Andalusien Rundreise Teil 2

Auf nach Granada! Zum Staunen, Feiern und Schlemmen

Granada führt ein munteres Leben mit studentischem Flair und steckt voller Atmosphäre. In der alten Kalifenstadt endete die glanzvolle maurische Blütezeit. Die Alhambra ist der Inbegriff und Höhepunkt der maurischen Baukunst. 

Granada hat die Alhambra, ist aber auch die Stadt der spanischen Junggesellenabschiede, was wohl an der spendablen Tapa-Tradition liegt. Zu jedem Glas Bier oder Wein kommt eine Tapa umsonst obendrauf, es schont den Geldbeutel und stillt den Hunger. Ein Pflichtbesuch in Granada ist die Bodega Castañeda.

Bodega Castañeda in Granada seit 1927
In der Bodega Castañeda in Granada trifft man sich seit 1927

 

Bevor wir uns in die lebhaften Viertel und Tapas-Bars von Granada begeben, wollen wir eines der schönsten Monumente der maurischen Hochkultur besuchen.

Die Alhambra sehen ­– bei Tag und Tausendundeiner Nacht

 

Die Alhambra ist groß und so sind auch die Eindrücke. Die Nachtzeit ist ruhiger und geheimnisvoll, am Tage kommen das reiche Dekor und die feine Kunstfertigkeit richtig zur Geltung. Für den Besuch sollte man sich Zeit lassen. Im Palast und in den Gärten laden Bänke immer wieder zu Ruhepausen ein.

 

Mein Tipp zur Alhambra Besichtigung

Morgens die Generalife Gärten mit dem Sommerpalast besuchen (2 Stunden), ein schönes Mittagessen in der Stadt einlegen (oder auch eine Siesta), dann mit neuer Energie den zweiten Teil (2,5 Stunden) mit dem Palast der Nasriden, Karlspalast und der Alcazaba Festung besichtigen. Für die Alhambra Besichtigung an einem Stück sollte man mindestens 3 Stunden einplanen. Den Nachtbesucht der Alhambra haben wir auf den anderen Abend gelegt. 

 

Alhambra ohne Ticket. Auf das Gelände der Palaststadt kommt man ohne Ticket. Der Karlspalast kann frei besichtig werden und das noble  Parador-Hotel im ehemaligen Kloster lädt zu einem Cafe oder Drink ein.  

 

ALHAMBRA PALAST NIGHT VISIT Bildergalerie

Von dicken Mauern verborgene Paläste, Innenhöfe und Gärten

In zweieinhalb Jahrhunderten haben zwanzig Sultane die Alhambra vollendet, ein Märchenpalast in einer schützenden Festung. Mit der christlichen Eroberung 1492 kam ihr Niedergang. Im selben Jahr brach Christoph Kolumbus in Andalusien auf und entdeckte Amerika. Mit dem Handelsmonopol mit der Neuen Welt brach Spaniens Goldenes Zeitalter an. Die fragile Schönheit aus Kachelwänden, Gipsornamenten und Holzschnitzereien zerfiel, die Wasserspiele und heiteren Gärten des Generalife verkamen. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Alhambra von Reisenden und Dichtern wiederentdeckt.

 

BUCH TIPP.

Der amerikanische Schriftsteller Washington Irving lebte 1829 vier Monate in den verlassenen Gemäuern und lässt in seinen "Erzählungen von der Alhambra" diesen magischen Ort erwachen. Seine fantastischen Geschichten über Sagen und Legenden, das Leben und die Sitten der Bewohner Granadas haben malerische Wirkung und sind nicht ohne Humor. Am schönsten liest man sie unter einem Granatapfelbaum oder neben einem plätschernden Brunnen eines andalusischen Gartens.

Erzählungen von der AlhambraAusgabe mit alten Illustrationen (Amazon).


Die Alhambra im Detail

Der Palast der Nasriden empfängt den Fremden mit einer kühlen Grazie. Schönste Stalaktitengewölbe zieren unzählige 'Bienenwaben', von denen keine der anderen gleicht und dabei alles der Geometrie des Phythagoras folgt. Man sagt, das Licht ist ihr Honig, das sich immerfort zu neuen Mustern bricht. Mit dem lichtdurchfluteten und wasserdurchrieselten Löwenhof schufen sie sich ihr irdisches Paradies und in den Belvederes genoss man die Abendkühle und die Aussicht aufs Land.

Kaum vorstellbar, wie im 18. Jahrhundert hier Schmuggler, Straßenräuber und Tagediebe hausten und die Spinnweben und Fledermäuse von den Decken hingen. 

 

 

Kaiser Karl V. Palast – Wahrzeichen der kaiserlichen Macht. Um seine Macht zu demonstrieren, baute Kaiser Karl V. 1526 einen monumentalen Palast mitten in das Herz der Alhambra, ein Teil von ihr musste ihm weichen. Gegensätzlicher könnte die Baukunst nicht sein, aber eindrucksvoll ist der kaiserliche Palast allemal, der als Musterbeispiel der Renaissance gilt. Hinter der wuchtigen, quadratischen Außenfassade verbirgt sich ein kreisrunder, offener Innenhof mit doppelstöckiger Säulengalerien und erinnert an eine Stierkampfarena. Sehenswert ist auch das Museum der Schönen Künste auf der Galerie.

  • Nachts zum Alhambra Night-Visit ist die mächtige Rotunde des Karlspalastes in der Abendbeleuchtung fast noch imposanter (freier Zugang ohne Ticket).

 

 

Die Alcazaba Festung (al-hambra – die Rote), liegt wie ein Schiff auf dem äußeren Vorsprung des Berghügels. Man befindet sich im ältesten Teil der Alhambra aus dem 13. Jahrhundert. Mächtige Türme ragen aus dem doppelten Mauerring, alleine wegen des Ausblicks sollte man sie hinaufsteigen. Am Pulverturm ist der berühmte Satz des Dichters Acaza in Stein gemeißelt: "Es gibt nichts Schlimmeres im Leben, als ein Blinder zu sein in Granada". Wer als nächstes den Nasriden Palast betritt, weiß warum.

  • Al-hambra, die Rote leuchtet besonders schön im Abendlicht. Zum Sonnenuntergang versammeln sich die Menschen gegenüber auf der Aussichtsterrasse im alten Viertel Abaicin. 

 

El Generalife, der Garten der maurischen Könige gilt als einer der schönsten der Welt.

Arabische Gartenkunst soll als ein Raum verstanden werden, in dem man paradiesisch lebt. Über einen Säulengang aus riesigen Zypressen gelangt man zum Generalife, dem Sommerpalast des Kalifen und seinen Gärten. Aufeinanderfolgende Patios bieten verlockende Durchblicke. Selbst die Bewässerung wird zur Kunst, das kostbare Nass zu wunderschönen Blickfängen: rauschende Kaskaden, feinrieselnde Fontänen oder stillte Sammelbecken. Die asiatischen Besucher sind spätesten hier nicht mehr zu halten.  

Die wichtigsten Tipps für den Alhambra Besuch

  • Für den Alhambra Besuch gilt, frühzeitig buchen!
  • Alhambra einfache Online-Buchung. Die Alhambra Tickets bucht man am einfachsten online und muss sie jetzt nur noch ausdrucken! Über die offizielle Alhambra Webseite – bis 3 Monate im Voraus möglich. Das Alhambra General Ticket beinhaltet alles inklusive der Gärten und die gewählte Einlasszeit für den Palast der Nasriden. Jeder Besucher benötigt sein eigenes, auf den Namen (Passport ID) ausgestelltes Ticket. Davon muss man einen guten Ausdruck dabeihaben, der Barcode wird an den Eingängen gescannt.
  • Alle anderen Bereiche in der Alhambra-Anlage können mit dem Ticket jederzeit besucht werden. Das Ticket ist nur an diesem Tag gültig und man darf das Alhambra-Gelände zwischendurch verlassen. 
  • Termin Palast der Nasriden (Einlass im ½ Stunden Rhythmus). Die Uhrzeit ist im Ticket festgelegte und muss eingehalten werden. Wer zu spät kommt, wird nicht mehr eingelassen und das Ticket verfällt. Von den Generalife Gärten zurück zum Palast braucht man ca. 20min.
  • Die Hoffnung, zur frühesten Uhrzeit oder bei Nacht fast allein durch die Palasträume zu wandeln, sollte man aufgeben. Für den Nasridenpalast gibt es keinen besseren Tag oder bessere Uhrzeit, denn das Personenlimit wird zu jeder Zeit erreicht, am schnellsten ausgebucht sind sogar die frühen Termine, zuletzt die Mittagszeit.
  • Besuch Generalife Gärten. Am Morgen hat man noch nicht die Massen, denn die Mehrzahl der Besucher zieht es erstmal zum Palast. Ab Nachmittag steht die Sonne tiefer und wirft dunklen Schatten.
  • Alhambra Night Visit. Für die Nachtbesichtigung braucht man ein extra Ticket, jeweils für den Nasridenpalast und die Generalife Gärten. Man hat Einlass ab 22:00 bis 23:30 Uhr über den stadtnahen Eingang Puerta de la Justicia.
  • Der Weg zur Alhambra. Busse der Linien C30 und C31 fahren ständig vom Zentrum zur Alhambra hinauf. Gleich schnell ist man zu Fuß. Von der Plaza Nueva über die Cuesta de Gomerez erreicht man über einen Waldweg den Brunnen und Puerta de la Justicia, dem Alhambra Eingang bei der Alcazaba Festung. (alle Varianten auf Google Map). 
  • Öffnungszeiten. 1. April – 14. Oktober 8.30 – 20.00 Uhr (Nebensaison 8.30 - 18.00 Uhr) geschlossen 25.12. und 1.1. 

Brunnen und Puerta de la Justicia, das Tor in die Alhambra 

Granada Hotel Tipp – easy going, alles in Fußnähe

Hat man eine Unterkunft in zentrale Lage, dann braucht man zu Fuß nie viel länger als 10 Minuten zu den besten Tapasbars, den Ausgehvierteln, der Alhambra und den historischen Bauwerken rund um die Kathedrale.

Unsere Pensión Boutique Gomérez-Gallegos nahe der Plaza Nueva war ideal gelegen in der Cuesta de Gomerez, die direkt zur Alhambra führt. Es ist die alte Straße der Gitarrenbauer, beim Gang zur Alhambra kann man mit etwas Glück dem wunderbaren Spiel einer Flamencogitarre lauschen.

Die jungen Angestellten sind auf zack und haben jede Menge Ausgeh-Tipps zur Hand. Die mit modernem Design ausgestattete Unterkunft liegt im 3. Stock (ohne Aufzug). Unser Zimmer ist hübsch und hell, die begrenzte Ablagemöglichkeit stört uns nicht. Wir haben das Doppelzimmer mit eigenem Bad und kleinem Balkon, guten Fenstern und einer Klimaanlage, die man für einen Aufenthalt in Granada braucht. Die Pension bietet kein Frühstück, das nimmt man wie die Einheimischen am besten in einer Bar um die Ecke ein z.B. im Cafe Lisboa.

 

Auf dem Hügel der Alhambra kann man märchenhaft und ganz nah am Wunderwerk wohnen im noblen Parador Granada in einem ehemaligen Franziskanerkloster. Hohe Preise und auf Monate ausgebucht (Booking.com), Fotos unten.

 

Tipp Parken in Granada.

Der Schulparkplatz Aparcamiento Ave María im Realejo Viertel ist öffentlich, man läuft gut 10min durch das nette Viertel bis ins Zentrum, die Parkgebühren sind recht günstig für Granada.

TIPP. Barrio Realejo – Ausgehen im jüdischen Viertel von Granada

Der alte jüdische Barrio Realejo ist heute eines der lebhaftesten Granadas mit vielen steilen und engen Gassen. Auf Hauswänden im Realejo kann man häufig die Graffiti des Künstler Raúl Ruiz, 'El Niño de las Pinturas', finden. In dem kosmopolitischen Viertel wohnen und gehen die Einheimischen gerne aus, wir auch!

Taberna La Tana. Die kleine Wein & Tapas Bar serviert in stimmungsvoller Atmosphäre beste Tapas. Die Produkte und Zutaten sind von exzellenter Qualität. Die Weinbar ist immer schnell voll. (auf Google Map).

 

Tapa Bars Los Diamantes. In der gleichen Straße findet man die bei jungen Leuten beliebte Bar Los Diamantes II. Das Original befindet sich seit 1942 in der Calle Navas, die sich heute ganz an Touristen richtet mit der Ausnahme der unscheinbaren, aber immer vollen Bar Los Diamantes, an deren Tür die Touristen eher vorbeiziehen. Bekannt ist die für ihre Fisch-Tapas. 


 

Rosario Varela Bar & Grillrestaurant. Es ist ein Lieblingslokal der Nachbarschaft. Man trifft sich auch nur mal auf einen Gin-Cocktail oder probiert etwas von der kreativen, modernen Speisekarte. Die Inneneinrichtung ist shabby Chic, schön sitzt man aber auch draußen mitten im Geschehen. Als man uns einen nicht bestellten Pulposalat mit dem Wein bringt, werden wir aufgeklärt, dass es sich um eine Tapa auf Haus handelt. Nicht nur in Granadas Tapasbars, auch hier im Restaurant ist das die Regel. Unser bestelltes Essen schaffen wir kaum, denn mit jedem neuen Getränk kommt eine neue Überraschung auf dem Tisch. (auf Google Map).


Granadas großzügige Tapas-Tradition

In dieser Stadt gibt es die wunderbare Tradition, zu jedem Glas Bier oder Wein kommt eine Tapa auf Haus obendrauf.  Früher kam in den Bodegas auf jedes Getränk ein Deckelchen, ein tapa, damit die Fliegen nicht reinflogen, und irgendwann eine kleine Beigabe dazu. Granada ist eine der wenigen verbliebenen Städte Spaniens, die diese Tradition noch pflegt, die nah an ein kostenloses Mittagessen kommt. Die Dreingabe kann ein echtes Geschenk sein oder eine fette Enttäuschung. Wenn man die Preise anschaut, zahlt man hier mehr für Bier oder Wein, aber das Konzept scheint aufzugehen.

 

Zwei unserer Favoriten um die Kathedrale im Zentrum Granadas – eine Tapasbar für Fisch und eine geschichtsträchtige Bogeda.

 

Bogedas Castañeda. Die Atmosphäre ist fantastisch. Es ist Samstag und betriebsam wie im Bienenstock, wir arbeiten uns langsam an den Tresen vor. Familien und Einheimische machen in der Stadt ihre Erledigungen und wie ein Ritual, schaut man in der alten Bogeda vorbei auf ein oder mehrere Gläschen. Dazu gibt es die Gratis-Häppchen, ein Reisgericht, ein gebackener Kabeljau, Hackfleischbällchen in Tomatensauce. Man bestellt eine Caña (kleines Bier) oder die aromatische, frische Sangria. Das Signature-Getränk der Bodega ist die 'Calicasas', eine Mischung aus Wermut, Wein und anderen geheimen Zutaten.  Wie diese Kellner ihrer Arbeit und die Kundenschar bewältigen, ist ein Rätsel, dabei machen sie nie einen Fehler. Zum Essen bestellen sind wir gar nicht gekommen, nach zwei oder drei Gläschen war der Hunger mit den warmen Tapas erstmal gestillt. Bodega Castañeda Lage & Öffnungszeiten Google Map.

Bodega Castañeda in Granada seit 1927
In der Bodegas Castañeda in Granada trifft man sich seit 1927

 

Bar Provincias. Tolle Fisch-Tapas, schönes Ambiente und eine lebhafte Atmosphäre mit meist spanischen Kunden. Die Bar liegt versteckt in einer kleinen Gasse (dort, wo die vielen Menschen draußen stehen). Die Preise sind günstig. Wer mittags gleich um 13:30 Uhr kommt ergattert ein Platz an der Bar.

Bar Provincias Lage & Öffnungszeiten Goolge Map.

Granada – Ein Gang um die Kathedrale

Die alte Maurenstadt Albaicín

Ins altmaurische Viertel Albaicín  zieht es die meisten Besucher. Durch die Bazargasse Calle Caldereria Nueva geht es hangaufwärts vorbei an den arabischen Teestuben teterías und marokkanischen Geschäften mit Kunsthandwerk bis orientalischen Ramsch. Ziel aller ist der Mirador de San Nicolás. Von der Terrasse wartet der beste Postkartenblick auf die Alhambra und die Schneegipfel der Sierra Nevada, am schönsten vor Sonnenuntergang, wenn die Burgstadt im Abendlicht rot leuchtet.

Zum benachbarten Moscheegarten hat man übrigens Zugang für eine weitere Aussicht. Lauschig ist die Plaza Larga mit ihren Cafe-Bars. In den engen, wirren Gassen verliert man sich schnell aber auch die Touristen. Einige schmucke restaurierte Herrenhäuser, die sogenannte 'carmen', können im Albaicín entdeckt und kostenlos besichtigt werden, wie die Casa de Zafra (Google Map) oder die Casa Museo Max Moreau

 

Gute syriche Küche. Eine authentische und günstige arabische Küche findet man in der Nebenstraße Calle Elvira. Leckere Falafel Imbisse und eine sehr gute syrische Küche, etwa im Puerta de Syria (Google Map).

 

von Edel Seebauer / Fotos Jürgen Mahler

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