Ein China Highlight. Zum bunten Freitagsmarkt in Shaxi

Tage in Shaxi – Auf den Spuren der alten Karawanenstadt

Stadttor east gate  in Shaxi, Yunnan
Stadttor in Shaxi, Yunnan
Heihui River in Shaxi village
Morgenstimmung am Heihui River in Shaxi

Vom Freitagsmarkt zurück mit neuem Zahn, neuem Damenhut und einer Sau

Es ist Freitag. Der kleine, atmosphärische Ort Shaxi in einem verschlafenen, fruchtbaren Tals, wird heute zum Warenumschlagplatz für die herbeiströmenden Händler und Einkäufer aus den ganzen Umland. Und man kann vielleicht erahnen, wie es hier vor über Tausend Jahren einmal zuging. Shaxi (Sideng) ist die letzte, noch weitgehend unberührte alte Handelsstadt an der berühmten Tee und Pferde Karawanenstraße nach Tibet. Der wunderbare, alte Marktplatz auf dem die Karawanen einst nächtigten und Handel trieben, wurde in die Liste der 100 meistgefährdeten Denkmäler der Welt (WMF) aufgenommen.

Shaxi Friday Market and Yi women
Die Yi Frauen haben oft einen weiten Weg von den Bergen zum Shaxi Markt

Für den großen Markttag sind wir bereits am Vorabend angereist. Frauen aus dem Ort haben sich schon früh in Position gebracht mit ihren Essensständen für kalte, hausgemachte Erdnuss-Chilisauce Noodles, Teigtaschen oder Tofu-Gerichte. Mit ein paar heißen Eierpfannkuchen streifen wir zuerst in Richtung Tiermarkt vor den Toren der Altstadt. Über die gewölbte Steinbrücke und das Flusstal, das malerischer als im Morgenlicht nicht sein könnte, treibt ein Bauer nach dem anderen eine widerwillige Sau oder störrische Ziege zum staubigen Handelsplatz. Das Geschrei ist groß. Ladungen panischer Ferkel oder durchdrehender Bullen werden von ihren häufig weiblichen Besitzern in Schach gehalten, die stets verspielte, luftige Hüte tragen, wie zur Teatime. In der Altstadt ist der Andrang am Stand der Damenhüte sodann auch groß. Zu einem sentimentalen Souvenirkauf haben sie mich glücklicherweise nicht verleitet, dafür aber der simple aber schöne Reissack für 2 Yuan – bei meiner Freundin, der geflochtene Einkaufskorb, den man sich (auch in Frankfurt?) auf den Rücken schnallt, und aus dem frische Einkäufe lugen wie Schweinsfuß, Waldpilze, Kräuter oder eine freundliche Ente.

Women at Shaxi Friday market,  Freitag-Markt
Mit leichtem Sonnenhut und Einkaufskorb geht's auf den Shaxi Freitag-Markt

Auf der Straße werden Blutdruck und Puls gemessen oder ein quälender Zahn gezogen. Diverser Ersatz oder ganze Zahnprothesen stehen gleich einsatzbereit. Die Kleinkinder tragen alle die praktische, chinesische Po-Schlitz-Hose, und müssen für ihr Geschäft nur in die Hocke gehen. Vielleicht freut sich jemand über solch ein Mitbringsel? Eine Frau verkauft ihr Haar, das gerade ausgedünnt wird für westliche Haar-Extensions. Männer rauchen ihre Zigaretten durch eigenartige Pfeifen-Rohre. Touristische Besucher wie wir, sind hier die absolute Minderheit, ebenso wie Han-Chinesen. Die vorherrschenden Volksgruppen der Bai und Yi bestimmen das bunte und aufregende Markttreiben – viele kommen aus den Bergdörfern noch in ihren farbenprächtigen Volkstrachten. Sie drängen sich an den niedrigen Tischen der Garküchen entlang der Marktstrasse. Aus denen dampft und brutzelt es, und es riecht verführerisch. Wir ergattern einen Tisch in der 'Entenküche'. Auf dem Gehsteig steht der Fassofen in dem die Enten hängend geröstet werden. Im Ganzen in Stücke gehackt, schmeckt unsere köstlich,  sie ist mager, saftig und extrem günstig – besser als die teure Peking Ente, die wir in Beijing hatten.

 

Im hiesigen Supermarkt suchen wir vergeblich nach Schokolade für unser Wanderung morgen, dafür hat es Regale voll mit vakuumverpackten Hühnerfüßen. Die Chinesen essen kaum Süßes, und in der traditionellen, chinesischen Küche ist kein Nachtisch zu erwarten. Unserem Guide Ellen in Chengdu, boten wir einmal ein Stück von unserer deutschen Schokolade an, und sie musste es ausspucken, so unerträglich süß war es für sie. An Süßem finden wir auf dem Markt Honigwaben mit ganzen Bienen drin und der hausgemachte, nur leicht gesüßte Karamell. Als ein  toller Snack (zum Bier auf unserer Veranda) entpuppen sich die gerösteten chinesischen Artischocken (Foto), salzig oder spicy, die dem fremden Auge zunächst wie Maden erscheinen mögen.

 

DER FREITAG-MARKT VON SHAXI (gesprochen Shassi) war der schönste, größte und eindrucksvollste unter den lokalen Märkten, die wir auf unserer China Reise gesehen haben.
Markt auf der langen Hauptstrasse von ca. 9 Uhr bis 14 Uhr.
Tiermarkt durch das Osttor über dem Heihui Fluss, von 9 bis 12 Uhr.

Shaxi Yunnan smoker
Zigaretten rauchen durchs Pfeifenrohr, Shaxi
Shaxi Freitag Markt
Fleischergasse auf dem Shaxi Markt

Klick auf Bildergalerie Shaxi Markt

Entspanntes Theater am Marktplatz in Shaxi

Shaxi ist unmanikürt, mit einer entspannten Atmosphäre und ohne Nachtleben. Kleine, gepflasterte Gassen mit Wasserläufen führen vom alten Sideng Marktplatz in verschiedenen Himmelsrichtungen zu den Stadttoren. Wunderbar ist die Architektur der alten Hofhäuser aus Lehm- und Holz, die mancherorts zu bröckeln beginnen. Mit Schweizer Unterstützung wurde der herrliche Sideng-Platz schonend restauriert. Auf der einen Seite der buddhistische Xingjiao Tempel aus der Ming-Dynastie (1415) mit zwei grimmigen Wächtern am Eingang. Direkt gegenüber und einzigartig in China, die eindrucksvolle, intakte Theaterbühne, die zur Unterhaltung der Karawanen diente, als sie ihr Lager hier aufschlugen. Eins der alten Karawanen-Unterkünfte am Platz ist das Horse Pen 46 Youth Hostel. Ruhig reingehen und anschauen.

Shaxi market square and old theater
Herrlicher Platz – die Theaterbühne am alten Shaxi Markt
Shaxi Square, alter Marktplatz mit Theater
Lagerplatz der alten Karawanen in Shaxi mit rotem Sandsteinpflaster aus dem Jahr 1904

Auch ohne Theaterspiel bietet uns der alte, aus rotem Sandstein gepflasterte Platz um den Pagoda-Baum reichlich Unterhaltung. Eine Chinesin posiert vor der Kamera ihres Mannes, man wird immer mutiger und erfinderischer, am Ende wird eine Sitzbank auf den Platz transportiert und die Muse in Pose gebracht. Den Dorfhunden gefällt das, und sie jagen hinterher. Die Kunststudenten kommen dagegen mit dem malen kaum mit. Zwischendurch fährt immer wieder ein unkontrollierter Motorradtransporter über den Platz. Man versucht einer Angestellten das Gasgeben und Bremsen beizubringen. Fast muss der unscheinbare, dürre Pfahl dran glauben, der jährlichen zum Yi Fackel-Festival seinen großen Auftritt hat. Ein Brauch des Yi Volkes, die nachts mit brennenden Fackeln auszogen, um das Ungeziefer von den Feldern zu vertreiben. (Yi Fackel-Festival am 24. Tag des sechsten chinesischen Mondmonats).

 

TIPP THEATER BESICHTIGUNG: Der Besuch des Theater-Museums ist im Tempel-Ticket enthalten, nur wer danach fragt, dem wird gegenüber aufgeschlossen. Wir durften sogar auf die Theaterbühne treten.

5-Sterne-Service auf der alten Tea Horse Handelsroute

TIPP Unbedingt anschauen. Die Perle unter den historischen Caravan Inns ist das Ouyang House.

 

Das große Hofhaus der Familie Ouyang ist äußert interessant, auch wenn wir kein Wort von dem verstehen, was uns die alte Bai-Frau über ihr Familienhaus erzählt, das von 1912 bis 1917 erbaut wurde. Anfänglich war es ein Luxushotel, das wohlhabende Händler beherbergte. Die Holzstufen und Bodendielen knarren und geben ordentlich nach. Im Obergeschoss erzählt uns die alte Dame ausführlich über die aufwändigen Holzschnitzereien, zeigt uns original alte Weinfässer, Lagerräume, die rußgeschwärzte Küche und Höfe. Das zweistöckige Haus ist noch im Originalzustand mit langsam verblassenden Wandmalereien aus dem Jahre 1919. In den unteren Zimmern zum kleinen Innengarten checkten früher die Karawanenführer ein. Zu ihrer Unterhaltung fanden im Garten Aufführungen statt, die sie von ihren geöffneten Fenstern aus verfolgen konnten, ohne dabei ihre wertvollen Waren unbeaufsichtigt zu lassen. Nach einem strapaziösen, langen Ritt durch die Berge – ein einzigartiger Luxus.

 

Kleiner Eintritt für die Führung durch dieses schöne, original Bai Mehrfamilienhaus.

Shaxi Ouyang House
Das alte Bai Hofhaus der Familie Ouyang kann besichtigt werden
Ouyang House in Shaxi
Ouyang House. Eingang ins einstige 5 Sterne Caravan Inn
Ouyang House in Shaxi
Ouyang House der alten Bai Familie

Ouyang House in Shaxi
Ouyang House, Blick aus dem oberen Stockwerk

Shaxi Tipps für Hotels & Restaurants

Yi women in Shaxi friday market
Yi Familienausflug zum Markttag in Shaxi
Shaxi restaurant
Garküche in Shaxi. Frisch vom Feld in den Wok.
Wantan soup in Shaxi
Herrliche Schüssel Wantan

 

ESSEN GEHEN IN SHAXI

 

Am besten sich an einem der kleinen Tische auf dem Trottoire niederlassen und das Dorfgeschehen verfolgen. Die Esslokale an der Hauptstrasse sind noch authentisch und günstig.  Eine wunderbare, große dampfende Schüssel mit hausgemachten Wantans und frischen Kräutern, isst man hier für umgerechnet 1 Euro, gleich links vom klasse Entenlokal – das, mit dem Entenofen draußen! Falls auf der Karte zu finden, probiert die Shaxi Pinienpilze aus den Wäldern. In vielen Garküchen sucht man sich das saisonale Gemüse in der Auslage direkt aus (Foto).

  • Weit teurer isst man in den westlichen Lokalen, wie im winzigen, italienischen Restaurant Hungry Buddha mit echt guter Pizza aber extrem langer Wartezeit.
  • Oder man trinkt im Old Tree Cafe am Marktplatz eine perfekte Latte gleich neben dem Theater. Ein älteres, chinesisches Paar brüht hier einen erstaunlichen, italienischen Espresso zu europäischen Preisen, den wir uns nach langem Entzug gönnen.

Und 3 Tipps von unserem Gastgeber:

  • Long Feng Hui Restaurant für den Beef Hotpot, an der Main Street.
  • Xi Lu, gute frische Küche. Die Produkte sucht man sich in der Küche aus, im gleichnamigen Guesthouse.
  • TuMu Kitchen für die gute Pizza.

Meine Hotel-Tipps für Shaxi

Hotel Cato's Inn, Shaxi China
Shaxi am Morgen. Blick von unserer Veranda im Cato's Inn

Shaxi Cato’s Inn ist unser Hotel und liegt inmitten der Altstadt. Cato’s Inn ist ein sehr sympathisches Haus und wird von einem chinesischen Paar geführt, das sehr gut englisch spricht. Die hellen Zimmer und die Terrasse blicken ins Grüne über die Hügel und Felder. Sie liegen nicht, wie so häufig etwas dunkel in den Innenhöfen. Wir haben eines der größeren Zimmer  im oberen Stock – vor unserer Tür auf der Veranda zu sitzen hat mir gefallen. Der Service ist super, täglich kostenloses Wasser, Mountainbikes sind inklusive. Das sehr gute, frisch zubereitete Frühstück wird nebenan im kleinen Cafe serviert.

Große bequeme Betten mit warmen Decken (morgens war es sehr kalt und tagsüber gefühlte 30°). Wasserkocher & Tee auf dem Zimmer, große Badetücher, diverse Badeartikel. In der Rezeption kleiner Laden, dazu Kaltgetränke und viele Bücher zum stöbern. Das Paar ist eine gute Informationsquelle, kennt alle Wanderungen oder Fahrradtouren, hilft Ausflüge oder einen Fahrer zu organisieren, und weiß, wo man gut isst.

Bei der Ankunft wird man am Parkplatz vor der Altstadt (autofrei) mit seinem Gepäck abgeholt und läuft etwa 5 Minuten bis  zum Hotel. Für das Gebotene eine super Preis-Leistung. Cato’s Inn (über Booking.com) 

 

Klick Bildergalerie Cato's Inn

Wohnen im alten Theaterhaus von Shaxi

Foto: Hotel Shaxi Old Theater Inn
Foto: Hotel Shaxi Old Theater Inn

Im Shaxi Old Theatre Inn

kann man authentisch und stilvoll wohnen. Eine außergewöhnlich schöne Unterkunft in einem restaurierten, ehemaligen Dorftheater aus dem 18. Jahrhundert. Schön über den Reisefeldern gelegen und mit guter Küche, die Zimmer haben Balkon. Es liegt nicht direkt in Shaxi, zur  Altstadt sind es 15 Minuten mit dem Fahrrad, das den Gästen jederzeit bereit steht.

 

Shaxi Old Theatre Inn (über Booking.com)

Ausflug zu den Berg-Tempeln des Shibaoshan

 Tempel von Baoxiang temple Shaxi
Der Hängende Tempel von Baoxiang

In den Shibaoshan Bergen (Stone Treasure Mountain), 12 km nördlich von Shaxi, haben die Tempel und Grotten, wie durch ein Wunder die Zerstörung zur Kulturrevolution überlebt. Diese Wohnstätten der Götter hängen hoch in den Shibao Bergen in herrlicher Lage. Die wichtigsten Felsreliefs und Skulpturen besitzt die Shizhong Tempel Grotte – über 1300 Jahre alte und wertvolle Schätze aus der Ära der Nanzhao-Könige, einer kosmopolitischen Zeit (750-902) wie die Fresken bezeugen, mit höfischen Alltagsszenen und Gesandten aus dem Orient und Indien. Der Yoni-Schrein – ein Felsspalt, aus dem Quellwasser fließt und der einer weiblichen Vagina gleicht,  ist ein beliebtes Ziel bei Paaren, um für Kinder oder eine leichte Geburt zu beten. Die Felsengrotte ist für Interessierte sehenswert, ansonsten ist der extra Eintritt mit 50 Yuan relativ hoch. In der Tempelgrotte ist das Fotografieren verboten. Wir entscheiden uns von Shaxi  bis zum Shizhong Tempel zu wandern (s. unten), der aber auch über eine Straße mit dem Auto erreichbar ist (40min).

 


Der Hängende Tempel von Baoxiang ist etwas weiter entfernt und klebt spektakulär am hohen Felsen. Um den Gipfel zu erreichen, muss man erst über die 99 Steinstufen der 'Himmelsleiter' und an den Affen-Gangs vorbei – alles Essbare gut verstauen.Mit einem Fahrer (bieten sich an in Shaxi) können die beiden sehenswerten Tempel an einen Tag besucht werden.

 

Fotos Shizhong Grotte (aus dem Buch entnommen)

Wanderung auf den Shibao Mountain zum Shizhong Tempel

Von der Altstadt Shaxi laufen wir knapp 30 Minuten (schneller mit den Hotelfahrrad) bis zum Ausgangspunkt der Wanderung. Die Straße stadtauswärts nach Osten, dann links ab nach Shaping Village (Schild), diese Strasse führt direkt zum Einstieg der Wanderung. Es geht über Brücken und steile Treppen vorbei an zwei kleinen Felsentempeln. Die runden Felsen lugen aus den bewaldeten Berghügeln wie riesige, versteinerte Schildkrötenpanzer. Steinstufen bringen uns immer höher mit schönen Ausblicken ins Shaxi Tal. Ab einer gewissen Höhe führt ein gut präparierter Weg den Berghang entlang durch lichte Fichtenwälder mit großen Spinnennetzen. Teile der alten Tea Horse Road können noch entdeckt werden. Der Wanderweg kommt nach etwa 3 Stunden direkt am Parkplatz raus, von wo aus es noch 500m durch einen Park bis zum Shizhong Tempel geht. Eine nette Wanderung, die in der Sonne anstrengend werden kann.

Wanderung von ca. 5-6 Stunden mit Tempel-Besuch, und auf dem gleichen Weg zurück. Wegbeschreibung: auf der Shaxi Tourist Map zeigen lassen oder das Hotel fragen.

Trekking trail Shizhong Tempel Shaxi
Kleiner Tempel in der Felswand auf der Wanderung zum Shizhong Tempel und seinen Felsenreliefs

Radtour durch die Shaxi Dörfer

Ein schöner Ausflug mit dem Fahrrad führt durch die kleinen Bauerndörfer immer am Heihui Fluss und den Reisfeldern entlang bis zum White Dragon Pool.


ANSCHAUEN. Relativ bald hinter Shaxi fällt eine alte Tempelfassade auf. Der zerfallende Tempel of Town God wird von einer Bauernfamilie bewohnt und wir sind Willkommen, uns umzuschauen. Im staubigen Innenhof sitzen zwei Frauen und putzen unter den strengen Blicken von Marx, Lenin und Mao das Gemüse. Ein großes Fresko mit den drei revolutionären Köpfen wurde von der Roten Garde an der Hauswand hinterlassen. In ihrer landesweiten Kampagne während der Kulturrevolution forderten sie eine radikale Abkehr von der Religion und entweihten und zerstörten in den Sechzigerjahren viele der Klöster und Tempel. Shaxi Fahrrad-Tour durch die ländlichen Dörfer, ca. 3 Stunden.

Shaxi Reise Informationen

  • ANREISE. Der Expressway Lijiang-Dali macht heute die Anreise nach Shaxi von einem der beiden Städte in 1 ½-2 Stunden möglich, was sicherlich auch wachsende Besucherzahlen für den noch ruhigen Ort bedeutet. Im Hotel fragen, sie finden immer einen verfügbaren Fahrer.
  • Wer mit dem Bus von Dali Xiaguan (下关, Dali New City) oder Lijiang anreist braucht 3 ½ -4 Stunden. Bislang muss man jeweils in der Stadt Jianchuan umsteigen in einen Minibus nach Shaxi. (Hotelunterkünfte können genaue Infos geben).
  • Seit 2015 wird in Shaxi ein Altstadt-Eintritt verlangt. Großer Parkplatz am Eingang zur Shaxi Altstadt, die größtenteils für Autos unzugänglich ist, alles lässt sich aber einfach zu Fuß erlaufen.
  • STADTPLAN. Ein hübscher, guter Stadtplan wird vor Ort verkauft, inklusive Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten der Umgebung.
  • HOTELS. Shaxi verfügt über ausreichend Unterkünfte, vom einfachen Backpacker Hostel im alten Karawanenhaus (Horse Pen 46 Youth Hostel) bis zum Boutique Hotel. Meine zwei Tipps findet ihr unten.
  • SHAXI INFOS. Eine gute Webseite für aktuelle touristische Informationen, Sehenswürdigkeiten, Feste, Hotels & Restaurants ist Shaxichina (initiiert vom Old Theater Inn). In Wikitravel findet man noch einige Infos.
  • TIPP! Besuch altes Bai-Dorf Nuodeng. Wer die Strecke Lijiang-Shaxi-Dali macht und Zeit erübrigen kann, sollte den Umweg über Nuodeng machen, dort eine Nacht bleiben. Ein ursprüngliches Dorf mit beeindruckenden alten Bai-Häusern und ein paar einfachen Unterkünften. Der Pi Fluss hat sehenswerte alte Holzbrücken und windet sich zu einem schönen Ying-Yang Symbol. Die Strecke auf Google Map.

Die Schwarzen Yi, gefürchtete Sklavenbesitzer bis 1959

Black Yi women Shaxi friday market china
Schwarze Yi Frau mit traditioneller Kopfbedeckung

Bis 1959 waren die Yi gefürchtete Sklavenbesitzer, bis die Rote Armee durch die kühlen Berge zog und 700.000 Sklaven befreite. Schon zur Kaiserdynastie hat sich das Yi Volk standhaft gegen Unterwerfungsversuche der arroganten Han-Chinesen erwehrt. Gesetze aus Peking wurden von den stolzen Yi ignoriert und Eindringlinge gnadenlos getötet oder versklavt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wagten Reisende kaum einen Fuß in ihre Region. Die Schwarzen Yi (schwarze Kopfbedeckung), hochgewachsen und mit feinen Gesichtern, bildeten mit 15% die fürstlichen Familien. Die Weißen Yi arbeiteten als ihre Untertanen auf den Feldern und durften zumindest nicht verkauft oder getötet werden, wie die zwei niedrigsten Kasten der Ajia und Xiaxi, die man als Sklaven hielt. Brauchte man Nachschub, so wurden schon mal Überfälle auf Han-Chinesen gestartet. 


Erst Maos Reformen brachte den unteren Kasten mehr Rechte. Es gibt die Geschichte eines während des 2. Weltkrieges, abgestürzten amerikanischen Piloten,  der von den Yi gefangen genommen wurde und 12 Jahre als Sklave bei ihnen lebte. Die Yi, eine der 56 chinesischen Nationalitäten mit rund 8 Million Menschen und 30 verschiedenen Sprachen, sind größtenteils in Yunnan angesiedelt, und viele leben noch heute in ihrer eigenen kulturellen Welt zurückgezogen in den Bergregionen. Ihre fast abweisende Zurückhaltung gegenüber Außenstehenden bedeutet auch ein minimaler Verlust an Authentizität.

Tea Horse Caravan Road – Alles begann mit einer Tasse Tee

Foto: Teeträger in Sichuan Sheng, China 1908, Ernest H. Wilson RESTORED
Foto: Teeträger in Sichuan Sheng, China 1908, Ernest H. Wilson RESTORED
Tibet Buttertee
Der Kessel ist immer zur Hand, 5 bis 6 mal am Tag wird Buttertee getrunken

Ein Heißgetränk rettet das Chinesische Reich

Ein Mord mag verziehen werden, eine Unhöflichkeit beim Tee niemals.
Chinesisches Sprichwort

Eine Geschichte erzählt, dass vor rund 5000 Jahren dem chinesischen Kaiser Chên Nong ein Teeblatt in seine mit heißem Wasser gefüllte Trinkschale fiel, er das duftende, leicht gefärbte Wasser kostete, und von da an nur noch dieses belebende Getränk zu sich nehmen wollte.
Man vermutet, dass der Tee von Yunnan in China über die alte Tea Horse Caravan Road in die Welt gebracht wurde. Zu schweren Ziegeln gepresst, wurde er zusammen mit Ladungen von Salz nach Tibet transportiert. Nicht nur auf Maultieren, Männer wie Frauen schleppten als Teeträger bis zu 90kg schwere Teeziegeln auf ihren Schultern, mehr als ihr eigenes Gewicht. Der beschwerliche Weg führte 4.000 km über 2 der höchsten Plateaus der Welt, über 78 Berggipfel von über 3.000m, inklusive Überquerung der Flüsse Mekong, Salween und Jangtse.

 

Drei Tage ohne Tee machen den Tibeter krank.

 

Für die Tibeter im Hochland war Tee lebenswichtig zur Verdauung ihres fettreichen Essens und als Lieferant von Spurenelementen und Vitaminen. Tee ist nährend, wärmend und gesund. Vor dem Handel mit China hat man sich noch Tee aus Baumwurzeln gekocht. In der Zeit von 800 bis 1000 n. Chr. blühte der Tauschhandel auf der 4.000 km langen Packpferde-Route, und es entstand die sogenannte Tee-Pferde Börse. Der Tibeter züchtete widerstandsfähige Pferde und brauchte 6 mal am Tag seinen Buttertee. Chinas Militär verbrauchte Unmengen an Vierbeinern, um die barbarischen Reitervölker aus dem Norden fern zu halten. Die auf dem Pferderücken geborenen Mongolen, verfügten wohl über die größte Kavallerie, die die Welt je gesehen hat. Man war sich einig, ohne die militärische Bereitschaft der Pferde wird das Reich fallen. 25.000 Pferde wurden jährlich benötigt und gegen 1,3 Mio. Kilogramm Tee getauscht, etwa 60 kg Tee pro Tier.
Das Heißgetränk hat die tibetische Kultur maßgeblich beeinflusst. Tee wird verehrt, steht für Freundschaft, Reinheit und Glück – und ein Tag ohne ihn, ist kaum vorstellbar. Die täglichen Zeremonien und Meditationen der buddhistischen Mönche sind ohne ihr heiliges Getränk nicht denkbar. Um 1700, so wurde berichtet, reservierte der Dalai Lama für seinen Hof  jährlich 2.500 Kilo Tee. Geschichte der Tibetischen Teekultur.

Tibetan butter tea, meal
Liegt schwer im Magen: Tibetisches Mal aus Buttertee, Fleisch und Butter vom Yak, Gerste-Butter-Bällchen

Text: Edel Seebauer / Fotos: Jürgen Mahler

 

 

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