St. Moritz – Die herrliche Welt des Wintersports

Das Engadin lädt zum Powdern, Carven, Touren und anderen Wintersportvergnügen

Skipiste St. Moritz Engadin
Abseits der Hahnensee-Abfahrt nach St. Moritz Bad

Wenn im Frühwinter ein Genuatief nach dem anderen seine frostige Fracht an der Alpensüdseite ablädt und die Schneelage am Arlberg eher mager ist, dann ist es Zeit ins Engadin aufzubrechen. Die Hänge rund um das 1800 m hoch gelegene St. Moritz gehören zwar – mit Ausnahme der Lagalb – nicht zu den steilsten der Alpen, dafür aber bieten die ausladenden Skipisten reichlich Platz für großzügige Carvingschwünge. Selten sind die Pisten wirklich so voll, als dass man andere Skiläufer umkurven müsste.  Gibt es reichlich Pulver, bietet das Gelände unzählige Möglichkeiten für Tiefschneeabfahrten ohne sich großen Lawinenrisiken aussetzen zu müssen. Und wenn es die Lawinenlage dann erlaubt, tummeln sich die Skitourengeher am Julierpass, dort starten sowohl süd- wie nordseitig prachtvolle Tourenklassiker.

 

Lass es Stauben auf der Corviglia
Lass es Stauben auf der Corviglia
Powder Skiing am Corvatsch
Verspieltes Gelände östlich der Curtinella Piste am Corvatsch

 

Auf der St. Moritzer Corviglia tummeln sich die Schönen und Reichen, der Corvatsch gefällt den Sportlichen und die Diavolezza/Lagalp Skiberge ziehen Individualisten an. Die beiden verbundenen Skigebiete vor dem Bernina-Pass sind zwar um einiges kleiner als Corviglia und Corvatsch, haben aber ihre ganz eigenen Reize.

Die Lagalp punktet mit der steilsten präparierten Abfahrt Graubündens und hält schöne Freeride-Varianten bereit. Die gegenüberliegende Diavolezza, die schöne Teufelin, bietet von ihrer Bergstation einen spektakulären Ausblick in den Festsaal der Alpen mit seinen markanten Darstellern: Das Dreigestirn des Piz Palü thront auf imposanten Felspfeilern, bekannt ist der eisgepanzerte Berg aus dem Stummfilmklassiker „Die weiße Hölle vom Piz Palü“. Der Piz Bernina ist mit 4.049m der einzige Viertausender der Ostalpen und besitzt mit dem Biancograt einen der schönsten Gipfelanstiege im Alpenraum. Beide werden auch im Winter begangen. Nur etwas für erfahrene Alpinisten.

Sonnenbaden auf der Corviglia

Corviglia St. Moritz Engadin
Ausladendes Gelände und prächtige Sicht auf der Corviglia

Wohl kaum ein anderes Skigebiet in den Alpen bietet sonnenhungrigen Skiläufern bessere Bedingungen als die ausladenden Hänge der Corviglia. Selbst an den kürzesten Tagen im Dezember kann die Sonne gute sechs Stunden die breiten Pisten anleuchten. Hinauf auf die Corviglia geht's entweder mit der Zahnradbahn direkt vom Moritzer Dorfzentrum, mit der Signalbahn-Gondel bei St. Moritz Bad, vom Nachbarort Celerina oder, für die Nostalgiker, mit einem uralt Zweiersessel vom Milliardärshügel Suvretta aus. Letztere für uns die schönste Weise in das Skigebiet zu gelangen, denn man schwebt hier ganz gemächlich direkt an einigen der weltweit exklusivsten Ferienimmobilien vorbei.  

Corviglia St. Moritz
Grüsse von der Corviglia - im Talgrund Pontresina
St Moritz Engadin
Blick von der Corviglia über den Silvaplana See hinüber zum Corvatsch Skigebiet
Champfer und Suvretta Milliardärshügel - Engadin, Schweiz
Blick auf Champfer und rechts daneben der Milliardärshügel Suvretta, darüber das Corviglia Skigebiet

Die (wenig schwarze) Hahnenseeabfahrt vom Corvatsch

Wer am Corvatsch auf 3.303 Metern in der höchstgelegenen Bergstation der Ostalpen aus der Gondel tritt, den beeindruckt erst einmal das atemberaubende Panorama. Jenseits des Rosegtals ragt die Berninagruppe auf, die höchsten Gipfel der Ostalpen mit ihren Gletschern. Eine kurze Abfahrt hinunter zur Fuorcla Surlej Hütte und dieses Alpenkino lässt sich bei einer Rivella in aller Ruhe genießen.

Ein weiterer grandioser Aussichtspunkt ist die Bergstation des in die Jahre gekommenen Sessellifts Giand'Alva. Dort bietet sich ein formidabler Blick über die zugefrorenen Seen Richtung Maloja und das dahinter aufragende Bergell. Dort oben beginnt auch die als 'schwarz' gekennzeichnete Hahnenseeabfahrt nach St. Moritz Bad. Doch eher als 'rot' und damit wenig schwer einzustufen, ist diese Abfahrt ein landschaftlicher Leckerbissen. Die Abfahrt endet am Kempinski Nobelhotel und direkt gegenüber bringt uns die Signalbahn hinauf auf die Corviglia. Wer Spass an einer Snowsafari hat, lässt sich mit dem Skibus nach Sils zur Furtschellas Gondelbahn bringen und kann von dort über das Corvatsch und Corviglia Skigebiet bis nach Celerina oder gar (über eine Skiroute) nach Samedan abfahren. 

Webseite Corvatsch Skigebiet / auf Google Maps

 

Giand'Alva Aussichtspunkt - Corvatsch - St. Moritz
Grandiose Aussicht - Bergstation Giand'Alva Sessellift im Corvatsch Skigebiet
Skiabfahrt Corvatsch St. Moritz, Engadin
Abfahrt von der Corvatsch Bergstation entlang der Berninagruppe
St. Moritz Corvatsch Bergpanomrama Skihütte Berghütte
Ausruhen in der Herrlichkeit der Eisriesen Piz Bernina (4049m) und Piz Roseg (3937m)

Pulverträume am Corvatsch

Diavolezza Gletscherabfahrt – Der Teufelin den Buckel runterrutschen

Engadin, St. Moritz, Diavolezza Skigebiet
Einfach nur Schwingen an der Diavolezza
Großartige Bergkulisse auf der Diavolezza Bergstation
Großartige Bergkulisse auf der Diavolezza
Diavolezza Gletscherabfahrt, Schweiz Oberengadin
Bergpanorama Diavolezza Gletscherabfahrt, Schweiz Oberengadin
Diavolezza – Gletscherabfahrt durch grandiose Bergwelt bis zur Bahnstation Morteratsch

Neben den eher leichten präparierten Pisten, hält die Diavolezza einen besonderen Leckerbissen bereit, der auch Ski-Normalverbrauchern bekommen sollte: Die markierte, 10km lange Gletscherabfahrt von der Diavolezza Bergstation den Pers- und Morteratsch-Gletscher hinab bis zur Bahnstation Morteratsch, von dort mit dem Zug den Bernina-Pass wieder hinauf, kann man den Spaß gut ein zweites oder drittes Mal am selben Tag auskosten. Diese Gletscherabfahrt, die längste markierte der Schweiz, ist nicht unbedingt skifahrerisch lohnend, denn die kurzen steileren Passagen sind oft buckelpistenartig ausgefahren und der große Rest der Abfahrt ist sehr flach und erfordert gegen Ende auch Stockschübe. Nein, das Reizvolle an dieser Route ist, dass man das staunende Fußvolk an der Diavolezza Bergstation hinter sich lassen und mitten in die Gletscherwelt hineinfahren kann, um dann in aller Ruhe die Erhabenheit dieser Bergwelt auf sich wirken zu lassen. Man stoppt, schaut, staunt, fährt ein weiteres Stück, stoppt, schaut, staunt... hält sich stets zwischen den Markierungsstangen, dann besteht keine Gefahr, in einer Gletscherspalte zu verschwinden.

 

Skipiste Diavolezza Abfahrt
Einfach & schön – die präparierten Pisten der Diavolezza
Val d'Arlas Variantenabfahrer vom Sass Queder (Diavolezza)
Im Val d'Arlas kommen Variantenabfahrer vom Sass Queder (Diavolezza) herunter
Diavolezza off-piste ein wahres Paradies für Freerider
Neben der Spur – die Diavolezza, auch ein Paradies für Freerider

Die Diavolezza-Kür: Skitour zur Gemsfreiheit

Engadin Diavolezza - Blick auf Pers-Gletscher
Links die Spur der Tourengeher über den Pers-Gletscher, nach rechts fahren die Diavolezza Abfahrer
Gemsfreiheit Skiabfahrt - Engadin Diavolezza
Traumhafter Abfahrtshang von der Gemsfreiheit - Den Tourengehern vorbehalten!

Tourengeher haben die Möglichkeit, die Diavolezza Gletscherabfahrt mit einem relativ kurzen Aufstieg zur Gemsfreiheit um einen prachtvollen Abfahrtshang zu erweitern. Schon von der Bergstation sieht man die Spuren der Tourengeher über den Pers-Gletscher, knapp vorbei an Narben, die unzweifelhaft größere Gletscherspalten unter sich begraben halten. Man sollte diese Tour nicht auf eigene Faust machen, wenn nicht mit Bergführer, dann mindestens zu zweit und mit Seil und Hüftgurt. Diese und 49 weitere ausgewählte Skitouren verschiedener Schwierigkeitsgrade sind im Rother Skitourenführer Engadin (Amazon) beschrieben.

 


Wer die ganz große Auswahl haben möchte, greife zum Standardwerk des Schweizer Alpenclubs: Band 2 "Graubünden Süd" beschreibt kurz und bündig 750 Skirouten zu 400 Gipfelzielen in Engadin, Oberhalbstein, Albula und Davos. Erhältlich über Amazon.

 

Skitourenguru.ch. Die Webseite ist eine sehr nützliche Quelle für die Planung von Skitouren. Leider nur für Skitouren in den Schweizer Alpen, hilft sie bei der Entscheidung, welche Touren in Anbetracht der jeweils vorherrschenden Lawinenlage überhaupt in Betracht gezogen werden können. Zweimal täglich wird für rund 900 Skitouren auf Basis des Geländeprofils und des aktuellen Lawinenlageberichts eine Risikobeurteilung erstellt, die bei der Skitourenplanung nach der 3x3 Methode beim ersten Schritt sehr hilfreich ist.


Piz Lagrev und Piz Surgonda – Auf Skitour am Julierpass

Von Silvaplana sind es nur 10 Minuten Autofahrt die Julierpasstrasse hinauf bis zum Skitouren-Parkplatz 'Alp Güglia'. Man sollte möglichst vor halb acht dort sein, die rund 20 Parkplätze füllen sich schnell, denn von hier aus kann man sowohl nordseitig die mittelschwere Tour auf den Piz Lagrev unternehmen, als auch südseitig in leichterem, aber auch unübersichtlicherem Gelände gleich mehrere Gipfel ansteuern, so den  Corn Suvretta, Corn Chamuotsch oder wie wir den Piz Surgonda.

Piz Lagrev Blick auf Berninagruppe
Vom Piz Lagrev blickt man auf die ganze Pracht der Berninagruppe
Skitour Piz Lagrev, Engadin, Schweiz
Nach den ersten zwei Steilstufen öffnet sich am Piz Lagrev ein veritables Skigebiet

Ende April, morgens um halb acht stehe ich auf 2.215 m beim Parkplatz Alp Güglia und überlege, welche Seite ich hinaufsteige. Über die Julierpasstraße rüber, gehts gleich steil hinauf zum Piz Lagrev, ein Nordhang, noch Pulverschnee? Auf der Seite des Parkplatzes zieht das Juliertal (Valletta dal Güglia) sanft bergan zu diversen 3000er Gipfel, sicher gibts dort auf den südexponierten Hängen Firn!

Eine Gruppe, die zum Piz Lagrev startet, nimmt mir die Entscheidung ab, ein bisschen Gesellschaft kann beim Skitouren nicht schaden. Die rund 1.000 Höhenmeter zum Gipfel sind problemlos aufzusteigen, nach den ersten beiden Steilstufen, gehts im weitläufigen Gelände gemütlich dahin, von weitem kann man sich auf den steilen Schlussanstieg einstellen. Wie die meisten anderen Tourengeher begnüge ich mich mit dem Vorgipfel bei der Meßstation, der gleich daneben liegende Nordgipfel des Lagrev ist mit 3109 m nur unwesentlich höher. Der eigentliche 3165 m hohe Gipfel des Piz Lagrev liegt einen ausgesetzten Grat weiter südwestlich und wird im Winter, wenn überhaupt, nur von ausgefuchsten Alpinisten begangen. Die Aussicht, was soll ich sagen, ist famos. Oberengadiner Seen, Val Vex, jenseits des Corvatsch Skigebiets die Berninagruppe, dahinter lugt sogar der Ortler hervor, Maloja mit dem Bergell im Hintergrund. Über meine Aufstiegsspur zurückblickend thront der mächtige Piz Julier und das schön kupierte Gelände meiner morgigen Tour ist gut zu erkennen. Die Abfahrt war weniger berühmt, die hoch stehende Sonne hat Ende April auch in den Nordhängen dem Pulver schon den Garaus gemacht. Entschädigung folgt am nächsten Tag. Auf den weiten, südseitig exponierten Hängen am Piz Surgonda wird zu Mittag feiner Firn serviert.

Juliertal, Skitour Piz Surgonda, Engadin, Schweiz
Aufstieg Piz Surgonda, im Hintergrund Mitte-rechts Blick auf das Piz Lagrev Aufstiegsgelände
Piz Surgonda, Engadin Skitour
Start des Abfahrtvergnügens am Piz Surgonda
Piz Surgonda mit Piz Julier in Wolken, Engadin
Vorgipfel des Piz Surgonda im Schatten des mächtigen Piz Julier

 

Wenn der Bericht gefallen hat, freue ich mich über einen Eintrag ins Gästebuch.

 

Fotos und Text von Jürgen Mahler

 Winterurlaub & Skitouren, Reiseblog Edeltrips