Tokio. Der sogenannte 'Salaryman' (uniformierte Gehaltsempfänger) auf dem Weg zur Arbeit – kein Durchkommen und kein Ende in Sicht. Der Bahnhof von Shinjuku durchschleust weltweit die größten Menschenmassen mit drei bis vier Millionen Passagieren am Tag. 

Sake – „Would you please dozo me?"

Dieses Bonmot wird dem amerikanischen Schriftsteller und Nobelpreisträger William Faulkner zugeschrieben, der 1955 auf diplomatischer Mission in Japan unterwegs war. Dem Alkohol im Allgemeinen nicht abgeneigt und ein großer Freund des japanischen Nationalgetränks Sake erweiterte Faulkner das Ritual des gegenseitigen Einschenkens, bei dem der Gastgeber mit dem Wort ‚Dozo’ (Bitteschön) signalisiert, das Schälchen des Gastes erneut füllen zu dürfen. „Would you please dozo me?“ pflegte er zu sagen, um den Japanern beim Nachschenken auf die Sprünge zu helfen. So versorgte er auch seine Tischnachbarn mit Nachschub: „Mr. Nakamura needs to be dozo-ed“.

 

Wir haben nur allzu großes Verständnis für Faulkners Vorliebe für Sake. Allein der Sake ist eine Reise nach Japan wert. Aus den japanischen Restaurants im heimischen München sind wir überteuerten, meist warmen Reiswein der Standard-Klasse ‚Futsu-shu’ (klingt ein bisschen wie Fusel) gewohnt. In Japan sind Sake der sechs gesetzlich definierten Premium-Klassen erschwinglich, ob blumiger ‚Ginjo-shu’ oder eher trockener ‚Junmai-shu’, eine Offenbarung sind sie alle. Ein Fläschchen führen wir stets im Reisegepäck mit und schlürfen, stets gut gekühlt vor, zum oder nach dem Abendessen unser Viertele. Ein Hoch dieser archetypischen japanischen Essenz!

 

Sake steht im Japanischen als genereller Begriff für Alkohol, schließt also Bier, Wein oder Whiskey mit ein. Im engeren Sinne, wird Sake unmissverständlich als ‚Nihon-shu’ = Japanisches Alkoholgetränk bezeichnet, nirgendwo sonst in Asien wird ein solch hocharomatischer, klarer 13-17%iger Alkohol hergestellt. Die Übersetzung ‚Reiswein’ ist irreführend, denn Sake wird wie Bier im Brauverfahren hergestellt, während Trauben von Natur aus Zucker enthalten, muss die im Reis enthaltene Stärke erst in Glukose umgewandelt werden. Bestimmend für die Qualität von Sake sind die Reissorte sowie Wasserqualität, dazu kommen peinliche Sauberkeit und richtige Temperaturen im Herstellungsprozess, also viel, viel Erfahrung.

 

Wer sich tiefer mit diesem zentralen Pfeiler japanischer Trinkkultur befassen will, der starte auf der Webseite der Japan Sake and Shochu Makers Association.

http://www.japansake.or.jp/sake/english/index.html (enthält auch Infos in Deutsch).

 

Praktische Sake-Erfahrung haben wir bei einer Verkostung im Sake-Fachgeschäft Isego Honten in der Nähe des Tokioter Ueno Parks gewonnen (www.isego.net). Hier wurden wir auf Englisch über die Welt des Sake unterrichtet und durften nach Herzenslust verkosten.

 

Gekkeikan ist eine der ältesten Sake Brauereien Japans. Gegründet 1637, unterhält sie heute in Kyotos Stadtteil Fushimi ein Sake-Museum, das dem Besucher historische Einblicke in das Sake-Brauen vermittelt. Die Firma unterhält auch einen Produktionsstandort in den USA, produziert dort allerdings mit amerikanischem Reis und Wasser. Ob das gut ist?

www.gekkeikan.co.jp/english/