom Woodstock Festival. 1993 übernahm Allen sogar die Kosten für den zwei Jahre andauernden Prozess der Familie Hendrix, die am Ende die Reche an Jimi Hendrix’ Musik zurückgewinnen konnte. Im Jahr 2000 machte Allen seine Sammlung aus 80.000 Exponaten der Rockgeschichte der Öffentlichkeit zugänglich.

 

Museum of Pop Culture (10-17 Uhr). Der Schwerpunk des MoPOP liegt auf der Rockmusikgeschichte, regelmäßig werden interessante Sonderausstellungen ins Haus geholt (leider mit extra Eintritt), wie die 'Avatar' Produktion oder Marvel Comics 'Universum der Superhelden'. Aktuelle Ausstellungen Museum of Pop Culture & Infos, Lage auf Google Map.

Abtauchen in die Science-Fiction Welt. Einmal ein Raumschiff steuern in die äußeren Regionen der Galaxie.

Der Seattle CityPASS

Seattles Touristen-Attraktionen sind, wie das ganze Preisniveau, teuer. Je nach Interesse kann sich der Seattle CityPASS lohnen, mit dem die Eintritte von 5 Attraktionen halbiert werden. Seattle CityPASS & aktuelle Preise. Im Angebot sind:

  • Space Needle. Hier sind zwei Besuche innerhalb von 24 Stunden eingeschlossen, man kann zur abendlichen Skyline noch einmal zurückkehren (10 bis 20 Uhr). 
  • Chihuly Garden and Glass / oder alternativ Pacific Science Center
  • Museum of Pop Culture (MoPOP) / oder alternativ Woodland Park Zoo
  • Argosy Cruises Harbor Tour. Seattle Hafenrundfahrt mit dem schönsten Seattle Skyline Blick. Mit Glück bekommt man bei klarer Sicht den Mt. Rainier mit aufs Foto.
  • Seattle Aquarium (alt und eher enttäuschend)

Pike Place Market – Fischwerfer, Organic Food, Souvenirs und authentische Esslokale

Pike Place Market Markthalle Seattle

 

Der alte Pike Place Market ist das pulsierende Herzstück im wenig aufregenden Downtown. Die historische Markthalle hat Charme, alte Leuchtreklamen, nostalgische Schilder und Erinnerungstücke schmücken die Marktstände. Es ist ein unverzichtbarer Schauplatz der Touristen, aber auch die Einheimischen lieben ihren Central Market. Hier trifft man sich nach der Arbeit oder geht aus zum Essen. Während der Markt Touristenströme durchschleust, die fröhliche Schnappschüsse machen und sich um die berüchtigten 'Fischwerfer' drängen, die täglich ihre Show abliefern, kann man auch alteingesessene Geschäfte und kleine handwerkliche Erzeuger entdecken (wenn auch zu Apothekerpreisen) – und einige der beliebtesten Restaurants und Bars der Stadt.

  • Echte Sammlerstücke ergattert man im museumsartigen Lädchen Market Coins & Collectibles (untere Marktebene Google Map). Alte Baseballkarten, Präsidentenmünzen & Buttons, Reproduktionen von Sport- oder Wahlplakaten.

 

"Im Wurst Schlaraffenland"

Bei Uli's Famous Sausage erfüllt der deutsche Metzgermeister Uli Lengenberg alle Träume von einem Himmel voller Würste. Bayrische Weißwurst, Aligatorwurst oder Antibiotika-freie Schweinswurst können direkt in der skurril-bayrischen Bierstube verschmaust werden.  

 

Das beste Sandwich vom Pike Place

Im Market Grill gleich gegenüber von Uli's müssen wir uns anstellen für das berühmte 'Blackend Salmon' Sandwich, das seit vielen Jahren zum besten Sandwich auf dem Markt gewählt wird, dazu bestellt man am besten gleich noch die Clam Chowder mit Garlic Bread.

Ein Typ wie „Jesse aus Breaking Bad" schmeißt den Laden. Etwas ausgeflippt ist er oder einfach nur 'gut drauf', wie viele in dieser Stadt. Etwa jener Busfahrer, der neue Fahrgäste in freudigem Singsang begrüßt. Einer Frau, die am Aussteigen ist, macht er zur Wahl ihres Kleides ein Kompliment, dem ein älterer Fahrgast noch hinzufügt 'und erst ihr hübsches, wehendes Haar'.

 

 

Pike Place Insider Tipp! Die Bar im Athenian. Um der Enge und den Massen zu entfliehen, ist das Athenian der perfekte Ort. Der schöne alte Raum und die Atmosphäre haben uns reingelockt, die Reihe roter Barhocker am langen Holztresen, der Blick auf die Waterfront mit der schon tief stehenden Sonne in der Elliott Bay. Nur Insider wissen, die 'Backbar' im Athenian ist das Wohnzimmer der Locals. Ganz hinten links in der versteckten Bar drängen sich zur Happy Hour wohlgelaunte Menschen bei frostigen Krügen mit Bier, frischen Markt-Austern oder Fish & Chips. Eröffnet haben das Athenian 1909 drei griechische Brüder, ursprünglich als Luncheonette, heute ist das Seafood Restaurant & Bar eine Institution.

  • Im Athenian kann man länger verweilen während der Markt um 18 Uhr die Tore schließt. Lage Google
Happy Hour Athenian Seafood restaurant Seattle Pike Place Market
Den Leuchtschild 'Bar' folgen zur Happy Hour im Athenian
Das alte Athenian Seafood restaurant Seattle Pike Place Market
Im Athenian – türkisblaues Haar ist zur Zeit hip

 

Die Entstehung des ersten Erzeugermarktes

 

"Meet the Producer" so steht es seit mehr als hundert Jahren an der Fassade. Seattles Pike Place Markt ist der älteste, durchgehend betriebene Erzeugermarkt Amerikas. Der heute so populäre 'Local & Organic Farmers Market' wurde quasi hier schon im Jahre 1907 eingeführt. Am "Pike Place" sollten lokale Bauern ihre Produkte erstmals direkt an die Verbraucher verkaufen können. Am ersten Markttag waren die Waren einer Handvoll Bauern in Minutenschnelle ausverkauft. Eine Woche später sind es schon 70 Stände. 

  

Nach dem Goldrausch folgten florierende Jahre. Es gab inzwischen die Markthalle, die Händler und Marktbauern waren eine bunte, lebhafte Mischung aus italienischen und japanischen Einwanderern. Mit der Bombardierung von Pearl Harbour 1942 änderte sich schlagartig das Leben von 120.000 japanischstämmigen Bürgern, unter ihnen viele amerikanische Staatsbürger in zweiter oder dritter Generation. Die Mehrheit der Marktbauern vom Pike Place war betroffen, sie wurden enteignet und in Internierungslager gesteckt. Nach dem amerikanischen Sieg kamen sie wieder frei. Alles, was es zum Neuanfang gab, war eine Fahrkarte und 20 Dollar. Noch heute ist das ein verschüttetes Kapitel der US-Geschichte.

Um 1950, den Jahren der rapiden Modernisierung, hat die Erfindung von Fertig- und Dosengerichten Amerikas Hausfrauen schnell verführt und die alte Markthalle sollte modernen Bürohäusern weichen. Das aber konnte von einer Bürgerinitiative verhindert werden.

 

Kaffeesüchtige Metropole Seattle.

Starbucks ist ein anderer Gigant aus Seattle, der 1971 von hier aus die Welt mit seiner Kaffeehauskultur beglückte. Starbucks-Pilger suchen in Seattle gerne das erste Original Starbucks Geschäft am Pike Place Market auf. Aber auch Starbucks-Verweigerer schauen rein, zumindest für einen Blick oder ein Foto.

Die lokale Kaffee-Szene bietet inzwischen viel mehr. Ein Barista-Kurs, Coffee Workshop oder Espresso Labor, jährlich findet eine Coffee Expo statt. Die Stadt behauptet, mehr Kaffeehäuser als jede andere Metropole der USA zu haben. Für die Kaffeelust, hier die Essential Seattle Coffee Shops.

Seattle im Bierrausch

Seattle ist heiliges Bierland für alle Jünger des Bernstein-Elixiers. Die Stadt hat die meisten Brauereien aller US-Städte, bislang über 175 – aber Nichts wird das Rainier ersetzen. Seit 1878 ist es "ihr Bier", eine buchstäbliche Ikone, die ihre Skyline prägt. Und unvergesslich sind die Rainier Werbespots der 1970-80er, welche der nostalgische Seattleaner nicht vergisst! (Video Youtube)

 

Die TeKu Tavern in Belltown ist ein Craft Beer Paradies mit 45 Bieren von der Zapfanlage und 100 Sorten in der Kühltheke. Hier kann man Biersorten endlos durchprobieren und auch mitnehmen.

 

The Masonry ist der beste Ort für Craft Bier & Pizza. Die Bierliste ist hervorragend. Zur Verkostung von erstklassigen Micro Breweries gibt es beste neapolitanische Pizza & Meatballs!  Google Lage

Belltown das 'shabby-chic' Viertel

Belltown hat sich vom Schmuddel- zum Shabby-Chic-Viertel hochgearbeitet, alte Backsteinhäuser werden zu Restaurant und Bars umrestauriert. Die Kneipendichte war schon immer hoch im Viertel der Grunge-Szene. Aus jener Zeit ist das Crocodile, ein Musikschuppen, in dem schon jede Band aus der Alternativszene gespielt hat, inklusive Nirvana. In der Backbar gibt es DJ Sounds | Google Map.

Im Cannabis Pot Shop

Endlich mal legal eine kiffen! Marihuana wurde, wo auch sonst, als erstes im progressiven Bundesstaat Washington legalisiert. Wir suchen das 'Have a Heart' in Belltown auf. Erst müssen wir uns ausweisen, bevor wir den Cannabisladen betreten dürfen, der enttäuschend steril ist, wie in einem Handy-Geschäft liegt die Ware hinter Glasvitrinen. Ein 'Budtender' reicht uns einen 'Kitchen-Check' (Orderzettel) und nimmt sich unserer an. Am Ende entscheide ich Hasenfuß mich doch für die leichte Wirkung 'relax' statt 'psychedelic'. Wie die Wirkung war? Schon nach den ersten Zügen benommen, dann eine schwere Müdigkeit, die mich geradewegs ins Bett trieb. 'Marionberry' hieß meine teure Schlaftablette. Der letzte Lungenzug ist doch schon lange her. 

  • Have a Heart Cannabis Shops (in Belltown und andere Locations in Seattle) 

 

Unser Seattle Hotel – Belltown Inn

Für die zwei Übernachtungen in Seattle buchen wir uns in das Belltown Inn, weil es komfortabel zwischen Pike Place und Seattle Center (Space Needle Area) liegt, beides erreicht man zu Fuß in 10 Minuten. Das Mittelklasse Hotel ist für Seattles Verhältnisse bezahlbar, gut ausgestattet mit einer Kitchenette im Zimmer inklusive Kaffee und kostenlosem Fahrradverleih. Die ruhigeren Zimmer gehen zum Innenhof! 

Im Park gegenüber halten sich Homeless People auf. Wie auch in anderen Stadtteilen sind sie harmlos aber ein gewöhnungsbedürftiges Bild. Eine Bushaltestelle ist direkt vor der Tür (Verbindung z.B. ins Szeneviertel Capital Hill).

Gefallen hat uns das Hotelkonzept. Es gibt keine Bewirtung oder Frühstück, dafür können mitgebrachte Speise und Getränke im Hotel konsumiert werden. Am schönsten, gemütlich auf der Dachterrasse. Gute Cafes und Take-Out Restaurants gibt es in der Nähe (FOB Poke Bar) und man spart sich mal den teuren Restaurantbesuch.

 

Mein Take-Out Tipp: Die FOB Poke Bar

Das beste Essen, das man für 10 Dollar bekommen kann. Der rohe Fisch und die Zutaten sind frisch, die Variationen vielfältig und man hat die Qual der Wahl (Cilantro Cream Dressing unser Favorit!) Unsere riesige Poke Bowl war köstlich und wir hätten sie kaum schöner als auf unserer Dachterrasse im Abendrot über Seattle genießen können | Poke Bar auf Google

 

The 5 Point Cafe in Belltown ist eine 'Seattle Dive Bar' und Ikone der Bar-Kultur mit der U-förmigen Bar, den Jukeboxes und Sprüchen wie "Wir betrügen Touristen und Betrunkene seit 1929" oder "Alkoholiker, die Alkoholiker seit 1929 servieren". Günstige Preise und Happy Hours am Morgen und Abend locken die Nachbarschaft und Touristen an. Es gibt eine ordentliche Bierliste, ordinäres üppiges Bar-Food und ist rund um die Uhr geöffnet. Google Lage

 

Capitol Hill Szeneviertel. Auch wenn die hochbezahlte Amazon & Co. Belegschaft schon langsam vordringt, hat das Viertel noch immer eine lebendige Alternativszene. Bemalte Backsteinhäuser, Schwulensaunas, Hundesalons, Fetischläden, schummerige Bars und Punk-Schuppen, Kaffeeröstereien, kreative Veganküche und Bio-Donuts. Es ist das angestammte Quartier der Schwulen und Lesben und auch die Zebrastreifen sind in den Regenbogenfarben ihrer Flagge. Google Map

 

Die Freiheit des Scheiterns. Keine andere Stadt in den Staaten ist so liberal, qualifiziert und fortschrittlich. In Seattle liegt der Mindestlohn doppelt so hoch, wie im Rest des Landes. Und weil alle wegen der hochbezahlten Jobs und Lebensqualität herziehen, steigt das Preisniveau und damit auch die Zahl der Obdachlosen. Wir sehen viele Opiode-Abhängige in einem verwahrlosten und psychisch erschreckendem Zustand. Die Bewohner scheinen sich daran nicht zu stören und man lässt sich gegenseitig in Ruhe. Frei und liberal sein, hat mit Nächstenliebe wenig gemein. Seattle verzeichnet die meisten gleichgeschlechtlichen Ehen und auch die niedrigste Kirchgängerquote Amerikas.

 

In Seattle sitzt mit der Bill & Melinda Gates Foundation, die reichste Privatstiftung der Welt. Mit den Geldern werden Krankheiten in Afrika bekämpft, was löblich ist, aber das Elend liegt auch direkt vor ihrer Tür.

 

Das Bill & Melinda Gates Foundation Discovery Center kann besucht werden. (Nähe Space Needle Google Map).

 

Anreise Seattle Tacoma Airport

Jet City, wird Seattle auch genannt, denn der größte Arbeitgeber ist immer noch das Boeing-Werk (seit 1916) mit rund 80.000 Beschäftigten, gefolgt von Microsoft 40.000 und Amazon 25.000. Umso erstaunter ist man über den alten und völlig überforderten Flughafen. In der Gepäckankunft ging es drunter und drüber, während hunderte aufgetürmte Koffer alle Laufbänder lahmgelegt haben. Um die zweistündige Einreise-Prozedur gut gelaunt zu überstehen braucht man die Demut der amerikanischen Pilgerväter.

  • Von Seattle Tacoma Airport in die Stadt rein: am besten am Fix Price Taxistand anstehen oder die 'Link Light Rail' Bahn nehmen (Verbindungen zeigt Google Maps). 

 

Text Edel Seebauer | Fotos Jürgen Mahler

RV Camping Mt. Rainer Nationalpark White River Campground
Unsere erste Nacht im Road Bear mit Slide Out Bett! Mt. Rainer White River Camp


Weiterreisen werden wir bis nach Denver in einem Wohnmobil – ein Symbol für das amerikanische Nationalgefühl von Freiheit, Mobilität und Unabhängigkeit, aber wesentlich komfortabler als die Planwagen der Pioniere.
  

 


Bei 'Road Bear' (aus der Schweiz stammenden RV-Vermieter) übernehmen wir unser Reisemobil. Nach unserer deutschen Einweisung beladen wir unser neues Heim und werden von einem rückkehrenden holländischen Ehepaar gleich beschenkt mit ihren Hinterlassenschaften von Coke Light, Marmeladen, Sojasauce bis zu einem Kugelgrill und einer Tischdecke. Den Großeinkauf erledigen wird auf dem Weg zum Mount Rainier im 24 Stunden geöffneten 'Safeway' in Enumclaw. Die Umrisse des weißen Riesenvulkans zeichnen sich bereits deutlich am Himmel ab. Noch eine Stunde, dann sind wir an unserem ersten Campingplatz am White River zu Füßen des Mount Rainer.

  • Einkauf-Tipp: Mit der Safeway Kundenkarte spart schon beim ersten Einkauf (vorher am Service-Schalter besorgen). Die Qualität ist sehr gut und die Auswahl riesig, auch viele Bio-Produkte. Tipp für den Grill: Bisonsteaks, Lamm ist sogar günstiger als Rind, von den tollen Lammkoteletts haben wir gleich einige eingefrorenen.
  • Safeway Enumclaw liegt eine Stunde (44 Meilen) vor unserer ersten Campingnacht im White River Campground im 'Sunrise'-Gebiet des Mount Rainier National Park.
Mt. Ranier Vulkan im Norden bei Enumclaw
Beim Großeinkauf in Enumclaw zeigt er sich uns, der Mt. Ranier Vulkan

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