USA Nordwesten Teil 5 | Jackson (Wyoming)

'Going to Jackson' – Stippvisite in der berühmten Mountain & Western Town

Vor den Toren des Grand Teton Nationalpark liegt der berühmteste Ort der westlichen Rocky Mountains. Jackson ist ein Tourismuszentrum par excellence, das sein Wildwest-Image ehrgeizig pflegt, aber auch Charme hat. Der Ort ist Treffpunkt der Outdoor-Enthusiasten und des Jetsets, die in der Wildnis und dem Tal von Jackson Hole jegliche Ablenkung finden. Aufsehenerregend schon von außen ist das Museum of Wildlife Art. 

Jackson town Square Wyoming
Jackson Town Square im Herzen der Stadt
Wapiti Hirsch Jackson Museum of Wildlife Art
Wapiti Hirsch am Jackson Museum of Wildlife Art

 

Die Touristen lieben dieses Jackson. In dem auf 1900m liegenden Bergstädtchen kann man über hölzerne Bürgersteige flanieren, vorbei an den charmanten Wildwest Gebäuden, die man landläufig niedrig baute, um die Straßen nicht zu überschatten. Der Western-Look mag etwas überzogen sein, aber für den Durchreisenden ist Jackson durchaus einen Halt wert. 

 

Am 'Geweihten Platz' – Jackson Town Square

Beliebtestes Selfie-Motiv sind die vier imposanten Geweihbögen am Town Square, welche die Menschen staunend durchschreiten. Das erste Geweihtor hatte der örtliche Rotary Club 1953 errichtet. Jeder Torbogen besteht aus über 2000 Geweihen, die von Hand zusammengesteckt 50 Jahre halten, dann müssen sie erneuert werden. Der abgeworfene Kopfschmuck der großen Wapiti Edelhirsche wird von Pfadfindern im nahegelegenen National Elk Refuge regelmäßig im Frühjahr eingesammelt. Im Mai feiert die Gemeinde das mehrtägige Elk Festival und versteigert die 'frisch geernteten' Geweihe an Bieter aus der ganzen Welt. In den Anfängen von Jackson zogen die Hirsche auf ihrer Wanderschaft noch über diesen Platz, auf dem sich heute täglich um 18 Uhr eine Wildwest-Schießerei abspielt (Sommersaison).

 

 Torbogen aus 2000 Wapiti Geweihen Jackson town Square Wyoming
2000 Wapiti Geweihe hat dieser Torbogen

 

Die unglaubliche Dichte an Geschäften, Galerien, Restaurants und Bars lassen in Jackson das Leben pulsieren. Für die Reichen und Schönen werden täglich Edel-Sushi eingeflogen, in Hipster-Restaurants und stylischen Bars können sie dem Cowboy-Kitsch entfliehen. Den gibt es in der unübertroffenen Million Dollar Cowboy Bar zu Honky Tonk und Country Blues und mit Cowboysätteln als Barhocker. Die berühmte Leuchtreklame mit dem Rodeo Cowboy kann man kaum verfehlen, um den Abend in dem legendären Drinking Hole zu beschließen. Touristisch bis zum Abwinken, aber ein Muss, wenn man nach Einbruch  der Dunkelheit noch in Jackson verweilt. (Map)

 The Million Dollar Cowboy Bar Jackson Wyoming
The Million Dollar Cowboy Bar, auf dem Cowboysattel an die Bar
The Million Dollar Cowboy Bar Jackson Wyoming

 

Dass Jackson schon immer Touristen aus der ganzen Welt anzog, ist bekannt. Als neue Reisegruppe sind die 'Western-begeisterten' Chinesen dazugekommen, die uns im Grand Teton Nationalpark zahlreich über den Weg, beziehungsweise vor die Kamera laufen. Tatsächlich gibt es ein chinesisches 'Jackson Hole' nördlich von Peking. Als sein amerikanischer Entwickler die ersten Pläne in Peking vorstellte, wären die Leute "wie auf Knien gekrochen gekommen". Alle Wohnungen sind verkauft und hätten sich im Wert verdreifacht.

Geweih Torbogen am Jackson town Square Wyoming
'Western-loving' Chinesen reisen meistens in Gruppen

Eine Vorwarnung: In den Sommermonaten wird Jackson regelrecht überflutet. Jetzt nach dem Labor Day Weekend (erster Montag im September) wird es überall entspannter. Am Morgen parken wir unser Wohnmobil problemlos im Zentrum von Jackson, das sich einfach zu Fuß erkunden lässt. Exquisite Kunst, modische Western-Outfits und Juweliere in Überfülle zieren die Schaufenster der Western-Fassaden. Auch Pendleton ist hier vertreten mit den berühmten All-American Wolldecken mit Signature-Mustern.

 

Bärenglöckchen? Beim Outdoor Ausstatter Teton Mountaineering besorge ich mir ein paar Fleece-Handschuhe für die frostigen Abende im Yellowstone. Und, sollen wir das obligatorische Bärenglöckchen für den Rucksack noch kaufen? Ob sie die Bären denn fernhalten, frage ich die Verkäuferin? Als Antwort kriegen wir den Ranger-Spruch: "Wie unterscheidet sich der aggressive Grizzly vom Braunbär? Der Grizzly ist der mit den Glöckchen", also lassen wir sie im Laden.

 

Beste Camping Vorräte einkaufen. Jackson ist der letzte und beste Versorgungsort auf dem Weg in den Grand Teton und Yellowstone. Mit neuen, guten Vorräten versorgt man sich am Ortsanfang von Jackson in einem der großen Supermärkte Albertson oder Smith's. Neben Smith's gibt es bei Jackson Hole Buffalo Meat frisches Wild und vor allem Bisonfleisch, auch abgepackt. (Map)

  

  • RV Campgrounds. Es empfiehlt sich nicht in Ortsnähe zu Campen (eng und teuer). Der nächste Campground im Grand Teton Nationalpark Gros Ventre liegt 2 Meilen nördlich. Südlich von Jackson am Snake River Canyon ist das Campingplatz Angebot groß. 

Essen & Ausgehen in Jackson

Best rated Coffee. Zum Frühstück oder nur zum Kaffee kann ich das kleine Cowboy Coffee empfehlen. Der Laden macht richtig guten Kaffee, der in Folge zum Besten der Stadt gewählt wurde. Die Oversize Cinnemon Rolls (so gut!) liefert die French Bakery. Coole Leute und ein guter, lässiger Jackson Vibe. Google Map.

 

Warme Bagels. Pearl Street Bagels hat eine große Auswahl an frisch gebackenen Bagels. Probieren: Spinat & Feta Bagel und Wildlachs-Frischkäse. Google Map.

 

Französische Backkunst. Persephone French Bakery, eine hervorragende Bäckerei mit hübschen Cafe. Neben handwerklichem Brot, viel verführerisches Gebäck. Probieren: 'Kouign amann', ein langsam von Butter und Zucker durchdrungenes, karamellisiertes bretonisches Gebäck. Google Map.

 

Blockhaus Feeling. Snake River Grill. Eine Institution und ein Liebling der Einheimischen. Die besonders behagliche Atmosphäre mit großem Steinkamin und intimer Bar zieht die Leute an, gehobene New American Cuisine von Pizza, Trüffel-Pommes bis Kobe Steak. Google Map mit Bewertungen.

 

Drinking Hole & Disco Night. 10km östlich von Jackson im Örtchen Wilson geht es bodenständiger und manchmal wild zu in der örtlichen Stagecoach Bar. Donnerstags mit Disco Night und Sonntagstanz mit Country Schnulzen. Gleich daneben im Streetfood@Stagecoach halten mittags gerne die Locals an und schwören auf die besten Streetcorn Fritters und Quesadillas innerhalb von 100 Meilen. Super sei auch: Korean BBQ Wings (Map).

Was Jackson noch bekannt machte...

Benannt wurde das Tal und später die Stadt nach David E. Jackson, einem Trapper und Pelzhändler, der im frühen neunzehnten Jahrhundert zum Biberjagen ins Tal ('Hole') abstieg, wo er mehrmals überwintert.

 

Fotobeweis von der Grand Teton Höllenabfahrt.

Am 17. Juni 1971 stieg der junge Mountain Guide Bill Briggs auf den 4.200m hohen Grand Teton und fuhr mit den Skiern hinunter – etwas, das als unmöglich angesehen wurde. Nachdem er die Abfahrt erfolgreich überstanden hatte, kehrte Briggs nach Jackson zurück und sah nur großen Zweifel in den Gesichtern. Er lief zur Jackson Hole News, dort schien ihm jemand zu glauben. Am nächsten Tag nahm man ein Foto seiner Spur aus dem Flugzeug auf, das die Welt des Skisports erschütterte. In dem Fall-and-You-Die-Gelände musste er zwischendurch eine Klippe hinunterklettern bis zum nächsten befahrbaren Abschnitt. Mit dem damaligen Material eine Meisterleistung von Briggs, der als 'Vater des extremen Skibergsteigens' in die Geschichte einging.

 

Wenn man den Notenbankchef mit Fliegenfischen ködert.

Jeden August verlagern die großen Zentralbanker dieser Welt ihre Aufmerksamkeit nach Jackson Hole, wenn zum Wirtschaftssymposium eingeladen wird. Wie man es geschafft hat, die einflussreichsten Banker in dieses abgelegene Tal zu holen? Indem man die Aufmerksamkeit von Paul Volcker, dem damaligen Notenbankchef, gewinnen konnte, und zwar mit seiner Lieblingsbeschäftigung: Fliegenfischen. Der Plan ging auf. 1982 folgten ihm die wichtigsten Bankenvertreter nach Jackson Hole in die Rockies, von dem sie zuvor noch nie gehört hatten. Logiert wird in der abgeschiedenen Jackson Lake Lodge.

Inzwischen hat sich Jackson zu einem Steuerparadies für Millionäre entwickelt. Wer Jackson zu seinem Wohnsitz macht, zahlt weder Einkommenssteuer, noch Vermögenssteuer oder Erbschaftssteuer. Einen eigenen Flughafen besitzt die 10.000 Seelen Gemeinde natürlich auch und mit Tobacco Row ein großes Zigarrengeschäft direkt an der Straße (Map).  

Jeep oder Porsche, Jackson Town ist Treffpunkt des Jetset
Jeep oder Porsche – in Jackson treffen sich Outdoor-Enthusiasten und der Jetset

Jacksons National Museum of Wildlife Art & Sculpture Trail

Ein Besuch in Jackson Hole wäre unvollständig ohne einen Abstecher ins National Museum of Wildlife Art – und wenn es nur für seine 'Outdoor Kunst' ist.

Wapiti Hirsche SkulpturNational Museum of Wildlife Art Jackson Hole Grand Teton
Am Parkway kurz nach Jackson springen die Wapiti Hirsche
Sandy Scott's Elch Skulptur am National Museum of Wildlife Art, Jackson Hole Grand Teton
Sandy Scott's riesige Elch Skulptur am National Museum of Wildlife Art, Jackson

 

Hier im Tal von Jackson Hole, wo die Bisons, Elche, Bären, Wölfe, Adler und Hirsche leben, hat das Museum seinen Platz im Lebensraum der Wildtiere gefunden. Auf dem Hang über dem Parkway erscheinen unvermittelt einige Artgenossen. Während wir Richtung Grand Teton fahren, müssen wir zweimal hinschauen zu der in Reihe trabendenden Bisonherde, gefolgt von springenden Wapiti-Hirschen neben uns. Es sind aufsehenerregende Bronzeskulpturen, die in die Natur eingefügt, zum National Museum of Wildlife Art gehören, das sich fast unsichtbar macht, so gut hat sich die reduzierte Architektur aus Idaho Quarzit nahtlos seiner Umgebung angepasst.

 

Hier sollte man für den 'Sculpture Trail' Halt machen, von dem man außerdem einen erstklassigen Fernblick auf das National Elk Refuge erhält. Der 'Buffalo Trail' aus sieben Bisons ist von heroischer Größe und ganze 20 Meter lang. Weitere Skulpturen finden wir um das Museum herum, wie den stattlichen Elch 'Moose Flats' und 'Presidential Eagle'. Der Skulpturenpfad zweigt in mehrere Fußwege mit Brücken und Treppen ab. Ein sehenswertes und kostenloses Freilichtmuseum mit 30 Kunstwerken!

 

 

Das Innere des Museums beherbergt eine beeindruckende Sammlung mit Gemälden von großen Malern des Wildtier-Genres des 19. und 20. Jahrhunderts: Rungius, Bierstadt, Russel und Remington. Nordamerikas Wildtiere in Öl, Tinte oder Bronze. Realismus ist der vorherrschende Stil, von romantisch-verklärt, dramatisch realistisch bis künstlich gezähmt. Dazu gesellen sich Werke von Rodin, Warhol, Rousseau und Picasso. Eine Galerie ist allein dem Bison gewidmet. Eine informative und intelligente Präsentation amerikanischer Wildlife Art.

 

National Museum of Wildlife Art Homepage mit Besucherinfos, Öffnungszeiten, Lage Google Map.

Foto Credits (von oben links): Architektur eingebettet in die Natur. Das National Museum of Wildlife Art in Jackson.

Robert Bateman (Canadian, b. 1930), Chief. 1997. Acrylic on Canvas. Gift of Birgit & Robert Bateman, National Museum of Wildlife Art

Albert Bierstadt (German, 1830 – 1902), Rocky Mountain Goat, c. 1875. JKM Collection®, National Museum of Wildlife Art. 

Edward Hicks (American, b. 1780), The Peaceable Kingdom. Given at the behest of Anonymous Museum Benefactors. National Museum of Wildlife Art.

 

 

Der wahre Grund, warum man nach Jackson kommt, ist sein Hinterland und der Grand Teton mit aufregenden Freizeitbeschäftigungen und einer umwerfenden Natur.

 

 

von Edel Seebauer / Fotos Jürgen Mahler

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Bisher auf der "USA Nordwesten Route" erschienen