Peloponnes 2. TEIL 

Peloponnes – Bergdörfer, ein mythisches Felsenkloster und die einmalige byzantinische Stadt Mystras

Stemnitsa, Dimitsana, Lousios-Schlucht, Mystras

Kloster Prodromou Lousios-Schlucht Canyon Peloponnese
Spektakulär im Felsen das Kloster Prodromou in der Lousios-Schlucht

Kühle Bergdörfer und scheue Mönche in der Schlucht

Bergdorf Dimitsama, Peloponnes
Bergdorf-Idyll Dimitsama, Peloponnes

 

Vom Land der Mythen geht es ins arkadische Hochland zu den Bergdörfern Stemnitsa und Dimitsana, wo die Lousios-Schlucht auf uns wartet mit dem mittelalterlichen Kloster Prodromou, das spektakulär in der Felswand hängt.

 

Man kommt in eine mystische Gegend mit dicht bewaldeten Hügeln, Dörfern mit kühlen Natursteinhäusern und unzähligen Kirchtürmen. Gleich zwei der romantischsten Bergdörfer Stemnitsa und Dimitsana liegen keine 10 km von einander entfernt.

 

Auf dem Weg besuchen wir erst noch die Sommerfrische Vytina, und hier hat es vergleichsweise kühle 12 Grad. Im Dorf von Vytina findet man ein paar kleine Geschäfte, die den viel gerühmten Vytina-Tannenhonig verkaufen oder den aromatischen Thymianhonig. Im Frühjahr kann man die Wälder summen hören mit ihren Tausenden von Bienenkisten.

 

Hier oben im noch frischen Bergfrühling wirken die Dörfer friedlich und verschlafen, und die wenigen Besucher werden von den im Kafenion sitzenden Alten beäugt. Die Abgeschiedenheit ist aber auch Grund für die unübersehbare Landflucht. Viele alte Häuser stehen verlassen und junge Menschen sehen wir kaum – außer in Stemnitsa, wo noch die alte Tradition der Silber- und Goldschmiedekunst gelehrt wird.

Charmantes Stemnitsa

An der schönen Platia mit dem Glockenturm gibt es ein paar Tante-Emma-Läden, Tavernen und das einladende, nostalgische Kafenion. Um den alten Kohleofen sitzen die Lehrlinge der berühmten Goldschmiedeschule des Dorfes. Heute betreibt der Sohn das Cafe und serviert uns den umwerfenden und saftigen Orangenkuchen seiner Mutter.

  • Vom Dorfplatz in Stemnitsa führt eine Gasse zu einer kleinen Aussichtsterrasse über das Lousios-Tal.
  • In den Auslagen der kleinen Schmuckgeschäfte werden wirklich erlesene und kreative Arbeiten aus der lokalen Schmiede angeboten – alles Unikate.

Von Stemnitsa hat man den besten Zugang in die Lousios-Schlucht für die Wanderung zum Kloster Prodromou, dem schönsten Kloster auf der Peloponnes. Zu der Wanderung kommen wir noch später.

Bergdorf-Idyll Dimitsana

Das Bergdorf Dimitsana liegt besonders reizvoll auf einem Bergsattel auf 1.000m und wird vom Lousios-Fluss von drei Seiten umschlossen. Ein beschauliches Dorf mit steilen Gassen und Treppen, und fast so vielen Kirchen wie wir Einwohner erblicken – und von überall eine Aussicht!

 

In der Kurve der Dorfstraße gleich neben dem alten Kafenion gibt es einen Platz mit Sitzbänken, von dem man direkt hinab ins Lousios-Tal blickt. Hier bekommen wir noch die letzten, wärmenden Sonnenstrahlen ab, sitzen nur und beobachten. Zwei ernsthafte Dorfvertreter scheinen Wichtiges zu besprechen, während sie immer wieder auf und ab laufen und zwischendurch auf die welkenden Blumenkübel deuten. Nur ein paar Schritte weiter kommt das Restaurant Sto Kioupi, das unser Gastgeber uns für heute Abend empfohlen hat. Ein hübscher Raum mit Leuchtern und einem großen Kamin empfängt uns. Die außergewöhnliche Karte ist eine willkommene Abwechslung: Cremig zart, die Riesen Fava-Bohnen in pikanter Sauce, toll. Eine klare Ziegenbrühe, zu der das darin gekochte Fleisch separat gereicht wird. Dreierlei Fleisch im Papier gebacken. Wildschwein aus den heimischen Wäldern. Schade, dass nur wenige Tische belegt waren. Restaurant-Bewertungen.

  • Das unweit von Dimitsana gelegene Wasserkraftmuseum könnte spannend sein, leider war es an dem Tag geschlossen. Das Freilichtmuseum zeigt, wie hier einst die Wasserkraft genutzt wurde – zum Mahlen von Getreide und Schwarzpulver oder zum Gerben und Färben.

Hotel Tipp in Dimitsana

 Wunschlos glücklich im Guesthouse Enastron

 

Guesthouse Enastron, Dimitsana, Peloponnes
Bestens beherbergt werden wir im Enastron, Dimitsana

 

Eigentlich ist hier alles Top: Die Zimmer, die Lage, die Tipps, das Frühstück, der Preis. Das sympathische Ehepaar hat viel Mühe und Qualität in das Haus und die 5 Zimmer gesteckt. Eine Top Einrichtung aus hochwertigsten Materialien vom Bett bis zum Bad. DVD/CD-Player, Flachbildschirm (mit ZDF), W-Lan, Minibar, Balkon, Bademäntel, Hausschuhe, Pflegeprodukte. Von der Haustür führt ein kurzer Weg direkt auf die Dorfstraße zu den Cafes und Restaurants. Im gemütlichen 'Wohnzimmer' wird ein großartiges Frühstück serviert: Man kann kaum alles probieren. Ob Fleischtarte, heißes Schinken/Käse Toast, Omlettes nach Wahl, frische Erdbeeren mit Sahne, Joghurt mit Honig – und das umwerfende, frisch gebackene, luftige Mille Feuille, das wir unbedingt probieren mussten. Sehr empfehlenswert.

 

Klick Bildergalerie Enastron Guesthouse

Gib dem Affen Zucker – Besuch im sagenhaften Kloster Prodromou

Die Lousios-Schlucht ist ein Highlight für jeden Wanderer, verbunden mit dem Besuch des versteckten, orthodoxen Klosters Prodromou.

 

Klosters Prodromou in den Bergen Peloponnes
Ziemlich spektakulär liegt das Klosters Prodromou
Klosters Prodromou Peloponnes
Klosters Prodromou Peloponnes

 

Holzbalkone und Zimmerchen aus Holzverschlägen kleben wie Schwalbennester im Felsen. Wo düstere Mönche seit über 1.000 Jahren durch schummrige Höhlenräume schleichen.

 

Von den abweisenden Mönchen in Prodromou haben wir gehört. Haben sie das Maultier vor dem Kloster absichtlich in den Weg gestellt, das wild ausschlägt, als der Franzose vor uns vorbei will? Alle machen einen Umweg, keiner traut sich mehr vorbei. Die bärtigen Mönche in ihren schwarzen Kutten machen keine Anstalten uns hereinzubitten, als wir durch das geschlossene Tor zu ihnen in den Hof blicken. Das Schild draußen zeigt uns aber an, geöffnet bis 13 Uhr. Das ist ihre Masche – die Franzosen ziehen weiter. Nach einigem Zögern drücken wir die Klinke – und treten ein.

 

Keine Begrüßung oder Ansprache. Durch Felsengänge kommen wir ins Innere und schauen uns schüchtern um. Ein Mönch schleicht vorbei und deutet in einen Raum. Dort stehen schon zwei Tassen heißer, griechischer Kaffee und eine Schale Süßigkeiten. Mir scheint, sie sind eher scheu als unhöflich. Glücklich, dass wir geduldet werden, greifen wir beherzt nach dem klebrigen, in Staubzucker gewälzten türkischen Lokum, das schmerzhaft süß und äußert schwer herunterzuspülen ist – und bedanken uns am Ende großzügig mit der erwarteten Spende. Hochinteressant! Nicht zögern, einfach reingehen.

  • Ab 13 Uhr Ruhezeit und für Besucher geschlossen. Kein Eintritt dafür eine kleine Geldspende liegen lassen.
  • Kloster Prodromou Besuch mit dem Auto (Google map). Nach dem Ort Stemnitsa führt eine Serpentinenstraße 9 km und 700 m hinab, wo gut sichtbar eine kleine Kapelle steht parken, ein Weg führt in 15-20 Minuten hinab zum Kloster.

 Klick Bildergalerie Kloster Prodromou

Lousios-Schlucht Wanderung

Bei Stemnitsa führt eine Serpentinenstraße hinab zum antiken Gortys, eine einsam schön gelegene kleine Ausgrabung, wo die Autos geparkt werden. Der Weg durch die 200m tief eingeschnittene Schlucht ist beschildert. Am rauschenden Lousios-Fluss entlang, passiert man den früheren, idyllischen Waschplatz der Mönche, bis ein steiler Weg zum Kloster Prodromou abzweigt. Wieder zurück am Fluss, geht es auf der anderen Seite in steilen Kehren zum Philosophos-Kloster hinauf. Vorher führt ein lohnenswerter Abstecher zu den verfallenen aber sehenswerten Ruinen des früheren Klosters mit herrlichem Weitblick über den Canyon bis hinüber zum Prodromou Kloster.

  • Diese Wanderung von ca. 3 ½ Stunden (ohne Pause, gleicher Rückweg) ist einfach aber das ständige auf und ab kann anstrengend werden, vor allem bei Hitze. Bis zum Kloster Prodromou ca. 1 Stunde  und weitere 45 min bis zum Philosophos-Kloster. Rother Wanderführer Peloponnes
  • Anfahrt: Von Stemnitsa Richtung Dimitsana, die Abzweigung mit dem Schild 'antikes Gortys' nehmen, nach 10km  Parkplatz. Google Map
  • Nach starkem Regen Gefahr von Flutwellen am Lousios Fluss.
Lousios-Schlucht mit Kloster Prodromou
Lousios-Schlucht mit Kloster Prodromou

Auf Mystras Tour

Mystras, am Berghang, Peloponnes
Die byzantinische Stadt Mystras, Peloponnes

 

MYSTRAS. In andächtiger Stille ruht die alte Ruinen-Stadt aus Stein und roten Ziegeln mit ihren über 25 Kirchen, als wir am Abend im kleinen Ort ankommen. Äußerst eindrucksvoll liegt Mystras steil an einem Ausläufer des sich auftürmenden, mächtigen Taygetos-Gebirges.

 

Am nächsten Morgen offenbart sich uns ein spektakuläres Open-Air-Museum aus byzantinischen Kirchen, Klöstern, Adelshäusern, Palästen und einer Himmelsfestung. Im Gegensatz zum benachbarten, versunkenen Sparta, zeigt Mystras heute noch prachtvoll seinen Reichtum von einst und gibt einen faszinierenden Einblick in ein anderes Zeitalter – als die Stadt im 13. Jahrhundert neben Konstantinopel Nabel der byzantinischen Welt war.  Auf 15 Kirchen verteilen sich die seltenen und gut erhaltenden, byzantinischen Fresken. Dabei war das Leben hier keineswegs nur dem Geistigen und Geistlichen gewidmet – bunt und prunkvoll ging es bei den Feierlichkeiten der adligen Stadthalter und Kaufleute zu. Als Konstantinopel an die Türken viel, begann auch Mystras Niedergang, das 1770 auf Geheiß der Türken, von albanischen Truppen zerstört und geplündert wurde.

 

Für die Besichtigung von Mystras sollte man sich mindestens einen halben Tag Zeit nehmen. Das Gelände lädt zu vielen kleinen Pausen ein, mit ständiger Aussicht auf die Talebene und Sparta. Am Dorfplatz kaufen wir fürs Picknick ein und wählen den anstrengenderen Weg von der Unter- in die Oberstadt (Eingänge gibt es an beiden Toren), auf dem wir wie erhofft, wenige Besucher antreffen.

  • Wer mit dem eigenen Auto da ist, kann sich mit dem gleichen Tagesticket z.B. erst die Unterstadt anschauen und danach hochfahren für die Oberstadt.
  • Manche Hotels bieten ihren Gäste an, sie die 3km zum oberen Eingang zu fahren (Fortress Gate), damit sie sich nur noch bergab arbeiten müssen.
  • Wegen der glatten Steinwege, rutschfestes Schuhwerk empfohlen!
  • Mystras Besucherinformationen

 

Fotogalerie Mystras

Die kleine Ortschaft Mystras

Vom kleinen, neuen Dorf Mystras sind wir angenehm überrascht. Trotz des täglichen Touristenstroms hat es noch Charme und ein ausgezeichnetes Restaurant! (ganz anders ist Delphi oder Olympia).

 

Von unserem Balkon über dem Dorfplatz haben wir alles im Blick. Um die Platia mit der riesigen Platane reihen sich kleinere Hotels, bis spät geöffnete Tante-Emma-Läden und eine gute Konditorei. Dazu zwei Kafenions – in dem einen sitzen die Alten, im anderen verfolgt die Jugend ein Champions-League Spiel. Das freundliche Hotel Mystras Inn liegt direkt an der Platia, ist einfach und sauber, und bietet Zimmer mit Balkon (Hotel Mystras Inn bei Booking.com und Tripadvisor).

Neustadt Mystra new city Peoloponnes
Die sympathische kleine Neustadt Mystras – unser Hotel an der Ecke

Tipp. Das Chromata Restaurant in Mystras

Vier Kilometer oberhalb von Mystras liegt es versteckt, das Chromata Restaurant, in einem alten Steinhaus von dem der Ausblick nicht besser sein kann. Für die schöne Terrasse ist es am Abend zu kühl, aber der Talblick auf das von der sinkenden Sonne angestrahlte Sparta hält uns noch zum Aperitif draußen fest.

 

Drin ist der Speiseraum warm und urgemütlich, das junge Team ist locker und professionell. Serviert wird, was Boden und Land lokal hergeben in Form einer ausgezeichneten Landküche aus besten Produkten – viele davon von der Familie selbst angebaut oder aufgezogen, wie die Kräuter und Wachteln nebenan im Garten.

 

Alles war toll: Die geröstete Rote Beete mit lokalem Schafskäse, die Fava Bean Fritters auf frischem Kräuter-Joghurt, und die köstlich gegrillten Wachteln (siehe ganze Speisekarte in Fotos). Hier würde man gerne öfters essen!

 

Lage/ Adresse Chromata Restaurant Mystras und aktuelle Bewertungen.

Chromata Restaurant Mystras, Peloponnes
Unbedingt probieren, die Wachteln im Chromata Restaurant Mystras

Abstecher Sparta – von seinem Geist ist nichts geblieben

Ein jeder kennt Sparta und die Spartaner, für die Krieg und Kampf die einzig würdige Beschäftigung war, und die blutrote Umhänge trugen, um ihre Wunden zu verbergen.

 

Die einstige griechische Großmacht liegt unter der Erde, und ihre weltberühmte Geschichte wird nicht ans Tageslicht gebracht. Antike Überreste mitten im Ort liegen brach oder begraben unter der neuen Stadt. Ein zweiter Blick auf Sparta lohnt sich vielleicht – wenn man Zeit mitbringt. Die spärlichen Ausgrabungen des antiken Sparta befinden sich außerhalb der Stadt. Sparta Stadt wirkt sympathisch und aufgeräumt, eine Studentenstadt mit auffallend vielen Cafes.

Text: Edel Seebauer  / Fotos: Jürgen Mahler

  

 

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