Bald zieht er um – Einmal über Tokios Tsukiji Fischmarkt

Sushi Frühstück & andere Leckereien auf dem Tsukiji Outer Market

 

Es gibt keine Esskultur, die dem Meer so viel abgewinnt wie die japanische.

Nicht anders als zu erwarten, ist Tokio der weltgrößte Umschlagplatz für Fisch. Sein berühmter Tsukiji Großmarkt muss nach über 80 Jahren umziehen, denn er steht auf dem inzwischen teuersten Grund und Boden der Stadt. Am 11. Oktober 2018 soll das neue Areal im nahegelegenen Toyosu Hafengebiet von Tokio eröffnet werden. Noch länger wird man die alte Marktatmosphäre und die japanische Esskultur auf dem Tsukiji 'Outer Market' erleben können. Ein Labyrinth voller Verlockungen an japanischen Köstlichkeiten, Gassen mit Wellblechdächer voller Verkaufsstände, Imbisse, Restaurants und Haushaltswaren.

Zum Morgengrauen haben die Fischhändler ihre Arbeit getan, die ersten Ramen-Läden öffnen und eine Schlange beginnt sich vor den besten Sushi Läden zu bilden, die ab 5 Uhr ihre ersten Kunden bedienen. 

 

 

Um einmal die besten, bezahlbaren Sushis der Stadt zu probieren, muss man früh kommen. Sushi Dai und Daiwa Sushi liegen nur zwei Türen auseinander. Wir erkundigen uns beim Letzten in der Schlange des populären Sushi Dai – 3 Stunden müsste man anstehen. Soviel Geduld bringen wir nicht auf und wechseln zu Daiwa Sushi, wo es 50 Minuten sind und wir kurz nach 10 Uhr glücklich im winzigen Laden am  Sushi-Tresen Platz nehmen. Wie alle, bestellen wir das 10-teilige Omakase Set mit den Tagesempfehlungen des Chefs. Vom Meer auf den Teller. Einen kürzeren Lieferweg gibt es wohl nicht. Alle genießen andächtig, was der Sushi-Meister nach und nach sanft auf jedes Brettchen ablegt. Bei jedem Teil schmeckt man die reine Frische aus dem Ozean. Der zarte fette Toro Thunfischbauch ist ein Traum und zergeht auf der Zunge, ebenso die süße Amaebi Garnele.

Mit dem 10-teiligen Sushi Set mit Misosuppe bekommt man die beste Preis-Leistung für rund 4.000Yen (35€), für diese Qualität ein Schnäppchen. Bei den Top Sushi-Köchen Tokios gibt man an einem Abend schon mal das Zehnfache aus. Für uns war es die bisher beste Sushi-Qualität, wobei man sagt, Daiwa Sushi ist exzellent, aber Susi Dai sei paradiesisch. Wenn der Fisch aus ist, wird schon früher abgeschlossen.

Aal und ein traumhafter fetter Toro Tuna bei Daiwa Sushi
Aal und ein traumhafter fetter Toro Tuna bei Daiwa Sushi

 

Das Daiwa Sushi erkennt man am orangenen Noren-Vorhang, das Sushi Dai liegt zwei Türen weiter (Foto darunter) fast an der Ecke.  Klick Bildergalerie zur Großansicht. 

Der Ort, um japanische Esskultur zu probieren

Wer nicht lange für Sushi anstehen will, wird vom restlichen kulinarischen Marktangebot nicht enttäuscht. Es gibt so vieles zu entdecken und zu probieren. Auch die Einheimischen lieben es, auf ihrem Tsukiji einzukaufen und ein paar Snacks einzunehmen. Marutama Suisan, die frittierten Fischküchlein, Magurodon Segawa, roher eingelegter Tunfisch auf Reis, Meeresfrüchte Tempura, japanisches Curry, Soba Ramen. An Horumon-Don, dem auf Miso basierenden Innereieneintopf von Kitsuneya wird sich nicht jeder wagen, es ist ein charakteristisches Gericht des Tsukiji Markts. Gyu-don ist die Variante aus aromatischem geschmortem Rind, serviert werden sie auf Reis. Tamago yaki, das gerollte Omelett am Stiel muss man probieren, z.B. bei Yamachou Matue oder Daisada. Und unvergesslich bleibt das butterzarte japanische Wagyu-Rind vom Grill, bei den Metzgern Ausschau halten! Am besten geht man der Nase lang und wo sich Schlangen bilden, ist es mit Sicherheit besonders gut.

 

Aromatische Fleischeintöpfe aus dem Kessel werden bei Kitsuneya seit 80 Jahren auf dem Tsukiji Markt serviert
Aromatische Fleischeintöpfe aus dem Kessel werden bei Kitsuneya seit 80 Jahren auf dem Tsukiji Markt serviert

 

Interessanter Rundgang durch die Fischhalle. Im Fischmarkt, der sich in einer separaten Halle befindet, riecht es nicht nach Fisch, sondern nach Meer. Meeresgetier, das man noch nie gesehen hat, riesenhafte Muscheln und Meeresschnecken, bunte Jakobsmuscheln. Ein Thunfisch wird gerade fachmännisch zerlegt und die feine Sushi-Qualität direkt verkauft. Die Fische sehen so frisch aus, dass sie einen gleich entgegenspringen könnten. Tsukiji Fischmarkt (map) für Endverbraucher 02:00-14:00.

König der Meere – Ein 'Bluefin Tuna' für 1,8 Millionen Dollar

Thunfisch Zerlegung auf dem Tsukiji Fischmarkt, der für Endverbraucher schon ab 2 Uhr auf hat.
Thunfisch Zerlegung auf dem Tsukiji Fischmarkt, der für Endverbraucher schon ab 2 Uhr auf hat.

 

Als 'König der Meere' wird der kraftvolle Blauflossen-Thunfisch verehrt und landet allmorgendlich auf der Thunfischauktion. Ein besonderes Ritual ist die Neujahrsauktion, bei der Rekordpreise für den ersten Zuschlag erzielt werden. Das prächtigste Exemplar eines Bluefin-Thunfisches wird dann zum Prestigeobjekt, die Bieter schaukeln sich im Preis hoch, denn es gilt als große Ehre, den ersten Fisch des Jahres zu ersteigern. Und zahlt man mehr als eine halbe Million US-Dollar, bringt das Glück fürs Geschäft. Die Werbung durch weltweite Schlagzeilen gibt es dann gratis dazu. Im Jahr 2013 musste Tokios 'Tuna King' Kiyoshi Kimura, Gründer von Japans erster Sushi-Kette, für den ersten 'Bluefin' bis auf 1,8 Millionen US-Dollar gehen, um den Konkurrenten aus Hongkong zu überbieten.

 

Thunfischauktion. Den großen Aufwand für den kurzen Einblick in die Tokioter Thunfischauktion wollten wir nicht betreiben. Hautnah haben wir die größte Thunfischauktion für frischen Thunfisch erlebt direkt am Hafen von Katsuura, wo die Schiffe sie um 6 Uhr abladen, man braucht einfach nur hinzugehen! (in unserem Reisebericht Präfektur Wakayama, Japans Thunfisch Region).

 Japan Tuna Auction Thunfischauktion Katsuura Wakayama
Direkt von Schiff zur Thunfischauktion. Am Hafen von Katsuura werden die frischen Tunas versteigert

Interessantes am Rande des Fischmarkts

Namiyoke Inari Shrine Tsukiji Market Tokyo

 

Namiyoke Inari (Map) ist der Schutzschrein des Marktes, wo die Fischer und Händler um die Beruhigung der rauen Wellen beten. Etwas versteckt findet man die Inari Fuchs-Statuen, die ihm als Wächter dienen. Der kleine Schrein stammt aus der frühen Edo-Zeit und lag damals noch direkt am Ufer. Tsukiji bedeutet 'gewonnenes Land' auf dem der Markt 1935 nach der Aufschüttung erbaut wurde.  

 

Neben dem Fischmarkt fällt ein eigenartiges riesiges Gebäude im indischen Stil auf, das an einen Bahnhof denken lässt. Es handelt sich dabei um den buddhistischen Tempel Tsukiji Hongan-ji in dem man etwas zur Ruhe kommen kann während Priester in Weihrauch geschwängerter Luft ihre Sutren und Mantren singen. Und hier findet man auch WCs! Google Map

 

von Edel Seebauer / Fotos: Jürgen Mahler

 

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