Japan Reise entlang der Küste von Wakayama

Für eine kontrastierende japanische Erfahrung fahren auf die Kii-Halbinsel nach Wakayama, das südlich von Kyoto und Oasaka über die Berge in den pazifischen Ozean eintaucht. In diesem südlichsten Teil von Japans Hauptinsel Honshu findet man vieles von dem, was ein echtes Japan Erlebnis ausmacht. Eine Reise durch eine japanische Provinz. 

Über spirituelle Berge und heiße Quellen zum Tuna pilgern

 

Die Präfektur mit dem klangvollen Namen erreichen wir von Kyoto in zwei Zugstunden. Wir sind der Einladung des hiesigen Tourismusverbandes gefolgt, der uns die kommenden Tage durch Wakayama führen wird, eine bei ausländischen Reisenden noch weitgehend unentdeckte Region, die Lonely Planet unter den Top 10 Reisedestination 2018 listet.

 

Wakayamas Gebirge durchzieht Japans ältester Pilgerweg Kumano Kodo mit mystischen Wäldern, alte Schreinen, Wasserfällen und heißen Quellen. Der Besuch eines Onsen ist hier ein Muss. Im dörflichen Ryokan fühlt man sich wie zu Gast im alten Japan, wenn das Kaiseki-Mahl kunstvoll aufgetragen wird. Und die Tempelübernachtung auf Koyasan wird mit dem Gang über Japans größten, weltentrückten Friedhof Okunoin zum nachdrücklichen Erlebnis. Ein ganz anderes Erlebnis sind die beliebten Onsen-Badeorte mit allem was das japanische Touristenherz begehrt, nicht ohne Pachinko und Karaoke. Dazwischen warten an der zerklüfteten Küste malerische Buchten, Natur-Attraktionen und Outdoor-Aktivitäten – und natürlich die japanische Esskultur. 

 

Wakayama ist der Ort des Tunas. Unschlagbar frisch kommt er allerorts auf den Tisch direkt von Japans wichtigstem Thunfischhafen im kleinen Katsuura, wo man die Tuna-Auktion nicht verpassen sollte. Wie im Paradies fühlt man sich im riesigen Fisch-Supermarkt von Shirahama und verspeist das feinste Sashimi vom soeben zerlegten Tuna. Dazu verkostet man hervorragende Sake aus Wakayama. Feinschmecker können zum Geburtsort von Miso und Sojasauce pilgern, die hier immer noch wie damals hergestellt werden, während in Wakayama City Japans berühmte Tonkotsu-Ramen zu probieren sind. 

Nudelsuppe für die Seele

Die berühmten Ide-Ramen als Souvenir Box


 

In Wakayama City werden wir gleich mit der besten Ramen-Suppe unserer Japanreise willkommen geheißen, im bescheidenen Laden von Ide Shoten. Ramen werden im ganzen Land für ihre kulinarische Komplexität geschätzt, von der Tiefe der Brühe bis zum perfekten Biss der Nudeln. 2015 vergab man dem ersten Ramenladen (Tsuta in Tokio) sogar einen Michelin Stern. Befragt man die Japaner, dann gibt es die besten Ramen in Wakayama. Seit 1998 die Ramen von Ide Shoten aus Zehntausenden Ramen-Restaurants, als die köstlichsten des Landes gewählt wurden, ist der winzige Laden berühmt.

 

In dem kleinen Gastraum sitzen wir mit vielleicht 15 weiteren Personen eng beisammen. Die kräftige Tonkotsu-Shoyu Ramensuppe soll hier die beste sein. Eine reiche Verschmelzung von lang gedünsteten Schweineknochen und Sojasauce. Die Brühe schmeckte so aromatisch und komplex, wie sie aussah, die festen Nudeln sind perfekt, die dünne Scheiben Schweinebraten (Chashu) geschmackvoll. Auf den Tischen stehen gekochte Eier und fermentierte Makrelen-Reiserollen (Hayanarezushi), die man in Wakayama traditionell dazu isst. Die köstliche Brühe schlürfen wir sie bis zum letzten Schluck aus unseren Schüsseln.

 

Nach seinem Geheimnis gefragt, lächelt der über Siebzigjährige Besitzer Herr Ide-san. Er tue ehrlich gesagt jeden Tag das gleiche und das mit Herz. Schweineknochen und Fleisch und ein wenig Huhn kocht er 10 Stunden lang, mehr verrät er nicht. Von seiner Mutter, die einen Imbisswagen mit Ramen betrieb, hat er das Geschäft übernommen und vor 30 Jahren das Restaurant eröffnet. Trotzt seiner Auszeichnungen und Berühmtheit, kann sich Herr Ide-san nicht vorstellen, umzuziehen oder gar sein Business zu vergrößern.

 

Mit einer wohligen Wärme im Bauch treten wir hinaus in den dichter gewordenen Nieselregen. Ein Taifun hat sich angekündigt.

 

  • Die besten Ramen-Adressen. Für Nudelfreudige gibt es mehr als 50 Ramen-Restaurants in Wakayama Stadt, im Tourismusbüro sogar einen Ramen-Stadtplan und als ultimatives Souvenir, die Ide Shoten Ramen Box für zuhause. 
  • Ide Shoten Ramen Restraurant (Google map), vom Bahnhof Wakayama sind es 10 Minuten zu Fuß. 

Yuasa – Die Wiege japanischer Würze

 

Auf unserer Weiterfahrt Richtung Süden kommt mit Yuasa ein interessanter Halt. Yuasa gilt als Geburtsort der japanischen Sojasaucen-Produktion und wartet mit einem denkmalgeschützten Ensemble von historischen Häusern auf, in denen noch heute nach alter handwerklicher Tradition Sojasauce und Miso produziert werden.  

 

Wir schauen zunächst im Miso-Markt bei Shosuke Ota vorbei. Der muntere alte Herr führt uns durch seine kleine schon historische Produktionsstätte, wo er heute noch sein Miso nach einem traditionellen Rezept, ausschließlich von Hand herstellt. Früher hatte er hier Sojasauce produziert, das kann man an dem feinen Schimmelbelag erkennen, der das Holzgebälk überzieht. „Es braucht 100 Jahre, bis so ein Schimmel entsteht“, erklärt Ota-San voller Stolz. Die Miso Grundzutaten sind Sojabohnen, Reis, Gerste, Salz und der Schimmelpilz Koji. Misopaste wird als Würze verwendet, während das mit Gemüse versetzte Kinzanji Miso als Beilage gegessen wird, und man die fermentierten Stücke der Zutaten herausschmeckt. Ursprünglich hat man früher damit Gemüse für den Winter haltbar gemacht, erzählt er und zeigt uns die Bottiche, in denen er das Miso mit Gurke, Ingwer und Aubergine angesetzt hat. Während wir in seinem Geschäft das geschmackvolle Kinzanji Miso probieren, strömt ein ganzer Reisebus herein. Es handelt sich um den Yuasa-„Fanclub“, der sich mit dem hausgemachten Miso eindeckt – man weiß ja nie, wie lange dieser Handwerksbetrieb noch produziert.

 

Jede Menge 'Umami' – Sojasauce der fünften Geschmacksrichtung

 

Nur zwei historische Häuser weiter, werden wir vom Braumeister der Traditionsfirma Kadocho höchst selbst in das Handwerk der Herstellung der Urwürze der japanischen Küche eingeführt: Shoyu, wie die Japaner ihre Sojasauce nennen, ist in ihrem Ursprung ein Nebenprodukt der Miso-Herstellung. Entdeckt wurde sie hier in Yuasa im 13. Jahrhundertals ein buddhistischer Mönch Miso aus China mitbrachte. Während der Miso-Herstellung setzte sich eine würzige dunkle Flüssigkeit ab, das Elixir der Sojasauce. Die Grundzutaten für japanische Sojasauce sind stets Sojabohnen, Weizen, Salz, Malzbakterien und Wasser, dessen Qualität, ähnlich wie bei der Sake-Herstellung von großer Bedeutung ist. Kadocho Shoyu wurde bereits 1841 gegründet und aus dieser Zeit stammen noch die 20 übermannshohen Bottiche aus Zedernholz, in denen probiotische Bakterien während des bis zu zwei Jahre dauernden Reifeprozess ihre Arbeit tun und der Kadocho Sojasauce ihrem unverwechselbaren Geschmack geben. Um den Fermentationsprozess zu fördern, wird Soja-Maische in den Bottichen regelmäßig mit langen Stangen gerührt. Unser Gang durch den Handwerksbetrieb gleicht einer Reise in die Vergangenheit, es dampft und brodelt, riecht nach Fermentation, das ständige Abschöpfen des Schaums, der beim Kochen entsteht, ist harte Knochenarbeit. 

Die ohne maschinellen Einsatz und ohne Zusatzstoffe hergestellte Kadocho Shoyu ist ein veritables Gourmet-Produkt und bietet jede Menge 'Umami' (übersetzt Schmackhaftigkeit). Die aus Japan stammende fünfte Geschmacksrichtung neben süß, sauer, salzig und bitter, umschreibt eine Geschmacksqualität.

 

Yuasa Tipps & Infos

  • Das Kinzanji Miso ist ca. 60 Tage haltbar, Ladenverkauf.
  • Kadocho Sojasauce mit Ladenverkauf (kleines Brauerei-Museum, Führung nur auf Anfrage). Die Sojasauce gibt es in Deutschland über  Ueno Gourmet in Kronberg (empfohlener Japan-Spezialist).
  • Brauerei Führungen gibt es bei Yuasa Soy Sauce, Dauer 20min, von 9-16 Uhr, großer Shop mit Soya-Produkten, sogar Sojasofteis kann hier probiert werden (Lage Google Map).
  • Yuasa Unterkunft Tipp: SenzanAnein wunderschönes traditionelles Machiya-Haus im historischen Distrikt von Yuasa (100km südlich von Osaka.) Auf der japanische Webseite finden man Links zur Vermietung  bei AirBnB oder HomeAway.
  • Shopping. In dem historischen Straßenzug von Yuasa gibt es ein paar nette Läden, vom Fischladen über Antikes, Kunsthandwerk und hübsche Geschenke.

Shirahama – Beach & Onsen am Pazifischen Ozean

Shirahama Beach Baden Onsen hotel Japan Meer
Room with a View vom Hotel Musashi. Blick über die Bucht von Shirahama Beach

 

Die erste Nacht verbringen wir in Shirahama Beach, einem der schönsten Strände des Landes, an dem sich dicht die Hotels reihen. Man würde meinen, wegen des Strandlebens, es sind aber die Thermalquellen, die hier am Pazifischen Ozean besonders aktiv sprudeln und zu den ältesten des Landes zählen. Schon vor 1000 Jahren war der einfache Kuraufenthalt unter der ländlichen Bevölkerung verbreitet, Reisen dorthin unternahmen sogar Japans Kaiser und Wohlhabende, die es sich leisten konnten. Heute bescheren die Thermalquellen der Küstenregion einen lebhaften Onsen-Tourismus. 

 

Die berühmte Waikiki Beach auf Hawaii ist seit 2000 offizieller "Schwesterstrand" von Shirahama Beach, wo die Strandkultur noch eine Erscheinung von kurzer Dauer ist. Vor Umibiraki, der 'Öffnung der Meere', gehen die Japaner nicht ins Wasser. Erst wenn am 3. Montag im Juli der Shinto-Priester, wie seit Hunderten von Jahren, das Meer mit genügend Sake gesegnet und fürs Schwimmen sicher erklärt hat, ist die Badesaison offiziell eröffnet. Die meisten Japaner Schwimmen traditionell nur bis Obon, ihrem Ahnenfest Ende August. Manche sagen, dass nach Obon der Wasserdämon Kappa alles Lebendige vom Ufer ins Wasser zieht. 'Von hinten reißt er dir die Leber heraus und saugt dann deine Adern leer'.

Unsereins, der sich bei einer Wassertemperatur von 19°C ja fast noch wohlfühlen, könnten locker bis Ende Oktober in die Fluten springen – wäre da nicht der zweite Taifun innerhalb von 10 Tagen, der Morgen Mittag auf Land trifft (ganz untypisch für Ende Oktober). 

 

Im Hotel geht es noch einmal ins Onsenbad bevor das vorbestellte 'Washoku' Mahl, die traditionelle japanische Küche, serviert wird. Naturbelassen, saisonabhängig und kunstvoll angerichtet: Sashimi, kalte Udon, Tempura, Pickels, Muscheln in Miso, Beef Sukiyaki, ein Deckel verbirgt eine lebende Abalone unter der ich das Feuer noch anmachen soll – ich zögere nur kurz. Alles ist von größter Frische und Leichtigkeit, eine Esskultur an die man sich gewöhnen kann.

 

Fotos Hotel Musashi klick zur Großansicht

 

  • Rund 90 Hotels haben eigene Onsenbäder, innen und außen oder auch private Bäder, die reserviert werden können (s. Fotos Hotel Musahi). Shirahama Hotels auf Booking.com.
  • Während der Schulferien Ende Juli bis Ende August, der heißesten Jahreszeit, ist Shirahama restlos ausgebucht, in der Zeit findet auch das große Shirahama Feuerwerk-Festival statt. 

Natur-Attraktionen an der Küste von Shirahama

Alle Natur-Spots liegen nicht weit auseinander und sind von Shirahama mit dem Bus oder sogar zu Fuß zu erreichen (Route Google Map).

Ein anderes Naturprodukt: In Shirahama wird ein gutes Bier hergestellt von der Micro Brewery Nagisa Beer. In der kleinen Hausbar wird es auch ausgeschenkt. Am besten schmeckte das helle Heaven und American Weath (Google Map).

 

Saki-no-yu Onsen. Die berühmte und seit dem 7. Jahrhundert geschätzte Natur-Thermalquelle direkt am Pazifischen Ozean, gilt als  ältestes Onsen in Japan. Unter freiem Himmel kann man auf die brechenden Wellen schauen und sogar die Gischt auf der Haut spüren. Zu Fuß 15min von Shirahama Beach.

 

Senjojiki Rocks – die 'Tausend Tatami-Matten' wörtlich übersetzt, beschreiben das durch Erosion entstandene Felsen-Plateau durch die mächtigen Wellen des Pazifischen Ozeans. Der Taifun zieht sich langsam zurück, nach heftige Regen peitschen Windböen die Wellen meterhoch, ein echtes Naturspektakel. 

Vom Shirahama Strand ein 25min Spaziergang oder 20min mit dem Bus von Bahnhof Shirahama. 

 

Sandanbeki Cliff & Cave. Die Höhle war einst das geheime Versteck der Kumano Piraten. Von der Klippe geht es per Aufzug hinab in den Höhlenschlund zu den hereinbrechenden Fluten und einem interessanten Benzaiten-Schrein. Die Aussichtsplattform auf die Klippen ist kostenlos. Erreichbar mit der Meiko-Buslinie, Shirahama Station - Sandanbeki z.B. in 20min. Zu Fuß 35min von Shirahama Beach.

 

Engetsu Island ist das Wahrzeichen von Shirahama. Bekannt ist der großer Felsbogen auf einer vorgelagerten Insel, als Hotspot zum Sonnenuntergang. Zur richtigen Zeit steht die Sonne exakt in seiner kleinen Felslücke. Vom Bahnhof Shirahama mit Loop-Bus bis Bustop Rinkai. Zu Fuß 25min von Shirahama Beach.

Tore-tore – Rein in Japans größten Fisch-Supermarkt

 

Das geplante Onsen am Meer fällt ins Wasser. Das Bad kommt heute von oben. Draußen fegt der Taifum, laut Wetter-App soll er sich bis Nachmittag wieder gelegt hat. Auf dem Parkplatz geht es chaotisch zu, alle haben das eine Ziel. Im Tore-tore, Japans größtem Seafood-Market, ist der Trubel entsprechend groß mit Familienausflugsstimmung. Während Besucher in Tokios Fischgroßhandel Tsukiji nur schwer Zugang bekommen, ist der Tore tore Markt in Shirahama auch für den Konsumenten da.

 

Wir betreten die große Halle und sind beeindruckt. Fischliebhabern wird hier das Herz aufgehen. Alles was man dem Meer abgewinnen kann landet aus dem Ozean in den Wasserbassins und Auslagen. Große und kleinere Fische, Aal, Krustentiere, Seegurken, Fischroggen und Wal-Innereinen, Algen, Muscheln und Schnecken. Arten, die wir noch nie gesehen haben. Wir wandeln durch ein Panoptikum der Meere, man könnten damit den ganzen Tag verbringen. Welche der unzähligen Zutaten, Gewürze und Saucen soll ich mit nachhause nehmen? Nicht vorbei kommen wir am Sake, seit wir hier in Japan auf seinen echten Geschmack gekommen sind. Von der großen Auswahl verkosten wir ein paar lokale Sake-Brauereien aus Wakayama, und sie sind alle wirklich gut. Zwei Flaschen werden gekauft, die es nicht bis nach Deutschland schaffen werden.

 

 

 

Ein großer Yellowfin-Tuna wird für die Tunfisch-Show herbeigeschleppt. Fachmännisch wird er vom 'Zeremonienmeister' mit chirurgischer Präzision in alle Teile zerlegt, was er leider nur auf japanisch erklärt. Gleich dahinter werden die Tunfisch-Stücke gewogen und zum Verkauf abgepackt und von uns direkt verzehrt. Eine Portion fetter Tuna als Sashimi lassen wir uns auf der Zunge zergehen.  Wer kein Fisch mag, läßt sich vielleicht für das feinmarmorierte Kii-Wakayama Rind begeistern. Ein Glück, dass die verkaufte Ware gleich vor Ort verzehrt werden kann, wenn nicht roh dann vom Grill. Anders wäre das Fischparadies eine Marter.

 

 

INFOS TORE TORE MARKET (Shirahama)

 

  • 'Tuna Fileting Show' vier bis fünf mal am Tag (11am, 1pm, 3pm, 5pm).
  • Das eingekaufte Seafood kann man zum kleinen Aufpreis selbst direkt am Tischgrill zubereiten. Gutes Preis-Leistung. Der große Restaurantbereich bietet auch Gerichte von der Karte. Japanische Webseite.
  • Einkauftipp / Mitbringsel:
  • Eine hervorragende Sake-Qualität bekommt man in Japan bereits für 15-20€, der zuhause mindestens das doppelte kostet. Berühmt ist der feine Choya Pflaumenwein aus Wakayama, die Würzsauce aus lokalen Mandarinen. Leicht fürs Gepäck: Seetang, Bonito-Flocken, verschiedene japanische Gewürze. 

Kushimoto: Thunfischzucht & ein Sashimi Lunch vom Feinsten

Vom Shirahama geht es an der Küste weiter nach Kushimoto. In einer Stunden sind wir am Cape Shionomisaki, dem südlichsten Punkt der japanischen Hauptinsel Honshu. Die eigentliche Attraktion an diesem geographische Punkt ist das Kanko Tower Restaurant, in dem Thunfisch auf äußerst köstliche Art serviert wird. Im flachen Anbau des Aussichtsturms führt der sehr kreative Chef Ohashi-San ein Restaurant, dass zwar die Anmutung einer Firmenkantine hat, das Sashimi, das auf den Tisch kommt aber jedem Sterne-Restaurant zur Ehre gereichen würde. In vier aufeinander gestapelten Bento-Boxen wird eine Selektion von Tuna-Sashimi mit fein nuancierten Saucen und Gewürzen kredenzt. Man könnte sie auch für einen Moment in die heiße Brühe tauchen, was wir in Anbetracht der erlesenen Qualität außer Acht lassen. Eine himmlische Angelegenheit für einen Mittagstisch. Aber auch für die vielen Ausflügler, die nur einen Snack essen wollen, läßt Herr Ohashis Kreativität nicht nach, sein 'Maguro Burger' ist ein Schnäppchen aus einem frisch panierten Thunfisch. Wir hören, dass nicht weit von hier der Bluefin-Tuna gezüchtet wird. (Tipp Tuna Farming Experience). Ein großer Raubfisch aus Aquakultur? Das kann man sich nur schwer vorstellen.

 

Bluefin-Tuna – vom Katzenfutter zur Delikatesse

Oben auf dem Aussichtsturm erzählt uns Chef Ohashi-San, dass man hier an den Küsten Kushimotos schon vor 50 Jahren angefangen hat, mit der Thunfischzucht zu experimentieren und 2010 damit zu handeln. Organic Tunas, die mit Sardinen und Tintenfisch gefüttert werden und nach 5 Jahren die 30 Kilo erreichen haben. 

 

Die Zucht des pazifischen Blauflossen-Thunfischs ist nach wie vor ein schwieriges Unterfangen, aber angesichts der Überfischung in den Weltmeeren eine Notwendigkeit, wollten die Japaner (und Sushi-Esser der restlichen Welt ) doch nicht ihren Thunfisch-Konsum herunterfahren. Der Bluefin-Tuna, Japans König der Fische, gilt als delikatester und deshalb teuerster unter den fünf Thunfisch-Arten die in Japans Küchen verarbeitet werden, er macht lediglich 2% des gesamten Thunfischfangs aus.  Das war nicht immer so, vor 1960 wurde der pazifische Blauflossen-Thunfisch vor allem zu Katzenfutter verarbeitet, später zu Dosen-Thunfisch und mit dem Sushi-Aufschwung zur Delikatesse erhoben, treibt er immer rarer werdend die Preise in den Himmel.

  

Zucht zur Rettung es Bluefin. Seit über 30 Jahren erforscht man an der Kindai-Universität in Osaka die Aufzucht von Blauflossen-Thunfisch, der Königsdisziplin. Der Raubfisch ist physisch und psychisch ein äußert empfindlicher Genosse. Der warmblütige, rastlose Nomade muss seinen Körper ständig in Bewegung halten, um genügend Sauerstoff zu produzieren und legt deshalb in der freien Natur viele Kilometer pro Tag zurück. In Gefangenschaft gerät er leicht in Panik, ein Lichtstrahl reicht und er donnert gegen die Netze, verletzt seine empfindlichen Schuppen oder bricht sich gar das Genick. Auch schrecken die Raubfische ob ihres großen Energiebedarfs nicht vor Kannibalismus zurück, bei der Zucht müssen deshalb ständig die Jungfische abgesondert werden. Für die Fütterung benötigt man viel wilden Fisch. 

 

Trotz aller Schwierigkeiten kann man in Japan mittlerweile beachtliche Zuchterfolge vorweisen. Nachdem der vollständig in Aquakulturen gezüchtete ‚Kindai-Tuna’ schon seit einigen Jahren in Japan verkauft wird, ist man nun soweit, ihn auch zu exportieren. Die aufwendige Aufzucht ist teuer, umgerechnet 5.000 Euro wird für einen Bluefin bezahlt. Bis 2020 sollen jährlich an die 2.000 gezüchtete Blauflossenthun in Südostasien verkauft werden.

 

Zum Nachtisch gab es in Ohashi-Sans Restaurant übrigens türkische Eiscreme! Das hat natürlich einen besonderen Hintergrund, denn zwischen der Türkei und Japan gibt es besondere freundschaftliche Bande, die aus einem Schiffsunglück im Jahre 1890 herrühren. Die Osmanen waren damals in diplomatischer Mission in Japan unterwegs, als ihr Schiff vor der Küste von Kushimoto in einen Sturm geriet und kenterte. Von den über 600 Passagieren überlebten nur 69 vor allem dank einer couragierten Rettungsaktion der Dorfbewohner von Kushimoto. Im Jahre 1985 revanchierte sich die Türkei dann mit einer Rettungsaktion im Iran. In den Wirren des Iran-Irak-Kriegs saßen japanische Staatsbürger in Teheran fest. Die türkische Regierung entsandte kurzerhand eine Maschine der Turkish Airlines und evakuierte die gut 200 Japaner. Auf der kleinen Nachbarinsel Oshimo erinnert ein Denkmal samt Museum an diese Ereignisse und die besondere Verbindung  beider Länder.

 

 

Auf dem Weg bei Kushimoto   Hashi-gui-iwa Rocks  "Brückenpfeilerfelsen" 

Die etwa 40 unterschiedlich große Steinsäulen stehen 850m in Linie im Meer und sind einfach von der Küstenstraße aus zu besichtigen. Der Legende nach soll der Mönch Kōbō Daishi, der Begründer des Bergtempels Koyasan, versucht haben eine Brücke zu erbauen. Ende Oktober bis Anfang November wird das Naturdenkmal  zudem farblich angestrahlt.

Hashiguiiwa Rocks. 9km von Kap Shionomisaki, 5 Minuten vom Bahnhof Kushimoto mit der JR Kisei Main Line in Richtung Koza, oder zu Fuß ca. 20min. Google Map.

Tuna 'en masse' – zur Thunfisch-Auktion in Nachi-Katsuura

 

Der Fischmarkt in Katsuura bietet an diesem Morgen außerordentlich reiche Beute, denn gleich zwei Taifune in den vergangenen zwei Wochen hatten sowohl die Fischerei aufgehalten als auch die Thunfische hungrig gemacht, die Köder waren zu verlockend. Es ist halb sieben in der Früh und es herrscht reger Betrieb. Thunfisch-Bündel werden per Kran aus den Schiffsbäuchen gehievt, in den offenen Hallen liegen zur Auktion sauber nach Größe sortiert hunderte glänzender Leiber von Albacore (Weißer Thun), Gelbflossen-Thunfisch aber auch vom seltenen bis zu 3m langen und 450kg schweren pazifischen Blauflossenthun. Am anderen Ende der Halle liegen andere riesige Fische separiert. Schwertfische, die als solche nicht zu erkennen sind, da man ihnen bereits die Schwanzflossen und das lange Schwert abgesägt hat. 

 

 

Im kleinen Fischerort Nachi-Katsuura wird mehr Thunfisch angelandet als sonst wo in Japan, und das will etwas heißen in einem Land, das über den eigenen Thunfischfang hinaus noch Dreiviertel des immer geringer werdenden Mittelmeerfangs importiert.

 

An der Schwanzflosse werden die Tiere aufgeschnitten, um die Qualität zu prüfen, im Gegensatz zur Tokioter Tsukiji Thunfisch-Auktion sind die Tiere nicht tiefgefroren. Käufer gehen durch die Tuna-Reihen, prüfen mit geübtem Blick und Hakenstock die Qualität, schreiben sodann ihr Gebot mit Kreide auf ein kleines Schiefertäfelchen und geben es am Stand ab. Die Auktion verläuft ohne das Auktionator-Singsang, das man von den Versteigerungen in Tokyo kennt.  Im Handumdrehen ist eine Charge versteigert, der Fisch wird auf den Weg gebracht, in die Sushi-Restaurants der japanischen Ballungszentren. Die nächste Charge wird auktioniert.

 

TIPP besser als Tokyo. Wer sich in Tokyo nicht um 2.00 Uhr nachts aus dem Bett quälen will, um sich gegen 3.00 Uhr mit gut einhundert anderen Touristen zwei Stunden lang in einen Warteraum zu zwängen, dem sei Katsuura wärmstens ans Herz gelegt. Ganz entspannt und ohne Voranmeldung geht man hier um 7.00 Uhr auf die Besucher-Galerie und schaut mit einem Dutzend weiteren Besuchern in aller Ruhe dem Treiben in den Hallen zu.

  • Infos Katsuura Thunfisch-Auktion, täglich ab 6 Uhr geöffnet, Auktion um 7 Uhr. Ausnahmen an Feiertagen oder bei Wetterextremen. Auskunft bzw. anrufen lassen Tel +81 (0)735-52-5311 (Japanese Only) nachikan@mb.aikis.or.jp. Lage Katsuura Fischmarkt Google Map. Der Hafenort Katsuura liegt 35km östlich von Kushimoto und 85km von Shirahama.
  •  Ein Restaurant Tipp für frischen Fisch und Tuna ist das Katsuragi.

  • Die Bucht von Katsuura ist landschaftlich reizvoll mit 130 kleinen Inseln, den Kino-matsushima, übersät. Es gibt einstündige Bootsfahrten durch die Katsuura-Bucht. Von Ende April bis Ende September ist die Saison für Whale Watching und Delfinbeobachtungen.

Märchenhafter Aufstieg zum heiligen Wasserfall Nachi-no-taki

Landeinwärts in den Nachi Bergen wartet mit dem heiligen Nachi-no-taki, Japans höchster Wasserfall (133 Meter), der ursprünglich das Objekt der Verehrung war. In unmittelbarer Nähe steht einer der drei großen Kumano-Schreine, ein interessanter buddhistischer Tempel und die fotogene dreistöckige Pagode, das wohl beliebteste Fotomotiv mit dem Wasserfall im Hintergrund. 

 

Dem Heiligtum nähern sollten man sich über die alte Pilgerroute, dem stimmungsvollen Daimon-zaka. Uralte, bis zu 800 Jahre alte japanische Zedern säumen den märchenhaften mit Kopfstein gepflasterten Aufstieg. Aus dem Wald heraus, muss man erst noch einige steile Treppen bewältigen, bis man das große zinnoberrote Torii durchschritten hat, ein fantastischer Blick ist der Lohn und reicht bis zum Pazifik. Von Schrein geht es an der Pagode vorbei hinab zum Wasserfall.  

  • Der sehr lohnende Aufstieg von Daimon-zaka bis zum Schrein dauert etwa 35 Minuten. Während der heißen Jahreszeit kann man den Weg auch von oben nach unten gehen. 
  • Manche Besucher beschreiten den Daimon-zaka Weg gerne wie die alten aristokratischen Pilger der ‚goldenen“ Heian-Periode und tragen die traditionelle Kleidung aus dem 8. Jahrhundert. Am Eingang zum Daimon-zaka werden die Kostüme im Daimon-zaka Chaya Teahouse verliehen (1 Stunde ab 2.000 Yen). 
  • Anreise: Busse halten am Daimon-zaka Weg, Nachi-no-taki Wasserfall und am Kumano Nachi-Taisha Schrein und fahren von den Orten Nachi oder Kii-Katsuura aus (Dauer 20-15min), in denen auch die JR-Kii-Hauptlinie von Osaka hält.

Outdoor Tipp bei Katsuura: Eine Kajaktour auf dem Koza-Fluss

Der Koza Fluss schlängelt sich reizvoll durch grünes Hügelland. In einer halben Zugstunde von Katsuura erreicht man den Bahnhof von Koza. Ein paar Meter weiter liegt der Canoe Verleih, den ein paar nette Jungs betrieben und Touren durchführen. Unser Einstieg ist beim Naturdenkmal Ichimai-iwa Monolith. Der Anblick des riesigen Felsens, der aus dem Becken des Koza-gawa-Flusses emporragt, ist beeindruckend. Sehr entspannt und gemütlich paddelt man immer stromabwärts durch türkisblaues, klares Wasser. Spaß machen mehrere Stromschnellen, durch die unser Guide uns hindurch führt, denn nach dem Taifun steht das Wasser höher als sonst. Aber auch für Anfänger stellt die geführte Tour kein Problem dar. Wer Erfahrung hat, kann auch alleine los und sich am Ende abholen lassen. Ein schönes Naturerlebnis, das im Sommer noch mit einem Flussbad bereichert wird.

 

  • Koza Tourist Association Canoe Rental  Kontakt-Infos (auf Google Map) Verleih von Einzel- und Doppelkajaks pro Tag 3.000 Yen. Die geführte Kajak-Tour kostet 6.000Yen pro Person mit Transport und Equipment.
  • Zugverbindungen: von Honshu 1 Stunde, von Katsuura 30 Minuten.

Katsuura und der Nachkriegs-Onsen-Boom

Onsen sind das Lieblingsziel der japanischen Touristen. Der erste Nachkriegs-Onsen-Boom begann um 1950 als der Kurzurlaub im Thermalbadeort für jedermann erschwinglich wurde. Die Kommerzialisierung begann, die Hotels schossen zu riesigen Betonburgen auf und stellten sich auf die meist männlichen Reisegruppen ein. Während des Wirtschaftsbooms gingen ganze Firmenbelegschaften auf 'Onsen-Reisen', die reine Vergnügungsreisen waren mit viel Unterhaltung und jeder Menge Alkohol. Diese Zeiten sind vorbei. Das Urashima in Katsuura ist ein Hotel aus dieser Ära, das seine Glanzzeit hinter es sich, aber durchaus etwas gesellschaftlich-kulturell Interessantes hat mit dem Charme der 1980er Jahre. Hier kann man sich einmal unter japanische Durchschnittstouristen beim Onsen-Hopping mischen. (Wer nur reinschauen mag, der Onsenbesuch wird Tagesgästen angeboten).

 

In Katsuura gibt es über 200 heiße Quellen und das Hotel Urashima verfügt gleich über 7 verschiedene Onsen Bäder, eines sogar in einer Meeresgrotte. Der gigantische Hotelkomplex existiert bereits seit 1956 und kann mit 800 Zimmer jede Menge 'Kurgäste' aufnehmen, die mit der 'Turtle Fähre' direkt vor die Lobby gebracht werden. Die langen Flure, die an Flughafengänge erinnern, haben Farbstreifen auf dem Boden, die es braucht, um sich nicht zu verlaufen. In einem Flur reihen sich Snack- & Getränkeautomaten, im anderen Karaoke-Boxen und im nächsten die Waschmaschinen-Strasse. Den Hausmantel braucht man gar nicht mehr ausziehen, da man das Hotel nicht verlässt. Für die Pausen zwischen den Bädern gibt es ausreichend Unterhaltung, Tischtennis, Spielautomaten, Karaoke-Boxen und die Gift-Shops, die niemals fehlen dürfen. Und jeden Abend wird zur Tuna-Carving-Show ein ganzer Thunfisch zerlegt und als Sashimi serviert, der es nicht weit hatte vom Katsuura Thunfischmarkt genau gegenüber. Homepage Hotel Urashima Katsuura.

 

Hotel Urashima und andere Hotels in Katsuura auf Booking.com