Unsere zweite Reise durch die USA führt uns von Seattle nach Denver. Von der aufgeschlossenen Lebensart des pazifischen Nordwestens bis ins tiefe wortkargere Cowboyland kommen wir durch die Bundesstaaten Washington, Oregon, Idaho, Wyoming, South Dakotas, Nebraska und Colorado.

 

2.800 Meilen durch ein Land von berauschender Weite, freundlichen Menschen und Landschaften, die immer wieder unsere Blicke auf sich ziehen. Die eisige Schönheit des Vulkangletschers Mt. Rainier oder das liebreizende Wine-Valley. Das Naturphänomen Yellowstone, eingebettet in der größten Caldera der Welt, oder die gezackten Zähne des Grand Teton, die so unvermittelt aufragen. Luftsprünge könnte man jedes Mal machen, wenn wir dem Sonnenaufgang entgegenfahren und zum Frühstück das Wohnmobil nur anzuhalten brauchen: Vor einer nebelverhangenen Flusslandschaft, vor Bergspitzen in der Sonnenröte oder einer grasenden Bisonherde. Abends am Campground knistern die Lagerfeuer, Grillduft breitet sich aus und bei klarem Sternenhimmel rückt man im Herbst noch ein Stück näher ans wärmende Feuer.

 

Unbezahlbar, die Naturnähe und Großzügigkeit der Campingplätze, wo das Freiheitsgefühl des Campers nicht gestört wird von unausweichlichen Parzellennachbarn.

 

An den allerschönsten Plätzen sind wir lange vor den Massen. Kein Ein- und Auspacken in schmucklosen Motels, keine dollarraubende Restaurants oder Fastfood, Farmer Markets und verlockende Lebensmittelabteilungen versorgen uns.  Auf der Durchreise verbringen wir die Nacht auch schon mal auf dem Walmart Parkplatz. Wir folgen den Siedlerspuren des Oregon Trails, fahren durch Prärieland und Provinznester und auf 3.800m über die Rocky Mountains, wo die große Hirschbrunft im vollen Gange ist. In South Dakota wandern wir durch wüstenartige Sandstein-Kathedralen ohne über eine Klapperschlage zu stolpern. Zu einem mitreißenden Spektakel wird das Bullriding Rodeo mit Cowboys ohne Nerven. Ganz amerikanisch auf einer 'Harley' besuchen wir am Mount Rushmore die in Stein gemeißelten "Väter des Landes" und kurven genüsslich über Amerikas Scenic Byways. Denver ist am Ende die Überraschung – entspannt, lebendig und Sport verrückt mit der innovativsten Gastro-Szene.

 

 

Seattle (Washington). 

Auch mit 220 bewölkten Tagen im Jahr zählt die Tech-Metropole zu den beliebtesten Städten der USA. Die Heimatstadt von Jimi Hendrix und Nirvana ist stolz auf ihre vielschichtige Musikszene und legendären Grunge-Jahre. Damals war man laut und zornig, heute wird codiert und klingonisch gesprochen. Seattle hat eine hohe kaffeesüchtige Software-Geek-Population und ist begeistert von legalisiertem Marihuana, Craft Bier und wertstofffreier Mülltrennung.

Seattle Tipps. Museum of Pop Culture (MoPOP). Anbetungsräume für Hendrix, Nirvana oder Pearl Jam in der schillernden Hülle einer Frank Gehry Architektur. Unzählige Rock-Memorabilien, wie das Schlagzeug von John Bonham (Led Zeppelin). In echten Aufnahmestudios darf ein jeder jammen. Und in der 'Science Fiction & Fantasy Hall of Fame' lassen ikonische Artefakte aus Star Trek, Terminator & Co. erwachsene Männer zu Kindern werden. Sehenswert, nicht nur für Fans der Grunge Musik. Regelmäßige Sonderausstellungen.

 

Gleich um die Ecke zwei andere Seattle Highlights: Die Weltklasse Glasskulpturen von Dale Chihuly und das futuristische Wahrzeichen von Seattle, die Space Needle. Spektakulär wurde der Turm zur Weltausstellung 1962 eröffnet und spektakulär umgebaut. 2018 mit gigantischen Glaswänden für eine offene 360° Panorama-Plattform und dem weltweit ersten rotierenden Glasboden. Alle drei günstiger im Seattle City Pass.

 

 

Mount Rainer Nationalpark (Washington).

Mount Rainer. Majestätisch in seiner Isolation wie kein anderer Berg. Wer das Glück hat, den weißen Giganten ohne Wolkenkleid zu sehen, wie er aus der Mitte grüner Wälder steigt, der wird den Anblick nicht vergessen. Der Mount Rainier, oder Tahoma der indianische Name, ist der edelste der vulkanischen Gipfel der Cascade Mountains. Er übertrifft sie alle und kein Foto kann seine Dimension und Aura einfangen. Sein Haupt hebt er weit über den Meeresspiegel auf fast 4.500 Meter und bei guter Sicht scheint er von Seatlle aus zum Greifen nah.

Mein Tipp. Am eindrucksvollsten und unberührter erlebt man den Mt. Rainer im 'Sunrise' Gebiet im Norden des Nationalparks. (den 'Sunrise Anblick' gibt es schon vom White River Campground!). Unweit des White River Visitor Center warten großartige Vistas und hochalpine Trails, die Wanderer begeistern werden.

 

 

Im Craft Bier Rausch (Washington | Oregon).

Die Amerikaner werden zu Bier-Snobs. Zum ersten Mal produzierten Amerikas regionale Mikrobrauereien 2013 mehr Bier als Budweiser, berichtete das Wall Street Journal. Obgleich eine regelrechte Craft-Bier-Lawine das ganze Land mit coolen Namen und Logos überrollt, ist Oregon "The Best State for Craft Beer". Es besitzt mehr Brauereien pro Kopf als jeder andere Bundesstaat. Bierfans können Kreativbiere zischen, wie nirgendwo sonst – ein Rogue Farms Pumpkin Patch Ale oder vielleicht ein Widmer Hefeweizen? Auch wir aus dem deutschen Hopfenparadies Bayern haben auf unserer Reise am Craftbier Gefallen gefunden. Seine Geschmacksrichtungen sind facettenreich bis ungewöhnlich – Hopfenaromen von Citrus, Mango und Pfirsich oder ein ganzes Blumenfeld in der Nase. Unser Favorit war von nun das sogenannte IPA – ein aromatisches, fruchtig hopfiges, weiches India Pale Ale.

American Diner Silver Dollar Bar Cody Wyoming,
Silver Dollar Bar in Cody, Wyoming

 

 

Adrenalin Junkies beim Bullriding (Pendleton | Oregon).

Das Rodeo Fieber und hohe Preisgeld lassen seit 1910 die besten Rodeoreiter immer wieder nach Pendleton zurückzukehren, die für mächtig Adrenalin auch bei den Zuschauern sorgen. Kein Sport für schwache Nerven. Die Besten treffen sich alljährlich zum großen Pendleton Round-Up Rodeo mit allen Disziplinen und viel Festtagsstimmung (eine Woche im September). Prädikat besonders authentisch!

 

 

Auf den Spuren des Oregon Trails – von Siedlerromantik keine Spur (Oregon).

Wir folgen der Interstate I-84, auf deren Spur die legendäre Siedlerroute einst verlief. Nicht vorbeifahren sollte man am National Historic Oregon Trail Interpretive Center. Spannend und sehr anschaulich wird hier die Siedlergeschichte erzählt. (Google Map).

Eine verheißungsvolle Besiedlungs-Propaganda für den Nordwesten der USA setzte 1843 die bedeutendste Landwanderung der amerikanischen Geschichte in Gang – den Oregon Trail. 3.500 Kilometer von Missouri nach Oregon. Im schwerfälligen Planwagen mit Ochsengespann mussten Wüsten, Flüsse und die Rocky Mountains vor Wintereinbruch überwunden werden. Über 350.000 Menschen machten sich auf ins "weite, gelobte Land, das auf weiße Siedler nur warte". Viele, mit großer Hoffnung aufgebrochen, kamen niemals an und stets fuhr der Tod in Form von Cholera und Typhus mit. Definitiv ein sehenswerter, nachdenklicher Ort.

 

Going West. Ohne die Lewis & Clark Expedition hätte es den Oregon Trail nicht gegeben. Als Präsident Thomas Jefferson das heutige Mittelstück der Vereinten Staaten von den Franzosen abkaufte, dachte er an die Gründung eines mächtigen Staates zwischen Atlantik und Pazifik und schickte 1904 seinen Sekretär William Clark und Captain Lewis auf die erste Durchquerung Amerikas in Richtung Westküste. Zwei Jahre später kehrten sie von ihrer erfolgreichen Überlandexpedition zurück und ermutigten andere das neue Land in Anspruch zu nehmen – zum Abenteuer Going West.

 

 

Craters of the Moon heißt die raue, dunkle Schönheit auf dem Weg zum Grand Teton und Yellowstone Park. Die Siedler machten um die Ödnis einen Bogen. Lavaströme, die aus der Erde quollen, schufen diese bizzare Vulkanlandschaft – mit tollen Campsites für eine Nacht im Lava Flow. Craters of the Moon National Monument & Preserve

 

 

Grand Teton Nationalpark. Wahrlich spektakulär steigen die spitzzackigen Grand Teton Gipfel unvermittelt aus der Ebene auf. Der Rockefeller Memorial Parkway (Hwy 89) ist zweifellos die aufregendste Fahrt durch den Grand Teton Nationalpark, denn die gesamte Strecke ist ein einziges Panorama.