USA Nordwesten Teil 3 – Yakima & Pendleton (Washington | Oregon)

Durchs Yakima Hopfen & Wein Valley nach Pendleton zum Rodeo Spektakel der besten Profi-Cowboys

Professional Bull Riding im Happy Canyon Pendleton Round Up Oregon
Sein Mut ist beeindruckend – Profi Bull Rider beim Pendleton Rodeo
Rodeo Champion Sattel Pendleton Round Up Station Oregon
Der begehrte Champion Sattel – im Pendleton Round Up Station

 

In Oregon zieht das legendäre Pendleton Rodeo Tausende von Cowboys und Cowgirls in die Stadt. Western und indianische Kultur werden eine Woche lang gefeiert. Prädikat: besonders authentisch!

  

Von der eisigen Schönheit des  Mount Rainier kommend, führt uns die Reise vorher noch durchs Yakima Valley, wo Wein, Hopfen und Früchte gedeihen. Eine Welt, weit weg von Seattle. Die 'dry side', wie sie die Washingtoner beschreiben, ist die Heimat von mehr Traktoren als Teslas.

 

Yakima Valley brewery Event Monarch Butterfly
Im Yakima Valley zum Monarch Butterfly Fest in der Brauerei
Cowboyhut Store in Pendleton zum Rodeo, Oregon
Am Hut erkennt man woher ein Cowboy stammt – zum Rodeo in Pendleton

Yakima 'Farm Fresh' County – von der Halbwüste zur fruchtbaren Oase

Im Regenschatten der Kasdadenkette schufen Schneeschmelze und viel Sonnenschein diese Halbwüste, die im Yakima Tal mit reichlich Bewässerung einen ganzen Obstkorb füllt: Äpfel, Trauben, Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen, Pflaumen, Birnen, Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren und Melonen. Der Yakima River schlängelt sich pittoresk durch den wilden Yakima River Canyon (schön zum Camping), bevor er zwischen Weinbergen, Hopfenfeldern und Obstplantagen in den Columbia River mündet. Die dunkelgrünen Teppiche aus Minze sind für Kaugummi und Zahnpasta bestimmt. In dem am intensivsten bewässerten Gebiet der USA gilt bei Wasserknappheit heute noch das 1905 aufgestellte Wasservorrecht für die Farmer.

 

Yakima Valley Weine & Hopfen Washington
Fruchtbar gemacht, das Yakima Valley mit Wein & Hopfen
Yakima River Canyon schönes Camping
Yakima River Canyon, eine Halbwüste in Washington

 

Die vier Campingplätze im Yakima River Canyon sind Roza, Big Pines, Yakima River Canyon & Lmuma Creek. Wegen starker Trockenheit war das Grillen verboten, mehrmals am Tag rattert ein kilometerlanger Güterzüge durch das Flusstal.

Feste Feiern im Yakima Valley – Hopfen, Wein oder Cider Festivals

Monarch Butterfly Release Event in Yakima Valley Cowiche Creek Brewing
'Monarch Schmetterlingsfest' in der Cowiche Creek Brewing Company

 

'Monarch Butterfly Release'. Familienfest und amerikanisches Idyll.

 

Im Yakima Valley lockt uns ein besonderes Event ins Hügelland hinauf. An uns pilgern mit Camping-Stühlen und Picknicktaschen bepackte Familien mit hinreißenden Kindern in hübschen Kleidern und freundlichen Hunden vorbei. Das jährliche 'Monarch Schmetterlingsfest' in der Cowiche Creek Brewing Company ist eine Wohltätigkeitsveranstaltung zur Rettung der aussterbenden Art. Wir scheinen die einzigen Touristen und das einzige Wohnmobil zu sein und befürchten schon keinen Parkplatz zu finden, aber wir sind in super-size USA. Hinter dem Hopfen sollen wir parken, wo sich eine riesige, gemähte Fläche auftut.

 

Monarchfalter wurden aufgezogen und markiert, um ihre Wanderung zu erforschen. Der Tag, an dem die Schmetterlinge freigelassen werden, wird als Picknick mit Hund, Kind & Kegel, Musik und gutem Craft-Bier gefeiert. Die Kinder tanzen zu Blake Nobles Percussive-Guitar und E-Feedle, zu Funk-Rock und Didgeridoo, während die Eltern Small Talk halten, sich zurücklehnen oder Nachschub aus dem Brauhaus holen. Das Wetter ist traumhaft, die Aussicht herrlich und am Ende sind alle entzückt von den ausschwärmenden Schmetterlingen, die noch nicht so richtig auf Südkurs gen Mexiko eingestellt sind und sich lieber auf den hübschen Mädchenkleidern niederlassen –  in einem amerikanischen Idyll.

 

Im Yakima Valley wird gern gefeiert. Auf der Heimfahrt lesen wir das Schild "Caution! Drunken drivers are out here!" Der lokale 'Apple Cider' ist übrigens auch hervorragend.

 

Great beer place to hang outCowiche Creek Brewing Company Event Termine.

 

Die schöne Aussicht, die guten frischen Craft Biere und Tacos vom Food Truck kann man auch sonst hier oben genießen. Bei schönem Wetter draußen an den Picknicktischen. Die Besitzer fingen als Farmers-Eheleute mit Brauversuchen in der Hausgarage an. Die Cowiche Creek Brauerei im Yakima Valley ist an mehreren Tagen in der Woche geöffnet, genaue Infos auf Google Maps. 

 

Visit Yakima Valley Besucherseite mit allen Events rund um Bier, Wein & Cider, Farm Fresh Fun bis zu Kids & Pet Friendly Events. 

 

  • Termine der Farmers Markets. Auf dem Yakima Markt verkaufte ein kleiner Züchter richtig gutes 'grasfed beef', das Hackfleisch der am Abend gegrillten Burger war super.
  • Tieton Cider produzieren hervorragende Cidre nicht nur vom Apfel, z.B. auch Cherry, Bourbon Peach oder Dry Hopped Cider (Map).
  • Gilbert Cellars Weingut in idyllischer Lage mit Restaurant und Blick auf Lavendelfeld, Weinreben und Apfelplantagen (Map).
  • Teapot Dome Gas Station, die Tankstelle in Form einer Teekanne ist eine National Historic Site und liegt südlich von Yakima (Map).

 

Durch den hübschen Weinort Prosser. 


Das kleine Prosser südlich von Yakima ist das hübscheste Städtchen im Valley und gleichzeitig die Geburtsstätte der Washingtoner Weinwirtschaft. Es beherbergt mehr als 30 Weingüter, von denen man gleich 12, wenn auch nicht mehr ganz nüchtern, ablaufen kann.

 

Die Zahl der Weingüter ist im Bundesstaat Washington innerhalb einer Generation von einer Handvoll auf nahezu 1000 gestiegen. Die Seattleaner fahren gerne für ein paar Sonnenstrahlen raus und kehren mit ein paar Weinkisten wieder zurück. Im Yakima-Tal werden heute mehr als 40 Rebsorten angebaut und überall findet man Verkostungsmöglichkeiten.

  • Das Yakima Yalley Wine Country bietet 120 Weingüter auf 70 Meilen. Gute Webseite mit allen Wine Tastings und vielen unterschiedlichen Events auf den Weingütern.
  • Von Yakima sind es gut zwei Autostunden bis Pendleton, zuvor überqueren wir den großen Columbia River von Washington nach Oregon. 

In Prosser zufällig entdeckt.

Brewminatti ist eine Kombination aus Coffee Shop und Live Musik Club. Und es hat den besten Kaffee weit und breit. Als wir morgens kurz nach 7 Uhr durch das noch verschlafene Prosser fahren, entdecken wir das Brewminatti zwei Türen weiter vom Horse Heaven Saloon. Das Ambiente ist lässig und einladend mit Backsteinwänden und alten Douglasienböden. Plakate künden die kommenden Live-Konzerte an. Abends steigt man um auf Craft Bier und Washingtoner Weine. Sicher ein großartiger Ort, um Musiker live zu hören, die oftmals zu den Who’s Who der American Music zählen.


Geschmacks-Revolution Craft Bier

Aromahopfen sorgen für duftende, facettenreiche Craft Biere
Aromahopfen sorgen für duftende, facettenreiche Craft Biere

 

Ins Craft Bier kommen fruchtige Aromahopfen und auch mal Austern.

 

Wir befinden wir uns im größten Hopfenanbaugebiet der USA und dem zweitgrößten der Welt. Yakima ist das Eldorado für Aromahopfen mit immer neuen Züchtungen, die im Braukessel landen. Mal duftet er nach Stachelbeere, Ananas, Litschi, Lavendel oder Kokosnuss, und die Biere fruchtig-blumig-frisch wie eine Obstplantage. 

 

Zum ersten Mal produzierten Amerikas Craftbier-Brauer 2013 mehr Bier als Budweiser, berichtete das Wall Street Journal. 1973 zählte man 122 Brauereien in den USA, heute sind es über 4500. Das Reinheitsgebot sieht die neue Brauer-Generation als längst überholt. Ihre handwerklichen Biere sind facettenreich bis ungewöhnlich, in die auch andere natürliche Inhaltsstoffe dürfen, wie etwa Austern. Die leicht salzige und mineralische Note des dunklen 'Oyster Stout' hat eine ziemliche Anhängerschaft gefunden.

 

Bierfans können in den USA Kreativbiere zischen, wie nirgendwo sonst, mit coolen Namen und Logos: Ein Crème Brûlée, Arrogant Bastard Ale, Zombie Dust, Smooth Hoperator, Pseudo Sue, Blitzkrieg Hops oder vielleicht Hair of the Dog Adam? Obgleich eine regelrechte Craft-Bier-Lawine das Land überrollt, ist Oregon'The Best State for Craft Beer'. Es besitzt mehr Brauereien pro Kopf als jeder andere Bundesstaat. 

 

Im Grunde ist US-Präsident Jimmy Carter für die Craft-Bier Revolution verantwortlich (vielleicht sein größter Verdienst). Nachdem er 1979 das Home Brewing erlaubte, wurden im ganzen Land Hausgaragen in 'Micro Breweries' umgewandelt. Die Craft Bier Pioniere hatten den Aromahopfen für sich entdeckt. Der führende 'Cascade' hat seinen Ursprung in England. Als man ihn Ende der 1960er Jahre erstmals in den USA anbaute, wurde er von den beherrschenden US-Bierkonzernen verschmäht, die sich einen typischen europäischen und nicht diesen seltsam aromatischen Hopfen wünschten. Aus 200 Sorten Aromahopfen schöpfen heute die neuen Genussbiere, mit denen vor allem Frauen eine neue Liebschaft eingegangen sind.

 

Auch wir aus dem deutschen Hopfenparadies Bayern haben auf unserer Reise am Craftbier Gefallen gefunden. Mein Favorit wurde das sogenannte IPA – ein aromatisches, fruchtig hopfiges, weiches India Pale Ale. 

Erfunden haben es die Engländer, als das British Empire seine Kolonie in Indien mit Bier zu versorgen hatten. Um den weiten Weg auf hoher See zu überstehen, wurde es stark und mit mehr Hopfen gebraut. In Indian angekommen, wurde das kräftige India Pale Ale mit Wasser verdünnt, woran sich immer weniger hielten und das Starkbier gleich pur tranken.

 

 

Ich will 'nen Cowboy als Mann...  auf nach Pendleton!

Die Stadt ist in Festtagsstimmung! Das Rodeo-Fieber und hohe Preisgeld lassen seit 1910 die besten Cowboys jedes Jahr nach Pendleton zurückkehren. Beim spektakulären 'Bull Riding' sorgen die Männer ohne Nerven für mächtig Adrenalin auch bei den Zuschauern.

 

Rodeo Statue und Pendleton Round Up Station Oregon
Das rote Rodeo Station von Pendleton
Profi Bull Riding Rodeo Pendleton Round Up Oregon
Tanz mit dem Bullen, die frei Hand darf nichts berühren
Rodeo Zuschauer am Pendleton Round Up Station Oregon
Kleine Pause zwischen Calf und Steer Roping

 

Old West Nostalgie in Ost Oregon

 

Wenn es in der zweiten Septemberwoche wieder heißt "Let'er Buck", dann wird die Bevölkerung der Provinzstadt verdreifacht. Zum legendären Pendleton Round-Up kommen Cowboys, Cowgirls und Indianer, und alle Freunde und Verwandten zu Besuch. Als im Jahre 1909 die Ernte eingefahren war, sollte ein Fest mit Pferderennen den hartarbeitenden Farmern Zerstreuung bringen. Das kam so gut an, dass es zum festen Spektakel wurde, heute eines der bedeutendsten Rodeos Nordamerikas mit einem Preisgeld von $500,000.

 

An den Straßen stehen die großen Trailer der Rodeo-Profis, Hutmacher und Stiefelverkäufer. Reservat-Indianer aus allen Region haben ihr Tipi im Indian Village aufgebaut. Vor den Wettbewerben läuft sich die Stadt warm mit Live-Musik, Indianer Pow-Wow Show und der feierlichen Dress-Up Parade. Der Einmarsch aller Teilnehmer ins große Round-up Stadion mit Indianern, Cowboys, Flaggenträgern und natürlich der eingaloppierenden Round-Up Queen mit ihrem Prinzessinnen-Gefolge.

 

Rodeo is in Town Pendleton Round Up Oregon
Rodeo is in Town – Spaziergang durch Pendleton
Cowboy Hutmacher beim Rodeo in Pendleton Oregon
Cowboy Hutmacher arbeiten auf der Straße

 

 

Beim Pendleton Round-Up messen die besten Cowboys des Landes ihr Geschick mit Pferd und Lasso.

 

Beim 'Steer Wrestling' wirft sich der Reiter aus dem Galopp auf einen Jungstier und muss ihn flach auf den Boden ringen, beim 'Barrel Racing' jagen schneidige Cowgirls über ein Parcour durch die Arena. Ein großer Spaß ist der 'Wild Cow Milking Contest', wenn Rancher Teams eine wilde Kuh einfangen und melken müssen. Höhepunkt ist das 'Bronc Rinding', das waghalsige Reiten von wilden Pferden mit und ohne Sattel.

 

"The Million Dollar Man" haben wir am Nachmittag gesehen. Trevor Brazile fängt ein Kalb mit dem Lasso ein, springt vom Pferd und fesselt es am Boden – in 11,2 Sekunden. Der Texaner ist der 'King of Cowboys', der All-Around Champion mit dem meisten Preisgeld aus mehreren Rodeo Disziplinen. Den Mehrkampftitel von Pendleton holt sich der stille Mann zum sechsten Mal und bricht den Rekord von 1923. Als Super-Cowboy konnte er bis dato das nette Sümmchen von sechs Millionen Dollar mit seinem Lasso einfangen.

 

Die anderen Superstars des Rodeos sind heute Abend dran, Männer ohne Nerven, die beim PBR, dem Classic Professional Bull Riding alle von den Sitzen reißen werden.

 

Calf Roping Pendleton Round up Rodeo Event Oregon
Calf Roping, eine echte Cowboy Disziplin
Champion Sattel Pendleton Round up Rodeo Event Oregon
Sattel eines Champions im 'Stier Niederringen'

 

Infos zum Rodeo Besuch 

 

Einige Cowboy Rodeo Wettbewerbe während des Tages sind kostenlos. Am mitreißendsten für die Zuschauer ist das sattellose Reiten der Wildpferde und Bullen. Für das PBR Professional Bull Riding (20-23 Uhr an zwei Abenden) sollte man frühzeitig online Tickets besorgen (Verkaufsstart ca. Mai, siehe Webseite). Die großen Round-up Performances mit den anderen Disziplinen gehen über vier Tage (13-17 Uhr mit dem Finale am Samstag). Dazwischen wird jede Menge Rahmenprogramm geboten.

TIPP! RODEO KALENDER VON GANZ USA. Wer es nicht nach Pendleton schafft, findet vielleicht einen anderen Rodeo Termin auf seiner Reiseroute. 

 

RV Camping in Pendleton. Die KOA Campingplätze in Pendleton wurden während des Rodeo nur wochenweise angeboten. Ein staubiger, provisorischer Campground verlangte $40. Walmart erlaubt hier kein Overnight Parking. Als wir uns gegenüber im Safeway Supermarkt an der Kasse erkundigen, wird sogleich der Manager ausgerufen, der so freundlich war, uns zum Rodeo angereisten Deutschen eine Übernachtung auf dem Parkplatz zu erlauben.

Alternativ bieten Privatleute Stellplätze und Zimmer während des Rodeos an über die Travel Pendleton Homepage unter 'Private Housing'. 

Professional Bull Riding im 'Happy Canyon'

 Spot on Bull Riding Champion im Happy Canyon Pendleton
Bevor die Show beginnt, Spot auf den letzten Bull Riding Champion im Happy Canyon
Box Bull Riding Rodeo im Happy Canyon Pendleton Oregon USA
Letzte Vorbereitung in der Bull Riding Box
Profi Bull Riding Rodeo im Happy Canyon Pendleton Oregon USA

"Let 'er buck" – Tanz mit dem Bullen 

 

In der 'Happy Canyon' Arena tun wir es den anderen gleich, beladen uns mit Tacos und Hotdog, dazu ein wässriges Coors Bier zum Runterspülen und nehmen unsere Plätze ein. Ich bin mir fast sicher, wir sind die einzigen nicht amerikanischen Touristen. Das Licht geht aus, der Spot an, die Champions treten ins Rampenlicht und werden enthusiastisch bejubelt. Ihr Mut ist beeindruckend. Drahtige, tolldreiste 70 Kilo-Cowboys, die sich auf den blanken Rücken eines tobenden 1000 Kilo-Bullen setzen.

 

Eine Frauenstimme beginnt die Nationalhymne zu singen und alle stehen auf, wenden sich zur amerikanischen Flagge, die rechte Hand auf dem Herzen. Die Veteranen im Station werden noch begrüßt, dann heizt der Stationssprecher die Menge an mit dem langjährigen Pendleton Slogan: "Lasst uns bocken Jungs! Lass sie buckeln!" und das Spektakel beginnt. Explosionsartig schießt der Bulle aus der Box, der Reiter hat eine erlaubte Hand am Riemen, die andere in der Luft, und mit jeder Sekunde die er sich hält, steigt das Adrenalin, auch bei uns Zuschauern.

 

Eins… zwei… drei… vier… fünf… sechs… sieben… acht Sekunden können eine Ewigkeit sein. Der Summer ertönt und die Menge tobt. Nur wer imponierende 8 Sekunden auf dem schnaubenden Bullen übersteht, kommt in die Wertung. Möglichst wild wünscht sich jeder Reiter seinen Bullen, je mehr er 'buckelt', umso besser wird die Note. Ein Stück weit ist man dem Losglück ausgeliefert. Von gebrochenen Knochen und zerdrückten Gliedmaßen können sie Geschichten erzählen. Unter ihnen sind immer noch Traditionalisten, die ihren Cowboyhut statt einen Helm tragen. Im Laufe des Abends werden einige Cowboys durch die Luft gewirbelt, dass einem angst und bange wird. Sofort gehen die Rodeo Clowns dazwischen und lenken den Bullen ab. Sie sind unglaublich gut, Entertainer und Schutzathlet zugleich. Einer sorgt für herzlich viele Lacher und führt gekonnt den Moonwalk von Michael Jackson vor, das Publikum schreit nach Zugabe. Die "Clowns" sind richtige Profis. Sie reisen weltweit von Rodeo zu Rodeo, müssen beweglich, schnell und erfahren sein, denn nicht nur einmal haben sie sich mit einem Sprung auf die Mauer gerettet.

Profi Bull Riding Rodeo im Happy Canyon Pendleton Oregon USA
Der Bullenreiter schlägt sich gut und die Rodeo Clowns sind wachsam

Round-Up Hall of Fame – von wegen Schwaches Geschlecht!

Frauen beim Pendleton Round Up Rodeo
Die tollkühne Bonnie in Pendleton beim Wildpferdereiten, dieser Sturz ging gut aus

 

Round-Up & Hall of Fame Museum (gegenüber der Round-Up Arena)

 

Cowgirls waren früher nicht weniger draufgängerisch als ihre Männer

 

Hart geworden vom Pionierleben, ließen sich die Frauen kaum noch etwas verbieten. Lange vor der Frauenbewegung war das 'schwache Geschlecht' in der Rodeo Arena voll in Aktion. Die Rancherfrauen konnten geschickt und so hart sein, wie ihre Männer und dabei nicht weniger fesch aussehen. "Prairie Rose" Henderson debütierte 1901 beim Cheyenne Rodeo. Und Bertha, das Weib von Cowboy Del Blancett, gewann 1914 gar den All-Around Titel der Cowboys. Doch die Teilnahme von Frauen wird eingeschränkt, nachdem die tollkühne Bonnie McCarroll 1929 beim Pendleton Round-Up zu Tode kam. Ihr wild buckelnde Pferd warf sie kopfüber, sie verhakte sich und kam nicht mehr los. Bonnie brillierte jahrelang beim Wildpferdereiten und mit dem Lasso. Heute dürfen die Cowgirls lediglich beim Tonnenrennen ihr Können zeigen. 

 

Die 'Hall of Fame' ist reich bestückt mit Fotos, Trophäen und anderer Beute vergangener Rodeo-Champions. Der Traum eines jeden Oregon Mädchens ist es einmal Round-up Queen zu werden, alle Gekürten in der Geschichte lächeln von den Bilderrahmen mit einer weißen Lücke "Round-up cancelled in 1942 & 1943 due to World War II". Das berühmteste Pferd ist zweifelsohne 'War Paint', dem man ausgestopft in Aktion begegnet. Die wilde Pinto-Stute flößte in den 1950er Jahren Rodeo-Cowboys Angst ein. Kaum einer hielt sich länger als drei 'bucks' im Sattel bei ihrer Abwurf-Rate von fast 90 Prozent.

 

Pendleton hat den besten Ruf für Western Handwerk und ist berühmt für seine Pendleton Decken

Western Store Hamley & Co Pendleton Oregon
Im Geschäft von Hamley & Co

 

Auch ohne Rodeo lohnt es sich von der Interstate 84 die Ausfahrt Pendleton zu nehmen. Das historische Herz der Kleinstadt ist ein großartiger Ort für "Western Tradition". Man plaudert mit einem Sattler, bestaunt die kunstfertigen Cowboy-Stiefel und lässt sich vielleicht, wie anno dazumal, den Kopf für einen feinen Cowboyhut aus Biberhaar ausmessen. In den Handwerksläden kann man den alten Pioniergeist aufspüren und im herrlichen Geschäft von Hamley & Co. wünscht man sich ein Cowboy als Mann. Jede Frau wird noch mit Sicherheit bis ans Ende der Stadt wollen, um in den wundervollen Mustern der weltberühmten Pendleton Woolen Mills zu stöbern.

 

Bei Staplemans Custom Boots, bei Montana Peaks Hat und Hamley & Co. findet man die Ready-Rodeo-Ausrüstung, etwa ein Paar unverwüstliche Lederstiefel, den feinsten Cowboyhut und einen Sattel, wie sie die Round-up-Champions reiten, für bis zu 5.000 Dollar. Ihre Läden liegen alle nah beieinander (s. auch Shopping  'Pendleton Handmade').

 

Western Store Hamley & Co Pendleton Oregon

Im Jahre 1905 gründeten die Hamley Brüder entlang des Oregon Trails ihr Sattlergeschäft genau an der Stelle, wo sich Hamley & Co. heute findet. Seitdem hat Hamley rund 80 Champion-Sättel für das Pendleton-Round-Up Rodeo gefertigt. Das altehrwürdige 'Western Kaufhaus' zieren alte Holzkassetten, Zinndecken und ein riesiger Tiffany Kronleuchter. Das Warensortiment ist exquisit und bietet auch alles für das modebewusste Cowgirl von heute. Stilecht lässt es sich eine Tür weiter ein Bier an der Hundert Jahre alten Mahagoni-Bar im Hamley Saloon & Steakhouse einnehmen. Google Maps.

Beim echten "Cowboy" Hutmacher

"Wenn dieser Hut verkehrt rum steht.... hilf mir wieder auf mein Pferd steigen" Cowboy Spruch

 

Cowboyhüte Montana Peaks Hat Pendleton Oregon

 

Ein Besuch im Werksladen von Montana Peaks Hat.

 

„Aus welcher Gegend ein Cowboy stammt, verrät sein Hut, der immer auch eine Erweiterung seiner Persönlichkeit ist“, sagt Laura und zeigt uns einen Stetson, den allerersten Cowboyhut. Ihre Wände sind mit allen Hutformen nebst Fotos von prominenten Trägern und Hollywood-Filmen vollgehängt. Auch die Hüte für die Pendleton Round-up Queens und ihre vier Princesses haben sie gemacht. Richard holt derweil seinen ‚Konformateur’ von 1890 raus, der an ein antikes Folterinstrument denken lässt. Auf den Kopf gesetzt, werden unzählige Stifte ausgerichtet und die Schädelform so exakt vermessen. Sie schwören auf das von Generationen weitergegebene Handwerkszeug. Eine Formillion Hutformmaschine von 1887 und das Eisen und die Schweißbandmaschine von 1880 sind immer in Benutzung. "Ein hochwertiger Cowboyhut ist aus Kaninchenhaarfilz, das Nonplusultra ist aber das Unterhaar vom Biber", erklärt Richard und reicht mir solch ein Hut, der kaum etwas wiegt und eine natürliche wasserabweisende Eigenschaft hat. Für rund 800 Dollar hält er dann auch ein Leben lang. Eine Woche muss man sich gedulden, bis man seinen maßgefertigten Cowboyhut austragen kann. Würde ich in Amerika leben, hätte ich so einen.

 

Montana Peaks Hats können auch online bestellt werden mit Anleitung zur Kopfmessung (auf Google Maps).

Kultige Pendleton Wool Designs & das All-American Karohemd

Ein exquisites 'Americana' Souvenir ist ohne Zweifel die ikonische Pendleton-Wolldecke, die nicht günstig ist, aber eben besonders. Mit wunderschönen indianischen Designs sind sie ein Stück Geschichte des amerikanischen Westens. Nachdem das Unternehmen 1863 als Wollreinigungswerk für die vielen Schaffarmen der Region gegründet wurde, kam die Herstellung von Wolldecken und Plaids für die Reservat-Indianer hinzu. Daraus entwickelte sich die erfolgreiche Linie aus Decken, Kleidung und Heimtextilien mit den typischen, lebendigen Farben und aufwendigen Pendleton Mustern.

 

 

Amerikanische Familien tragen seit Generationen die karierten Wollhemden oder legen zum Picknick ihre Pendleton Decken aus. Obwohl nicht von amerikanischen Ureinwohnern entworfen, sind die Plaids zu wertvollen Besitztümern für die Navajo Indianer geworden. Chief Joseph, Häuptling des Nez Perce-Stammes, trug einen der ältesten Entwürfe von Pendleton.

 

Und wer hätte das gewusst? Um sich warm zu halten, trugen Kaliforniens Surfer früher Pendleton-Wollhemden, die sie vorher mit Vaseline einschmierten. Das Pendleton-Karohemd wurde zur Surfer Uniform, als die Beach Boys noch The Pendletones hießen, bis ihr Produzent sie ohne ihr Wissen in The Beach Boys umtaufte. Heute ist das Pendleton 'Board Shirt' noch immer das Bestseller-Hemd.

 

Die Beach Boys tragen das berühmte 'Pendleton Board Shirt' der 1960er Surferszene.

Shopping mit Pendleton Mill-Tour

 

Nach einer der kostenlosen Führungen durch die Pendleton Wollstoff-Produktion wird man eine noch größere Wertschätzung für die Wollprodukte entwickeln. Im angeschlossenen Store kann man direkt zugreifen, wo es auch reduzierte Preise gibt! Für eine der doch schweren Decken konnte ich mich nicht entscheiden, für zuhause wurden dann die ebenso schönen Frotteetücher und ein Paar gute Socken der Pendleton Nationalpark Collection eingepackt. Den ganzen Weg zurücklaufen mußte ich nicht, die Dame an der Kasse lässt mir ein privates City-Taxi kommen, ein recht originelles Pärchen, das im Ort rauf und runter fährt.

 

Die kostenlose 45-minütige Führung in kleinen Gruppen findet Montag bis Freitag mehrmals täglich statt, wer sichergehen möchte, kann reservieren. Infos Pendleton Mill Tours

Auf den Spuren des Oregon Trail – von Siedlerromantik keine Spur

National Historic Oregon Trail Museum Interpretive Center Baker City
Vielleicht das interessanteste Oregon Trail Museum (bei Baker City)
National Historic Oregon Trail Museum Interpretive Center Baker City
Der Tod reist mit, Alltag auf dem Oregon Trail

 

Ein spannendes Oregon Trail Museum

 

Wir folgen der Interstate I-84, auf deren Spur die legendäre Siedlerroute einst verlief. Nicht vorbeifahren sollte man am National Historic Oregon Trail Interpretive Center. Spannend und sehr anschaulich wird hier die Siedlergeschichte erzählt. (100 Meilen südwestlich von Pendleton Google Map).

 

Eine verheißungsvolle Besiedlungs-Propaganda für den Nordwesten der USA setzte 1843 die bedeutendste Landwanderung der amerikanischen Geschichte in Gang – den Oregon Trail. 3.500 Kilometer von Missouri nach Oregon. Im schwerfälligen Planwagen mit Ochsengespann mussten Wüsten, Flüsse und die Rocky Mountains vor Wintereinbruch überwunden werden. Über 350.000 Menschen machten sich auf ins "weite, gelobte Land, das auf weiße Siedler nur warte". Viele, mit großer Hoffnung aufgebrochen, kamen niemals an und stets fuhr der Tod in Form von Cholera und Typhus mit. Definitiv ein sehenswerter, nachdenklicher Ort.

 

Going West. Ohne die Lewis & Clark Expedition hätte es den Oregon Trail nicht gegeben. Als Präsident Thomas Jefferson das heutige Mittelstück der Vereinten Staaten von den Franzosen abkaufte, dachte er an die Gründung eines mächtigen Staates zwischen Atlantik und Pazifik und schickte 1804 seinen Sekretär William Clark und Captain Lewis auf die erste Durchquerung Amerikas in Richtung Westküste. Zwei Jahre später kehrten sie von ihrer erfolgreichen Überlandexpedition zurück und ermutigten andere das neue Land in Anspruch zu nehmen – zum Abenteuer Going West.

 

 

TAGESTRIP: PENDLETON – OREGON TRAIL MUSEUM – BOISE  –  CRATERS OF THE MOON

 

Auf der leeren Interstate-84 kommen wir zügig voran. Einen weiteren Stop legen wir im angenehmen Boise ein (Hauptstadt des Bundesstaats Idaho / Visit Boise) und schaffen es sogar bis zum Craters of the Moon. Von Pendleton ein 400-Meilen-Tag, nicht jedermanns Sache. Bei Ankunft 21 Uhr ist der Lava Flow Campground voll belegt, aber gleich neben dem Eingang können wir die Nacht gut stehen. 

 

Campingplätze (mit Meilen) zwischen Boise und Craters oft the Moon:

Über die leere Interstate-84 in Idahos Hauptstadt Boise mit Capitol. Ländliche Stille nach dem Abzweig auf den Highway 20, der uns direkte zum Craters of the Moon führt. 

 

Text: Edel Seebauer / Fotos: Jürgen Mahler

 

Wenn Euch der Bericht gefallen hat, freue ich mich über ein Like oder Eintrag in mein Gästebuch.