JAPAN VORSCHAU 2018

Eine Reise durch Japan, heißt alle Sinne sensibilisieren!

 

Nur wenige Kulturen der Welt können den erfahrenen Traveller noch so in Verzückung und Erstaunen versetzen wie die Japanische. 

 

Das Inselreich im Fernen Osten hat sich trotz jahrzehntelanger Vernetzung im globalen, westlich geprägten Wirtschaftsleben seine eigentümliche, aus unserem Blickwinkel gar exotische Lebensart bewahrt, die uns fasziniert, bisweilen auch irritiert.

 

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Kyudo im Sportzentrum in Kyoto

 

Der im Vergleich zu Japanern eher raubeinige europäische Besucher wird bei Ankunft von den gruppendynamischen Einheimischen sofort in Watte gepackt, von Sanftmut und Höflichkeit umgarnt und Zeit seines Aufenthalts mit ‚Sumimasens’ (Entschuldigung) und ‚Dozos’ (Bitte) herumgereicht. Übrigens, das in unseren Kreuzworträtseln gerne abgefragte Wort ‚Sayonara’ (Auf Wiedersehen) benutzt in Japan kaum ein Mensch – höchstens die Kinder, wenn sie sich vom Herrn Lehrer verabschieden. 

 

Will man die Japaner und ihr Land verstehen, geht man am besten Essen! 

 

Die japanische Ess- und Trinkkultur gehört zum Höhepunkt einer jeden Japan-Reise. Brodelnde Suppenküchen oder urige Sake-Kneipen, die oft nur ein Loch in der Wand sind, rauchige Yakiniku-Lokale, in denen feinstes japanisches Wagyu-Rind am Tisch gegrillt wird reihen sich in den Gassen der  Ausgehviertel aneinander. Schier unendlich, was aus dem Meer gefischt wird und frischer nicht sein könnte. Sushi, das Weltgericht,  wird man erst richtig in seiner Heimat zu schätzen lernen. Und dann die Krönung der japanischen Küche, ein Kaiseki-Mahl in einem traditionellen Ryokan. Die Leichtigkeit eines Achtgang-Menüs wird hier zur Kunstform erhoben. Nicht ohne Grund wurde Japans traditionelle Küche 2014 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

 

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Plastikessen als Appetitanreger, in Japan ein fester Bestandteil der Restaurantkultur

Streifzüge durch Japan

Die Megacity Tokio ist ein großer Irrgarten und ständig in Bewegung. Das Amüsierviertel Shinjuku läßt an Bill Murray in 'Lost in Translation' denken – das Fremdsein in Japan und die zaghafte Kontaktaufnahme mit einer befremdlichen Kultur. Mein Filmtipp: Auf dem Hinflug nochmal anschauen! Beim zweiten Mal ist er noch besser.

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Shinjuku by Night

Was den Reisenden in Tokio auffallen wird, ist das Wirrwarr an überirdischen Strom- und Telefonleitungen. Kein anderes industrialisiertes Land besitzt mehr Strommasten: 35 Millionen, soviel wie es Kirschbäume in Japan gibt. Für uns mag es dem Stadtbild einen Retro-Touch geben, bis zur Olympiade 2020 möchte man die Kabel aber loswerden – ein milliardenschweres Vorhaben. 

Wohin in Tokio Insider Tipps Reisebericht Japan Blog

 

 

Tokyo Tsukiji Fischmarkt – Warten auf Sushi. Wir ersparen uns zwar die stundenlange, nächtliche Warterei auf die Thunfischversteigerung, nicht aber das Anstehen für ein Sushi-Frühstück, das fortan zum Maß aller Sushi-Dinge werden sollte. Auf dem Tsukiji Markt lockt ein herrliches Essensangebot und man muss kein Insider sein, um die guten Spots aufzuspüren. Augen auf, sich einfach treiben lassen und probieren.

 

Tempelübernachtung in Koya-san. Auf dem abgelegenen 'heiligen Berg der 1000 Tempel' stehen heute noch 117 buddhistische Tempel, in vielen von ihnen kann man übernachten und bekommt ein fantastisches, vegetarisches Washoku-Mahl serviert. Auch Mönche wissen zu leben. Koyasan besitzt den grössten, vielleicht schönsten Steingarten Japans. Der Höhepunkt ist aber ohne Zweifel der beeindruckende, riesige Waldfriedhof Okunoin. (Präfektur Wakayama). 

Japan Tempelübernachtung in Koyasan Steingarten Besuch alter Friedhof Okunoin
Japan Tempelübernachtung in Koyasan Steingarten Besuch alter Friedhof Okunoin
Waldfriedhof Okunoin in Koyasan

 

 

Stille auf dem Pilgerweg Kumano Kodo. Über spirituelle Berge und mystische Wälder finden wir am Ende des Tages Glückseligkeit im heißen Onsenbad, gefolgt vom Hochgenuss eines mehrgängigen Kaiseki-Menüs, das kunstvoll zubereitet einem Gemälde gleicht. Geschmack, Optik, Farbe und Konsistenz spielen eine wichtige Rolle, ebenso die Reihenfolge der Speisen und Auswahl des Geschirrs. Alles muss  perfekt nach dem Zen-Ursprung harmonieren (Präfektur Wakayama). ZUM REISEBERICHT

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Kaiseki Menu im Onsen Ryokan auf dem Kumano Kodo Pilgerweg

 

 

Unser Städte-Tipp ist Osaka, Hip-Town Japans. Die geschäftigen Tokioter haben gute Manieren, die Osakaner gute Laune. Osaka ist bunt, aufgeschlossen und mit einem unwiderstehlichen Essensangebot der 'Bauch Japans'. Allabendlich ziehen Osakas berühmte Neonreklamen die Nachtschwärmer an den Dotondori-Kanal. Shoppen in der 2,6km langen Einkaufspassage Tenjimbashisuji macht hungrig. Ein Izakaya (Sake-Kneipe) ist meist nicht weit – nur keine Scheu hineinzugehen. 

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Bunt und unterhaltend die Metropole Osaka
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Große Izakaya Kultur in Osaka

 

 

Manga & Anime Kultur. Eine gigantische Fantasie-Fabrik unterhält ganz Japan. Täglich werden die geliebten Comics millionenfach verkauft – von niedlich über romantisch oder brutal bis pornographisch. Die größten Manga-Anime-Game Towns findet man in Tokios 'Akihabara Electro-Town' und Osakas 'Den Den Town', wo sich die Fan-Szene tummelt und gerne mal in Kostümen ihrer Helden verkleiden. Tipp: Ein Paradies für Elektro-Nerds auf der Jagd nach Retro-Spielen.

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Kyoto. Die alte Kaiserstadt ist Japans stilvolle Kulturhauptstadt, traditionell aber nicht altmodisch, dafür sorgen kreative Geister und Künstler. Junge Frauen aus Tokio kommen her, um den traditionellen Kimono zu tragen. Besonders schöne und hochwertige Souvenirs findet man hier, etliche historische Machiya-Unterkünfte – und natürlich die schönsten Tempel und Zen-Gärten des Landes.

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KYOTO DESIGN HOUSE schön & anspruchsvolle Souvenirs

 

 

Ästhetik und Perfektion auch beim Obst. Diese Luxus-Melone für 120 Euro wird zu besonderen Anlässen verschenkt. Heimisches Obst, wie Äpfel, Trauben oder Pfirsiche, wird mit einem unglaublichen Aufwand herangezogen. Es ist wesentlich aromatischer als die billigere Importware. Jede einzelne Frucht wird am Ast in Netz verpackt, bekommt künstliches Licht und Wärme für die optimale Färbung und Reifung. Obst ist in Japan generell teuer und wird in kleineren Mengen verzehrt. Ein Melonenschnitz gibt es auf dem Markt  für 4-5 Euro.

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Ästhetik und Perfektion auch bei jeder Frucht. Eine Premium Melone im Kaufhaus für 120 Euro

Ein wenig Japanknigge vorab

Japaner üben große Nachsicht mit den Fauxpas ausländischer Besucher. Gleichwohl ist es angebracht vorab einen der zahlreich verfügbaren Japanknigge zu Rate zu ziehen, um die größten Fettnäpfchen sicher zu umschiffen.

 

Wir schlurfen also nicht mit den Toilettenslippern im Restaurant herum, ziehen den Yukata, den Hauskimono im japanischen Onsen-Hotel richtig herum an: linke Seite über die rechte, andersherum werden Tote bestattet. Die Nase schnäuzt man sich nur im Verborgenen während man Nudeln laut schlürft. Pünktlich sein, heißt 10 Minuten früher. In der Öffentlichkeit unterhalten wir uns nur in leisem Ton – auch gilt Essen, Trinken oder Rauchen im Gehen als ziemlich ungehobelt. Im Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen zu essen und zu trinken gehört wiederum zum Brauchtum. Am Tisch sich niemals selbst einschenken und im Restaurant bloß kein Trinkgeld geben, es gilt als würdelos.

 

Typisches Onsen Großhotel in der japanischen Provinz Wakayama
Typisches Onsen Großhotel in der japanischen Provinz Wakayama

Japan Lesetipps & Reiseführer

JAPAN FÜR DIE HOSENTASCHE

"Was Reiseführer verschweigen"

 

Unterhaltsam und als übersichtliches Lexikon aufgemacht ist das kleine Büchlein der Journalistin und Ostasien-Spezialistin Françoise Hauser.

(über Amazon)

 

Kleiner Auszug: Sōshoku danshi, die pflanzenfressenden Männer. Viele junge Japaner bezeichnen sich selbst so. Sie leben in einer „fleischlosen Beziehung“, widmen sich gänzlich ihrer Karriere und haben wenig Interesse an Sex.

Von einer Narita-Scheidung spricht man, wenn direkt nach der Landung auf dem Tokioter Flughafen Narita aus den Flitterwochen die Scheidung eingeleitet wird. Da es unüblich ist vorher zusammenzuleben, kommt es auf der Hochzeitsreise nicht selten zu unliebsamen Überraschungen.

 

 

 

 


FETTNÄPFCHENFÜHRER JAPAN

"Die Axt im Chrysanthemenwald"

 

Die Erlebnisse und Fauxpas des Geschäftsreisenden Herrn Hoffmann sind sehr unterhaltend. Eine amüsanter Streifzug durch Japans Benimmregeln.  (Amazon) 

 


JAPAN REISEFÜHRER LONELY PLANET– EINER FÜR ALLES.

 

Der Lonely Planet Japan war großartig für die Vorbereitung auf das Land. Zugegeben er ist extrem dick und sein Studium braucht Zeit, wenn man aufs ganze Land neugierig oder mit seinen Zielen noch offen ist. Auf jeden Fall ist er unterhaltsam und gut geschrieben. Organisationsfreaks wird die Detailgenauigkeit des Reiseführers erfreuen. Das Eingangskapitel inspiriert mit seinem schnellen Überblick und macht Lust auf mehr. Es ist der einzige Reiseführer, der die Kii-Halbinsel abdeckt, ein Teil unserer Japan Reise.

LONELY PLANET JAPAN (Amazon)

 


'Die Japanische Küche' von Kimiko Barber

ist weniger Rezeptbuch als vielmehr ein Lesebuch zur Warenkunde und Esskultur in Japan.

 

Es bietet einen grundsoliden Zugang zur japanischen Küche. Zu Anfang findet sich ein historischer Abriss der japanischen Esskultur. Im Hauptteil geht die Autorin ausführlich auf die Grundzutaten der japanischen Küche ein, spricht über die richtige Lagerung von Reis, erklärt die große Nudelvielfalt, würdigt die wichtigsten Würzmittel wie Sojasauce, Miso oder Mirin, berichtet aber auch über Exotischeres wie beispielsweise japanische Pickles. Dazu werden jeweils ein, zwei passende Rezepte vorgestellt, natürlich fehlen nicht die großen Klassiker Sushi, Sashimi, Tempura oder Yaki-Tori. Nicht nur inhaltlich, sondern auch graphisch lässt sich dieses Küchenbuch sehen. Wer lieber ein Rezeptbuch sucht, dem sei 'Washoku', ebenfalls von Kimiko Barber empfohlen (im Hädecke Verlag).

 'Die Japanische Küche' und 'Washoku' (z.B. Amazon) 

 


Von Edel Seebauer / Fotos Jürgen Mahler 

 

 

Wenn Euch der Bericht gefallen hat, freue ich mich über einen Eintrag in mein Gästebuch.