LANZAROTE erhebt die Natur zur Kunst  – von der puristischen Schönheit einer Insel

 

Als sich 1736 nach sechs Jahren die Eruptionen im Inselsüden wieder gelegt haben, kehrten die Bewohner in ihre Dörfer zurück und erkannten ihr Land nicht wieder, denn sie standen vor neuen Bergen. Ein Landschaftsbild, das uns heute so fasziniert und auf unserem Planeten einzigartig ist. Mehr als Hundert 'Feuerberge' und meeresgleiche Lavafelder, die so unberührt und urzeitlich wirken, als wären sie vor kurzem erst erstarrt.

 

Daneben kultivierte Weinfelder bis an den Kraterrand, ein von Menschen geschaffenes Gesamtkunstwerk, an dem wir uns niemals sattsehen und das uns mit seinem hervorgebrachten Malvasia überrascht.

 

Die Wunder der Natur mit der Architektur in Harmonie zu vereinen, verstand der berühmte Inselsohn César Manrique wie kein anderer. Aufsehenerregend sind seine unvergleichlichen Landschaftskunstwerke. Jameos del Agua, Jardin de Cactus oder LagOmar muss man gesehen haben. Der viel zu früh verstorbenen Visionär trug mit dazu bei, dass Lanzarote 1993 als erste Insel der Welt zum UNESCO Biosphären-Reservat erklärt wurde.

 

Klare Luft und weiter Himmel über dem Farbenspiel einer wilden wie beruhigenden Vulkanlandschaft

Stilles Wohnen

 

Die Insel geizt nicht mit grandiosen Aussichtspunkten und wer sich zu den spektakulären Küsten- und Vulkanwanderungen aufmacht, wird mit eindrucksvollen Naturschauspielen zurückkehren. Auch schon kleinere Wanderungen bieten vulkanische Highlights und Bilderbuch-Ausblicke ohne die Besucherscharen der Ausflugs-Miradors. Diesen Naturwundern wollen wir nachgehen.

 

Hinter dem regen Küstentourismus wird Lanzarote ruhig und man bekommt, ja, ein Gefühl von Freiheit und Weite, obgleich die Insel nur 58km lang und 20km breit ist. Vielleicht liegt es an der fehlenden Industrie und den fehlenden Hochhäusern (bis auf das eine in Arrecife). Vor allem aber sind es die fehlenden Werbeschilder, die keinen Blick und keine Landschaft stören und dank Manrique von der gesamten Insel verbannt wurden.

 

Blendend weiß leuchten die hübschen Dörfer mit ihren Kuben-Häusern aus der dunklen Erde. Haria, Teguise, Yaiza, Femés. Sie nisten zwischen kahlen abgerundeten Hügeln, fruchtbaren Barrancos oder stattlichen Vulkankegeln. An den Kraterhängen wurden Gemüsefelder in fotogenen Terrassen angelegt, manchmal füllen sie sogar die ganze Caldera.

Der ewige Passatwind bläst wie immer aus der gleichen östlichen Richtung und erreicht das Vulkanland mit der lebenswichtigen Feuchtigkeit. Die Luft ist so rein und klar, denn der Lavasand ist zu schwer um zu stauben. Nur wenn die mit Saharasand beladenen 'Calima' Winde kommen, hüllt sich Lanzarote in staubigem Dunst und lässt das nahe nur 70km entfernte Afrika spüren.

Wandern durch eine elementare Natur. Urgestein mit einer geheimnisvollen Aura.

Zerstört und wiedergeboren. Urgestein mit einer geheimnisvollen Aura

Im Timanfaya Nationalpark durch das Herz der Feuerberge

Schon der Weg dorthin führt durch abenteuerliche Landschaft und lässt unsere Fahrt langsamer werden. Der von Manrique entworfene Feuerteufel aus rostigem Eisen, das Symbol des Nationalparks, heißt uns bereits Willkommen. Die Feuerberge 'Montañas del Fuego' sind heute als Nationalpark Timanfaya geschützt. Es war im Dorf Timanfaya, wo sich am 1. September 1730  die Erde plötzlich auftat, und die Lava es als erstes von 15 Dörfern unter sich begrub.

 

Wegen der zerbrechlichen Natur und Gefahr bergenden Lavafelder werden die Besucher mit Bussen durch das Herz der Feuerberge geführt. Eine Zerstörung des spärlichen Bewuchs durch unachtsame Besucher würde den Evolutionsprozess um Jahrhunderte zurückwerfen. Auch wenn es uns widerstrebet, die Bustour ist lohnenswert. Auf der engen 'Ruta de los Volcanos' streift man fast die bizarren Felsformationen und windet sich durch fantastische Szenerien. Es werden grandiosen Aussichten auf farbenprächtige bildschöne Vulkane geboten, an denen der Bus kurz verweilt – ausgestiegen werden darf leider nicht.

 

Im Timanfaya Nationalpark ist die Erdenergie noch besonders spürbar, was am aussichtsreichen Besucherzentrum 'Islote de Hilario' mehrfach demonstriert wird. Dort herrschen wenige Meter unter der Erdoberfläche noch 400°C. In Röhren geschüttetes Wasser wird in Sekundenschnelle zur explosionsartigen Fontäne und ein trockener Wüstenbusch kann sich kurzerhand in einer Erdspalte entzünden. In dem von César Manrique entworfenen Restaurant El Diablo ist der riesige Vulkangrill eine Attraktion. Jeder will einmal in seinen vulkanischen Schlund hineinschauen, über dem gerade die Hähnchenschenkel gegrillt werden. Für den großen Restaurantrundbau mit Panoramafenstern musste Manrique feuerfeste Materialien und Steinböden verwenden. Da das El Diablo auf dem heißesten Punkt des Nationalparks steht, gibt es eine natürliche Fußbodenheizung und hohe Raumtemperatur, die aber nicht nur mir an diesem stürmischen Apriltag willkommen ist.

Besucherinformation Timanfaya Nationalpark / Lage Google Map

  • Täglich von 9 Uhr bis 17h45 (Anfang Juli bis Mitte September bis 18h45). Für die letzte Rundfahrt eine Stunde vor Schließung da sein. Die beste Zeit 09-10h30 / 15-17h, ab 10h30 kommen die Ausflugsbusse.
  • Etwa alle halbe Stunde fährt ein Bus vom Besucherzentrum die 40-minütige 'Ruta de los Volcanos' Rundtour mit sphärischer Musik und Erläuterungen (auch auf Deutsch). Tipp im Bus rechts sitzen.

Auf dem Kamel durch die Aschefelder reiten

Am 'Echadero de los Camellos' am Rande der Feuerberge liegen sie geduldig  und warten auf Passagiere. Der Ausritt auf dem einhöckrigen Dromedar ist ein Vergnügen der besonderen Art. Amüsant wird es, wenn die Dromedare sich abrupt aufrichten und ihre Touristenladung dabei stark ins Wanken kommt. 20 Minuten lang werden sie anmutig und gemächlich durch die Lavalandschaft geschaukelt und wieder zum Kamelpark zurückgebracht. Im kleinen Museum gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der Insel-Dromedare. Die fremdartig-einschüchternden großen Tiere aus der Sahara wurden im 18. Jh. und 19. Jh. für die Landwirtschaft Lanzarotes unentbehrlich. Vor den Pflug gespannt und als Lasttiere genutzt, kamen sie lange ohne Wasser aus, trugen leicht 450 Kilo und waren weniger störrisch wie Esel, nur vor ihrer Bissigkeit musste man sich in Acht nehmen.

 

Auf Lanzarote vermehren sich die Kamele gut und einige Hundert gibt es im netten Kameltreiberdorf Uga, von wo die Karawane jeden Morgen zum Kamel-Parkplatz an den Feuerbergen loszieht und am Nachmittag wiederkehrt. Das war jahrelang ein Spektakel, als zweimal am Tag 200 Dromedare die Hauptstraße überqueren mussten und der Verkehr sich staute. Inzwischen benutzen sie den eigens für sie gebauten Kamel-Tunnel.

 

  • Kamelausritte am 'Echadero de los Camellos' (Google Maps) täglich 9-16h, 2 Personen pro Dromedar.
  • Im angeschlossenen Museum erhält man auch Auskunft zu Aktivitäten und  Wanderempfehlungen zur aktuellen Wetterlage. Wir folgten dem Rat und wanderten die Caldera Blanca, wo das wechselhafte Wetter hielt. 

 

Afrikanisch mutet auch das adrette Dorf Uga an mit seiner weißen kubischen Architektur. Palmen und Blumengärten schmücken die Ortsstrassen, das nur 2km von Yaiza entfernt liegt. Sehenswert ist die blendend weiße minimalistische Kirche San Isidro Labrador gegenüber der Dorfkneipe. Die schlichte Architektur und der Kirchenplatz stammen aus den 1980er Jahren von dem gefeierten Architekten Luis Ibanez Margalef, einem Freund Manriques.  

Unweit der Kirche treffen sich die Kamelzüchter in dem Einheimsichenlokal Casa Gregoria zu deftiger kanarischer Küche, wie dem Fischeintopf sancocho der aus geschmorten, grobgehackten Stücken vom großen Wrackbarsch (Cherne), mit Süßkartoffel und Gofio eher rustikal als fein schmeckte.