China Reise – Yunnans Perlen Lijiang und Dali

Zu den alten Karawanenstädten und bunten Volksstämmen

'Die Berge sind hoch und der Kaiser ist weit weg', pflegen Chinesen heute noch zu sagen.

 

Die einst beschwerliche Anreise in die Provinz der bunten, ethnischen Minderheiten Dai, Bai und Naxi schreckt den Touristen heute nicht mehr ab. Eine Autobahn und immer bessere Strassen verbinden die historischen Orte Yunnans (was soviel heißt wie 'weit weg') immer schneller. Die Hälfte der 56 Volksstämme Chinas leben in dieser Provinz, durch die einst die Tee-Karawanen auf der alten Handelsroute zogen und den Städten Lijiang, Dali und Shaxi Wohlstand brachten.

 

Lijiang Altstadt, Lijiang Old Town
Lijiang Altstadt

Lijiangs Weltkulturerbe – Fluch und Segen zugleich

Ja, Lijiang ist touristisch – und ja, es ist schön

 

Lijiang ist der ganze Stolz Yunnans. UNESCO Weltkulturerbe, Stadt der Musik, der Blumen, Wasserkanäle und 300 Brücken – mit einer einmaligen Architektur. Dazu klare Luft, ein mildes Klima, üppige Vegetation, und dem Jade Dragon Snow Mountain (5.596m) zu Füßen.

 

Lijiang Altstadt, Lijiang Old Town
Lijiang Altstadt, stille Gassen abseits der Massen

 

 

Unser Plan: 1. Nacht in Lijiang – 2. Nacht in der Tigersprungschlucht – 3. Nacht wieder in Lijiang bevor es nach Shaxi geht.

 

Die historische Altstadt gehört ganz den Touristen, und ist man darauf eingestellt, kann es durchaus Spaß machen, hier zwei Tage zu verweilen (bloß nicht zu den Chinesischen Ferien, siehe China Reiseplanung) oder das interessante Umland zu erkunden. Alle sind relaxt und guter Laune. Wir sind entzückt von unserem kleinen Hotel mit der entspannten Atmosphäre eines Traveller Hang-Out, den alten Gassen und geschwungenen Dächern, dem herrlichen Wetter und dem Spicy Sichuan Pork – und genießen es, nach der archaischen Naturromantik und Großstadthektik unserer bisherigen Reise.

 

Über kleine Brücken an blumengesäumten Kanälen lassen wir uns Richtung Alter Marktplatz durch die kopfsteingepflasterten Gassen treiben, probieren ein paar Naxi-Spezialitäten und bestaunen die Architektur. Die alten Holzhäuser, dicht an dicht, sind gänzlich von Shops, Restaurants, Bars, Backpacker-Cafes oder Hotels eingenommen –  Lijiangs Bewohner leben alle in der Neustadt. Undurchdringliche Menschenmassen erleben wir Ende Oktober nicht. Lediglich um den Alten Marktplatz Sifang und die Touristenmeile Dong Dajie füllen sich besonders am Abend die Gassen.

TIPP: Früh morgens, wenn die Stadt noch schläft und ihre Läden verschlossen sind, wähnt man sich fast im Alten China. Das Ortsbild wirkt authentisch, auch wenn Einiges davon neu gebaut wurde. Erdbeben und Feuer haben in der 800jährigen Geschichte immer wieder Schäden angerichtet. Dabei hat sich die jahrhundertealte, erprobte Bauweise der Naxi als die erdbebensicherste erwiesen. Als 1996 ein starkes Beben die Gegend erschütterte, blieben die Holzkonstruktionen der Altstadt intakt, während chinesische Häuser in der Neustadt einstürzten.

Lijiang Altstadt, Lijiang Old Town
Lijiang, Stadt der Blumen und Wasserkanäle
Lijiang Altstadt, Lijiang Old Town at night
Lijiangs Altstadt füllt sich während der Abendstunden

'UNESCO DISCO' Lijiang

Auf dem früheren Umschlagplatz der Karawanen, dem zentralen Sifang Platz, treffen sich am frühen Abend die Naxi-Frauen zum Tanz bevor er sich zur 'UNESCO Disco' verwandelt. Etwas ungläubig schauen wir uns das nächtliche Spektakel an. Neon- und Laserlichter  flimmern über den Platz, aus jedem der Häuser erschallt Musik von Lovesongs bis Rock. Im Wettbewerb mit den Nachbarn vermischt es sich zu einem musikalischen Kauderwelsch – ohrenbetäubend aber alles Live! Was die UNESCO wohl dazu sagt? Die Chinesen sehen es als eine fortgeführte Tradition der Naxi – dem schriftlosen Volk, das zu Singen und Tanzen liebt. Ihre vor rund 1000 Jahren entwickelte Bilderschrift (Dongba-Piktographie) ist als Einzige auf der Welt noch in Gebrauch und begegnet uns auf Schritt und Tritt auf Souvenir-Artikeln bis zum WC-Schild.

Lijiang Altstadt, Lijiang Old Town night life
Lijiangs Bar Street, bunt und laut

Der UNESCO Weltkulturerbe-Titel 1997 rettete die Altstadt vor dem drohenden Verfall und dem Abrisshammer, beschert ihr Wohlstand und Besucherrekorde (jährlich über 11 Millionen), was die museale Stadt und Naxi-Identität zwar konserviert, aber zum Preis eines Chinesischen Disneylands. Um die Millionen gewinnbringenden Han-Chinesen aufnehmen zu können, wird die Altstadt stets um neue 'historische Häuser' erweitert. Eine riesige Bevölkerung beginnt ihr Land zu entdecken.

 

Klick auf Bildergalerie Lijiang

Tipp 1: Unterkunft für Lijiang – Timeless Hostel

Zu unserem angenehmen Aufenthalt in Lijiang hat auf jeden Fall unsere Unterkunft beigetragen. Das Timeless Hostel ist weit mehr als Backpacker-Traum. Es hat schöne Zimmer mit modernen Bädern, eine Top Lage und Preis-Leistung. Allan, der das Hotel managt, ist eine sprudelnde Informationsquelle und Hilfe bei der Organisation von Ausflügen, wie unserer zur Tigersprung-Schlucht. Die WuYi Street ist eine der schönsten und ruhigeren Strassen mit dem besten Restaurant Naxi Snacks 88 nur fünf Minuten entfernt. Wir sind froh, etwas weiter vom zentralen Sifang-Platz zu wohnen, zu dem wir in 10 Minuten spaziert sind. Die schönsten Zimmer oben auf der Dachterrasse haben wir frühzeitig reserviert. Von der Tür tritt man direkt auf die gemütliche Terrasse, und ziemlich cool ist es hier bei einem Bier zu sitzen und über die Altstadtdächer zu blicken.

 

Timeless Hostel Lijiang (Reservierung + Bewertungen). 20 Minuten vom Flughafen. Unsere Zimmer Nr. 206 + 207.

Email: lijiang.timeless@gmail.com, Telefon: +86(0)888-5174626 oder  +86(0)13170774626

 Timeless Hostel Lijiang, Lijiang Altstadt, Lijiang Old Town
Room with a view, von unserem Zimmer Timeless Hostel in Lijiang Altstadt
Room Timeless Hostel Lijiang Hotel Tipp
Unser Zimmer in Timeless Hostel Lijiang
Timeless Hostel Lijiang Hotel, Lijiang Old Town
In der ruhigeren, kleinen WuYi Street liegt unser Hotel in Lijiang

Tipp 2: Kleines Boutique Hotel 'Sedour Hotel Lijiang'

Wer etwas mehr bezahlt, kann im wunderschönen, kleinen Sedour Hotel Lijiang (booking.com) wohnen, das ich ein paar Häuser weiter ebenfalls in der ruhigen Wuyi Street entdeckt habe. Mit schönem Garten und Terrasse, auch ein Spa gehört dazu. Jedes Zimmer mit Patio oder Terrasse. Sehr geschmackvoll und intim. Coole Bar und Restaurant im Haus.

TIPP Lijiang Sehenswürdigkeiten ohne die Massen

Lijiang city map

Lijiang Stadtplan. Den hübschen, detaillierten Stadtplan gibt es vor Ort überall zu kaufen. 

Die Altstadt Lijiang kostet einmalig Eintritt / pro Monat.

Tourist Maps Lijiang Old Town, verschieden Online Karten.

  • Die Nebengassen nehmen. 80 Prozent der Besucher tummeln sich um den Sifang Marktplatz und die Touristenmeile Dong Dajie. Beschaulicher sind die Nebengassen wie die schöne Wuyi Jie, wo auch unsere Timeless Hotel liegt.
  • Auf den Lion Hill zum Wangu Tower für den Blick über die Altstadt-Dächer, beim Abstieg Platz nehmen in einem der Cafes. Aufstieg südlich vom Sifang-Platz.
  • Den Zhongyi Markt besuchen, unweit vom Haus des Mu-Clans (Museum), der lebhafte Lebensmittelmarkt der Einheimischen mit Obst, Gemüse, Gewürzen, Tofus, Fleisch, lebenden Tieren. Südliche Altstadt.
  • Black Dragon Pool für 'das Foto' mit dem Schneegipfeln im Hintergrund, und Besuch des Dongba Culture Museum. Nördlich der Altstadt nicht die Strasse nehmen sondern am Flussufer entlang spazieren.
  • Einsame Morgenstunden. Um 7 Uhr vor dem  Frühstück einmal durch die leeren Gassen.

 

Links Infos zu Lijiang



Reiseführer speziell für den Südwesten Chinas

Sehr empfehlen kann ich den englischen Rough Guide Southwest China.  Auf Deutsch gibt es bisher nur den Dumont China der Süden mit gutem Überblick, der aber nicht ganz so ins Detail geht. Weitere China Reiseführer Empfehlungen unter China Reiseplanung.

 

Ein Besuch im Dongba Culture Museum Lijiang mit seinem interessanten Außenbereich lohnt sich und gibt Einblick in die schamanistische Naturreligion der Naxi (noshy ausgesprochen). Dongba Culture Museum 300m vom Black Dragon Pool im Norden von Lijiang. Bewertungen.

Dongba Culture Museum Lijiang
Dongba Culture Museum Lijiang

Zwei Restaurant Tipps in Lijiang

Mein Favorit Naxi Snacks 88

Eine original Yunnan Küche mit Gerichten zum Fingerschlecken. Hauptsächlich speisen Chinesen hier, deren Bestellungen etwas andersartig ausfallen – als Vorspeise kommt erst mal eine Variation an gegrillten Libellen auf den Tisch. Bei der riesigen Karte wird die Wahl zur Qual, aber zumindest auf Englisch und mit Bildern. Alle unsere Speisen waren so gut, dass wir gleich mehrmals kommen mussten. Unscheinbar von außen, geht es durch den Eingangsraum weiter in einen kleinen Hinterhof und zu einem oberen Stockwerk. Einfachste Einrichtung, authentisch und günstig. WuYi Street No 88, Email welcome@88eat.com.  Naxi Snacks 88 Reviews

 Restaurant Naxi Snack 88 in Lijiang
Die große Speisekarte mit vielen Bildern, Restaurant Naxi Snack 88 in Lijiang
Spicy Pork Naxi Snack 88, Lijiang restaurants
Spicy Pork in einer karamellisierten Soße, extrem delikat, im Naxi Snack 88 Lijiang
Naxi Snacks 88 Lijiang restaurant
Fried Water Dragonfly am chinesischen Nachbartisch
 Naxi Snacks 88 Lijiang
Vegetarisch schmeckt auch lecker im Naxi Snacks 88
Restaurant Tipp Naxi Snack 88 in der Wuyi Street 88 in Lijiang
Restaurant Tipp Naxi Snack 88 in der Wuyi Street 88 in Lijiang

N's Kitchen mit Superburger

Ein heimeliger Ort für Good Old Western Food. Hier gibt es die besten home-made Burger der Stadt. Ein alt eingesessener 'Traveler Hang Out' im ersten Stock eines alten Naxi-Hauses, sehr gemütlich mit kleinem Balkon zum beschaulichen Grass Market Square und Blick über die beleuchteten Dächern Lijiangs. N’s Kitchen fungiert auch als Info-Börse und Backpacker-Treff. Wir verbringen einen perfekten und entspannten Abend fern ab vom Trubel. Das Frühstück hier und der Kaffee wird ebenfalls hoch gelobt.  N's Kitchen Infos & Bewertungen.

N’s Kitchen Lijiang restaurant
N’s Kitchen der Traveler-Treff in Lijiang
Restaurant N’s Kitchen Lijiang
Der Superburger von N's Kitchen
N’s Kitchen Lijiang
Ausblick von N's Kitchen Lijiang

Ausflüge von Lijaing

Lijiang Old Town, Altstadt Lijiang
Ruhige Seitengassen von Lijiang
  • Besuch der kleinen Naxi Dörfer nördlich von Lijiang: Shuhe 3km, Baisha 10km, Yuhu 18km. Alle mit Eintritt. Mit dem Taxi, Bus oder Leih-Fahrrad. Freunde hatten sich in Lijiang ein Fahrrad gemietet, wobei die verkehrsreiche Hauptstrasse bis zu den Dörfern etwas störte. Alternativ nimmt man den Bus bis Baisha oder Yuhu und mietet sich dort erst Räder. Lokale Fahrradkarten bekommt man bei N's Kitchen (s. auch Essenstipp) oder Lamu's House of Tibet.
  • Zum Gletscher des Jade Dragon Snow Mountain (Mount Yulong). Der Gletscher des Jade Dragon Snow Mountain ist bei Ganghaizi am spektakulärsten, aber nur an einem klaren Tag, und mit vielen Besuchern rechnen.
  • Der Tigersprungschlucht und Shaxi Village habe ich ein eigenes Kapitel gewidmet.

 

Die meisten Unterkünfte in Lijiang können Auskunft geben und helfen auch bei der Organisation von Ausflügen. 


Partnerwechsel kein Problem im 'Mädchen Reich' am Lugu See

Die Entfernung zum Lugu See ist nicht riesig aber der Weg dorthin eine Tagesreise von Lijiang mit ca. 7 Stunden,  mindestens 4 Reisetage sollte man schon einplanen.

Geheimnis und Zauber umgeben den Lugu See. Hier lebt das matriarchalische Volk der Mosuo, die keine Ehe kennen. Man nennt es auch 'Walking Marriages', wenn der Mann nachts ins Haus der Frau läuft und am morgen wieder zurück in das seiner Mutter. Die Mosuo Frauen können die Partner wechseln so oft sie wollen. Die Kinder gehören zur mütterlichen Familie, tragen ihren Namen und kennen teilweise ihren Vater nicht. Eine Familienstruktur, die in der Tat sehr stabil ist, denn alles bleibt in der Familie. Es gibt das Thema Scheidung nicht, keine Klärung über das Sorgerecht, und keinen Streit um die Aufteilung von Eigentum. Die Kultur der Walking Marriages.


Lijiang Shopping & Souvenirs

Am zweiten Tag sehen unsere touristisch verklärten Augen etwas klarer. Beobachtet man die traditionell gekleideten Frauen am Webstuhl vor den Schal-Shops oder die auf Silber hämmernden, jungen Männer vor Schmuckläden etwas länger, wird man feststellen, dass sie mit der Arbeit nie voran kommen, ihre Läden auch nur die Factory Ware verkaufen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Sehr günstig gibt es die roten Papier-Lampions für die Sommerparty zuhause.

Rose Flower Cake Lijiang
Rose Flower Cake
Yak-Joghurt in Lijiang
Lecker Yak-Joghurt in Lijiang

  • Yak-Joghurt. Was wir lieben, ist der leckere, leicht gesüßte Yak-Joghurt (Curd), der meist in Gläsern verkauft wird – den holen wir uns gleich zweimal am Tag.
  • Rosenkekse. Eine andere Spezialität, die zum Renner geworden ist: Die Rose Flower Cakes, in manchen Läden werden sie direkt, frisch gebacken und hübsch verpackt. Ein Mürbeteig mit einer süßen Füllung aus Rosenblättern. Schmecken interessant und zerfallen leicht.
  • Souvenir Pu-Erh-Tee. Als Souvenir bietet sich der hübsch in Fladenform gepresste Pu-Erh-Tee an, der sogar besser wird, sollte er daheim liegen bleiben. Die ‚tea cakes’ sind meist noch in schönem, chinesischen Seidenpapier verpackt. Durch die Pressung war der Tee früher auf der alten Tea Horse Road leichter zu transportieren, während er auf der Reise gleichzeitig reifte. Nur der Pu-Erh-Tee gewinnt durch Alterung an Qualität und Geschmack. 300 Teeläden gibt es in Lijiang, viele davon verkaufen den Touristen Fakes. Daher besser jemanden fragen, der sich auskennt. Ein guter, gereifter Pu-Erh-Tee hat seinen Preis. Zur Orientierung deutsche Preise: Unter 10€/100g taugt er nicht viel, bei 30€/100g hat man eine gute Qualität in Händen. Alles über den Pu-Erh-Tee (Herkunft, Herstellung, Sorten, Qualitäten).

Die Trommel-Shops von Lijiang, wer hat sie bloß erfunden?

 

In den aneinandergereihten Geschäften überall identische Waren: Schals, Jade, Silber, Tee, Schamanen-Schmuck und Dongba-Kitsch – und gefühlt jeder dritte Laden verkauft indianische Trommeln. Uns ein Rätsel, und eine Plage, die auch schon Dali erreicht hat. In jedem Laden, das gleiche Bild. Ein hübsches, gelangweiltes Mädchen schlägt lethargisch die Trommel zu immer dem gleichen Lied, den ganzen Tag, und wartet auf Kundschaft, die nie kommt.

 

 


Von Lijiang bieten sich zwei interessante Abstecher an, die auch als Tagestrip machbar sind.

  • Tigersprungschlucht ( 2h nördlich) z.B. auf dem Weg nach Shangri-La. Wir machen die Wanderung mit 1 Übernachtung.
  • Shaxi (2h südlich), die alte Karawanenstadt liegt in einem abgeschiedenen Tal, etwa auf halber Strecke Lijiang-Dali. Im idyllischen Shaxi bleiben wir gleich 3 Nächte, denn es gibt einiges zu unternehmen. Möglichst einen Freitag einplanen für den einzigartigen Markt.  Ein fabelhafter Ort auch nur zum Abhängen.

Tea Horse Caravan Road – Alles begann mit einer Tasse Tee

Foto: Teeträger in Sichuan Sheng, China 1908, Ernest H. Wilson RESTORED
Foto: Teeträger in Sichuan Sheng, China 1908, Ernest H. Wilson RESTORED
Tibet Buttertee
Der Kessel ist immer zur Hand, 5 bis 6 mal am Tag wird Buttertee getrunken

Ein Heißgetränk rettet das Chinesische Reich

Ein Mord mag verziehen werden, eine Unhöflichkeit beim Tee niemals.
Chinesisches Sprichwort

Eine Geschichte erzählt, dass vor rund 5000 Jahren dem chinesischen Kaiser Chên Nong ein Teeblatt in seine mit heißem Wasser gefüllte Trinkschale fiel, er das duftende, leicht gefärbte Wasser kostete, und von da an nur noch dieses belebende Getränk zu sich nehmen wollte.
Man vermutet, dass der Tee von Yunnan in China über die alte Tea Horse Caravan Road in die Welt gebracht wurde. Zu schweren Ziegeln gepresst, wurde er zusammen mit Ladungen von Salz nach Tibet transportiert. Nicht nur auf Maultieren, Männer wie Frauen schleppten als Teeträger bis zu 90kg schwere Teeziegeln auf ihren Schultern, mehr als ihr eigenes Gewicht. Der beschwerliche Weg führte 4.000 km über 2 der höchsten Plateaus der Welt, über 78 Berggipfel von über 3.000m, inklusive Überquerung der Flüsse Mekong, Salween und Jangtse.

 

Drei Tage ohne Tee machen den Tibeter krank.

 

Für die Tibeter im Hochland war Tee lebenswichtig zur Verdauung ihres fettreichen Essens und als Lieferant von Spurenelementen und Vitaminen. Tee ist nährend, wärmend und gesund. Vor dem Handel mit China hat man sich noch Tee aus Baumwurzeln gekocht. In der Zeit von 800 bis 1000 n. Chr. blühte der Tauschhandel auf der 4.000 km langen Packpferde-Route, und es entstand die sogenannte Tee-Pferde Börse. Der Tibeter züchtete widerstandsfähige Pferde und brauchte 6 mal am Tag seinen Buttertee. Chinas Militär verbrauchte Unmengen an Vierbeinern, um die barbarischen Reitervölker aus dem Norden fern zu halten. Die auf dem Pferderücken geborenen Mongolen, verfügten wohl über die größte Kavallerie, die die Welt je gesehen hat. Man war sich einig, ohne die militärische Bereitschaft der Pferde wird das Reich fallen. 25.000 Pferde wurden jährlich benötigt und gegen 1,3 Mio. Kilogramm Tee getauscht, etwa 60 kg Tee pro Tier.
Das Heißgetränk hat die tibetische Kultur maßgeblich beeinflusst. Tee wird verehrt, steht für Freundschaft, Reinheit und Glück – und ein Tag ohne ihn, ist kaum vorstellbar. Die täglichen Zeremonien und Meditationen der buddhistischen Mönche sind ohne ihr heiliges Getränk nicht denkbar. Um 1700, so wurde berichtet, reservierte der Dalai Lama für seinen Hof  jährlich 2.500 Kilo Tee. Geschichte der Tibetischen Teekultur.

Tibetan butter tea, meal
Liegt schwer im Magen: Tibetisches Mal aus Buttertee, Fleisch und Butter vom Yak, Gerste-Butter-Bällchen

Dali – Grüne Berge und Bai-Dörfer am See

Von Shaxi geht unsere Reise nach Dali (2 1/2h), genauer gesagt in das Dorf Xizhou ins wunderbare Hotel Linden Centre. 

 

Dali ist die südlichste, der historischen Städte an der alten Handelsroute nach Tibet. Dazu kommt ihre anziehende Lage auf 1.980m am 40km langen Er Hai See, zwischen Dörfern und Weilern und grünen Bergkämmen, die in 4.000m gipfeln. Traditionsgemäß werden die Toten in den Berghängen bestattet und ihre Gräber sind bereits aus der Ferne sichtbar.

Unser Fahrer (vom Hotel organisiert) hält vorher für den Montagsmarkt in Shaping im Norden des Sees. Für alle, die noch keinen ländlichen Markt gesehen haben, ist der Wochenmarkt sicherlich interessant. Alles, was aus dem Boden dieses fruchtbaren Tals wächst, breitet sich farbenfroh über dem Markt aus. Die Essensstände sind allerdings nichts für unsere Mägen, die Dampfschwaden wenig verlockend. Schwarze, fetttriefende Blutwürste und andere Schweinereien stehen hier auf dem Menü. Nach dem beeindruckenden Freitagsmarkt von Shaxi sind wir verwöhnt, und Shaping selbst ist weniger interessant, als die noch folgenden Dörfer am See – Zhoucheng und Xizhou.

Unser Dorf Xizhou mit seinen alten Bai-Häusern gefällt uns auf Anhieb. Hier bleiben wir die nächsten drei, etwas verregneten Tage. Sein authentisches und lebendiges Dorfleben wird von Fremden noch wenig aufgemischt. Die zieht es ins quirlige Dali 18km weiter südlich, das wir natürlich auch besuchen, einfach und günstig mit dem öffentlichen Bus. Viel bekommen wir auf dieser Fahrt nicht zu sehen, denn der Bus ist voll und das Stehen in China verboten. Von ganz hinten werden niedrige Plastikhocker durchgereicht und wir freundlich aufgefordert im Gang darauf Platz zu nehmen.

Die Altstadt von Dali

ist viel weitläufiger als die von Lijiang und weniger manikürt. Das einstige Backpacker Paradies für Banana-Pancakes haben inzwischen reisende Han-Chinesen entdeckt, die sehen wollen, wie chinesische Städte vor der Modernisierung aussahen. Dali bleibt aber relaxt. Es besitzt noch Flair, ein echtes Stadtleben mit Handwerker- und Haushaltsläden, mit allem zur Versorgung der Menschen, die hier ihrem Alltag nachgehen: In der Überzahl Angehörige der Bai neben den Yi, Naxi und moslemischen Hui. Das Herz Dalis innerhalb der alten Stadtmauern und -toren sprudelt über vor kleinen Cafes, Bars, Restaurants, Mode- und Souvenirläden – aber alles im laid-back Modus für einen entspannten Aufenthalt.

Sehenswürdigkeiten in und um Dali

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Die Katholische Kirche von Dali

aus dem Jahr 1927 haben französische Missionare gebaut. Eine einzigartige Mischung an Architektur – europäischer Kirchenbaustil mit einem geschwungenen, extravaganten Bai-Dach. Dazu innen im leuchtenden Blau ausgemalt. Vor der Revolution gab es in der Diozöse Dali noch einhundert Kirchen, heute gerade etwa 80.000 Katholiken.


Nördlich der Yu’ Er Lu Straße ins lokale Leben eintauchen

Ab hier verlaufen sich die Touristen. Auf dem Markt werden mit schwerem Fleischerbeil Karkassen zerhackt. Schmiedebetriebe verkaufen Pferdeglöckchen und Kochtöpfe. Nebenan werden Polstermöbel in Plastik verschweißt und Matratzen mit ihren Füllungen gestopft.


Die Marmorwerkstätten von Dali (südlich der Pagoden)

Der Dali-Marmor ist berühmt für seine Marmorierung, die außergewöhnliche Bildern und Landschaften abgibt. Vielen Werkstätten verkaufen den in dünne Platten geschnittenen Marmor als gerahmte Bilder. Eine alte Tradition mit manchem antiken Stück. Südlich der Drei Pagoden säumt Marmorabfall die ganze Strasse. Man kann einen Blick in die Hinterhöfe werfen, wie die riesigen Marmorblöcke zugeschnitten werden. Fürs Reisegepäck leider zu schwer, aber alles wird auch verschifft.

 

Die Pagoden, Wahrzeichen von Dali
Die Drei Padogen San Ta gehören zu den ältesten, originalen Bauwerken Südwest Chinas. Die älteste und größte Pagode mit 69m wurde um das Jahr 850 aus Ziegelsteinen erbaut, alle drei Pagoden schmückt eine kupferne Spitze. TIPP, um den hohen Eintrittspreis (zuletzt 121 Yuan) zu sparen: Da man die Türme nur von außen besichtigen kann und man den allerbesten Blick auf sie nur bei einem Abstand hat, betrachtet man sie ganz kostenlos vor dem Eingangstor. Am schönsten morgens, wenn die Pagoden von der Sonne angestrahlt werden und die Umgebung noch im Schatten liegt. 1,5km nördlich der Altstadt. Bewertungen Tripadvisor.

 

Er Hai See Rundfahrten (für Touristen)

starten ab dem CaiCun Dock, Dauer 3 Stunden. Leider gibt es keinen öffentlichen Bootsverkehr. Von Zhoucheng kann man mit Charterbooten nach Shuanglang übersetzen.


TIPP: Motorroller oder Fahrrad nehmen zur Erkundung der Umgebung

In Dali in der Remnin Street gibt es jede Menge Verleiher von Vespas mit Designs jeder Couleur. Etwas Fahrübung sollte man haben, um nicht im Graben eines Reisfelds zu landen, wie das chinesische Pärchen, dem wir auf unserer Radtour begegnen – mit leichten Schrammen aber wohlauf. Sportlichere nehmen ein Fahrrad.


Besuch der Dörfer und Märkte am Er Hai See

– Mit dem Fahrrad oder der Vespa dem Greenway entlang, der parallel zur Hauptstrasse  durch Felder und Dörfer oft am See vorbei führt. Vom CaiCun Dock am See bei Dali bis Shaping ca. 40km, bis ins schöne Xizhou 20km.
– Oder man nimmt den billigen, öffentlichen Bus (kassiert wird im Bus), der an jedem Dorf hält.
– Für geführte Touren zu den Dörfern und Märkten findet man diverse Anbieter in Dali, empfohlen wird Dali Michael Travel, Bo’Ai Strasse 68. 

 

Dali Dörfer Markttage

Xizhou täglich vormittags, Zhoucheng täglich nachmittags, Shaping montags. Am schlechter erreichbaren Ostufer: In Shuanglang Dienstag, in Wase jedes Datum mit einer 0 oder 5. Vorher aktuell im Hotel erfragen oder hier reinschauen.


Cang Shan Mountains

Das hinter Dali aufsteigende 'Grüne Gebirge' Cang Shan ist eine 50km lange Bergkette mit Gipfeln von 2.100m bis 4.122m, mit schönen Wanderrouten zwischen verschiedenen Tempeln, Seilbahnen sind vorhanden. Oft sind die Berge wolkenverhangen und das Wetter wechselhaft. Dali Wander-Empfehlungen, Trail Karte. Während der verregneten Tage kamen wir nicht in den Genuss. Bewertung Cang Shan Mountains.

 

Fotogalerie Shaping Montagsmarkt

 

Dali Informationen

  • Dali Sehenswürdigkeiten, Feste, Aktivitäten, Hotels + Restaurants auf Wikitravel.
  • Anreise Dali: Von Lijiang in 1 ½ Stunden über den Expressway. Oder über die schöne Zugstrecke Lijiang-Dali. Der Flughafen Dali liegt 15km außerhalb Dalis Neustadt namens Xiaguan (下关, Dali New City). Eine moderne Stadt mit schönem Seeufer und weitem Ausblick. Ein näherer Blick auf die Stadt ohne Touristen ist es vielleicht wert.
  • Dali Wetter: Mai bis Oktober Regenzeit, aber relativ mildes Klima, ab November kalt und auch mal mit Schnee.

Glückliches Land – Dali Dorf Xizhou und das Hotel Linden Centre

Xizhou village Hotel Linden Centre, Dali China
Im schönen Dorf Xizhou auf der Terrasse des Hotel Linden Centre, Dali Valley

Eintauchen in ein noch ursprüngliches, authentisches China

Xizhou, 18km nördlich von Dali, ist nicht nur das schönste sondern auch bedeutendste Bai-Dorf beim See. Die durchreisenden Karawanen der alten Handelsroute versorgten sich hier und brachten dem Ort Wohlstand. Xizhou war Anfang des 20. Jahrhunderts voller Tempel und opulenter Herrenhäuser reicher Händlerfamilien. Ein herausragendes Beispiel ist das wunderbar restaurierte Linden Centre, das als Hotel und Kulturzentrum fungiert. Überall im Ort ist noch eine wunderschöne Bai-Architektur zu bewundern, wenn auch nicht mehr im allerbesten Zustand. Die Kamera wird man aber sicher einen ganzen Vormittag nicht aus der Hand legen wollen. Im Umkreis zählt man mehr als 100 Häuser der einstigen Bai-Clans, die mit Seide, Zinn, Moschus und anderen Gütern handelten. Das Yan House Museum gibt einen guten Einblick in das frühere Leben einer wohlhabenden Bai-Familie. Hotel The Linden Centre – zum ausführlichen Artikel.

 

Square in in Xizhou
Immer was los auf dem Dorfplatz von Xizhou

 

Xizhou das 'glückliche Land' lebt von der Landwirtschaft. Unterhalb der grünen Berge breitet sich um den Ort ein Patchwork an Feldern aus. Zur Zeit ist Koblauch-Ernte und sein Duft liegt in der Luft.
Um den Dorfplatz (Sifang Jie) reihen sich ein paar Garküchen-Restaurants, Pferdekutschen für die Ausflügler aus Dali und vor allem die Baba-Stände, Xizhous berühmter Imbiss, dem kein Besucher widerstehen wird. Baba ist ein dicker Weizenfladen der über Holzkohle gebacken wird, entweder süß mit roter Bohnenpaste gefüllt, oder pikant mit Schweinehack und Frühlingszwiebeln. Lecker aber recht fettig. Vom Platz führen Gassen in alle Richtungen und am besten lässt man sich treiben.

Shopping in Xizhou

In der schmalen Geschäftsgasse reiht sich ein Lädchen an das andere, mit allem was der Bewohner braucht. Ein Stück weiter der tägliche Morning Market und ein Supermarkt, in dem man Interessantes entdecken kann. Hier kaufe ich super günstig eine China Schullandkarte und Kaligraphie-Papier.
In den kleinen vollgestopften Antikgeschäften werden Liebhaber nicht so schnell wieder rauskommen. Kleine, hübsche Gegenstände von religiöser oder kommunistischer Art – auf jeden Fall etwas Originelles zur Erinnerung für Zuhause.
Hier und in Zhoucheng wird die natürliche Indigofarbe hergestellt und viele Familien verkaufen die nach altem Batik-Verfahren hergestellten, schönen blau-weißen Tücher mit traditionellen Motiven.


Sehr informativ ist die Xizhou Village & Morning Market Walking Tour des Linden Centre, das seinen Gästen jeden Morgen kostenlos angeboten wird: Rund 3 Stunden geht es durch den sehenswerten Ort, über den Morgenmarkt, in die Reisnudelfabrik und in ein altes Hofhaus zu einer Familie, die Indigo-Batik herstellt und den berühmten knusprigen Dali Käsesnack Rushan. Mozzarella ähnlich wird der elastische Käse gezogen und um Bambusstöckchen zum trocknen gewickelt.
(Auch Nichtgäste können sich das historische Linden Centre gerne anschauen).

Fotogalerie zu Xizhou

Xizhou village
Brücke und Teich von Xizhou
school children village Xizhou
Nicht schüchtern, die Schulkinder von Xizhou

Radtour am Er Hai See – von Xizhou zum Dorf Zhoucheng

Im Hotel suchen wir uns zwei passende Mountainbikes aus und radeln aus dem Ort zur neuen Lake Ring Road, die kaum befahren ist. Ziemlich fortschrittlich die Straßenlaternen, mit Solar und kleinem Windrad betrieben. An der Seezunge chinesische Ausflugsbusse. Alle zieht es an den See, vom Bus in die Boote zum Kormoranfischen (120Y).  In orangenen Schwimmwesten in etliche Boote verpackt, schauen sie ein paar Fischern und tauchenden Vögeln zu und scheinen ihren Gruppenspaß zu haben. Von der Ringstrasse kommen immer wieder mal Abstecher zu kleinen Weilern am See und zwischendurch führt sie uns direkt am Ufer entlang.


Aufgepasst! Auf etwa halber Strecke hören wir Gebetsgesang, der von einem kleinen Tempel an der Strasse kommt. Ihn scheinen nur alte Frauen zu betreten und von einer werden wir hereingewunken. Weihrauch liegt in der Luft und das lebhafte Geschnatter der alten Frauen, die schon bald ein neues Gebetslied anstimmen. Die anderen Alten kochen etwas oder zählen Tempelgeld. Uns werden Tee und Bonbons angeboten und auch gegen das Fotografieren haben sie nichts einzuwenden. Eine zauberhafte, gelöste Stimmung. Eine kleine Spende sollte jeder da lassen.


In Zhoucheng wieder ein großer Bus-Parkplatz direkt an der Silberschmuck-Fabrik, deren Besuch zum obligatorischen Programm der Chinesen gehört. Die Fabrik macht Mittagspause. Lauter hübsche, junge Frauen in pinkfarbenen Bai-Kostümen schwärmen aus und breiten sich wie die Bienen in den Garküchen aus. Ausflugsboote fahren zum gegenüberliegenden Ort  Shuanglang, der, wie unser Hotel erzählt, gerade boutique-style umgebaut wird. Zhoucheng ist bei chinesischen Touristen beliebt, die alle das Wasser und insbesondere Seen lieben. So entstehen hier auch neue moderne Hotels und Restaurants. Unser Tegernsee müsste sie wohl umhauen.


Infos zur Fahrradtour: Eine Wegstrecke 10km, ca. 30-45 Minuten, mit diversen Stopps insgesamt mit zwei Stunden rechnen ohne Mittagspause. Ein netter Ausflug mit etwas Bewegung, wobei am Ufer und Straßenrand sich öfters Müll angesammelt hat. Der Tempel mit den alten Frauen hat es rausgerissen. Jetzt freuen wir uns wieder auf unsere Terrasse im gemütlichen Xizhou.

 

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AUSFLUG NACH SHAXI. Den Ort & Freitagsmarkt nicht verpassen.

Text: Edel Seebauer / Fotos: Jürgen Mahler

 

 

SHAXI. Diesen Ort & seinen Freitagsmarkt nicht verpassen

HOTEL THE LINDEN CENTRE

Wohnen wie im alten China / Dali

ZUR TIGERSPRUNGSCHLUCHT

Wanden am wildesten Jangtse


 

 

Wenn Euch der Bericht gefallen hat, freue ich mich über einen Eintrag in mein Gästebuch.