Paraty – die koloniale Stadtschönheit am Atlantischen Regenwald
Spricht man Brasilianer auf Paraty an, fangen sie an zu schwärmen – von einem Ort zwischen Meer und Regenwald, der sich anfühlt wie eine stehengebliebene Zeit.
Eingerahmt von einer einzigartigen Inselwelt und dem Atlantischen Regenwald ist Paraty die romantischste Kolonialstadt Brasiliens und wegen ihrer herrlichen Lage für viele die schönste des Landes. Hier reicht einer der letzten großen Abschnitte des brasilianischen Küstenregenwaldes, der Mata Atlantica, bis an den Ozean. Paraty ist zwischen Rio de Janeiro und São Paulo gelegen gut erreichbar. Auch außerhalb ihrer Stadt Rio wissen die Cariocas hier das Leben zu genießen.
Paraty endet nicht in der Stadt – die Mata Atlântica wartet in allen Richtungen.
Vor der Küste beginnt eine tropische Insel- und Küstenlandschaft. Dahinter steigen Berge voller Wasserfälle auf. Es gibt viel zu erleben: lautlos durch den Saco do Mamanguá kajaken, den Weitblick vom Sugarloaf Peak genießen, zwischen Kolibris in einer Vogel-Lodge erwachen, in die Welt des Cachaça eintauchen oder die Wasserfall-Felsen Cachoeira do Tobogã runterrutschen. Zu tiefenentspannten Stränden wie der Praia do Sono geht es zu Fuß durch den Dschungel oder per Fischerboot. Und kaum ein Ausflug gehört in Paraty so sehr dazu wie eine Fahrt durch die Inselwelt, inklusive Badestopps und Schnorcheln.
Im Bericht stellen wir unsere schönsten Touren vor und geben Tipps für Paraty.
1. Paraty – Abends in der kolonialen Altstadt
Tagsüber locken Ausflüge zu Wasser und an Land oder entspannte Stunden am Strand. Am Abend aber zieht es alle zum Flanieren in die Altstadtgassen: Das koloniale Stadtbild mit reizvollen Häusern, Villen und Kirchen, schönen Geschäften, edlen Boutiquen und Pousadas ist bezaubernd. Touristen-Kitsch ist aus der UNESCO-Altstadt verbannt. Aus den Lokalen klingt dezent Live-Musik. Die Restaurantszene reicht weit über die brasilianische Küche hinaus – von Thailand bis Japan, vom Mittelmeer bis nach Peru.
Im historischen Zentrum sind flache Schuhe angesagt! Die holprigen Steine aus dem 18. Jahrhundert werden Pé-de-moleque genannt, was so viel wie „Jungenfuß” bedeutet. Sie erinnern an schmutzige Kinderfüße und wurden einst von Sklavenjungen mit den Füßen festgetreten.
Die schönste Boutique: Flavia Aranha in einer Kolonialvilla. Allein das Store-Design mit Sandboden ist schon eine Attraktion. Der Concept-Store führt exklusive, nachhaltige Mode mit rein pflanzlichen Farbstoffen.
Tipp: Essen & Trinken
Den Paraty-Cocktail probieren!
Der beliebte „Jorge Amado“ – natürlich mit Cachaça. Erfunden wurde er während der Dreharbeiten in Paraty zu Jorge Amados „Gabriela, Nelke und Zimt“. Dabei entstand der mit Nelken und Zimt aromatisierte Gabriela-Cachaça, der mit Maracuja (Passionsfrucht) und Limette zum Kultdrink gemixt wird.
Bester Cachaça-Laden: Armazém da Cachaça ist der perfekte Ort zum Stöbern und Kaufen in der Altstadt. Der urige Laden bietet eine riesige Auswahl an Premium-Cachaça, aber auch günstigere Sorten für Caipirinha. Beliebt sind auch die Cachaça-Liköre, besonders Gabriela (Nelke und Zimt), Doce de Leite, Kaffee, Maracuja und Açai.
Restaurant Fugu. Das stylische Restaurant ist bekannt für seine kreative Nikkei-Fusion-Küche im gehobenen Stil. Der Chefkoch serviert moderne, japanisch-brasilianische Gerichte aus dem täglichen Fang lokaler Fischer – komplett ohne importierten Lachs!
Peruanisches Restaurant Chola de Cobre.
In diesem lässigen Peruaner in einem luftigen Gastrohof mit Bars ist das Essen authentisch und zudem günstiger als im historischen Zentrum. Probieren: Ceviche, Lomo Saltado, das chinesisch inspirierte Rindergeschnetzelte, sowie Causa Limeña, ein kaltes, geschichtetes Kartoffelgericht mit Hähnchen, und die hausgemachten Empanadas. Auch der Pisco Sour ist hervorragend.
Die Casa Paratiana liegt hinter der beliebten Cachaça-Brennerei Paratiana mit Museum, 15–20 Min Fahrt von Paraty entfernt. Das gemütliche Restaurant serviert authentische Landküche (Comida Caipira). Das Konzept stammt von Paratys Starköchin Ana Bueno. Hier wird traditionell auf dem Holzkohleherd gekocht, nostalgische Gerichte wie das legendäre, im eigenen Fett geschmorte Schweinefleisch "Porco na Lata".
Tipp: Übernachtung in Paraty
Der UNESCO-Ort ist trotz großer Beliebtheit beschaulich. Nur in der Hochsaison empfängt Paraty ein Vielfaches an Besuchern. Von Mitte Dezember bis Ende Februar ist ganz Brasilien im Ferien- und Urlaubsmodus.
Für Paraty sollte man drei bis vier volle Tage einplanen, zwei weitere für entferntere Orte entlang der Costa Verde, zum Beispiel für die Vogel-Lodge im Regenwald.
Die Pousada do Ouro ist das Hotel-Juwel der Stadt mit historischem Glanz. Im 18. Jahrhundert diente sie der Kaufmannselite als Unterkunft. Mitten im kolonialen Stadtkern gelegen, verbindet das Boutique-Hotel reiche Geschichte mit Wellness-Komfort und einer tropischen Oase zum Entspannen. (Booking.com* Genius-Rabatt).
Zwei Hotel-Tipps Paraty: mit moderaten Preisen, gepflegten Zimmern sowie Pool und kostenlosem Parkplatz sind die Pousada Paisagem und das Maris Paraty in sicherer Lage und fußläufig
(10–15 Minuten) ins historische Zentrum (beide über Booking.com*):
Pousada Paisagem* in ruhiger Seitenstraße mit viel Grün und schönem Garten.
Maris Paraty* Schöne Apartments, Frühstück kommt aufs Zimmer. Drei Parkplätze auf Anfrage.
2. Eine Bootsfahrt durch die tropische Inselwelt
Privatboot oder Schoner-Tour
Eine Bootstour zählt zu den schönsten Erlebnissen in Paraty. Vor der Küste liegen über 65 Inseln, dicht mit dem Atlantischen Regenwald bewachsen, mit schönen Buchten, versteckten Stränden, Fischergemeinden und Schnorchelspots. Am Pier im historischen Zentrum Paraty liegt eine bunte Flotte von Ausflugsbooten, die Urlauber entlang der tropischen Küste und Inseln schippern.
Eigenes Boot mit Skipper: Für das maximale Erlebnis mietet man ein privates Barco – eines der traditionellen, Holzboote mit buntem Anstrich. Von klein bis groß, einfach oder komfortabler, teilweise sind sie mit Bordtoilette, Barservice und SUP-Boards ausgestattet.
- Auf der sechsstündigen Privattour mit Skipper kann die Route ganz nach Geschmack und im eigenen Tempo bestimmt werden.
- Tipp: Wer nicht im Voraus reservieren möchte, geht am Vortag vor 10 Uhr zum Pier, wenn die Kapitäne ihre Boote vorbereiten. Sprecht sie direkt an, inspiziert das Boot und verhandelt den Preis für den nächsten Tag.
- Der Preis für ein Boot hängt von der Größe und der Saison ab und liegt zwischen 600 und 1.500 Real (ca. 100–250 €). Die Touren dauern 5 bis 6 Stunden.
Wir chartern das Boot von Kapitän Eli (Barco Nativo). Wenn wir nicht im Wasser sind, entspannen wir auf dem überdachten Oberdeck. Zunächst steuert er die kleine, unberührte Bucht der Praia de Jurumirim an, dann weiter zur Ilha Comprida – ein „natürliches Aquarium“ und ideal zum Schnorcheln, etwa mitten in einem Schwarm neugieriger Sergeant-Major-Fische, die Eli mit Brot anlockt. Nächster Stopp ist die felsdurchzogene, türkisblaue Lagoa Azul. An der Praia Vermelha wird es lebhafter: mit den Füßen im Sand verweilt man in einfachen Strandhütten und kleinen Fischrestaurants. Auf dem Rückweg gleiten wir an Fischerhäusern und versteckten Villen vorbei, in der Ferne schimmern die Bergketten der Serra da Bocaina im Dunst – darunter Paraty.
An Bord: WC, Frischwasserdusche, Grill, Liegestühle, Liegematte, Obstkorb und Wasser sind inklusive, Schnorchel und Stand-Up-Paddleboard kann man ausleihen. Drinks werden angeboten, Mittags-Snack oder Grillegut bringt ihr mit.



Die Schoner-Tour: Wer das Ganze als geselliges Erlebnis und zum unschlagbaren Preis mitnehmen will, geht an Bord einer Escuna. Diese Piratenschiff ähnlichen, zweistöckigen Holzschoner sind die klassische, brasilianische Variante, um einen Tag auf dem Meer zu verbringen. Sie steuern vier Standard-Highlights an, die man mit vielen anderen Booten teilt. In der Nebensaison geht es entspannter zu. Preis direkt am Pier ca. R$100.
- Die Stopps sind: Praia da Lula, Praia Vermelha, Ilha Comprida, Ilha da Pescaria
Das Naturreservat Juatinga (Online-Karte) ist eine wild zerklüftete Halbinsel bei Paraty, die in den Atlantik ragt, nahezu vollständig vom Regenwald bedeckt ist und vom Meeresspiegel bis auf 1.100 Meter ansteigt.
In den kleinen Küstendörfern leben bis heute die Caiçaras, ein Fischervolk mit indigenen, afrikanischen und europäischen Wurzeln. Sie leben traditionell vom Fischfang, etwas Landwirtschaft, zunehmend aber auch vom sanften Ökotourismus.
Im Juatinga unternehmen wir zwei spannende und völlig unterschiedliche Touren:
1. Wanderung auf den Pico do Pão de Açúcar im Saco do Mamanguá.
2. Dschungeltrail zur Praia do Sono.
3. Saco do Mamanguá & der Zuckerhut von Paraty
Der tropische, fjordähnliche Saco do Mamanguá ist ein langer Meeresarm, der schon an sich einen Ausflug wert ist. Er schneidet sich acht Kilometer tief in den Regenwald und ist nur per Boot oder Kajak erreichbar. Fast senkrecht ragt der Pico do Pão de Açúcar, Paratys Zuckerhut, aus dem Wald – ein glatt geschliffener Monolith aus nacktem Granit. Auch als Sugarloaf Mountain bekannt, ist er der ikonische Aussichtspunkt von Paraty. Von Paraty-Mirim aus erreichen wir mit einem der Wassertaxis in etwa 15 Minuten den Aufstiegspunkt an der Praia do Cruzeiro.
Direkt vom Strand geht es 380 Höhenmeter über 1,5 Kilometer steil und schweißtreibend durch die Mata Atlantica hinauf. Der Weg führt über Wurzeln und Felsen, Seile und Bäume dienen als Hilfe. Geübte Wanderer schaffen es in 1 Stunde. Auf der Felskuppe liegt dann ein fantastisches Panorama frei: Der Blick fällt tief hinab auf den Meeresarm, die Inseln und Bergketten der Serra do Mar.
- Mückenspray und viel Wasser mitnehmen! Proviant kaufen wir in Paraty-Mirim entlang der Straße: hausgemachte Pastels und Pão de Queijo.

Da es hier keine Straßen gibt, ist die Natur weitgehend unberührt. Die rund 30 kleinen Sandstrände sind oft menschenleer, und einige von ihnen laden zur Einkehr ein. Mit etwas Glück landet der Fang des Tages auf dem Teller. Während wir wandern, geht unser Bootsmann Beto auf Harpunenjagd und präsentiert stolz seinen Fang: einen großen Fisch und zwei Langusten, die er privat verkauft (das Kilo R$ 50). Auf Wunsch kann das Strandrestaurant den Fisch direkt zubereiten. Der sympathische Beto (der Englisch spricht!) ist für seine Bootstouren auf dem Saco über Instagram kaoko.turismo oder per WhatsApp (+55 24 99885-3664) erreichbar.
- Wassertaxi Paraty-Mirim Strand – Praia do Cruzeiro (Pico do Pão de Açucar Trail) und zurück, je nach Saison R$ 250-300 das komplette Schnellboot. Der Skipper wartet oder macht eine Rückfahrtzeit aus.
- Anfahrt: Paraty nach Paraty-Mirim, 17km, 30-40 Min. mit dem Auto (alternativ Bus/Uber). Das Parkplatz-Business blüht, Einheitspreis R$ 40.
Am Ende der Bucht beginnt ein dichter Mangrovenwald, ideal für lautlose Kajaktouren durch dieses Ökosystem. Eine der beliebtesten Touren ist das Kajak-Abenteuer von Paraty Explorer. Die Tour führt durch den Saco do Mamanguá und macht Bade- und Schnorchelstopps an den einsamen Stränden der Insel Malvão und der Praia do Rosa, dann geht es hinein in die Mangroven. Während man durch die engen, labyrinthartigen Wasserstraßen gleitet, kann man Vögel wie den Rosalöffler, die roten Mangrovenkrabben, Fische und Schildkröten, und gelegentlich Delfine beobachten. Die 4-stündige Tour im ruhigen Wasser ist auch für Ungeübte geeignet.
- Tägliche Abfahrt in Paraty 9 Uhr, Rückkehr 13 Uhr. Ein englischsprachiger Guide gibt eine vorherige Einweisung in das Paddeln (im Zweisitzer-Seekajak).

4. Aussteiger-Flair: Easy-going an der Praia do Sono
Die Praia do Sono ist ein schönes Beispiel für eine traditionelle Caiçara-Gemeinde. Die isolierte, autofreie Siedlung ist nur per Boot oder zu Fuß über den Dschungelpfad (1 bis 1,5 Stunden, 3 km) erreichbar. Das Leben ist einfach: Es gibt keine asphaltierten Straßen, Strom ist nur begrenzt verfügbar, und die Unterkünfte bestehen meist aus einfachen Cabanas und Zeltplätzen. Die dort lebenden Familien betreiben vor allem Fischfang und sanften Tourismus. Am Sandstrand reihen sich rustikale Lokale aneinander. Ein traditioneller, herzhafter Tagesteller ist Prato Feito mit frischem Fisch, Reis und Bohnen. An jedem Kiosk werden Erfrischungen, Drinks und das beliebte eiskalte Açaí-Sorbet (Beeren aus dem Amazon) angeboten. Als perfekte Sonnenschirme dienen die ausladenden Strandmandelbäume.
Ende Mai, in der Nebensaison, spielt sich alles gemächlich und überwiegend am Strand ab. Fischer flicken ihre Netze, die Jungen spielen Fußball, ein Boot setzt neue Gäste mit Rucksäcken an Land. Die Wanderer sind entweder auf der beliebten mehrtägigen Joatinga-Durchquerung unterwegs oder wandern weiter zur kleinen Caiçara-Gemeinde Ponta Negra. Doch man muss gar nicht so weit gehen: Hinter der Praia do Sono kommen die einsamen Strände Praia Antigos (1,9 km) und Praia Antiguinhos (2,6 km). Nach insgesamt 3,8 km und einem letzten Anstieg erreicht man schließlich die idyllische Praya Ponta Negra.
Praia do Sono & Caiçara-Gemeinde (Hike & Boot Kombi ab Laranjeiras)
- Ausgangspunkt ist Laranjeiras (Wohnanlage Vila Oratório). Es gibt kostenpflichtige Parkplätze. Anfahrt von Paraty: ca. 40 min, 26 km.
- Auf gut ausgeschildertem Dschungelpfad von Laranjeiras zur Praia do Sono brauchten wir 1 Stunde (3 km). Es gibt moderate Anstiege und öfter Stufen. Der Weg ist bei Regen schlecht.
- Lokale Boot-Taxis fahren in 15 Minuten von Laranjeiras zur Praia do Sono, Kosten pro Person und Strecke: 75 R$. Sie fahren nicht bei starkem Seegang.
FEEDBACK ZU TRINDADE: Vom Aussteiger-Geheimtipp zum Touristen-Hotspot. Früher liebten unsere Gastgeber diesen Ort, heute empfehlen sie ruhigere Strände wie die entspannte Praia do Sono. Trindade hat sein ursprüngliches Flair verloren und ist sehr kommerziell geworden – inklusive Trubel, Müll und strengen Strandregeln in der Hochsaison. In der Nebensaison lassen sich die schönen Strände noch ungestört genießen.
Wasserfallrutsche & Cachaça
Eine Attraktion ist der Wasserfall-Rutsche Cachoeira do Tobogã, eine 20 Meter lange natürliche Felsenrutsche, die in einem erfrischenden Naturbecken endet. Gegen einen kleinen „Tip” schieben ein paar einheimische Jungs auch gerne an. Fünf Minuten weiter flussaufwärts auf dem Dschungelpfad liegt Poço do Tarzan, ein ruhigeres, tieferes Badebecken mit einer Hängebrücke und Felsen zum Sonnenbaden.
Den Ausflug kann man mit einer beschwingten Cachaça-Verkostung ausklingen lassen – praktischerweise liegt die Alambique Engenho D’Ouro direkt gegenüber. Heimwärts dann per Uber.
- Cachoeira do Tobogã liegt 8 km nördlich von Paraty bei Penha. Vom zentralen Parkplatz (Gebühr) bei der Brennerei über die Straße 200 m im Wald. Von Paraty auch einfach mit Bus oder Uber erreichbar.
Cachaça-Kultur
Das historische Herz der brasilianischen Cachaça-Kultur schlägt in Paraty.
Der Goldrausch im späten 17. Jahrhundert löste den rasanten Aufstieg von Paraty aus. Der bisher unbedeutende kleine Hafen wurde zum Nadelöhr der Goldtransporte. Über den Caminho do Ouro schleppten Sklaven die schwere Last auf der rund 700 Kilometer langen Goldroute wochenlang zu Fuß durch den Dschungel über die Berge bis an die Küste. Als "Kraftstoff" für diese Knochenarbeit brannten Plantagenbesitzer Zuckerrohrschnaps und gaben ihren Sklaven eine tägliche Cachaça-Ration – auch, um sie zu beruhigen und Revolten zu verhindern. Als die Goldschiffe immer häufiger von Piraten überfallen wurden, ließ der portugiesische König einen neuen Landweg bauen, der Paraty gänzlich umging. Vor dem wirtschaftlichen Ruin rettete sich die Stadt durch das Brennen von Cachaça: Die Bewohner perfektionierten die Destillation in Kupferkesseln und lösten damit einen Boom mit über 200 Brennereien aus.
Als dann der Kaffeeboom kam, erinnerte man sich an den alten Goldweg und Paraty erlebte im frühen 19. Jahrhundert eine zweite Blütezeit – als Umschlagplatz für die Kaffeebarone. Cachaça wurde dabei zu einer begehrten Schattenwährung im Handel mit Sklaven. Am Hafen von Paraty wurde er fassweise gegen Sklaven getauscht, die auf die Kaffeeplantagen gebracht wurden. Während dieser Zeit erreichte der Sklavenhandel seinen traurigen Höhepunkt.
Der „Paraty“ wurde landesweit zum Qualitätsbegriff und machte dem portugiesischen Tresterbrand Konkurrenz. Ein Produktionsverbot konnte seinen Erfolg nicht stoppen: man versteckte die Kessel im Regenwald und brannten heimlich weiter. Heute sind rund um Paraty noch 7 handwerkliche Destillerien aktiv.
Drei empfehlenswerte Cachaçarias und um Paraty, die jeweils ihren eigenen Charakter zeigen, sind Coqueiro als „Nostalgiker-Favorit“, Engenho D'Ouro, wo Tradition auf moderne Brenntechnik trifft, und Cachaça Maria Izabel mit hochwertiger Handarbeit.
Mein Besuchstipp: Cachaça Coqueiro, der Nostalgiker-Favorit: Die schön gelegene, historische Cachaça-Destillerie zählt zu den ältesten noch aktiven Brasiliens. Seit über 200 Jahren produziert die Familie Mello hier Cachaça nach traditioneller Rezeptur – bis hin zu in Holzfässern gereiften Sorten. Geöffnet für Besichtigungen, Verkostungen und Verkauf; wir wurden sogar spontan geführt. Zudem gibt es eine schöne Auswahl an aromatisierten Cachaça-Likören.
- Alambique Engenho D'Ouro: Der 1999 gegründete Familienbetrieb zählt zu den innovativsten Top-Adressen mit preisgekröntem Cachaça. Die Brennerei liegt gegenüber dem Wasserfall Cachoeira do Tobogã und bietet sich somit für einen Besuch an.
- Cachaça Maria Izabel: Eine der exklusivsten Adressen für preisgekrönten Premium-Cachaça – 100 % biologisch. 9 km von Paraty am Meer produziert Maria Izabel seit 1996 gemeinsam mit ihren Töchtern in reiner Handarbeit und mit Fokus auf unverfälschten Geschmack. Besuch nur nach Anmeldung.
Vogelnest-Lodge "Cambacica"
Im „Nest des Zuckervogels“: Nach dem pulsierenden Rio genießen wir zwei Tage an diesem Logenplatz in der Natur, bevor wir Paraty entdecken, das nur eine Stunde entfernt liegt.
Aline und Marco, zwei Biologen, haben sich hier ihren Traum erfüllt und leben in einer fast unberührten Ecke des Atlantischen Regenwaldes. Mit der kleinen Vogellodge Ninho da Cambacica mit drei Gästezimmern haben sie sich ein echtes Naturrefugium geschaffen. Von der Terrasse aus blicken wir über die tropische Berglandschaft. Bunte, endemische Vogelarten sind die vorherrschenden 'Stimmen' und die einzigen regelmäßigen Besucher. Besonders morgens lassen sie sich rund ums Haus aus nächster Nähe beobachten, schillernde Kolibris versammeln sich an den Nektartränken. Es ist herrlich, auf der großen Terrasse neben der offenen Küche zu sitzen. Die Mahlzeiten sind frisch zubereiteten: Hähnchen vom Bauern, Gemüse und Salate aus eigenem Anbau. Morgens werden Brot und Pão de Queijo frisch für uns gebacken. Keiner von uns vermisst hier den Amazonas, der weit entfernt und teuer ist.
- Schon gewusst? Der deutsche Name „Kolibri“ stammt aus der Karibik und bedeutet „schillernder Vogel“. Das englische „Hummingbird“ bezieht sich dagegen auf das Summen der Flügel, während das brasilianische „Beija-flor“ den Vogel poetisch als „Blumenküsser“ beschreibt.
- Die Zimmer sind gepflegt und mit Ventilator ausgestattet. Mückenschutz ist empfehlenswert, auch wenn wir kaum welche hatten. Holztreppen führen vom Parkplatz zur Lodge, beim Gepäck wird geholfen.
- Anfahrt: Ab der Abzweigung von der BR-101 noch 4,5 km, die letzten 1,5 km unbefestigt; die Auffahrt ist ein kleines Abenteuer, aber mit normalem Auto gut machbar. Nach Paraty ca. 45 km / 1 Stunde.
Tagsüber bieten sich Ausflüge in den Parque Estadual da Serra do Mar an, das größte zusammenhängende Reservat des Atlantischen Regenwaldes in Brasilien. Die unberührte Praia da Fazenda zählt National Geographic zu den schönsten Stränden Brasiliens. Dort formt die Flussmündung ein markantes Delta im Sand. Bei Ebbe kann man es durchwaten, um direkt das benachbarte Fischerdorf Picinguaba zu erreichen, wo noch traditionell gefischt wird. Der schöne kleine Strand ist deal zum Schwimmen. Dort gibt es gleich zwei gute Fischrestaurants: Petiscos Beira Mar und Porto do Engenho und mit der Pousada Santa Martha* (über Booking.com*) eine sehr schöne Unterkunft.
Dreh- und Angelpunkt für alle Aktivitäten ist das Besucherzentrum Picinguaba (Centro de Visitantes, mit Parkplatz und Duschen) bei der Praia da Fazenda (Abzweig von der Fernstraße BR-101). Ein Blick auf die Serra do Mar-Picinguaba Webseite zeigt Wanderungen und Touren, kurz oder länger, auf eigene Faust oder geführt, wie die Mangroven-Fluss-Wanderung per Boot oder ein Besuch im Quilombo de Cambury, einer Siedlung von Nachfahren entflohener Sklaven, mit Einblicke in ihre Tradition und noch ursprüngliche Lebensweise.
Die Praia Brava da Almada ist ein kleines Abenteuer: ein unberührter Naturstrand, der meist menschenleer ist und sich inmitten der Mata Atlântica befindet. Der einfachste Zugang ist mit einer Anfahrt verbunden (Parken am Wegesrand). Nachdem wir den steilen Waldpfad gefunden haben, geht es 15 bis 20 Minuten hinab in die versteckte Bucht. Der wilde Traumstrand ist wegen der Brandung vor allem bei Surfern beliebt, doch auch Ruhesuchende genießen die Kulisse.



























































