Kyoto – Ausflüge zum singenden Bambushain & Schrein der 'Tausend Roten Tore'

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Im farbenfrohen Kimono geht es durch die Tausend rote Tore des Fushimi-Inari Schreins

Fushimi Inari-Taisha – im orangenen Tunnel

Einmal durch den orangenen Tunnel. Der Fushimi Inari 'Schrein der Tausend Tore' ist unbestritten der außergewöhnlichste Schrein Japans – spektakulär und magisch anziehend.

 

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Fushimi-Inari "Schrein der 1000 Roten Tore" ist das Highlight im Süden von Kyoto
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Tor für Tor gespendet von vielen zahlungskräftigen Unternehmen

 

Wir hätten früher aufstehen sollen, um 10 Uhr morgens ist das Menschenmeer schon da. Im orangenen Tunnel herrscht Selfie-Stau. Hier stehen die leuchtenden Torii so eng, dass sie ein Dach bilden. 

 

Der Fushimi Schrein ist der beliebten Reis- und Sake-Gottheit Inari geweiht, die hier im Jahre 711 vom Himmel gestiegen ist. 14.000 zinnrote Torii (Tore) tragen die Namen ihrer Spender und schlängeln sich dicht an dicht hinauf zum Gipfel, den die wenigsten zum Ziel haben. Die Tore wurden überwiegend von japanischen Firmen und Geschäftsleuten gestiftet, da man hier für 'wachsenden Reis', also gute Umsätze betet. Achtung, das tut man besonders an jedem ersten Tag des Monats, dann wird es lebhaft. 

Je weiter wir aufsteigen, umso weniger Menschen gibt es. Es lohnt sich, den hypnotisierenden Tunnel auch mal zu verlassen. Die Pfade abseits führen zu stimmungsvollen Unterschreinen und Gräbern. Steinfüchse als Wächter und Boten von Inari sitzen in allen Nischen. Um die Steinaltäre stapeln sich kleine Miniatur-Torii als günstigere Dankesgaben. Auf halber Höhe erreicht man den Aussichtspunkt (nach ca. 45min) und die Yotsutsuji-Kreuzung mit dem Rundweg über den Gipfel oder dem Wiederabstieg. 

 

Wer in der Morgen- oder Abenddämmerung den Weg hierher findet, den dürfte eine geheimnisvolle Stille erwarten. Die Gläubigen meiden diese Tageszeit, denn die Launen des Fuchsgottes sollen unberechenbar sein.

 

Viele verlassen das Heiligtum nicht ohne Omamori, den japanischen Glücksbringer. Heiß begehrt sind die Fuchs-Talismane des Inari, der früher die Reiskammer füllte, und heute für ein volles Portemonnaie sorgen soll.

 

  • Infos Fushimi Inari SchreinDas Gelände des Heiligtums ist durchgehend 24h geöffnet und der Eintritt ist frei. Die Schreine öffnen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Der Gipfelweg hat eine Gesamtlänge von 5km, für die man als Rundwanderung ca. 3 Stunden benötigt. Entlang des Weges gibt es Getränke und kleine Raststationen.
  • Anfahrt: Fushimi-Inari Station mit der Keihan-Linie oder Inari Station mit JR Nara-Linie. Von da kurzer Fußweg. 
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Inari der Schrein Fuchs wacht über den Fushimi Inari Schrein
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Einmal erwischt, ein Foto im orangenen Tunnel ohne Personen

Fundstück – Japanische Mitbringsel

Während Gift-Shops uns auf dem 3-Minutenweg zum Inari-Bahnhof begleiten, erregen doch zwei typisch japanische Spielereien meine Aufmerksamkeit. 

Ein Regenschirm dessen Kirschblüten sich im Muster öffnen, sowie Wassertropfen sie berühren. Und der niedliche Hunde-Welpe mit dem Schild „talk to me“. Alles was er hört plappert er exakt nach, und als er in mein Gelächter mit einstimmt, hätte ich ihn fast gekauft. Walking Talking Puppies heißen sie.


Omamori – Erwerb einer Wohltat im weltlichen Leben

In Tempeln und Schreinen kann man ihnen kaum entgehen. Glücksbringer, Amulette und Talismane mit einer unüberschaubaren Reihe an zuständigen Göttern und Geistern. Wer sie kauft, erwirbt eine diesweltliche Wohltat. 

 

Im kleinen bestickten Omamori Seidenbeutel steckt ein Gebet für bestimmte Wünsche wie gute Noten, einen Partner oder Verkehrssicherheit. Ein Jahr trägt man es bei sich, danach ist seine Wirkung verfallen und ein neuer Glücksbringer muss her.  Auf die bedruckten Holztäfelchen (Ema) schreibt man sein ganz persönliches Anliegen und hängt es beim Tempel auf.  Mit dem gefalteten Omikuji Papier kauft man sich ein Orakel zu allen Lebensbereichen, das nicht immer positiv ausfällt. Unser Orakel kommt vom Automaten aus dem Maul einer Glücksgott-Figur. Schlechte Weissagungen wird man wieder los, indem man das Papier am Schrein an einen Busch bindet und die Kami bittet, das schlechte Schicksal möge nicht in Erfüllung gehen. Gute Orakel dagegen nimmt man mit nach Hause.

 

Dieses Streben nach 'Genze riyaku', einen Nutzen oder eine Belohnung im diesseitigen Leben, ist ein Wesenskern der japanischen Religiosität und wird ganz unbefangen praktiziert – zur Abwehr von Unheil oder für Wunscherfüllungen. Geschäftstüchtigkeit in der Religion, die bei uns Befremden hervorruft, hat in Japan nichts Verwerfliches. Da man keine Kirchensteuer kennt, sind alle religiösen Stätten finanziell auf sich selbst gestellt. 

 

Eine pragmatische Art der Bewältigung alltäglicher Lebenssituationen. Aber auch in Glaubensfragen sind Japaner flexibel. Man sagt: "Der Japaner wird im Schrein geboren, in der Kirche getraut und im Tempel begraben". 

Die Musik der Bambusriesen von Arashiyama

Die Zeiten, in denen man diesen Ort für sich allein hatte sind längst vorbei. Die Schönheit des Bambuswaldes von Arashiyama hat sich herumgesprochen. Wir machen uns früh los, um seinen Zauber noch einzufangen bevor die Scharen kommen. Nur ein paar andere Besucher sind mit uns um halb Neun aus dem Bus gestiegen, und wir alle laufen zielstrebig in Richtung Bambus.

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Der berühmte Sagano-Bambuswald von Arashiyama, Kyoto

Das helle Sonnenlicht bricht durch die Baumkronen und zaubert ein magisches Spiel von Licht und Schatten. Man muss sich zwingen nicht ständig durch die Kamera zu schauen. Mächtig dicke Bambusrohre von gigantischer Höhe wiegen sich knarrend und raschelnd im Wind. Diese 'Musik der Natur' hat das japanische Umweltministerium in die Liste der "100 Soundscapes of Japan" aufgenommen – neben dem Sagano Bambuswald zählt etwa das Pfeifen der Perlentaucherinnen dazu oder das Treibeis in der See vor Hokkaido. 

 

Der ansteigende Bambusweg endet nach 500m vor der Villa Okochi Sanso, die wir gleich noch besuchen. Auf dem Rückweg durch den Bambus war der stille Zauber vorbei. Der Bambushain ist rund um die Uhr offen!  Arashiyama Bamboo Grove Google Map

 

Am Eingang zum Bambuswald befindet sich der Tenryuji-Tempel (UNESCO Weltkulturerbe), dessen Sogenchi Garden eine wahre Oase ist. Wir lassen ihn jedoch aus, da heute noch der große Flohmarkttag im Tenjin-san Tempel auf dem Plan steht. 

 

Anfahrt Arashiyama & Sagano Bambuswald: Je nachdem, wo man in Kyoto einsteigt, ca. 45-60min bis ans Ziel. Mit dem Bus oder Zug, beide starten ab Kyoto Station und fahren durch die Stadt. Auf Google Map Suche eingeben.

  • Kyoto City Bus 28 bis Haltestelle Arashiyama-Tenryuji-mae
  • San-in Zuglinie bis Saga-Arashiyama Station
  • von dort 10 bzw. 15min Fußweg bis zum Bambushain
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Die Bambusgiganten machen Musik

Obwohl Arashiyama und der Bambuspfad zu den meistbesuchten Attraktionen gehören, ist ein Ausflug dorthin eine reizvolle Abwechslung zum typischen Sightseeing in Kyoto. Die Japaner lieben Arashiyama als Erholungsgebiet. Die Schlucht und die dicht bewaldeten Berghänge locken besonders zum Farbenspiel der Kirschblüte und Herbstfärbung und wurden zum 'Place of Scenic Beauty' ernannt. 

Man spaziert über die elegante 'Brücke zum Mond' von 1934, durch den Bambus und am Flussufer, oder lässt sich von einem ‚Ninja’ in der Rikscha ziehen. Fährt im Hozu-Fluss über die Stromschnellen oder man nimmt die Sagano Scenic Railway (2h). Und nach dem Schrein-Besuch, kehrt man noch in eins der Fluss-Restaurants ein. Die Hauptstrasse durch Arashiyama ist trubelig und voller kleiner Läden. Ein Matcha-Eis geht noch bis unser Bus kommt. Aktivitäten in Arashiyama.

 

Tempel Hopping. Von hier aus könnte man weiter auf Tempel-Hopping gehen zum berühmten Steingarten Ryoanji und dem Kinkaku-ji Goldenen Pavillon, ein Stück weiter ist der noch nicht überlaufene Koto-in Untertempel ein Geheimtipp. Tempel-Route auf Google Map. Busse halten an der Strecke. Tipp Mittagessen: Eins der besten Okonomiyaki Restaurants Katsu liegt nur 5 Minuten vom Ryoanji Steingarten.

 

  

Restaurants Tipps am Fluss von Arashiyama.

  • Am Fluss hängen geblieben sind wir im urigen Restaurant Kameyamaya bei den aufgeweckten Alten, die mit uns ein Bier trinken. Es ist eine nette und günstige Einkehr. Unser Essen war nichts Nennenswertes aber man sitzt sehr idyllisch am Oigawa-Fluss.
  • Ein Stück weiter am Fluss entlang sieht das Essen im Shoraian Restaurant recht vielversprechend aus. 
  • Oder das Cafe Hassui bietet alles von Sandwich bis Sashimi und Nachmittags-Tee, bekannt ist das Cafe für sein glänzendes jadegrünes 'Hisui Mocha'. Das feste, geleeartige Dessert wird mit luxuriösen Mengen an Matcha von Ippodo (Premium Tee) zubereitet.  
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Pause in Arashiyama beim kleinen Fluss-Restaurant Kameyamaya

Villa mit Gartenschau – Besuch beim Samurai-Filmstar

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Großartige Gartenlandschaft in der Villa Okochi Sanso in Arashiyama
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Traumvilla und Garten des Samurai Stummfilmstars Okochi Denjiro

 

Ein verstecktes Kleinod in Arashiyama ist die Villa Okochi Sanso von Stummfilmstar Okochi Denjiro.

 

Mit den japanischen Samurai-Dramen der 1920er Jahre erlangte er mit seinen realistischen Schwertkämpfen Berühmtheit und baute sich auf dem Berg dieses wunderschöne Anwesen. Die letzten 30 Jahre seines Lebens (1898-1962) widmete sich Okochi der Gestaltung seines Gartens, der alle vier Jahreszeiten hervorheben sollte, mit Kirschblüten, Ahorn, Azaleen, Bambus und japanischen Kiefern. Die weitläufige Gartenanlage ist fantastisch und man sollte allen so bedacht und schön angelegten Wegen folgen und dabei immer neue Ausblicke genießen. 

 

Die elegante historische Villa kann nicht besichtigt werden, aber am Ende kommt man am luftigen Teehaus vorbei, wo den Besuchern ein Matcha-Tee und Konfekt mit Blick in den Bambusgarten serviert wird (Eintritts-Ticket aufbewahren). Eine Galerie zeigt dann noch den Filmstar in seinen berühmten, furchteinflössenden Samurai-Posen. 

 

Infos & Lage Google Map. Die Villa Okochi Sanso erreicht man am Ende des Sagano Bambushain Weg.

 

Kyoto Ausflug Tipp Arashiyama guide to Okochi Sanso Villa by movie star Denjiro Okochi Garten visit gardens tearoom
Zur Herbstfärbung wir einer der schönsten Gärten bei Kyoto
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TIPP. Faszination Bonsai – Besuch in Kyotos Shōhin Baumschule

"Die beste Zeit, um einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt."

Sprichwort 

Kyoto Reise Insider-Tipp Bonsai Ausstellung Show Baumschule

 

Gartenfreunde und Hobbygärtner dürften in der Bonsai-Baumschule Kojuen in Kyoto ihre Freude haben – oder sogar einen Bonsai Kurs belegen wollen. Die Shohin-Baumschule der Familie Masumi ist eine der bekanntesten in ganz Japan. Neben den Miniaturbäumen verkaufen sie Utensilien und japanische Bonsai-Töpfe und geben auch Kurse.

 

Bonsai, zu deutsch 'Gepflanzt in einer Schale', ist die uralte Kunst, Bäume zu lebenden Meisterwerken zu formen. Shōhin Bonsai ist die Kür bei der die Bäume so klein gehalten werden, dass sie in der Handfläche Platz finden und nicht höher als 20 Zentimeter werden. Tägliche Aufmerksamkeit, Feingefühl und harte Arbeit sind nötig, damit diese Kunstwerke entstehen, die an Bildhauerei erinnern. Eine hohe Bedeutung kommt übrigens auch dem Bonsai-Topf und seiner Keramikkunst zu. 

 

  • Lage / Kontakt: English spoken, Tel: +81 75-691-5296, email: kojuen@kyoto.zaq.jp, täglich 9-17h, 2km westlich vom Kyoto Hauptbahnhof s. Google Map 
Kyoto Reise Insider-Tipp Bonsai Ausstellung Show Baumschule Reisebericht  Reiseblog

 

von Edel Seebauer / Fotos Jürgen Mahler

 

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